Kategorie: Publikationen

Neuerfindung der Ethik

“Autonome Waffen, künstliche Intelligenz, Algorithmen: In einer digitalisierten Welt stellen sich zahlreiche ethische Fragen. Wo genau liegen die Problemfelder? Wie sollen wir als Gesellschaft damit umgehen? Und wo muss sogar Umdenken stattfinden? Auf diese Fragen wollen die insgesamt 20 Beiträge ausgewählter Expertinnen und Experten erste Antworten geben und einen Diskurs entfachen, der uns noch viele Jahre beschäftigen wird. Die Anthologie wird am 25. Oktober 2017 im Verlag iRights.Media erscheinen und kann bereits jetzt als Print auf iRights.Media sowie als e-Book auf Amazon und iTunes vorbestellt werden.” So die Ankündigung auf der Website von iRights.Media zum neuen Buch mit dem Titel “3TH1CS”. Nach einem Vorwort der Herausgeber (“Die Neuerfindung der Ethik ist unsere Aufgabe!”) und einem Interview mit Rafael Capurro (“Digitalisierung als ethische Herausforderung”) folgen u.a. Beiträge von Luciano Floridi (“Die Mangroven-Gesellschaft”), Oliver Bendel (“Sexroboter und Robotersex aus Sicht der Ethik”), Susan Leigh Anderson und Michael Anderson (“Ethische Roboter für die Altenpflege”), Jean-Baptiste Jeangène Vilmer (“Terminator-Ethik: Sollten Killerroboter verboten werden?”) und Hu Yong (“Das Internet ist nicht genderneutral”). Zum Abschluss gibt es ein Interview mit Kate Darling (“Von Robotern und Menschen – wo liegt die wahre Gefahr?”). Weitere Informationen über irights-lab.de/3th1cs-ethik-in-der-digitalen-welt/.

Abb.: Das neue Buch zu Informations-, Roboter- und Maschinenethik

Clarity on Digital Labor

“Exciting times with great opportunities exist right around the corner. Digital labor, the term given to the continuum of technologies ranging from automating swivel-chair activities such as cutting and pasting content from one system to another right up to cognitive solutions that can think, learn and reason like humans, is no longer a consideration but a mandate.” These records are taken from the preface of KPMG’s new report “Clarity on Digital Labor”. “Swiss politics in the digital age” on pages 20 – 23 is an interview with Federal Chancellor Walter Thurnherr, “Nurturing leaders in the digital economy” an article by Nitin Manoharan, Philip Morris International. Ramona Delco did the interview with Oliver Bendel, published under the title “Digital labor as a co-working opportunity”. The information and machine ethicist living in Zurich has been dealing with semi-automated, highly and fully automated driving, autonomous cars, care and therapy robots, photo drones and chatbots for years. Recently, he has turned more and more to the use of cooperation and collaboration robots. The report can be downloaded here.

Abb.: Pepper belauscht Klein und Bendel (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Dorn)

Das Erkennen und Deuten des Gesichts

Ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Gabler erklärt, was Gesichtserkennung ist. “Gesichtserkennung ist das automatisierte Erkennen eines Gesichts in der Umwelt bzw. in einem Bild (das bereits vorliegt oder zum Zwecke der Gesichtserkennung erzeugt wird) oder das automatisierte Erkennen, Vermessen und Beschreiben von Merkmalen eines Gesichts, um die Identität einer Person … oder deren Geschlecht, Gesundheit, Herkunft, Alter, sexuelle Ausrichtung oder Gefühlslage … festzustellen.” Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: “Die Informationsethik fragt nach der Verletzung der informationellen Autonomie, die Wirtschaftsethik nach Chancen und Risiken des Einsatzes von Gesichtserkennung im Zusammenhang mit Beratung und Werbung. Um sich zu schützen, können Individuen ihr Erscheinungsbild modifizieren oder die Systeme manipulieren, was die Informationsethik wiederum unter dem Begriff der informationellen Notwehr behandeln würde.” Der Beitrag ist am 5. Oktober 2017 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/gesichtserkennungssoftware.html abgerufen werden.

