Kategorie: Vorträge

Konferenz bei Heidelberg zu Pflegerobotern

“Pflegeroboter, so die Idee für die Zukunft, unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte bzw. Betreuerinnen und Betreuer. Sie bringen und reichen Kranken und Alten benötigte Nahrungsmittel oder Medikamente, helfen ihnen beim Hinlegen und Aufrichten oder alarmieren den Notdienst. Beispiele für Prototypen mit solchen Fähigkeiten sind die Roboter Jaco, Cody, Robear, Twendy-One und Hobbit. Bei der Entwicklung maschineller Pflegesysteme sind derzeit vor allem Deutschland und Japan führend. Zu diesem aktuellen Thema fand der Ladenburger Diskurs ‘Pflegeroboter’ statt, den der Informations- und Maschinenethiker Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz leitete.” So beginnt der Beitrag auf den Seiten 26 und 27 im Jahresbericht 2017 der Daimler und Benz Stiftung, der im Frühjahr 2018 erschienen ist. Die Konferenz wurde vom 12. bis 13. September 2017 im Carl-Benz-Haus in Ladenburg bei Heidelberg durchgeführt. Bereits am 11. September traf man sich zum Abendessen. Der Jahresbericht kann über www.daimler-benz-stiftung.de/cms/images/dbs-bilder/publikationen/Jahresbericht-2017.pdf heruntergeladen werden. Der Herausgeberband erscheint im Spätsommer 2018 bei Springer (Open Access).

Abb.: Vor dem Carl-Benz-Haus (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Dorn)

Der Blick der Schweiz auf die Maschinenethik

In seiner Keynote auf der “Minds Mastering Machines” in Köln am 25. April 2018 hat Oliver Bendel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine Reise mitgenommen, u.a. nach Prag, Krakau, Stanford, Fort Lauderdale und Wien. Auf Konferenzen, die dort stattfanden, präsentierte er in den letzten Jahren Konzepte und Artefakte der Maschinenethik. In Prag waren es das Roboterauto-Problem und die dazugehörige quantifizierende und qualifizierende Formel, die 2012 entwickelt wurden, in Stanford ab 2016 ein tierfreundliches Auto, ein tierfreundlicher Staubsaugerroboter und gute und böse Chatbots. In Krakau diskutierte er mit Ron Arkin vom Georgia Tech auf dem Podium, ob man betrügerische Roboter bauen darf. Eine Teilnehmerin der Konferenz, Shirin Glander, protokollierte in Köln mit und twitterte das Ergebnis über @ShirinGlander … Sie hat in ihrer Zeichnung sozusagen den Blick der Schweiz auf die Maschinenethik eingefangen. “Die Minds Mastering Machines wendet sich mit ihrem technischen Fokus an Softwareentwickler und -architekten, Data Scientists, Projekt- und Teamleiter sowie Forscher.” (Website MMM)

Abb.: Die Zeichnung von Shirin Glander

Netzkommunikation in Krisensituationen

Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt in der Reihe denkraum_medien wieder zu einer Diskussionsrunde ein, dieses Mal unter dem Titel “Ausfall im Störfall? Netzkommunikation in Krisensituationen”. Den Impulsvortrag hält die Autorin und IT-Compliance-Managerin Dr. Aleksandra Sowa. Aus der Medienmitteilung: “Das Internet ist global zum primären und alternativlosen Kommunikationsnetz geworden. Aber das Medium erweist sich als störanfällig und öffnet Tür und Tor für verschiedene Formen des Missbrauchs. Ob eine an alle Bewohner Hawaiis abgeschickte SMS, die vor einem Raketenangriff warnt, oder eine automatische Ansage in der Berliner U-Bahn, die dazu auffordert, geschlossene Räume nicht zu verlassen: Für die Menschen ist kaum zu unterscheiden, ob eine echte Gefahr droht oder ob es sich um einen Fehlalarm oder eine Notfallübung handelt. Sind Hacker in die Frühwarnsysteme eingedrungen und testen ihr Können? Sind ausländische Cyberkrieger im Netz unterwegs, um für Massenpanik zu sorgen? Was kann, muss oder darf der Staat tun, um seine Bürger angesichts einer – wahren oder fiktiven – Krise verlässlich zu informieren, aufzuklären und zu schützen? Wieweit steht die Privatwirtschaft, in deren Händen sich fast vollständig die kritischen Infrastrukturen befinden, in der Verantwortung?” Weitere Informationen über www.fes.de.

