Kategorie: Empfehlungen

Researcher in Ethics of Data and Algorithms

The Oxford Internet Institute is looking for a full-time postdoctoral researcher who will work on the ethical challenges posed by the internet of things, with a focus on privacy, trust, and personal identity. The researcher “will review the literature, elaborate new analyses and hypotheses, and publish the results, in collaboration with Professor Floridi” (Website Oxford Internet Institute). “The selected candidate will also contribute to the dissemination of the findings through presentations, the organisation of workshops, participation into conferences, and social media.” (Website Oxford Internet Institute) According to the website of the Oxford Internet Institute, candidates who have completed a doctorate in philosophy or any other relevant discipline with a strong component of ethics are welcome. The position “is available immediately for 24 months in the first instance, with the possibility of renewal thereafter, funding permitting” (Website Oxford Internet Institute). Only applications received before 12:00 midday GMT on November 30, 2016 will be considered. Further information via https://www.oii.ox.ac.uk/new-positions/.

Ein locker geflochtener Zopf

Dass Roboter auch Gedichte vortragen können, zeigt ein Projekt von Oliver Bendel, gestartet im November 2016. Benutzt wurde für den ersten Versuch die Text-to-speech-Engine von IBM Watson. Diese kann im Prinzip für Vorlesesysteme, für Chatbots oder für Serviceroboter verwendet werden. Das Gedicht wurde mit Hilfe der Speech Synthesis Markup Language (SSML) angepasst, einer auf XML basierenden Auszeichnungssprache. Die deutsche Stimme “Birgit” unterstützt diese teilweise. So konnte das Personalpronomen “sie” an drei Stellen in der Aussprache etwas verlängert werden. Es wurden Pausen am Anfang eingebaut, damit der Titel und die Metainformationen (Autor, System, Stimme, Datum) nicht zu schnell nacheinander gesprochen werden, zudem Pausen zwischen den Strophen. Der Titel des Gedichts lautet “Ein locker geflochtener Zopf”. Es geht um eine Astronautin, die auf einem Planeten, der Atmosphäre besitzt, ihr Haar schüttelt. Ein Roboter ist bei ihr, ein eitler Geck, der sich am liebsten selbst betrachtet. Die Texte aus der Sammlung “Die Astronautin” kreisen um eine Frau im besten Alter, die allein in den Tiefen des Alls unterwegs ist. Veröffentlicht wurde daraus bisher nur “Auf dem obersten Deck”, und zwar in der Anthologie “Worte reden, Worte schweigen” von 2013. Das Gedicht kann hier im Format .ogg heruntergeladen und beispielsweise im VLC Media Player angehört werden. In weiteren Versuchen will der Autor die Stimme selbst verändern und die eine oder andere Passage anders betonen lassen.

Abb.: Ein locker geflochtener Zopf

Eine Steuer für Roboter?

Im Sommer 2016 hatte Oliver Bendel auf Wunsch eines Abgeordneten den Initiativbericht einer Arbeitsgruppe des EU-Parlaments kommentiert. Am Rande geht es darin um die Robotersteuer. Die Schweiz am Sonntag befragte Oliver Bendel zu diesem Vorschlag. Er antwortete: “Wenn die Robotersteuer dazu beitragen würde, die Gewinne gerecht zu verteilen, auch an diejenigen, die wegen der Roboter nicht eingestellt oder wegen ihnen entlassen wurden, könnte man über eine Einführung nachdenken. Es gibt natürlich noch andere Wege, die Versicherungssysteme zu erhalten und die Menschen in den Stand zu setzen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nachdenken muss man über ein bedingungsloses Grundeinkommen, das wiederum mit einer Robotersteuer verbunden sein kann.” Und weiter: “Ein praktisches Problem bei der Umsetzung der Robotersteuer ist, wie man überhaupt Roboter definiert und welche Roboter man besteuert. Konzentriert man sich auf klassische Industrieroboter? Oder auf neue, die sich anpassen können und die nicht ortsgebunden sind? Die womöglich mit unterschiedlichen Werkzeugen bestückt sind? Sind es dann noch die selben Roboter, wenn sie ganz unterschiedliche Aufgaben mit ganz unterschiedlichen Werkzeugen erledigen? Unterscheidet man Hardware- und Softwareroboter? Was ist, wenn man hunderttausende Softwareroboter ‘beschäftigt’? Was ist, jenseits der Industrieroboter, mit Servicerobotern? Muss die Post die Arbeit ihrer Paketroboter oder ein Bordell seine Sexroboter besteuern lassen?” Neben Oliver Bendel wurden u.a. noch Mathias Binswanger und Jürgen Schmidhuber befragt. Der Artikel mit dem Titel “Sollen Roboter Steuern zahlen?” ist am 6. November 2016 in der gedruckten Ausgabe erschienen und kann über www.schweizamsonntag.ch/ressort/nachrichten/sollen_roboter_steuern_zahlen/ abgerufen werden.