Abb.: Gesichtserkennung bei Microsoft

Selbstdarstellung und Datenschutz

Technology Review befragte den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel zu Informationsethik und Datenschutz. Dabei interessierte u.a., ob man aus ethischer Sicht mehr Datenschutz fordern und gleichzeitig großzügig mit seinen Daten umgehen darf. Die Antwort lautete: “Das darf ich durchaus. Ich kann ja daran interessiert sein, dass fremde personenbezogene Daten geschützt werden, etwa die meiner Kinder. Ich kann grundsätzlich an Schutz und Gerechtigkeit interessiert sein. Zugleich kann ich – auch das kann informationelle Autonomie bedeuten – mich dafür entscheiden, meine persönlichen Daten freizügig wegzugeben. Wichtig ist letztlich, dass die Entscheidung über meine Daten bei mir liegt. Auch wenn die Mehrheit einen laxen Umgang im Privaten hat, bedeutet das nicht, dass ich dann auch einen haben muss. Ich möchte im Gegenteil im Rechtsstaat als Minderheit vor der Mehrheit geschützt werden. Interessant wäre, wenn ich einzelne personenbezogene Daten oder Datensätze bestimmten Personen und Einrichtungen gegenüber freigeben, anderen Personen und Einrichtungen gegenüber sperren könnte, und wenn ich bei einer Freigabe eine Gegenleistung verlangen dürfte.” Diese und andere Antworten flossen in den Beitrag von Denis Dilba ein, der unter dem Titel “Darf ich private Daten posten und trotzdem mehr Datenschutz wollen?” in der Ausgabe 10/2017 erschienen ist.

Abb.: Selfie im Meer

Wer und was darf uns in Zukunft füttern?

Die Zeitschrift Clinicum hat in ihrer Ausgabe 4/2017 ein Interview nachgedruckt, das bereits im Frühjahr veröffentlicht wurde. Im Teaser heißt es: “Oliver Bendel wird am 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften & Zukunftsforum Gesundheit in Bern referieren. Er ist ein gescheiter agent provocateur. Die Wochenzeitung ‘DIE ZEIT’ hat uns grünes Licht gegeben, ein spannendes Gespräch mit dem Maschinenethiker zu publizieren.” Eine Frage im Gespräch hatte gelautet: “Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?” Die Antwort: “Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.” Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der künstlichen Intelligenz (der auf den Gegenstand der Disziplin verweist) metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der “maschinellen Moral” machen. Der Nachdruck mit dem Titel “Darf mich ein Pflegeroboter füttern?” kann über http://www.clinicum.ch/de/magazin/magazin.htm oder direkt hier aufgerufen werden.

Abb.: Ein Reh bedient sich selbst

Soll uns Robear pflegen?

Operations- und Therapieroboter sind weit verbreitet. Pflegeroboter werden auf der ganzen Welt in Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern und Pflegeheimen erprobt. Vor einem regulären Einsatz sind diverse ethische Fragen aufzuwerfen und zu beantworten. Genau dies macht ein neuer Beitrag von Oliver Bendel, der Mitte September in der Zeitschrift IT for Health erschienen ist. Das Resümee lautet: “Der Einsatz von Pflegerobotern bietet aus ethischer (sowie aus ökonomischer und medizinischer) Perspektive sowohl Chancen als auch Risiken. Assistierende Technologien beweisen bereits ihre Alltagstauglichkeit. Robear und Co., die Hand an Patienten anlegen, benötigen bis zu einer hohen technischen Reife noch ein paar Jahre. Genügend Zeit, so scheint es, um sich über das Grundsätzliche klar zu werden. Letztlich sollte, wo immer möglich, der Wille des oder der Pflegebedürftigen geachtet werden, ob er in einer Verfügung oder während der Behandlung zum Ausdruck kommt.” Der Artikel mit dem Titel “Soll uns Robear pflegen?” kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Soll uns Robear pflegen?