Abb.: Auch auf Kauai herrschte Entsetzen

Videos zur Handelsblatt-Jahrestagung

Am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung “Strategisches IT-Management” (15. bis 17. Januar 2018 in München) wurden Interviews mit den Vortragenden geführt und aufgezeichnet. Am zweiten Tag hatte zuerst Prof. Dr.-Ing. habil. Alois C. Knoll (Lehrstuhlinhaber für Echtzeitsysteme und Robotik, Technische Universität München) zum Human-Brain-Projekt der EU referiert, danach Dr. Martin Hofmann, Group CIO, Volkswagen AG über “Augmented Intelligence: AI in enterprise context”. Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik, Hochschule für Wirtschaft FHNW) war auf “Die Ethik als Partnerin von Robotik und KI” eingegangen. Im Video erläutert er, was Maschinenethik ist. Auf dem Panel hatten er, Prof. Dr.-Ing. habil. Alois C. Knoll, Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Leiter der Forschungsstelle RobotRecht, Julius-Maximilians-Universität Würzburg) und Dr. Ole Wintermann (Senior-Projektleiter, Co-Founder, Blogger, Bertelsmann Stiftung) zum Thema “Sind intelligente Maschinen und Roboter die besseren Menschen?” diskutiert. Auch dazu steht ein Video zur Verfügung. Alle Videos finden sich über veranstaltungen.handelsblatt.com/it-jahrestagung/videos-2018/.

Abb.: Oliver Bendel bei seinem Vortrag (Foto: Handelsblatt)

AI and Society IV

Nach dem Mittagessen spannte Oliver Bendel beim Symposium “AI and Society” den Bogen “From GOODBOT to BESTBOT”. Sein BESTBOT-Projekt, das GOODBOT und LIEBOT zusammenführt, startete eine Woche vorher an der School of Business FHNW (der mit der Implementierung beauftragte Student ist David Studer). Der BESTBOT, ein Artefakt der Maschinenethik, soll Probleme des Benutzers auch über Gesichtserkennung identifizieren, was wiederum Probleme für den Benutzer schafft, die ebenfalls diskutiert werden sollen, und zwar aus Sicht der Informationsethik. “Toward Beneficial Human-Level AI … and Beyond” thematisierte maschinelles Bewusstsein und “superintelligence” und das TalaMind-Projekt. Philip Jackson betonte, dieses “will help to achieve beneficial human-level AI and superintelligence” schneller und besser als andere Methoden. Andrew Williams sprach über “The Potential Social Impact of the Artificial Intelligence Divide”. Er fragte nach den Vorurteilen und Verzerrungen, die über KI verstärkt werden. Bei der abschließenden Diskussionsrunde war ein Thema der Zusammenhang zwischen natürlicher Sprache und menschlicher und maschineller Moral, ein anderes die Entwicklung des Arbeitsmarkts angesichts der Übernahme von Arbeit durch KI-Systeme und Roboter.

Abb.: Palmen an der Stanford University

AI and Society III

Das “AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society: Ethics, Safety and Trustworthiness in Intelligent Agents” an der Stanford University ging am 27. März 2018 um 9.15 Uhr in die zweite Runde (oder in die dritte, wenn man die Halbtage zählt). Den Invited Talk hielt Emma Brunskill, Stanford University, zum Thema “Beyond Expected Reward: Considerations for Reinforcement Learning in High Stakes Domains”. Sie stellte die Frage, wie ein Agent aus Erfahrung lernen kann, gute Entscheidungen zu treffen, wenn die Erfahrung kostspielig oder risikobehaftet ist. Die Session “Applications and Interactive Agents” startete mit “Interactive Agent that Understands the User”. Piotr Gmytrasiewicz präsentierte ein assistierendes KI-System namens MARTHA. Emanuelle Burton stieß in “The Heart of the Matter” vor und fragte nach der “Patient Autonomy as a Model for the Wellbeing of Technology Users” (so der Untertitel). Sie stellte eine Case Study mit dem Titel “Joe the heart patient” vor. In “The Uncanny Return of Physiognomy” kritisierte Oliver Bendel neuere Verfahren der Gesichtserkennung, mit denen z.B. sexuelle Orientierungen und kriminelle Tendenzen festgestellt werden sollen, und ordnete sie Physiognomik, der Pseudowissenschaft von Lavater und Co. sowie Biometrik in ihrer unseriösen Form (in der Tradition von Peter Camper) zu.