Abb.: Müsste auch dieses Gerät besteuert werden?

Die Medienkompetenz an Schulen testen

Pro Juventute hat im November 2016 einen “kostenlosen Medienprofis-Test für die 3. bis 8. Klasse” lanciert. Auf der Website www.projuventute.ch heißt es: “98 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz haben ein Smartphone. Sie nutzen die damit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bisher aber oft ohne das nötige Knowhow und die erforderliche kritische Reflexion. Der Umgang mit Internet, Handy und sozialen Medien ist daher fester Bestandteil des Lehrplans 21. Für diesen wichtigen Schritt bietet Pro Juventute den Schulen nun einen innovativen, webbasierten Einstufungstest an, der das Medienwissen der Schülerinnen und Schüler misst und den Lehrpersonen darauf basierend Unterrichtsinhalte und Lehrmittel vorschlägt. Der sogenannte Medienprofis-Test ist der erste seiner Art. Entwickelt hat ihn die Pädagogische Hochschule Schwyz im Auftrag von Pro Juventute nach streng wissenschaftlichen Kriterien. Die Entwicklung des Tests wurde durch die finanzielle Unterstützung von Google.org im Rahmen einer mehrjährigen Partnerschaft mit Pro Juventute ermöglicht.” Und weiter: “Ab sofort können Lehrpersonen den Medienkompetenztest für die 3. bis 8. Klasse unter www.medienprofis-test.ch kostenlos nutzen. Der Medientest steht Schulen ab sofort in Deutsch und ab Frühjahr 2017 in Französisch und Italienisch zur Verfügung.” Auch informationsethische Fragen werden berührt, etwa im Falle von Sexting.

Abb.: Selfies und Sexting sind Phänomene, die Medienkompetenz erfordern

Social Bots

Das KLEINE LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK hat einen neuen Eintrag, nämlich zu Social Bots. Diese ziehen derzeit die Aufmerksamkeit auf sich. Social Bots sind Bots, die in sozialen Medien, etwa Microblogs und sozialen Netzwerken, Profile nutzen, die für sie eingerichtet wurden, oder selbst Profile einrichten, und die Kommentare schreiben und Informationen verbreiten, bei denen es sich oft um Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschinformationen handelt. Dadurch, dass man sie beliebig vervielfältigen kann, entstehen regelrechte Armeen von künstlichen Meinungsmachern. Die meisten Experten halten Social Bots für eine problematische Erscheinung. Und man kann wenig dagegen tun. Überhaupt wird immer mehr Robocontent generiert, in Form von automatisch erstellten Büchern, auf Newsportalen, auf denen Informationen automatisiert veröffentlicht werden, über Chatbots und virtuelle Assistenten. Das KLEINE LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK enthält inzwischen ca. 200 Begriffe. Die meisten von ihnen wurden von Oliver Bendel eigens für die Plattform verfasst. Mehrere Definitionen sind angelehnt an das Online-Glossar der Learntec aus dem Jahre 2008 von Oliver Bendel und Stefanie Hauske. Manche finden sich in stark erweiterter Form im Wirtschaftslexikon von Gabler (wirtschaftslexikon.gabler.de) bei den Beiträgen von Oliver Bendel. Weitere verwendete Publikationen sind auf www.oliverbendel.net und in der Literaturliste von informationsethik.net aufgeführt. Das Lexikon ist ein kostenloses Angebot für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Mitarbeitende von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen sowie Journalistinnen und Journalisten.

