Kategorie: Diskussionen

Beitrag zu robotischer Sexualassistenz

“Pflege und Pflegeroboter zielen darauf ab, Menschen mit Pflegebedarf zu betreuen, Krankheiten zu verhüten und Gesundheit zu fördern. Das umfasst die ganzheitliche Sorge um das Wohlbefinden und schließt auch das sexuelle Wohlbefinden als wichtigen Gesundheitsfaktor und als Menschenrecht mit ein.” (Döring 2018) Der Beitrag “Sollten Pflegeroboter auch sexuelle Assistenzfunktionen bieten?” behandelt zunächst den Stellenwert des sexuellen Wohlbefindens und konkretisiert die sexuellen Anliegen von Menschen mit Pflegebedarf. “Die bisherigen Angebote der Sexualassistenz für Menschen mit Pflegebedarf werden beschrieben. Auf dieser Grundlage plädiert der Beitrag dafür, im Sinne einer besseren Förderung sexuellen Wohlbefindens von Menschen mit Pflegebedarf in Zukunft auch Konzepte der robotischen Sexualassistenz zu entwickeln und zu evaluieren.” (Döring 2018) Der Beitrag ist im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) enthalten, das im November 2018 bei Springer Gabler erschienen ist und über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden kann.

Abb.: Sollten Pflege- auch Sexroboter sein?

Weniger Ethik, mehr Recht

Microsoft gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich der Gesichtserkennung. Man hat in den letzten Jahren mächtige Systeme geschaffen, die man in Displays mit Kameras integrieren oder an Chatbots ankoppeln kann – der BESTBOT ist ein Beispiel dafür. Nun hat das Unternehmen vor Gesichtserkennung gewarnt und nach dem Gesetz gerufen. Das ist nicht merkwürdig, sondern folgerichtig. Man hat eine Technologie entwickelt und ihre Chancen und Risiken untersucht. Man hat erkannt, dass Diskriminierung, Zerstörung der Privatsphäre und staatliche Totalüberwachung drohen. Es ist wichtig, zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen und Anwendung auf der anderen Seite zu unterscheiden. Manchmal muss man eine Technologie auf die Welt bringen und dann im Einsatz beschränken, bis hin zum Verbot auf bestimmten Gebieten. Der Einschätzung des Konzerns mag eine ethische Reflexion vorausgegangen sein, vielleicht auch nur eine moralische Diskussion (der Spiegel wirft dem Konzern gar vor, sich zum Moralwächter aufzuschwingen). Wichtig ist aber, dass man dabei nicht stehenbleibt (und Microsoft ruft gerade nicht nach der Moral). Denn die Ethik vermag selten Probleme zu lösen. In diesem Fall braucht es weniger Ethik, mehr Recht.

Abb.: Bei Microsoft im Silicon Valley

16.000 Tweets

Am 4. Dezember 2018 wurde von @Infoethik der 16.000 Tweet abgesetzt. In der Kurzbeschreibung heißt es: “Tweets zu Informationsethik und Maschinenethik und zu Medien-, Technik-, Wirtschafts-, Politik-, Medizin- und Umweltethik sowie Religionskritik.” Es handelt sich um einen klassischen Kurznachrichtendienst, über den auf Artikel, Studien, Ausschreibungen und Veranstaltungen hingewiesen wird. Die Tweets von Oliver Bendel haben einen strengen Aufbau: Auf den zitierten Titel folgt der Link zum Beitrag, darauf eine Zusammenfassung, die häufig ein weiteres Zitat enthält. In seltenen Fällen steht anstelle der Zusammenfassung ein Kommentar. Jeder Tweet wird verschlagwortet, i.d.R. mit Hashtags zu den Bereichsethiken (oder zur Disziplin der Maschinenethik) oder zur Künstlichen Intelligenz. “Informationsethik” ist wie die Plattformen informationsethik.net und maschinenethik.net der philosophischen Ethik verpflichtet und eine Alternative zu religiösen und wirtschaftlichen Vereinnahmungen der Ethik. Diese finden nicht nur in Medien-, Wirtschaftsethik und Medizinethik statt, sondern zunehmend auch mit Blick auf die Informationsethik, die Roboterethik und die Maschinenethik.

