Kategorie: Einrichtungen

Eröffnung des Weizenbaum-Instituts

Nach zwei Jurysitzungen in 2016 und 2017 und einem Beschluss von Prof. Dr. Johanna Wanka, die dem Vorschlag der Jury folgte, fiel nun der “offizielle Startschuss für das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft am Standort Berlin im Konzertsaal der Universität der Künste”. Die Bundesministerin “verdeutlichte bei der feierlichen Eröffnung, was das BMBF von dem Forschungsverbund erwartet”: “Das neue Weizenbaum-Institut … soll die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen und Handlungsoptionen aufzeigen. Dafür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren bereit.” (Pressemitteilung BMBF) Der Jury, bei der sich das BMBF am 21. September 2017 auch schriftlich bedankte, gehörten u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Catharina Maracke (Keio University, Japan) und Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) an.

Abb.: In Berlin

TA-SWISS in Bern mit neuer Leitung

Der Stiftungsratspräsident von TA-SWISS, Peter Bieri, teilte am 17. Mai 2017 per Pressemitteilung mit, dass Elisabeth Ehrensperger am 1. November 2017 die Leitung der Geschäftsstelle in Bern übernehmen wird. “Mit der promovierten Historikerin und Politologin Elisabeth Ehrensperger gewinnt die Stiftung TA-SWISS eine ausgewiesene und bestens vernetzte Persönlichkeit für die Weiterführung des im Forschungsgesetz verankerten Mandates der Stiftung. Als langjähriges engagiertes Mitglied des Leitungsausschusses von TA-SWISS ist sie mit der Tätigkeit von TA-SWISS bestens vertraut. Dr. rer. soc. Elisabeth Ehrensperger hat an der Universität Bern Geschichte, Politik- und Medienwissenschaften studiert und 2006 mit einer Dissertation zur Allgemeinen Menschenrechtserklärung den Doktortitel erlangt. Es folgten mehrere Jahre Tätigkeiten in der Forschung zur Funktion Nationaler Ethikkommissionen in europäischen Demokratien am Ethik-Zentrum der Universität Zürich sowie Lehraufträge an den Universitäten Zürich, Fribourg, Luzern und Bern zu Menschenrechten, Demokratietheorien und Diskursethik.” (Pressemitteilung TA-SWISS, 17. Mai 2017) Weitere Informationen über die Einrichtung zur Technologiefolgenabschätzung über www.ta-swiss.ch.

Abb.: TA-SWISS ist in Bern angesiedelt

Pepper in Switzerland

Wie 20 Minuten schreibt, soll Pepper von Aldebaran bzw. SoftBank im Glattzentrum bei Zürich eingesetzt werden. Über eine Million Franken habe das Einkaufszentrum für sechs Exemplare ausgegeben. Diese sollen ab Ende des Jahres selbstständig herumrollen. “Die Kunden können die Roboter ansprechen und nach Informationen fragen.” (20 Minuten, 7. März 2017) Wenn diese nicht weiterwissen, wird über ihren Bildschirm “die Infostelle des Centers zugeschaltet, um die Frage zu beantworten” (20 Minuten, 7. März 2017). Pepper soll nicht auf ein Sonderangebot eines Geschäfts hinweisen oder Produkte bewerben. In einem Einkaufszentrum ist er sicher gut aufgehoben. Er kann einen Mehrwert bieten, und es ist gewährleistet, dass Kinder im Beisein von Erwachsenen mit ihm kommunizieren und interagieren, anders als in Haushalten in Japan, wo sie oft mit ihm alleine sind und ihn imitieren, wie der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel kürzlich beim 10. Ulmer Robotertag berichtete. Es besteht allerdings, wie beim K5 in Stanford, die Gefahr, dass man mit ihm zusammenstößt. Zudem kann man über ihn stolpern, und er kann auf kleine Kinder fallen, wobei er recht standfest ist. Schweizerdeutsch versteht Pepper noch nicht, wie die Gratiszeitung schreibt. Es wird nicht einfach sein, ihm die dialektalen Varianten beizubringen.