Abb.: Social Bots sind die Papageien der sozialen Medien

Humanoide Roboter

Im Handelsblatt Magazin ist am 7. Oktober 2016 der Artikel “Humanoide Roboter” von Christian Wermke erschienen. Er fängt wie folgt an: “Bevor er den ersten Schritt macht, schaut Hubo auf den Boden. Er scannt mit seinen Kameraaugen die unebenen, grauen Betonsteine, die Motoren summen, vorsichtig hebt er das rechte Bein. Zwar dauert es fast noch eine ganze Minute, bis er das gut ein Quadratmeter große Hindernis überwunden hat. Aber: Hubo kann laufen. Und er kann noch viel mehr. Hubo ist einer der am weitesten entwickelten Roboter der Welt. 2015 gewann er die Darpa Robotics Challenge – einen vom US-Verteidigungsministerium initiierten Wettbewerb. Wenn man so will: die WM der humanoiden Roboter. Und Hubo ist der beste von 23. Der Mensch-Maschine-Meister. Acht Prüfungen musste das 80-Kilo-Wesen bestehen: ein Fahrzeug steuern, eine Tür öffnen, Treppen steigen, ein Loch bohren. 44 Minuten und 28 Sekunden brauchte er für alle Aufgaben.” (Handelsblatt Magazin, 7. Oktober 2016) Zu Wort kommen der Robotiker Jun Ho Oh vom Humanoid Robot Research Center in Daejeon, Südkorea, und Oliver Bendel, Roboter- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel hat 2842 Wörter und kann sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form bezogen werden, jeweils kostenpflichtig.

Abb.: Die humanoiden Roboter kommen

Initiative fordert Grundrechte für Affen

Eine Initiative fordert für Affen im Kanton Basel-Stadt, wie die Basler Zeitung am 22. Juni 2016 berichtet hat, “das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit”. “Damit sollen die Tiere vor Diskriminierung geschützt werden.” (Basler Zeitung, 22. Juni 2016) Das entsprechende Positionspapier ist bereits im April 2016 erschienen. Im Abstract heißt es: “Nichtmenschliche Primaten sind hochkomplexe Wesen und besitzen ein fundamentales Interesse daran, zu leben und körperlich und geistig unversehrt zu bleiben. Die bestehenden rechtlichen Bestimmungen in der Schweiz tragen diesen Interessen aber kaum Rechnung, weshalb Primaten des Schutzes durch Grundrechte bedürfen.” Autorinnen und Autoren sind Raffael Fasel (Sentience Politics), Charlotte Blattner (PhD-Kandidatin im Völker- und Tierrecht, Universität Basel), Adriano Mannino (Präsident von Sentience Politics) und Tobias Baumann (Leiter Strategie von Sentience Politics). Als Unterstützer werden Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW) und Prof. Dr. Markus Wild (Universität Basel) genannt. Bendel verbindet in seiner Forschung Maschinen- und Tierethik und hat im April 2016 zur Tier-Maschine-Interaktion an der Universität Bochum einen Vortrag gehalten, der in die “Hörsaal“-Reihe von DRadio Wissen aufgenommen wurde. Wild vertritt an seiner Hochschule u.a. die Tierphilosophie, inklusive der Tierethik, sowie die Philosophie der Biologie. Das Positionspapier kann direkt über sentience-politics.org heruntergeladen werden.

Abb.: Affe in Gibraltar

Übernahme von KUKA

Vom Deutschen Bundestag, genauer gesagt vom Ausschuss Digitale Agenda, wurde Oliver Bendel im Vorfeld der Anhörung vom 22. Juni 2016 als Sachverständiger zu seiner Meinung zur Rolle von Deutschland bei der Entwicklung von Robotern befragt. Er hat dazu u.a. ausgeführt: “In Deutschland sind wichtige Robotikunternehmen angesiedelt, wie Krones und KUKA, weiterhin solche Unternehmen, die integrierende Elemente anbieten, sowie solche, die erfolgreich traditionelle Produkte in Roboter verwandeln, etwa Staubsauger oder Automobile. Zudem hat es wichtige Forschungseinrichtungen, die die Disziplin der Künstlichen Intelligenz vertreten.” Mit Blick auf KUKA und bestimmte Start-ups führte er aus: “Es ist wichtig, dass Know-how im Land bzw. in Europa bleibt und führende Robotikunternehmen nicht verkauft werden. Die Forschung zur Robotik, auch zur sozialen Robotik, ist auszubauen. Robotik muss zudem noch interdisziplinärer werden. Psychologie, Philosophie und andere Disziplinen, die beitragen können, sind an den Hochschulen zu stärken und in den Curricula zu erweitern. In Europa kann, vor dem Hintergrund der Aufklärung, des Humanismus und einer einflussreichen Tradition der philosophischen Reflexion, ein eigener Zugang zur Robotik geschaffen werden, der nicht technikzentriert, sondern menschen- und tierbezogen ist.” In den Medien wird in diesen Tagen über eine Übernahme von KUKA durch den chinesischen Konzern Midea berichtet. Die Anhörung kann über www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-digitale-agenda/427996 aufgerufen werden.