Abb.: Die Tweets zur Ethik erreichen viele Benutzer

Sozial interagierende Roboter in der Pflege

“In naher Zukunft werden Roboter immer häufiger in den Lebensbereichen von Alltagsnutzerinnen und -nutzern anzutreffen sein. Sehr deutlich wird dies am Beispiel von Haushalts- und Pflegerobotern, denen im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft verstärkt die Rolle des Mitbewohners und Weggefährten zukommen wird. Damit einher geht der Wunsch, die Mensch-Roboter-Kommunikation menschzentrierter zu gestalten. Es geht nicht mehr lediglich um die effiziente Durchführung von Aufgaben, sondern auch darum, für den Menschen ein angenehmes Interaktionserlebnis zu schaffen und ein Vertrauensverhältnis zu dem Roboter herzustellen.” (Janowski et al. 2018) Der Beitrag “Sozial interagierende Roboter in der Pflege” von Kathrin Janowski, Hannes Ritschel, Birgit Lugrin und Elisabeth André diskutiert “den aktuellen Stand in Forschung und Entwicklung im Bereich sozial interagierender Roboter, die über multimodale soziale Hinweisreize mit pflegebedürftigen Menschen kommunizieren” (Janowski et al. 2018). Er ist im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) zu finden, das im November 2018 bei Springer Gabler erschienen ist und über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden kann.

Abb.: Modell eines Co-Robots von Kuka

Werden Therapie- und Pflegeroboter akzeptiert?

“Um den steigenden Versorgungsbedarf im Gesundheitsbereich bei gleichzeitigem Mangel an Fachkräften zu sichern, wird zunehmend auch auf den Einsatz von Robotik gesetzt. Eine breite Vielfalt an Geräten wird dabei für verschiedene Nutzergruppen und Anwendungssituationen entwickelt. Die Geräte wecken einerseits Hoffnungen, aber auch Befürchtungen bei nichtprofessionellen und professionellen Nutzergruppen. Ob ein Roboter von Nutzenden tatsächlich akzeptiert wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab.” (Becker 2018) Mit diesen Worten beginnt der Abstract des Beitrags von Heidrun Becker mit dem Titel “Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen und Akzeptanz aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer”, der im November 2018 im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel aus Zürich) bei Springer Gabler erschienen ist. Dieses bündelt technische, wirtschaftliche, medizinische, pflegewissenschaftliche und ethische Reflexionen über Pflegeroboter und andere Serviceroboter im Gesundheitsbereich. Die Open-Access-Ausgabe hat die Daimler und Benz Stiftung ermöglicht und kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Was ist, wenn der Roboter die Medikamente bringt?

 

Zur ambivalenten Rolle der Ethik

Der Abstract des Buchbeitrags “Wege zu verantwortungsvoller Forschung und Entwicklung im Bereich der Pflegerobotik: Die ambivalente Rolle der Ethik” von Christoph Kehl beginnt mit folgenden Worten: “Obwohl die Entwicklungsarbeiten an Pflegerobotern bis in die 1980er Jahre zurückreichen, waren die bisherigen Bemühungen nicht von größeren Erfolgen gekrönt. Zwar wurde eine Vielzahl an Produktvisionen und Prototypen hervorgebracht, diese haben jedoch in aller Regel noch nicht den Weg in den Pflegemarkt gefunden. Dies hängt nicht nur mit technischen Schwierigkeiten zusammen, sondern lässt sich auch auf die bislang stark technikfokussierte Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungspraxis zurückführen: Offenbar ist es noch nicht gelungen, Angebote zu entwickeln, die von Kostenträgern und Endkunden ausreichend akzeptiert werden. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, wie sich eine verantwortungsvolle Forschungs- und Entwicklungspraxis gestalten lässt, die den hohen Anforderungen an Serviceroboter-Anwendungen im Pflegebereich gerecht wird.” (Kehl 2018) Der Experte für Technikfolgenabschätzung geht insbesondere auf die ambivalente Rolle der Ethik in diesem Zusammenhang ein. Der Beitrag, der im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) erschienen ist, kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Pepper in Zürich