Abb.: Auch am zweiten Tag war bestes Wetter in Stanford

AI and Society II

Nach dem Lunch ging es beim Symposium “AI and Society” am 26. März 2017 um 14.00 Uhr weiter mit der Session “Ethics and Moral Agents”. Umang Bhatt trug vor zum Thema “Maintaining The Humanity of Our Models”. Er ging auf eine Krankheitsdiagnose durch ein KI-System und später auf Obdachlose in L.A. ein und setzte dies in Beziehung zur Bias-Problematik. In “Ethics as Aesthetic for Artificial General Intelligence” stellte Dan Ventura die Frage: “How can we ensure an AI agent behaves ethically?” Er schlug den Schönheitssinn als Bestandteil der Metaethik vor. Rafal Rzepka betonte in “Importance of Contextual Knowledge in Artificial Moral Agents Development”, dass Fühlen, Beobachten und Zählen wichtig für moralisches Verhalten seien, wobei das Fühlen nicht die Domäne von Computern sei. Er setzt auf Geschichten als Grundlage für die Entscheidungen der Systeme. Abschließend fand die Discussion Session statt, moderiert von Venerable Tenzin Priyadashi und Judy Wajcman.

Abb.: Unter den Blüten an der Stanford University

AI and Society I

Das Symposium “AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society: Ethics, Safety and Trustworthiness in Intelligent Agents” an der Stanford University begann am 26. März 2018 um 9 Uhr. Den Invited Talk hielt Vince Conitzer, Duke University, über “Moral Artificial Intelligence, Kidney Exchanges, and Societal Tradeoffs”. Er diskutierte ausführlich das Parking Game. Sodann stellte er die Moral Machine des MIT vor und ging auf einen “kidney exchange algorithm” und “underdemanded pairs” ein. Von 11.00 bis 12.30 Uhr fand die Session “Moral Decision Making” statt. In “Towards Provably Moral AI Agents in Bottom-up Learning Frameworks” forderten Nolan P. Shaw und Ryan W. Orr “robustness”, “simplicity”, “consistence” und “universality” von ihren moralischen Maschinen; diese sollen über neuronale Netzwerke von moralischen Agenten aller Art lernen. In “A Military AI System with Ethical Rules” brachte Yetian Wang Knowledge Representation und Machine Learning zusammen. Der letzte Vortrag vor dem Mittagessen – das man in den Cafés der Umgebung bei Bilderbuchwetter einnahm – war “Preferences and Ethical Principles in Decision Making”. Das Thema von Kristen Brent Venable waren CP-Nets.

Abb.: Das Wahrzeichen der Stanford University

Programme of AAAI Spring Symposium

The tentative schedule of AAAI 2018 Spring Symposium on AI and Society at Stanford University (26 – 28 March 2018) has been published. On Tuesday Emma Brunskill from Stanford University, Philip C. Jackson (“Toward Beneficial Human-Level AI … and Beyond”) and Andrew Williams (“The Potential Social Impact of the Artificial Intelligence Divide”) will give a lecture. Oliver Bendel will have two talks, one on “The Uncanny Return of Physiognomy” and one on “From GOODBOT to BESTBOT”. From the description on the website: “Artificial Intelligence has become a major player in today’s society and that has inevitably generated a proliferation of thoughts and sentiments on several of the  related issues. Many, for example, have felt the need to voice, in different ways and through different channels, their concerns on: possible undesirable outcomes caused by artificial agents, the morality of their use in specific sectors, such as the military, and the impact they will have on the labor market. The goal of this symposium is to gather a diverse group of researchers from many disciplines and to ignite a scientific discussion on this topic.” (AAAI website)

Fig.: On the campus of Stanford University

Roboter im Blut

Am 2. und 3. März 2018 findet die “3. KMG Jahrestagung” im Ellington Hotel Berlin statt. Am zweiten Tag stehen “Roboter in Medizin und Pflege” auf dem Programm. Den Auftakt macht Prof. Dr. Dr. h.c. Viola Vogel (Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich) mit ihrem Vortrag über bakterielle Nanoroboter. Dann geht Dr. Sibylle Meyer (Leiterin des SIBIS-Instituts für Sozialforschung und Projektberatung) auf die Frage “Autonome Roboter für Pflege und Gesundheit: Segen oder Fluch?” ein. Den Abschluss bildet Prof. Dr. Oliver Bendel (Dozent und Forscher am Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz) mit “Pflegeroboter und Assistenzsysteme in der Pflege – aus Sicht der Ethik”. Die KMG-Kliniken gehören nach eigenen Angaben zu den erfolgreichsten Gesundheitskonzernen im Nordosten Deutschlands. “Das 1991 gegründete Unternehmen baute auf der 100-jährigen Tradition des Kur- und Klinikbetriebes von Bad Wilsnack im Land Brandenburg auf und entwickelte sich seitdem dynamisch zu einem vielseitigen Dienstleister rund um die Gesundheit.” (Website KMG)