Gesichtserkennung macht Schlagzeilen

Gesichtserkennung macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. Ob Südkreuz in Berlin, ob Face ID beim iPhone, ob Software, die angeblich die sexuelle Ausrichtung festzustellen vermag – es existieren zahlreiche Anwendungs- und Missbrauchsmöglichkeiten. Der WDR hat in seiner Sendung Cosmo am 14. September 2017 Oliver Bendel zum Thema befragt. Ob er Angst habe, wollte Sümeyra Kaya u.a. wissen, und der in der Schweiz lebende Informations- und Maschinenethiker räumte ein, dass dies der Fall sei. Sein Gesicht gehöre ihm, führte er aus, und er wolle nicht, dass es von allen möglichen Personen, Gruppen und Parteien aufgenommen werde. “Schon gar nicht will ich, dass mein Alter, mein Geschlecht, meine Gesundheit etc. festgestellt werden. Natürlich kann jeder auf der Straße sehen, wer ich bin, aber ich habe die Chance, auch dem anderen ins Gesicht zu schauen. Es besteht ein gewisses Gleichgewicht. Im Falle von Gesichtserkennungssoftware schaut mich ein Unbekannter an, und ich sehe ihn nicht nur nicht, ich weiß auch nicht, welche Absichten er verfolgt, welche Daten er sammelt und auswertet, was er mit den Ergebnissen macht. Es besteht ein Ungleichgewicht, und es besteht ein Risiko: Vielleicht erfährt meine Krankenkasse, dass ich dick geworden bin, und will mich von bestimmten Zusatzleistungen ausschließen.” In der Schweiz ist das beispielsweise möglich. Online ist Cosmo über http://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/index.html erreichbar.

Abb.: Ein Paar macht Selfies

Fit for Love

Ein Magazin, das den Titel “Fit for Fun” trägt, muss sich natürlich auch dem Thema der Sexroboter widmen. “Hilfe, die Sexroboter kommen” – so lautet die anspielungsreiche Überschrift in der Rubrik “Fit for Love”. Zu Wort kommen der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß und der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. “Das Gefühl des Alleinseins können Sexroboter mindern”, erklärt der Sexualwissenschaftler. “Doch hier lauere auch die Gefahr, sich mit ihm zurückzuziehen.” (Fit for Fun, 10/2017) Auch der Ethiker beurteilt die Liebesmaschinen differenziert. Er lehnt ihren Gebrauch nicht grundsätzlich ab und hat als Maschinenethiker auf der Konferenz “Love and Sex with Robots” Ende 2016 einige Vorschläge zur Verbesserung unterbreitet. So sollte sich der Sexroboter den meisten Anliegen gegenüber offen zeigen, sich aber auch bei bestimmten Ansinnen verweigern können. Als Informationsethiker sieht er vor allem die Gefahr des Datenmissbrauchs, der Ausspähung und der Überwachung. Vernetzte Roboter können mit Menschen verbunden sein, die sich an den Anblicken ergötzen und die Bilder weiterleiten. Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe (Oktober 2017) erschienen.

Abb.: Hilfe, die Sexroboter kommen

Künstliche Intelligenz im HR Manager

Das Magazin Human Resources Manager widmet sich in seiner neuen Ausgabe (4/17) der Disziplin der Künstlichen Intelligenz (und ihrem Gegenstand, der künstlichen Intelligenz). Der Beitrag “Ein alter Menschheitstraum” beinhaltet ein “Gespräch über die Sehnsucht nach künstlicher Intelligenz mit Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science” (Human Resources Manager, 4/17). “Die Co-Robots kommen näher” basiert u.a. auf einem Interview mit Oliver Bendel, Professor für Wirtschaftsinformatik, Informations- und Maschinenethik. In “Entseelte Entscheidungen” wird festgestellt: “Algorithmen können auch diskriminieren” – das Interview wird geführt mit “Algorithmus-Designerin Katharina Zweig” (Human Resources Manager, 4/17). “Digitale Sprachlosigkeit” geht zusammen mit Christian Bauchhage auf die “Kommunikation mit künstlicher Intelligenz” (Human Resources Manager, 4/17) ein. Weitere Informationen über www.humanresourcesmanager.de. Der Artikel “Liaisons dangereuses?” mit Statements von Oliver Bendel kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: KI kann Menschen quantifizieren und qualifizieren

Homo faber

Im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler ist am 31. August 2017 ein neuer Beitrag von Oliver Bendel erschienen. Es wird nichts weniger als der Mensch beleuchtet. Der erste Absatz lautet: “Der Mensch gehört zur Gattung Homo, mit der Art des Homo sapiens (‘verständiger, vernünftiger, kluger, weiser Mensch’) und dessen Vorgänger Homo erectus (‘aufgerichteter, aufrecht gehender Mensch’). Er bewohnt seit Jahrmillionen die Erde und hat nie einen anderen Planeten besucht, wenn man vom Entsenden von Weltraumfähren und -robotern absieht; lediglich auf den Trabanten der Erde, den Mond, hat er seinen Fuß gesetzt. Als Homo oeconomicus maximiert er seinen Nutzen, ist Teil der Wirtschaft, als Produzent, Konsument oder Prosument. Als Homo politicus und Homo sociologicus ist er in ein Staats- und Gemeinwesen eingebunden, in dem er Rechte und Pflichten wahrnimmt und spezifische Handlungen ausführt, die sich auf Regierung, Verwaltung oder Gesellschaft beziehen. Im Homo faber erscheint der ein Handwerk oder eine Kunst ausübende, ein Werkzeug oder eine Technik schaffende Mensch, der damit seine Umwelt und sich selbst verändert.” Der ganze Beitrag – in dem es am Ende auch um die Perspektive der Informationsethik geht – kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mensch.html abgerufen werden.