Pflegeroboter aus Sicht von Pflege und Ethik

“In Zukunft ist ein wachsender Einsatz von Pflegerobotern zu erwarten, denen möglicherweise zwei Hauptfunktionen zugeschrieben werden können: Beitrag zur Verringerung einer sich ausweitenden Personallücke in der Pflege; Erleichterung der Pflege hinsichtlich physischer und psychischer Arbeitsbelastungen, teilweise auch durch Substitution originär pflegerischer Teilaufgaben im Bereich der Ernährung, Medikation, Aktivierung/Mobilisierung.” (Remmers 2018) So beginnt der Abstract des Beitrags “Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht pflegerischen Handelns und ethischer Anforderungen” von Hartmut Remmers, der im neuen Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) veröffentlicht wurde. Und weiter: “Aus fachwissenschaftlicher Sicht stellen sich dabei Fragen, inwieweit und in welchem Ausmaße originär pflegerische Tätigkeiten wie die der persönlichen, vertrauensbildenden Beziehungsarbeit unterstützt/verbessert werden können oder (teil-)ersetzt werden sollen. Aus ethischer Perspektive stellen sich damit zusammenhängende Fragen, inwieweit durch den Einsatz von Robotern die Personalität des Menschen in verschiedenen Facetten seiner auch leiblich verstandenen Rezeptivität und seiner Spontaneität gegenseitigen Ausdruckshandelns und Ausdrucksverstehens gewahrt bleibt.” (Remmers 2018) Der Beitrag kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Nao reicht seine Hand

Prostitution aus ethischer Sicht

“Prostitution ist die Bereitstellung sexueller Dienstleistungen gegen Entgelt. Sie kann in Freiheit und Freiwilligkeit erfolgen oder unter Zwang (Zwangsprostitution), in Verbindung mit Menschenhandel und Sklaverei. Man spricht augenzwinkernd vom horizontalen Gewerbe (wobei es sich gerade beim schnellen Sex häufig um ein vertikales handelt), übertreibend vom ältesten Gewerbe der Welt und mehrdeutig von käuflicher Liebe. Die Existenzsicherung kann ebenso das Ziel sein wie die Beschaffung von Konsum- und Luxusgütern (in diesem Sinne meist Gelegenheitsprostitution, wie im Falle von Schülerinnen in Japan) oder (eher die Ausnahme) der Lustgewinn. In der Antike trat neben der Erwerbs- womöglich die Tempelprostitution auf.” Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Auch die Perspektive der Wirtschaftsethik kann eingenommen werden: Handelt es sich um ein Gewerbe, das sittenwidrig ist? Oder die Perspektive der Informationsethik: Wie sind Vermittlungs- und Bewertungsplattformen einzustufen, auf denen Bilder von Prostituierten gezeigt und deren Dienstleistungen bewertet werden? Der Beitrag ist am 27. November 2018 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/prostitution-100063 heruntergeladen werden.