Abb.: Bakterien kann man als Roboter gebrauchen

Der Geminoid im Uncanny Valley

Hiroshi Ishiguro war einer der Keynote-Sprecher auf der “Robophilosophy“-Konferenz in Wien vom 14. bis 17. Februar 2018. Der Japaner baut, wie einige Ingenieure, humanoide Roboter. Allerdings sind diese keine Karikaturen wie Pepper. Sie sind möglichst detailgetreue Kopien von realen oder fiktionalen Menschen. Ein Beispiel ist der Geminoid, der künstliche Doppelgänger des Robotikers. In letzter Zeit konzentriert sich Ishiguro auf weibliche Roboter. Eine Frau aus dem Publikum fragte ihn, warum dies so sei. Seine Antwort war, dass weibliche Roboter alle Menschen ansprechen würden. Männliche Roboter dagegen würden viele Menschen erschrecken, vor allem Kinder. Auch sein Geminoid. Eine andere Frage war, warum er überhaupt Kopien herstellen würde und nicht Fabelwesen, warum er also nicht etwas völlig Neues hervorbringen würde, anstatt Altes zu vervielfältigen. Seine Antwort war, daran würde er denken, aber er habe zuerst das eine machen wollen, bevor er sich an dem anderen versuchen würde. Eine weitere Frage war die nach dem Uncanny-Valley-Effekt. Die erstaunliche Antwort war, dass seine Roboter nicht mehr im unheimlichen Tal anzusiedeln seien. Dabei ist etwa der Geminoid geradezu ein Paradebeispiel für diesen Effekt. Das Publikum war sichtlich fasziniert und irritiert. Hiroshi Ishiguro ist ein wichtiger Visionär der Robotik.

Abb.: Hiroshi Ishiguro in Wien

Levy and Cheok Go to Montana

The Call for Papers for the 4th INTERNATIONAL CONGRESS ON LOVE AND SEX WITH ROBOTS has been published. The website contains the following information: “Within the fields of Human-Computer Interaction and Human-Robot Interaction, the past few years have witnessed a strong upsurge of interest in the more personal aspects of human relationships with these artificial partners. This upsurge has not only been apparent amongst the general public, as evidenced by an increase in coverage in the print media, TV documentaries and feature films, but also within the academic community. The International Congress on Love and Sex with Robots provides an excellent opportunity for academics and industry professionals to present and discuss their innovative work and ideas in an academic symposium. The 4th congress will be held at the University of Montana, Missoula, Montana in the United States on 6-7 December 2018.” (Website LSR 2018) In 2016 and 2017, the organizers David Levy and Adrian D. Cheok and the scientists met in London to discuss this topic. Further information is available at loveandsexwithrobots.org.

Hiroshi Ishiguro in Wien

Bei der internationalen Konferenz “Robophilosophy”, die seit 14. Februar 2018 an der Universität Wien stattfindet, treffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Die Kameras waren in den ersten zwei Tagen vor allem auf den Keynote-Speaker Hiroshi Ishiguro (Intelligent Robotics Laboratory, Osaka University, Japan) gerichtet, den im Moment vielleicht berühmtesten Robotiker. Bei der Konferenz verblüffte er das Publikum mit der kühnen Behauptung, seine humanoiden Roboter (sein Doppelgänger eingeschlossen) befänden sich nicht mehr im Uncanny Valley. Weitere Keynote-Speaker waren Guy Standing (Basic Income Earth Network and School of Oriental and African Studies, University of London, UK) und Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz). Oliver Bendel brachte eine Roboterquote für öffentliche Räume ins Spiel. Am 17. Februar, am letzten Konferenztag, referiert Joanna Bryson (Department of Computer Science, University of Bath, UK). Auch bei den Vorträgen und Workshops finden sich bekannte Namen, etwa Charles M. Ess (UiO Department of Media and Communication, Oslo) und Catrin Misselhorn (Institut für Philosophie, Universität Stuttgart). Veranstalter sind Mark Coeckelbergh und Janina Loh (Institut für Philosophie, Universität Wien).