Abb.: Homo faber

Roboter unter uns

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: “I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.” Auf eine andere gab er die Antwort: “Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.” Der Artikel mit dem Titel “Affäre mit einem Roboter” kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Pepper in Aktion

Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht

Bei interaktivem Digital Signage stellen sich Plakate, Schilder, Tafeln, Terminals und Säulen in Läden oder an Straßen und auf Plätzen auf ihren digitalen Bildschirmen automatisch auf Anwesende ein und interagieren und kommunizieren mit diesen in visueller oder auditiver Weise. Es wird also nicht einfach etwas dargestellt, sondern das, was dargestellt wird, hängt vom Betrachter oder vom Umfeld ab. Der hauptsächliche Zweck ist neben der Informierung (auch im Sinne von Beratung) die Werbung, die hauptsächliche Umsetzungsart die interaktive Werbefläche. Der Beitrag “Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen und in den Läden: Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht” von Oliver Bendel, erschienen bei Telepolis am 15. August 2017, untersucht das Phänomen digitaler Werbeflächen aus ethischer Sicht. Erstens wird der Begriff des Digital Signage erklärt, unter den der Begriff der interaktiven Werbeflächen subsumiert wird. Typisch für diese sind – abgesehen von den digitalen Bildschirmen – Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Muster-, Bild- und Gesichtserkennung. Zweitens werden Überlegungen aus Sicht von Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik und darüber hinaus, etwa im Sinne des Verbraucherschutzes, angestellt. Auch die Maschinenethik wird berücksichtigt. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Neue-Spione-in-den-Strassen-auf-den-Plaetzen-und-in-den-Laeden-3797118.html abgerufen werden.

Abb.: Digital Signage in New York

Über den Denialismus

Das KLEINE LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK existiert seit 2012 und wird immer noch ausgebaut. Seit 13. August 2017 ist auf informationsethik.net ein weiterer Eintrag zu finden: “Denialism oder Denialismus (in der eingedeutschten Form) ist der Versuch, Fakten abzustreiten und sich ‘alternative Fakten’ auszudenken. Beispielsweise behauptet man, die Erde sei flach, der Klimawandel nicht vorhanden, selbst das höherentwickelte Tier nicht leidensfähig, und die Evolution habe nicht stattgefunden. Über das Internet schließen sich die Denialisten (Leugner im radikalen Sinne) zusammen und bestärken sich in ihren haltlosen Überzeugungen. Zudem zitieren und produzieren sie Fake News. Sie sind weder Skeptiker noch philosophische Zweifler, denn diese stellen etwas in Frage, das gesichert erscheint, um zu etwas zu gelangen, das als wirklich gesichert angesehen werden kann. Die Informationsethik untersucht die Nutzung des WWW und von Instant Messengers zur Verbreitung denialistischer Ansätze, mitsamt den moralischen Implikationen.” Wer die Begriffe des Lexikons in größerer Breite und Tiefe haben will, sei auf das umfangreiche Nachschlagewerk “300 Keywords Informationsethik” (Springer Gabler, 2016) von Oliver Bendel verwiesen. Dieses bietet Fachwissen nicht nur zur Informationsethik, sondern auch zur Maschinenethik. Zu letzterer Disziplin sei wiederum auch das KLEINE LEXIKON DER MASCHINENETHIK auf maschinenethik.net empfohlen.