Abb.: Wegweiser zu einem Bordell in Las Vegas

Die Maschine als Gespielin

Unter der Überschrift “Die Maschine als Gespielin” berichtete die SonntagsZeitung am 21. Oktober 2018 über den zunehmenden Gebrauch von Liebespuppen und die Weiterentwicklung von Sexrobotern. Ein ähnlicher Artikel war bereits am 29. September des Jahres in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Oliver Bendel und Christian Weber hatten sich im Münchner Excelsior am Hauptbahnhof getroffen und waren von dort in Gedanken nach Dortmund gereist, wo sich das Bordoll befindet, und nach Barcelona und Moskau. Auch in der Schweiz, erzählte der Informations- und Maschinenethiker aus Zürich, legt sich das eine oder andere Etablissement eine Liebespuppe zu. Beispiele sind das Studio Elite in Luzern, die OltenGirls in Olten und der Lust-Tempel in Wohlen. Die Bereitstellung und Nutzung von Liebespuppen muss nach seiner Meinung erforscht werden, wie auch die Frage, ob man sie in Pflege und Therapie einsetzen kann. Der Beitrag in der SonntagsZeitung kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Eine Liebespuppe

Künstliches, aber lebensechtes Sprechen

Synthetische Stimmen kann man in vielfältiger Weise gestalten und anpassen. Man kann das Geschlecht vorgeben und das Alter, die Tonhöhe, die Klangfarbe und die Lautstärke variieren. Dafür steht zum Beispiel die Speech Synthesis Markup Language (SSML) zur Verfügung. Einige Befehle sind dafür geeignet, die Stimmen lebensechter zu machen. Selbst ein Flüstern kann man mit SSML inzwischen definieren, das ja nicht nur ein leises, sondern ein stimmloses Sprechen ist. Alexa wirkt damit noch menschlicher. Wie Google Duplex eindrucksvoll gezeigt hat, sind auch Pausen wichtig sowie Verzögerungslaute wie “Mmh” und “Ähh”, also spezifische Sprechweisen. Die Einbindung von Kopf- und Körpergeräuschen könnte den Echtheitsgrad und die Überzeugungskraft weiter steigern. Wenn sich der virtuelle Assistent räuspert, wenn er die Nase hochzieht, die gar nicht vorhanden ist, dürfte kaum noch jemand denken, dass es sich um kein menschliches Gegenüber handelt. Ferner ist es möglich, Neben- und Hintergrundgeräusche zu integrieren. Übertreiben darf man es freilich nicht, und alle Geräusche müssen letztlich zusammenpassen.

Abb.: Die Sprechpyramide

Ein bedingungsloses Grundeigentum

Prof. Dr. Oliver Bendel stellte in seinem abendfüllenden Vortrag “Das automatische Verschwinden der menschlichen Arbeit” im Stadthaus Ulm am 25. Oktober 2018 die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Roboter und KI-Systeme vor und diskutierte sie aus den Perspektiven von Informationsethik und Maschinenethik. Am Ende ging er auf das bedingungslose Grundeinkommen ein, das er begrüßt, und auf die Robotersteuer, die er skeptisch sieht. Zudem stellte er ein eigenes Konzept vor, das des bedingungslosen Grundeigentums. Dieses weise in aller Schärfe auf die Ungerechtigkeit hin, dass die Erde bereits aufgeteilt sei und die Neuankömmlinge sich lebenslang abmühen müssten, um schließlich ein kleines Grundstück bzw. ein kleines Haus erwerben zu können, wenn dies überhaupt möglich sei. Zugleich werfe es die eine oder andere neue Ungerechtigkeit auf, der man begegnen müsse. Der Vortrag löste ein großes Echo aus und wurde auch in der Südwest Presse besprochen.

Abb.: Das Ulmer Stadthaus vom Ulmer Münster aus gesehen

CONVERSATIONS 2018

CONVERSATIONS 2018 was a cross-disciplinary workshop to advance chatbot research. It took place on 26 October in St. Petersburg, at the School of Journalism and Mass Communications. “Chatbots enable users to interact with digital services in natural language, through text or voice dialogue. Customer service and digital assistants are applications areas where chatbots already have substantial impact. Also in other application areas, such as health and fitness, education, and information services, a similar impact is foreseen.” (Website Workshop) The event was open to all scientists and practitioners with an interest in chatbot research and design. Among the organizers were experts such as Asbjørn Følstad, SINTEF (Norway), and Symeon Papadopoulos, Centre for Research and Technology Hellas (Greece). Members of the program committee were among others Adam Tsakalidis, University of Warwick (UK), Despoina Chatzakou, Aristotle University of Thessaloniki (Greece), Eleni Metheniti, Saarland University (Germany), Frank Dignum, Utrecht University (Netherlands), and Oliver Bendel, School of Business FHNW (Switzerland). Further information on conversations2018.wordpress.com/.