Abb.: Pepper muss erst noch Schweizerdeutsch lernen

New Members of Dutch Advisory Board

The Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO) supports and finances the thematic research programme Responsible Innovation (NWO-MVI). According to the responsible person, its aim is to carry out early phase research into ethical and societal issues related to innovation so that these can be taken into account during the design process. The input may come from information ethics, technology ethics and machine ethics or from other suitable disciplines. Researchers from the humanities, the technological and medical sciences and the social sciences can submit joint proposals, whereby a collaboration with partners from the private and public sector is possible and desirable. Prof. Dr. Oliver Bendel (University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland FHNW) was invited in summer 2016 to join the programme’s international advisory board which is composed of approximately ten members and which plays an important role in assessing the submitted proposals in terms of scientific quality and societal relevance. The decisions have been taken in December 2016. More information via www.nwo.nl.

Fig.: The meetings were held in Amsterdam

Voraussetzungslosigkeit und Vorurteilsfreiheit

Als Sachverständiger im Bundestag hat sich Oliver Bendel im Juni 2016 den Fragen der Abgeordneten gestellt. Davor hat er einen umfangreichen Katalog an Fragen schriftlich beanwortet. Eine davon bezog sich auf eine Ethikkommission, die sich moralischen Herausforderungen rund um Robotik, Künstliche Intelligenz und Datennutzung widmen soll. Oliver Bendel bezog schriftlich wie folgt Stellung: “Grundsätzlich ist die Einsetzung einer Ethikkommission eine gute Idee, und in Europa existieren ja auch solche Einrichtungen in unterschiedlichen Formen, sowohl auf nationaler Ebene als auch in Organisationen. Diese können aber nicht durchweg überzeugen. Man unterscheidet zwischen philosophischer und theonomer bzw. theologischer Ethik, zwischen Moralphilosophie und -theologie. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Moraltheologie ein so großer Platz eingeräumt wird, wenn man zugleich Voraussetzungslosigkeit, Vorurteilsfreiheit und Wissenschaftlichkeit wünscht. Es wäre fatal, wenn eine Ethikkommission, die aus der Perspektive von Technik-, Informations- und Medienethik beratschlagen soll, nicht wissenschaftlich fundiert, sondern von religiösen Überzeugungen bestimmt wäre.” Ob die Ethikkommission, die der Bundesverkehrsminister einsetzen will, frei von theonomer Ethik ist, und ob sie zu Ergebnissen kommt, die in der Gesellschaft überzeugen und die eine moralisch und rechtlich sichere Grundlage für die Entscheidungen von automatischen und autonomen Autos darstellen, wird sich zeigen. Seine grundsätzliche zwiespältige Haltung zu einer einschlägigen Ethikkommission drückte der Wissenschaftler gegenüber dem Bundestag so aus: “Ich habe in verschiedenen Beiträgen die Idee der Ethikkommission kritisch betrachtet. Eine Alternative zu ihr sehe ich im Moment nicht; man muss sie aber als Expertengruppe einsetzen, die methodisch sauber argumentiert. Für eine eigenständige Ethikkommission zu Herausforderungen der Informationsgesellschaft spricht auch, dass der Deutsche Ethikrat kaum Kompetenzen in diesem Bereich besitzt.” Weitere Informationen und Aussagen sowie die Aufzeichnung der Anhörung sind über www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-digitale-agenda/427996 zu finden.

Abb.: Eine Ethikkommission sollte nicht zum Himmel aufschauen

Professur zur Technikethik

Die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen gründet ein Zentrum für interdisziplinäre Wissenschafts- und Technik­forschung und schreibt vor diesem Hintergrund eine Universitätsprofessur mit dem Schwerpunkt Technik- und Umweltethik aus. Die Stellenanzeige beginnt mit den Worten: “Mit der Einrichtung der Professur Angewandte Ethik mit dem Schwerpunkt Technik- und Umweltethik erkennt die RWTH Aachen das gesellschaftliche Interesse an einer ethischen Reflexion der Grundlagen und Bedingungen der Technologieentwicklung an. Zu den Aufgaben der Professur gehören vor diesem Hintergrund die Lehre und Forschung in den Bereichen der Angewandten Ethik mit den Schwerpunkten Technik- und Umweltethik. Eine zentrale Stelle soll die systematische Beschäftigung mit aktuellen normativen Fragestellungen der Technik in Bezug auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt einnehmen, wobei Fragen der Globalisierung mit berücksichtigt werden sollen.” Weitere Informationen über jobs.zeit.de/jobs und über die Website der RWTH Aachen.