Abb.: Hiroshi Ishiguro in Wien

Roboter als Spione

Inge Wünnenberg von Heise Online war Ende Januar 2018 im Gespräch mit Oliver Bendel. Das Interview wurde am 21. Januar 2018 unter dem Titel “Missing Link: Von Maschinenethik und vom Datenschatz der Therapie- und Pflegeroboter” veröffentlicht und kann über www.heise.de aufgerufen werden. Unter anderem ging es darum, wie uns Geräte und Roboter ausspionieren können, etwa Therapie- und Pflegeroboter. Dazu meinte Oliver Bendel u.a.: “Über Stimme, Sprechweise und Inhalte kann man unendlich viel über eine Person herausfinden. Die Maschine kann erkennen, wer ich bin, wie es mir geht und welche Wünsche und Pläne ich habe. Kombiniert man das mit Gesichts- und speziell Mimikerkennung, ergeben sich daraus noch mehr Möglichkeiten. Bei Personen von öffentlichem Interesse wie Schauspielern, Politikern oder auch bedeutenden CEOs wäre es schon ein Thema, wenn Daten aus einer Pflegeeinrichtung abgezogen werden könnten. Wie interessiert wären die Medien zum Beispiel an den Daten eines Pflegeroboters, der sich um Michael Schumacher kümmert?” (Heise Online, 21. Januar 2018)

Abb.: Schon lange wird Technik eingesetzt, um Menschen auszuspionieren

Ethik im digitalen Umbruch

In Berlin lädt am 18. Januar 2018 die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit dem iRights.Lab zur Veranstaltung “Ethik im digitalen Umbruch” ein. “Wir diskutieren mit hochrangigen Expertinnen und Experten, wie ethische Überlegungen angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung eine positive Wirkung entfalten können. Wie erlangen ethische Überlegungen Wirkungskraft in gesellschaftlichen und politischen Gestaltungsprozessen? Wie kann Ethik bei der Bewältigung der Herausforderungen helfen, die mit der Digitalisierung einhergehen? Brauchen wir einen festen Platz für Ethik in der Entwicklung neuer digitaler Bereiche, vom Produktdesign über Forschung bis hin zur Gestaltung von Diensten sowie politischer Regulierung? Brauchen wir strukturell eine interdisziplinäre Zusammenarbeit?” (Website iRights.Lab) Vorträge halten Lena-Sophie Müller (Initiative D21), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) und Professor Dr. Tobias Keber (Hochschule der Medien Stuttgart). Weitere Informationen über irights-lab.de/veranstaltung-ethik-im-digitalen-umbruch-am-18-januar-2018/.

Abb.: Das Konzerthaus in Berlin

Machine Ethics in Florida

A special session “Formalising Robot Ethics” takes place within the ISAIM conference in Fort Lauderdale (3 to 5 January 2018). The program is now available and can be viewed on http://isaim2018.cs.virginia.edu/program.html. “Practical Challenges in Explicit Ethical Machine Reasoning” is a talk by Louise Dennis and Michael Fischer, “Contextual Deontic Cognitive Event Calculi for Ethically Correct Robots” a contribution of Selmer Bringsjord, Naveen Sundar G., Bertram Malle and Matthias Scheutz. Oliver Bendel will present “Selected Prototypes of Moral Machines”. A few words from the summary: “The GOODBOT is a chatbot that responds morally adequate to problems of the users. It’s based on the Verbot engine. The LIEBOT can lie systematically, using seven different strategies. It was written in Java, whereby AIML was used. LADYBIRD is an animal-friendly robot vacuum cleaner that spares ladybirds and other insects. In this case, an annotated decision tree was translated into Java. The BESTBOT should be even better than the GOODBOT.”