Fig.: A bridge in St. Petersburg

AI love you

Unter der Überschrift “AI love you” berichtete die Süddeutsche Zeitung am 29. September 2018 über den zunehmenden Gebrauch von Liebespuppen und die Weiterentwicklung von Sexrobotern. Vorausgegangen war ein einstündiges Interview mit Oliver Bendel, der als Informations- und Maschinenethiker dieses Phänomen erforscht. Der Journalist und er trafen sich im Münchner Excelsior am Hauptbahnhof und reisten von dort in Gedanken nach Dortmund, wo sich das Bordoll befindet, und nach Barcelona und Moskau. Auch in der Schweiz, erzählte der Ethiker, legt sich das eine oder andere Etablissement eine Liebespuppe zu. So weit wie das Bordoll, wo es keine Menschen mehr gibt, die Besitzerin und die Kunden ausgenommen, treibt es aber noch niemand. Im Bordoll interessieren sich die meist jungen Männer auch für Fantasyfiguren, für Elfen und Manga- und Animemädchen. So etwas muss erforscht werden, wie auch die Frage, ob man Liebespuppen in Pflege und Therapie einsetzen kann. Dieser Frage widmet sich wiederum ein aktueller Beitrag von Oliver Bendel in der IT for Health. Der Beitrag in der Süddeutschen kann hier kostenpflichtig abgerufen werden.

Abb.: Eine Liebespuppe

Das Ah-Erlebnis

VRODO hat ein Interview mit dem Roboterphilosophen, Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Es ging um moralische Maschinen und am Rande auch um die Frage, ob Maschinen eines Tages Bewusstsein oder Selbstbewusstsein haben können. Für Oliver Bendel gehört zum Bewusstsein, dass eine innere Stimme ausruft: Ah, das ist ja die Welt! Diese innere Stimme kann seiner Meinung auch ein Tier haben. Jeder Igel, jede Kröte hat Bewusstsein. Zum Selbstbewusstsein gehört, dass die innere Stimme ausruft: Ah, das bin ja ich! Ein Affe hat Selbstbewusstsein. Der Roboterphilosoph denkt nicht, dass man ein echtes Bewusstsein von Maschinen wird schaffen können. Auf jeden Fall werde der Roboter nie mit seiner inneren Stimme ausrufen: Ah, das bin ja ich, der Roboter! “I, Robot” – das sei Science-Fiction. Die Forschung über maschinelles Bewusstsein hält Oliver Bendel dennoch für wichtig. Bei einem der Symposien der AAAI Spring Symposia an der Stanford University wird es um dieses Thema gehen. Das Interview wurde von Maximilan Schreiner geführt und kann über vrodo.de/was-ein-roboterphilosoph-ueber-maschinenmoral-denkt/ nachgelesen werden.

Abb.: Wie kommt Bewusstsein zustande?