Generation Porno abgeschafft

“Geschlechtsverkehr vor dem 14. Geburtstag ist eine absolute Ausnahme. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen erlebt ihr erstes Mal vor dem 17. Geburtstag. Das hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung anhand einer Umfrage erhoben.” (SZ, 12. November 2015) So fasst die Süddeutsche die Ergebnisse zusammen, die im November 2015 veröffentlicht wurden. Allerdings ist die Zeit vor dem 14. Geburtstag auch die Zeit vor dem 17. Geburtstag. Eine “verantwortungslose, promiskuitive Generation Porno gibt es nicht” – zu dieser Schlussfolgerung kommt anscheinend die BZgA, und die SZ schreibt gar verkürzt: “Generation Porno gibt es nicht”. Damit wertet man das Phänomen der Pornografie und den Begriff der Generation Porno in eindeutiger Weise. Und man schafft die Generation Porno einfach ab. Im neuen Springer-Lexikon “300 Keywords Informationsethik” heißt es im Eintrag “Cyberporn” nüchtern: “Jugendliche in den Informationsgesellschaften sind mit explizitem Material in ihrer Mehrheit vertraut; man spricht auch von der Generation Porno, die Generation Y und Z umfasst.” Man muss auch die Frage stellen, ob nicht gerade die Tatsache, dass es sich um die Generation Porno handelt, damit zu tun hat, dass die Jugendlichen später als vor zehn oder zwanzig Jahren ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit Menschen aus Fleisch und Blut haben. So oder so scheint die Aufklärung besser zu sein, was von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (und auch von der Süddeutschen) sicherlich positiv bewertet werden darf.

Abb.: Abwarten und Tee trinken?

Informationsethik in der Hochschullehre

Lehrveranstaltungen zur Informationsethik, mitsamt ihren Teildisziplinen Computerethik, Netzethik und Neue-Medien-Ethik, oder unter dem Label der digitalen Ethik, sind immer noch Mangelware. Und das in Zeiten, in denen die Medien voll mit Beiträgen sind, die Fragen zur Moral der Informationsgesellschaft aufwerfen, und wo Informatiker und Wirtschaftsinformatiker eine nie gekannte Verantwortung tragen. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW steht eine einschlägige Veranstaltung seit vielen Jahren auf dem Programm. Es ist sogar, eine Besonderheit, eine Pflichtveranstaltung innerhalb der Wirtschaftsinformatik, früher “Informatik, Ethik und Gesellschaft” tituliert, heute “Informationsethik“. Seit vielen Jahren bietet auch die HTW Chur sehr gefragte Kurse zur Informationsethik an. Momentan bemüht man sich um eine Fortführung. “Ethik für Nerds” nennt sich eine neue Lehrveranstaltung an der Universität des Saarlandes. Vielleicht wird ja die “Rache der Nerds” als begleitendes Buch eingesetzt. Darin werden Gedanken und Geschichten zur Informationsethik ausgebreitet. Gespannt darf man auch sein, wie sich der neue Lehrstuhl an der Universität Hamburg entwickelt. Derzeit läuft das Berufungsverfahren. Gesucht wird ein Professor bzw. eine Professorin, der bzw. die sich sowohl in Informationsethik als auch in Maschinenethik einen Namen gemacht hat. Dass Lehrveranstaltungen in diesen Bereichen ausgebracht werden, versteht sich von selbst. Welche Lehrveranstaltungen zur Informationsethik weltweit existieren, erhebt derzeit Jared Bielby, stellvertretender Vorsitzender des International Center for Information Ethics (ICIE).