Information Cultures in the Digital Age

Jared Bielby announced in these days that “Information Cultures in the Digital Age: A Festschrift in Honor of Rafael Capurro” is complete “and set to be published by Springer in July 2016″ (Information via ICIE mailing list). “Matt Kelly and I have had the privilege of working with some of the most forward thinking scholars of the field during our time as editors for this very important volume on information culture and practice.” (Information via ICIE mailing list) The Co-chair of the International Center for Information Ethics declared: “For several decades Rafael Capurro has been at the forefront of defining the relationship between information and modernity through both phenomenological and ethical formulations. In exploring both of these themes Capurro has re-vivified the transcultural and intercultural expressions of how we bring an understanding of information to bear on scientific knowledge production and intermediation. Capurro has long stressed the need to look deeply into how we contextualize the information problems that scientific society creates for us and to re-incorporate a pragmatic dimension into our response that provides a balance to the cognitive turn in information science.” (Information via ICIE mailing list) With contributions from 35 scholars from 15 countries, the book “focuses on the culture and philosophy of information, information ethics, the relationship of information to message, the historic and semiotic understanding of information, the relationship of information to power and the future of information education” (Information via ICIE mailing list). Further information at www.infoculturesbook.com.

Fig.: Selfies belong to the digital age

Mobile Connectivity im Unternehmen

Der Themenschwerpunkt “Mobile Connectivity” des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen schreibt nach Angaben der Veranstalter die Tradition des Forums fort, jedes Jahr die aktuelle Innovationsstufe bei mobilen Unternehmensanwendungen in den Blick zu nehmen. Tablets und Smartphones seien in Workplace Solutions heute selbstverständlich; nun werde unter dem Begriff “Smart Connected Devices” auch das Potenzial von vernetzten Brillen, Armbändern und Handschuhen in Mobile-Business-Lösungen untersucht, integriert und ausgeschöpft. “Das #mbforum16 greift diese Themen in Keynotes und interaktiven Formaten auf.” (Website Mobile Business Forum) An der Paneldiskussion zu “Future Mobile Innovation: Visions, Business, Barriers” nehmen Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Christoph Gugl (Helbling Technik AG), Reto C. Zbinden (Swiss Infosec AG) sowie Dr. Pekko Vehviläinen (“Most quantified Man in Finland”) teil. Oliver Bendel ist als Informationsethiker eingeladen. Er hat bereits über Human Enhancement und über Wearables gearbeitet. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Referentinnen und Referenten über mbforum.iwi.unisg.ch.

Abb.: Mobile Connectivity wird immer wichtiger

IT-Jobs mit Sex-Appeal

Im FNT Kundenmagazin 2 (März 2016) ist ein Beitrag von Alexander Freimark mit dem Titel “IT-Jobs mit Sex-Appeal” erschienen. Darin werden neue Rollen und Berufe wie Data Scientist, Cyber-Security-Experte, Chief Service Officer und Maschinenethiker genannt. Datenwissenschaftler “entwickeln Modelle, um betrügerische Transaktionen von Kreditkarten, Störungen in Produktionsabläufen oder beleidigende Kommentare in Online-Foren zu erkennen” (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Dr. Angelika Voss verantwortet am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS das dazu passende Schulungsprogramm: “In der Regel sind unsere Teilnehmer Mitarbeiter von Unternehmen, die sich in der Datenanalyse auskennen, IT-affin sind – und die darüber hinaus noch verstehen, wie in ihrer Branche Geld verdient wird.” (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Die Sicherheitsexperten für den virtuellen Raum können sich “in die Denkweise der Kriminellen hineinversetzen” und können “Angriffe schon im Vorfeld verhindern” (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Der CSO ist “eine Art Coach der Service-Organisation” (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Zum Jobprofil des Maschinenethikers erläutert Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW: “In Zukunft müssen wir mehr nach der Moral von Maschinen fragen, weil immer mehr autonome und teilautonome Systeme Entscheidungen mit moralischen Implikationen treffen.” (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Dabei gehe vor allem auch darum, die Folgen der Entscheidungen abzuwägen. Der Artikel wurde vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Der Cyber-Security-Experte wendet heute andere Methoden an