Die Moral der Roboter

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift cooperativ (2/18) widmet man sich der Frage, ob Roboter Moral brauchen. Oliver Bendel zeigt seit einigen Jahren, wie maschinelle Moral entsteht, aus der Maschinenethik heraus, in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz und Robotik. Ob Roboter Moral brauchen, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Es bieten sich Stellvertretermaschinen mit einer Stellvertretermoral an, die der Besitzer oder Benutzer mit Hilfe eines Moralmenüs erzeugen kann, mit einer gewissen Freiheit, die auf der einen Seite von Voreinstellungen, auf der anderen Seite von Verordnungen und Gesetzen eingeschränkt wird. Stellvertretermaschinen dieser Art können in geschlossenen oder halboffenen Umgebungen unterwegs sein, etwa als Staubsaugerroboter im Haushalt oder als Sicherheitsroboter auf dem Betriebsgelände. Oliver Bendel kommt in dem Beitrag von Hermann Fritzl ebenso zu Wort wie Matthias Scheutz von der Tufts University School of Engineering und Bertram F. Malle von der Brown University. Der Artikel mit dem Titel “Brauchen Roboter Moral?” kann über issuu.com/cooperativ_oegv/docs/cooperativ_02_18_web aufgerufen werden. Zudem steht er hier als PDF zur Verfügung.

Abb.: Elektro hat noch keine Moral

Geplante Social-Media-Richtlinien des ORF

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat einen Entwurf für Social-Media-Richtlinien vorgelegt. Ist das Dokument, das derzeit in den sozialen Medien kursiert, echt, ist man beim Sender nicht in der Lage, den Begriff richtig zu schreiben. Mehrmals ist von “ORF Social Media-Richtlinien” die Rede. In den Medien wird die falsche Schreibweise teils stillschweigend korrigiert, was eine Verfälschung des Originals darstellt, teils kommentarlos übernommen. Aber weg vom Formalen, hin zum Inhaltlichen. Der Spiegel fasst zusammen, dass bei Inkrafttreten der Dienstanweisung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF sich “nicht mehr politisch kommentierend äußern” dürfen – “auch nicht als Privatpersonen” (SPON, 27. Juni 2018). Sogar “Likes, Dislikes, Recommends, Retweets oder Shares” seien zu unterlassen, denn eine “Meinungsbekundung” (SPON, 27. Juni 2018) könne auch indirekt erfolgen. Die Zeitschrift spricht in der Überschrift ihres Artikels von einem “Maulkorb”. In ihrer Analyse stellt sie fest, dass sich mit der geplanten Verordnung “Vertreter der Regierungsparteien ÖVP und FPÖ im Stiftungsrat … durchgesetzt haben” (SPON, 27. Juni 2018). SRF hatte ebenfalls rigide Richtlinien, die vor der No-Billag-Initiative etwas gelockert wurden, damit sich die Journalisten gegen diese aussprechen konnten. Grundsätzlich handelt es sich bei Social-Media-Richtlinien dieser Art um einen massiven Eingriff in die Meinungsfreiheit, der von Medien- und Informationsethik untersucht werden kann.

Abb.: Müssen ORF-Mitarbeitende künftig schweigen?

Understanding AI & Us

The international workshop “Understanding AI & Us” will take place in Berlin (Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society) on 30 June 2018. It is hosted by Joanna Bryson (MIT), Janina Loh (University of Vienna), Stefan Ullrich (Weizenbaum Institute Berlin) and Christian Djeffal (IoT and Government, Berlin). Birgit Beck, Oliver Bendel and Pak-Hang Wong are invited to the panel on the ethical challenges of artificial intelligence. The aim of the workshop is to bring together experts from the field of research reflecting on AI. The event is funded by the Volkswagen Foundation (VolkswagenStiftung). The project “Understanding AI & Us” furthers and deepens the understanding of artificial intelligence (AI) in an interdisciplinary way. “This is done in order to improve the ways in which AI-systems are invented, designed, developed, and criticised.” (Invitation letter) “In order to achieve this, we form a group that merges different abilities, competences and methods. The aim is to provide space for innovative and out-of-the-box-thinking that would be difficult to pursue in ordinary academic discourse in our respective disciplines. We are seeking ways to merge different disciplinary epistemological standpoints in order to increase our understanding of the development of AI and its impact upon society.” (Invitation letter)