Abb.: Die technologische Entwicklung ist noch schneller als Rennfahrer bei der Tour de France

Zürcher Zentrum für Informationstechnologie und Datenschutz

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich wollen, wie im Sommer 2015 bekanntgegeben wurde, in Bezug auf den Datenschutz enger zusammenarbeiten. Sie haben gemeinsam das Zürcher Zentrum für Informationstechnologie und Datenschutz ITPZ gegründet. Auf der Website der ZHAW heißt es: “Mit der neusten Generation von Datensammlern wie Fitnessuhren oder neuen Zahlungsmöglichkeiten wie digitalen Portemonnaies ist das Thema Datenschutz im Alltag angekommen. Denn mit den aktuellen technischen Möglichkeiten tauchen auch immer wieder neue Fragen und Unsicherheiten auf. Was bis jetzt im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit vernachlässigt wurde, ist die gezielte Forschung und Vermittlung von Wissen durch Aus- und Weiterbildung sowie die Sensibilisierung durch Beratung.” (Website ZHAW) Ob man sich auch Fragen der Ethik annimmt, muss sich zeigen. Weitere Informationen über www.zhaw.ch.

Abb.: Auch Smartphones werfen Fragen des Datenschutzes auf

Center for Responsible Innovation & Design

Ein neues Kompetenzzentrum wurde an der Universität Siegen eingerichtet. Dieses beschäftigt sich, wie westfalen-heute.de am 13. Juli 2015 schreibt, mit den ethischen (eigentlich moralischen) und gesellschaftlichen Folgen von Innovation und Forschung. Das Center for Responsible Innovation & Design (CRID) ist am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik angesiedelt. Leiter und Gründer ist Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves. Weiter heißt es: “Im Mittelpunkt der Arbeit am CRID steht die Frage, wann der Fortschritt wirklich gut im ethischen Sinn ist. Zu den Themen zählt unter anderem der Umgang mit sensiblen Daten, die im Zuge der Digitalisierung von intelligenten Systemen erhoben werden, zum Beispiel von Fahrassistenten im Auto.” Ziel sei es, negativen Auswirkungen von Forschung und Innovation vorzubeugen und zugleich die Chancen bestmöglich zu nutzen. Weitere Informationen über www.uni-siegen.de.

Abb.: Fortschritt und -bewegung mit gutem Gewissen

Fachgruppe Informatik und Gesellschaft

Die Schweizer Informatik Gesellschaft (SI) plant einen Relaunch der Fachgruppe Informatik und Gesellschaft. Im KLEINEN LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK steht geschrieben: “Ein Teilgebiet der Informatik nennt sich Informatik und Gesellschaft. Es handelt sich zugleich um einen Fachbereich der Gesellschaft für Informatik (GI). Laut GI analysieren dessen Mitglieder die Voraussetzungen, Wirkungen und Folgen von Informatik, Informationstechnik und Informationsverarbeitung, und zwar in allen Bereichen der Gesellschaft. Die Bedeutung des Teilgebiets hat allerdings stark abgenommen.” Vielleicht trifft diese Feststellung bald nicht mehr zu. Die Schweizer Fachgruppe könnte sich sozialen, rechtlichen und moralischen Problemen widmen und die Informationsethik stärken. Diese ist zur Zeit an der HTW Chur und an der Hochschule für Wirtschaft FHNW vertreten. Das erste Treffen findet im Mai 2015 in Bern statt.

Professur für Ethik in der Informationstechnologie

Die Universität Hamburg schreibt eine W3-Universitätsprofessur für Ethik in der Informationstechnologie aus. “Die Professur soll in interdisziplinäre Zusammenhänge in Forschung und Lehre an der Universität Hamburg eingebunden werden. Insbesondere wird eine Kooperation mit der zeitgleich am Fachbereich Philosophie ausgeschriebenen Professur für Ethik in Kultur und Gesellschaft sowie mit dem Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität erwartet.” (Ausschreibungstext der Uni Hamburg) Besonders interessant ist, dass nicht nur die Informationsethik, sondern auch die Maschinenethik abgedeckt werden soll. Man unterscheidet in der Ausschreibung u.a. “Gestaltungsethik: nachhaltige gesellschaftsverträgliche Technikgestaltung, Robotik, smarte Technologien, Automatisierung und Arbeit, Virtualisierung von Gütern” und “Informations- und Kommunikationsethik: Auswirkungen der Digitalisierung, informationelle Selbstbestimmung, informationsbasierte Individualisierung und Diskriminierung, technische Aspekte geistigen Eigentums und damit zusammenhängende Veränderungsprozesse” (Ausschreibungstext der Uni Hamburg). Bewerbungen werden bis zum 14. Mai 2015 per E-Mail oder Snail-Mail erbeten. Für nähere Auskünfte steht Prof. Dr. Hannes Federrath zur Verfügung. Weitere Informationen sind über die Website der Universität Hamburg (Rubrik Stellenangebote) verfügbar.