Beitrag zu disruptiven Technologien

“Disruptive Technologien”, so beginnt ein neuer Beitrag im Wirtschaftslexikon von Gabler, “unterbrechen die Erfolgsserie etablierter Technologien und Verfahren und verdrängen oder ersetzen diese in mehr oder weniger kurzer Zeit. Sie verändern auch Gewohnheiten im Privat- und Berufsleben.” Weiter heißt es: “Oft sind sie zunächst qualitativ schlechter oder funktional spezieller, was mit ihrer Digitalisierung zusammenhängen kann, und gleichen sich dann nach und nach an ihre Vorgänger an bzw. übertreffen diese in bestimmten Aspekten. Das umstrittene Prinzip geht auf den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler und Geistlichen Clayton M. Christensen zurück, der nach Ursachen für das Scheitern von Unternehmen suchte.” Oliver Bendel diskutiert den Begriff und stellt das Phänomen dar und geht am Ende kurz auf die ethische Dimension ein: “Die Informationsethik widmet sich den Chancen und Risiken disruptiver Technologien für die Informationsgesellschaft, die Wirtschaftsethik den Konsequenzen für Staat, Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden.” Der Beitrag, erschienen am 5. April 2016, kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/disruptive-technologien.html aufgerufen werden.

Abb.: Auch das Tablet gehört zu den disruptiven Technologien

CSR im Informationszeitalter

“Unternehmensverantwortung gegenüber der Informationsgesellschaft” lautet der Titel eines Beitrags von Oliver Bendel für das OCG Journal (1/2016). Es handelt sich um eine Überarbeitung des Artikels “Unternehmensverantwortung im Informationszeitalter” für die Netzwoche. Es werden Begriffe der Wirtschafts- und der Informationsethik geklärt, und es wird auf CSR eingegangen. Dazu heißt es: “Die Frage, was Corporate Social Responsibility ist, muss im Informationszeitalter und gegenüber der Informationsgesellschaft neu beantwortet werden. Die Wirtschaftsethik hat sich … mit der Informationsethik zusammenzuschließen.” Den konkreten Aktivitäten widmen sich die letzten Zeilen: “In Deutschland hat man entsprechende Institute und Lehrstühle eingerichtet, und auch in der Schweiz engagiert man sich, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur und an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten und Brugg-Windisch mit dem Fach Informationsethik. In Österreich haben die Kritischen Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Jahre 2015 eine Tagung zum Thema veranstaltet.” Das Heft der Österreichischen Computer Gesellschaft, das den Schwerpunkt “Wirtschaftsethik in der digitalen Welt” hat, kann über www.ocg.at/sites/ocg.at/files/medien/pdfs/OCG-Journal1601.pdf heruntergeladen werden.

Abb.: Die Ethik gewinnt an Bedeutung

Neuerscheinung zur Moral in der Maschine

Die Maschinenethik hat die Moral von Maschinen zum Gegenstand. Die meisten ihrer Vertreter und Anhänger sitzen in den USA, doch auch in Europa wächst das Interesse am Thema. Philosophen, Robotiker oder Experten für Künstliche Intelligenz stellen sich Fragen dieser Art: Können Maschinen gut oder böse sein? Kann man von einer Moral der Maschinen sprechen? Verwendet man Regeln oder Fälle? Hat die Maschinenethik eine Existenzberechtigung? Ist sie Konkurrenz oder Pendant zur Menschenethik? Letzten Endes geht es darum, ob bzw. wie man (teil-)autonomen Systemen so etwas wie Moral beibringen kann. Untersucht und erweitert werden unter anderem Chatbots, Serviceroboter, autonome Drohnen, ob zivil oder militärisch genutzt, und selbstständig fahrende Autos. Im Telepolis-Buch “Die Moral in der Maschine” (Heise Medien), erschienen im Februar 2016, finden sich (populär-)wissenschaftliche und journalistische Beiträge von Oliver Bendel aus den Jahren 2012 bis 2016 zur Roboterethik und zur Maschinenethik. Sie sind in ganz unterschiedlichen schweizerischen und deutschen Zeitungen und Zeitschriften sowie auf einschlägigen Plattformen erschienen und widmen sich technischen Implementierungen, vor allem aber philosophischen Implikationen.