Fig.: Machine Ethics in Fort Lauderdale

LSR wegen Terrorgefahr im Untergrund

Der “Third International Congress on Love and Sex with Robots” fand am 19. und 20. Dezember 2017 im Norden von London statt, in einer großen, kalten Halle mit einer mäßigen technischen Infrastruktur. Die University of London hatte sich der Veranstaltung offiziell schon im Vorjahr verweigert. Wegen einer mutigen Wissenschaftlerin hatte man dann doch am Goldsmiths tagen können, an der berühmten Kunsthochschule, die zur University of London gehört. Dieses Mal war auch das nicht möglich. Angeblich hatte man Angst vor islamistischem Terror. Tatsächlich hatte die Polizei eine Warnung herausgegeben. Es fand sich durch das persönliche Engagement der Veranstalter die erwähnte Halle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten leuchtend rote Armbänder tragen, um jederzeit vom Sicherheitsdienst erkannt zu werden. Dass eine internationale Konferenz wegen Terrorgefahr (oder Angst vor Sex) sozusagen in den Untergrund muss, war Zeitungen und Sendern kaum eine Meldung und Hochschulen keine Solidaritätsbekundung wert. Am ersten Tag hielt Dr. Kathleen Richardson einen Vortrag, am zweiten Dr. David Levy. Das ganze Programm kann hier eingesehen werden.

Abb.: Die LSR in London musste im Untergrund stattfinden

The Uncanny Return of Physiognomy

Face recognition is the automated recognition of a face or the automated identification, measuring and description of features of a face. In the 21st century, it is increasingly attempted to connect to the pseudoscience of physiognomy, which has its origins in ancient times. From the appearance of persons, a conclusion is drawn to their inner self, and attempts are made to identify character traits, personality traits and temperament, or political and sexual orientation. Biometrics plays a role in this concept. It was founded in the eighteenth century, when physiognomy under the lead of Johann Caspar Lavater had its dubious climax. In the paper “The Uncanny Return of Physiognomy”, the basic principles of this topic are elaborated; selected projects from research and practice are presented and, from an ethical perspective, the possibilities of face recognition are subjected to fundamental critique in this context, including the above examples. Oliver Bendel will present his paper in March 2018 at Stanford University (“AI and Society: Ethics, Safety and Trustworthiness in Intelligent Agents”, AAAI 2018 Spring Symposium Series).

Fig.: The uncanny return of physiognomy

Integration in Berlin

Die Deutschlandstiftung Integration war am 4. und 5. Dezember 2017 in Berlin der “Gastgeber für Menschen, die sich zur Offenheit und Vielfalt bekennen, die Integration fördern und für die Zuwanderung eine echte Bereicherung ist” (Website Deutschlandstiftung Integration). Bundespräsident a.D. Christian Wulff betonte am Abend des ersten Tages die Bedeutung des Themas für die ganze Gesellschaft: “Die Erkenntnis der letzten Jahrzehnte ist, dass Integration sich zu einer Aufgabe entwickelt, die alle betrifft. Weder ist sie eine ausschließliche Bringschuld derer, die heute zu uns kommen, noch eine alleinige Holschuld der aufnehmenden Gesellschaft. Es ist ein gemeinsamer Prozess, der beide Seiten fordert und beiden Seiten Einiges abverlangt.” (Website Deutschlandstiftung Integration) Für den nächsten Tag hatte er Expertinnen und Experten zur Podiumsdiskussion “Digitalisierung und Gesundheit” eingeladen, unter ihnen Prof. Dr. Peter Dabrock, Vorsitzender des deutschen Ethikrats, Prof. Dr. Martin Schell, Institutsleiter Heinrich-Hertz-Institut, Prof. Dr. Stefan Selke, Soziologe und Autor, und Prof. Dr. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informations- und Maschinenethiker. Schirmherrin der Stiftung, die sich als gemeinnützige Organisation für junge Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt, ist Dr. Angela Merkel. Weitere Informationen über www.deutschlandstiftung.net.

Abb.: Die Podiumsdiskussion (Foto: Deutschlandstiftung Integration)

Machine Ethics at ISAIM

Prof. Dr. Oliver Bendel was invited to give a lecture at the ISAIM special session “Formalising Robot Ethics”. “The International Symposium on Artificial Intelligence and Mathematics is a biennial meeting that fosters interactions between mathematics, theoretical computer science, and artificial intelligence.” (Website ISAIM) Oliver Bendel will present selected prototypes of moral and immoral machines and will discuss a project planned for 2018. The GOODBOT is a chatbot that responds morally adequate to problems of the users. It’s based on the Verbot engine. The LIEBOT can lie systematically, using seven different strategies. It was written in Java, whereby AIML was used. LADYBIRD is an animal-friendly robot vacuum cleaner that spares ladybirds and other insects. In this case, an annotated decision tree was translated into Java. The BESTBOT should be even better than the GOODBOT. Technically everything is still open. The ISAIM conference will take place from 3 to 5 January 2018 in Fort Lauderdale, Florida. Further information is available at isaim2018.cs.virginia.edu/.

Abb.: Die Hand von Nao