Beratungsangebot zur Maschinenethik

Ein neues Beratungsangebot findet sich seit Anfang April 2013 auf der Website des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Es richtet sich auf die Maschinenethik, die auch als Algorithmenethik bekannt ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kompetenzschwerpunkts Digital Innovation & Learning (DIL) unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Bendel stellen dar, welche normativen Modelle in einem bestimmten Bereich in Frage kommen, und vermitteln Kontakte zu internationalen Forschungs- und Anwendungspartnern. Sie erarbeiten Studien, die das Potenzial der Maschinenethik sowie Chancen und Risiken für das jeweilige Geschäftsfeld aufzeigen. Die Schwerpunkte liegen in der Verbesserung von Systemen mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten (etwa von pädagogischen Agenten, mobilen Sprachassistenten und Chatbots) in ethischer Hinsicht und in der Entwicklung von Szenarien zu kommerziellen Anwendungen von moralischen Maschinen.

Neue Themenplattform zur Ethik

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) hat eine “Themenplattform Ethik” aufgesetzt, die über www.satw.ch/organisation/tpf zu erreichen ist. Auf der Website heißt es zur grundsätzlichen Motivation: “Die SATW befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen den technischen Wissenschaften, der Gesellschaft und der Umwelt. Es ist ihre Aufgabe, durch sachliche Informationen Ängste und Unsicherheiten in der Gesellschaft abzubauen und durch eine Erörterung von Chancen und Risiken von neuen Technologien einen Beitrag zu einer breiten, ethischen Diskussion zu leisten.” Es werden zwei allgemeine Ziele formuliert: Zum einen sollen die Auszubildenden im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich über Kenntnisse in Ethik verfügen, zum anderen die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik “für ethisches Handeln” sensibilisiert werden. Die Leitung obliegt Dr. Tony Kaiser, der bei der ALSTOM (Schweiz) AG “verantwortlich für die langfristigen Technologieprogramme im Kraftwerksbereich” (Website ETHZ) ist.

Update vom 5.11.2014: Die Plattform scheint nicht mehr zu existieren. Der Link wurde deaktiviert.

Eine Denkfabrik für Wirtschaftsethik

Der bekannte Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann hat zusammen mit Thomas Kuhn, Tanja von Egan-Krieger und Sebastian Thieme das MeM gegründet, die “Denkfabrik für Wirtschaftsethik”. Diese “bearbeitet ökonomische Fragen unserer Zeit aus einer paradigmatisch neuartigen, ethisch-integrierten Sicht auf das Wirtschaften” (Zitat von der Website). Sie möchte praktische Orientierungen bieten und Perspektiven eröffnen für eine menschliche Marktwirtschaft. Mit dem Memorandum 2012 tritt eine Gruppe “besorgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler” für “eine Erneuerung der Ökonomie” ein. In dem Memorandum heißt es:

Studierende fordern, dass ethische Reflexionen zu einem festen Bestandteil und zu einem “roten Faden” des Wirtschaftsstudiums werden sollten, damit Wirtschaftswissenschaftler in der Lage sind, “verantwortlich handeln zu können”. Ebenso ruft eine Gruppe Schweizer und französischer Dozierender und Forscher unter dem Titel “Forschung und Lehre in Wirtschaftswissenschaften, Finance und Management sollen erneuert werden mit dem Ziel, dem Allgemeinwohl besser zu dienen” dazu auf, auch die “ethischen Grundlagen” der “herrschenden Lehre in den Wirtschaftswissenschaften” zur Diskussion zu stellen.

Zu den Bereichsethiken, die in den Wirtschaftswissenschaften relevant sind, gehört auch die Informationsethik. Ihre Inhalte und Methoden werden z.B. in der Wirtschaftsinformatik gelehrt. So absolvieren Studierende der Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW einen Kurs zur Informationsethik, zur Zeit noch unter der Bezeichnung “Informatik, Ethik und Gesellschaft”. Weitere Informationen zum MeM sind über www.mem-wirtschaftsethik.de erhältlich.