Abb.: Die Erde flach, Hunde nicht leidensfähig

Electric Smell Machine

Adrian David Cheok is director of the Mixed Reality Lab which “aims to push the boundaries of research into interactive new media technologies through the combination of technology, art, and creativity” (Website Mixed Reality Lab). He is editor of several academic journals and of the book “Love and Sex with Robots” (together with Kate Devlin and David Levy) which was published in 2017. In a current press release, he presents an electric smell machine for internet and virtual smell. “Here we are excited to introduce the world’s first computer controlled digital device developed to stimulate olfactory receptor neurons with the aim of producing smell sensations purely using electrical pulses. Using this device, now we can easily stimulate the various areas of nasal cavity with different kinds of electric pulses. During the initial user experiments, some participants experienced smell sensations including floral, fruity, chemical, and woody. In addition, we have observed a difference in the ability of smelling odorants before and after the electrical stimulation. These results suggest that this technology could be enhanced to artificially create and modify smell sensations. By conducting more experiments with human subjects, we are expecting to uncover the patterns of electrical stimulations, that can effectively generate, modify, and recall smell sensations. This invention can lead to internet and virtual reality digital smell.” (Press Release, 10 August 2017) More via imagineeringinstitute.org/press-release-electric-smell-machine-for-internet-virtual-smell/.

Fig.: Towards the digital smell

Schweigen ist Gold

Im März 2009 bewarb sich der Schriftsteller und Wissenschaftler Oliver Bendel beim Blick am Abend als Kolumnenschreiber. Er bekam den Auftrag (der nicht vergütet wurde) und legte los. Über jeden Beitrag dieser Rubrik wurde von Leserinnen und Lesern abgestimmt, und der Autor wurde weiter- oder abgewählt. Die Idee von Oliver Bendel war, Kritik, Kunst und Kultur sowie Wissenschaft in den BAA zu bringen. Dies auf knappem Platz und für einen riesigen Adressatenkreis. Zu seinem Erstaunen wurde er über mehrere Tage weitergewählt. Die Themen wurden immer gewagter, Theorien und Kanons entwickelt. Auch ein Web-2.0-Knigge tauchte auf, mit seinen zehn Vorschlägen zum Verhalten in den sozialen Medien, später als “Netiquette 2.0″ in der Netzwoche veröffentlicht. Regel Nummer 3 lautete: “Du sollst nachdenken, bevor du einen Beitrag verfasst, und keine Fehlinformationen verbreiten.” Und 10: “Du sollst Handy und Computer so oft wie möglich ausschalten und dem Gesang der Vögel lauschen.” Ein Text über Inge Scholl war bereits geschrieben, als nach zehn Ausgaben das Aus kam. Die Kolumnen können jetzt, achteinhalb Jahre später, hier heruntergeladen werden.

Abb.: Im Web 2.0 ist Schweigen manchmal Gold

Das Wörterbuch bekommt Zuwachs

Der gedruckte Duden bekommt Zuwachs. Wörter wie “Tablet”, “Social Bot”, “Datenbrille” und “Fake News” finden sich ab dem 9. August 2017 darin. “Datenbrille” war bereits 2014 im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. 2015 wurde das “Tablet” aufgenommen. Die “Social Bots” kamen Anfang 2017 hinzu, ebenso die “Fake News“. Allerdings ist das Wörterbuch in der Printversion und im Grundsatz aus verschiedenen Gründen schwerfällig. So kann man nicht innerhalb von Wochen oder Monaten auf eine Neuschöpfung bzw. ein Sozialphänomen reagieren, sondern erst nach längerer Zeit: “Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert.” (Süddeutsche Zeitung, 7. August 2017) Auch stellen sich an ein Wörterbuch andere Anforderungen als an ein Lexikon. Online geht es freilich schneller, auch bei Duden, und dort finden sich die genannten Wörter bereits – seit wann, lässt sich nicht eruieren. Im Bereich der Ethik schläft der Duden übrigens noch. Während “Medizinethik” und “Wirtschaftsethik” gekannt werden, ist bei “Technikethik” oder “Informationsethik” leider Fehlanzeige, trotz der seit Jahren immensen Bedeutung.

Abb.: “Tablet” im Online-Duden

Vier Glossen aus der zfo

Vier Glossen von Oliver Bendel aus der zfo (2013 bis 2015) können nun, nach der freundlichen Genehmigung des Verlags Schäffer-Poeschel, von dieser Website heruntergeladen werden, nämlich “Sinnhafte Entcomputerisierung“, “Druck dir die Welt, wie sie dir gefällt!“, “Neun Thesen zur Ethik” und “In einem gesunden Körper …“. Zur Zeitschrift gibt die Website folgende Auskunft: “Organisations- und Führungsfragen begegnen uns im beruflichen Alltag überall und in den unterschiedlichsten Facetten und Ausprägungen. Als führende deutschsprachige Zeitschrift auf ihrem Gebiet bietet die zfo – Zeitschrift Führung + Organisation zu diesen Themenbereichen fundierte und aktuelle Fachinformationen sowie professionelle Lösungsansätze renommierter Autoren aus Wissenschaft und Praxis. Die zfo ist offizielles Organ der Gesellschaft für Organisation e.V. (gfo), der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) sowie der Österreichischen Vereinigung für Organisation und Management (ÖVO).” (Website zfo) Weitere Informationen über www.zfo.de.