Fig.: The Humboldt Box in Berlin

Therapie- und Pflegeroboter im Spiegel

Bei Spiegel Plus ist am 24. Mai 2018 der Artikel “Roboter als Altenpfleger – hier ist es bereits Realität” von Stefan Schultz erschienen. Es wird auf Therapie- und Pflegeroboter eingegangen, wie sie etwa in der Schweiz eingesetzt werden. “Sie spielen mit Dementen und heben Senioren aus dem Bett: Was passiert, wenn Roboter immer mehr Aufgaben in der Pflege übernehmen? Eine Reportage aus einem der fortschrittlichsten Altersheime der Welt.” (Spiegel, 24. Mai 2018) Dabei wird auch die Perspektive des Patienten eingenommen: “Für Irène Brehm, 65, ist es Liebe auf den ersten Blick. Fest hält sie die kleine Robbe im Arm, streichelt ihr Fell, liebkost ihre Schnurrhaare. Lacht, als die Robbe plötzlich losquiekt.” (Spiegel, 24. Mai 2018) Zu Wort kommt mehrmals der in Zürich lebende Wirtschaftsinformatiker und Roboterphilosoph Oliver Bendel. Er hat im September 2017 für die Daimler und Benz Stiftung den Ladenburger Diskurs zu Pflegerobotern ausgerichtet – der dazugehörige Herausgeberband (Open Access) erscheint bei Springer im Herbst 2018. Der Artikel ist kostenpflichtig. Der Teaser kann hier gelesen werden.

Abb.: Demente werden immer häufiger mit Therapierobotern konfrontiert

 

SRF 2 Kultur zu Erotik 4.0

“Erotik 4.0 – Gedankenspiel Sexroboter” lautet der Titel einer Sendung bei SRF 2 Kultur, die am 13. Juni 2018 ab 9 Uhr ausgestrahlt wird. “In Dortmund gibt es ein Sexpuppen-Bordell, in Barcelona sogar schon ein Sexroboter-Bordell. Der Roboterphilosoph Oliver Bendel findet diese Entwicklung gefährlich. Denn noch wissen wir nicht, welche Folgen Sexroboter für uns Menschen haben, die empirische Forschung fehlt noch.” (Website SRF) Er spricht sich nicht gegen die Entwicklung aus, sondern ist eben dafür, Forschung in diesem Bereich zu betreiben und die Anwendung genau im Auge zu behalten. In der “Kontext”-Sendung geht es zunächst um Harmony. “Wer ist sie und was kann sie?” Dann wird die Frage gestellt: “Wie soll der Sexroboter aussehen?” Oliver Bendel denkt laut über das Aussehen von Sexrobotern abseits der Stereotype nach. Schließlich findet ein “Gedankenspiel” statt, und KI-Experte und Schachmeister David Levy, Roboterethikerin Kathleen Richardson und Roboterphilosoph Oliver Bendel kommen zu Wort. Weitere Informationen über www.srf.ch/sendungen/kontext/erotik-4-0-gedankenspiel-sexroboter.

Abb.: Wer ist sie und was kann sie?

Sex Robots are Coming

“Sex robots are coming, but the argument that they could bring health benefits, including offering paedophiles a ‘safe’ outlet for their sexual desires, is not based on evidence, say researchers. The market for anthropomorphic dolls with a range of orifices for sexual pleasure – the majority of which are female in form, and often boast large breasts, tiny waists and sultry looks – is on the rise, with such dummies selling for thousands of pounds a piece.” (Guardian, 5 June 2018) These are the initial words of an article in the well-known British daily newspaper Guardian, published on 5 June 2018. It quotes Susan Bewley, professor of women’s health at Kings College London, and Oliver Bendel, professor at the School of Business FHNW. Oliver Bendel is not in favor of a ban on the development of sex robots and love dolls. However, he can imagine that the area of application could be limited. He calls for empirical research in the field. The article can be accessed via www.theguardian.com/science/2018/jun/04/claims-about-social-benefits-of-sex-robots-greatly-overstated-say-experts.

Fig.: A love doll