Abb.: In einem gesunden Körper

Wir können in der Hängematte liegen

Der Beitrag zur Künstlichen Intelligenz in der Zeitschrift National Geographic (7/2017) ist nun als PDF verfügbar und kann hier heruntergeladen werden. Auf 14 Seiten widmet man sich der Arbeit von Oliver Bendel. Der Informations- und Maschinenethiker stand dem Chefredakteur Florian Gless und der Redakteurin Ines Bellinger Rede und Antwort, die von Hamburg in die Schweiz gereist waren. Zudem gibt es eine Graphic Novel zu aktuellen Entwicklungen und den entsprechenden Überlegungen von Oliver Bendel. Ein Glossar zur KI rundet den Beitrag ab. Die Fotos stammen von Elias Hassos, der u.a. Hans Magnus Enzensberger und Martin Walser porträtiert und auf dem FHNW-Campus Brugg-Windisch fotografiert hat. “Wir können in der Hängematte liegen” – so lautet die Überschrift des Beitrags. Oliver Bendel ist der Meinung, dass uns Roboter unterstützen und entlasten können. Dass Menschen die besten Jahre des Lebens und die besten Stunden des Tages einem Unternehmen schenken, das ihnen womöglich nicht einmal sympathisch ist, hält er für eine Ideologie, die man hinterfragen kann. Vielleicht reichen vier Stunden am Tag für den Lebensunterhalt, wenn ein Grundeinkommen dazukommt. Denn die Gewinne werden weiter erzielt, mit Hilfe von Robotik und KI auch ohne die Arbeiter und Angestellten. Sie müssen nur gerecht verteilt werden. Weitere Informationen über www.nationalgeographic.de.

Abb.: Oliver Bendel auf dem Campus (Foto: NG/Elias Hassos)

The Synthetization of Human Voices

The synthetization of voices, or speech synthesis, has been an object of interest for centuries. It is mostly realized with a text-to-speech system (TTS), an automaton that interprets and reads aloud. This system refers to text available for instance on a website or in a book, or entered via popup menu on the website. Today, just a few minutes of samples are enough in order to be able to imitate a speaker convincingly in all kinds of statements. The article “The Synthetization of Human Voices” by Oliver Bendel (published on 26 July 2017) abstracts from actual products and actual technological realization. Rather, after a short historical outline of the synthetization of voices, exemplary applications of this kind of technology are gathered for promoting the development, and potential applications are discussed critically in order to be able to limit them if necessary. The ethical and legal challenges should not be underestimated, in particular with regard to informational and personal autonomy and the trustworthiness of media. The article can be viewed via rdcu.be/uvxm.

Fig.: What will we hear in the future?

Maschinen sind und bleiben Maschinen

“Sex mit Maschinen” – so der Titel eines Beitrags auf SWR2 vom 19. Juli 2017 zu Sexrobotern und Robotersex. “Revolutionieren Roboter das Liebesleben?” – dies fragt der Untertitel. Im Beitrag geben u.a. Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart und Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW die Antworten. Petra Grimm erwähnt Galatea als frühe Liebesmaschine: “Wenn Sie an den Pygmalion-Mythos denken, weil er Verdruss über die Frauen hatte, die es dort gab, sich selbst so eine Elfenbeinfigur schuf, und die wurde dann lebendig und gebar ihm einen Sohn. Aus allen verschiedenen Kulturen haben wir dieses Phänomen, aus Materie sich einen Partner, meistens eine Partnerin zu schaffen.” Und auch Oliver Bendel verweist auf eine lange Tradition: “… dass Menschen Emotionen zu Maschinen entwickeln, das ist klar, das passiert auch schon lange, wir haben auch ein enges emotionales Verhältnis zu unserem Auto”. Wir können unser Auto lieben, wir können auch Sexroboter lieben, auf noch eindrücklichere Weise, aber wir bekommen, was die Gefühle anbetrifft, nichts von ihnen zurück. Maschinen sind und bleiben Maschinen.

Abb.: Maschinen sind und bleiben Maschinen