Abb.: Auch das Trolley-Problem kommt im Buch vor, als Roboterauto-Problem

Lektionen des Alters

Prof. Dr. Helmut Bachmaier hat mit “Lektionen des Alters” ein gehaltvolles und lesenswertes Buch vorgelegt, das u.a. in die Altersethik einführt. Im Vorwort findet sich auch die Perspektive der Informationsethik: “Leben wir bereits in einer Wirklichkeit, die einem Panoptikum gleicht? Das Panoptikum des utilitaristischen Philosophen Jeremy Bentham (1748-1832) bezog sich auf den Bau von Gefängnissen, übertragbar auf Fabrikanlagen, die von der Mitte, von einem Punkt, von einem Turm aus völlig überwacht werden können: Ein Einzelner kann gleichzeitig viele kontrollieren. Oder wird uns ‘Big Brother’ heimsuchen? Bei George Orwell … ist der Große Bruder der fiktive Diktator eines totalitären Staates, der die Kontrolle seiner Bürger hemmungslos durchführt und keinerlei Privatsphäre mehr zulässt. Jüngst hat Dave Eggers in seinem Roman ‘The Circle’ (2014) den ‘Silicon-Valley-Horror’ (NZZ) einer Welt der totalen Vernetzung anschaulich und plausibel vorgeführt, und zwar anhand einer Firma, die Google, Facebook, Twitter und Apple in eins ist. Eine von dort verliehene Internetidentität ersetzt unsere Individualität und degeneriert uns zu ohnmächtigen Subjekten. Sicher wird uns in solcher Umgebung klargemacht, was im Alter notwendig ist und wie wir leben müssen.” Und sicher sind es solche Gedanken wert, weitergesponnen zu werden, bis hin zu einer Informationsethik des Alters oder einer Altersethik der Informationstechnologie. Das Buch des Literaturwissenschaftlers und Alternsforschers hat 216 Seiten und ist 2015 bei Wallstein erschienen.

Abb.: Das Handy wird von allen Generationen genutzt

Maschinenethik im Comicheft

Yps war jahrzehntelang das Kultheft für Kinder. Diese fieberten vor allem den Gimmicks entgegen, von denen sich einige bis heute im kollektiven Gedächtnis erhalten haben, etwa der Solarzeppelin, das Abenteuerzelt und die Maschine, mit deren Hilfe man eckige Eier macht. Auch umstrittene Beilagen wie die Urzeitkrebse und die Tropenschmetterlinge müssen erwähnt werden. Eigene Produktionen, u.a. mit dem karierten Yps-Känguru, und lizensierte Comics dienten als leichtverdauliches Lesefutter. Ein paar Jahre nach der Einstellung im Jahre 2000 erschienen Testausgaben, die sich an Erwachsene richteten. Der große Erfolg blieb aus. Nach einer längeren Zeit versuchte man es nochmals, mit einer thematischen Fokussierung auf Mode, Automobile und Technik und einem durchgehenden Bezug – so die Pressemitteilung des Verlags – “zu Karos, Kängurus oder Kohl”. Das Konzept ging auf, und so erhalten die Kinder von damals inzwischen jeden zweiten Monat eine Ausgabe. Die erste des Jahres 2016 wartet mit einem Schwerpunkt zu Robotern und Cyborgs auf. Der “Blick in die Zukunft” widmet sich daneben Fleischimitaten und Traktorstrahlen. Auf Seite 20 findet sich ein Interview mit Oliver Bendel zu Robotik und Maschinenethik. Mit www.yps.de ist das Heft auch im Web präsent.

Abb.: Roboter im Comic

Workshop zur Ethik der Künstlichen Intelligenz

Der Call for Papers zum Workshop ETHICS FOR ARTIFICIAL INTELLIGENCE bei der 25th International Joint Conference on Artificial Intelligence IJCAI-16 sollte Informations-, Maschinen- und Roboterethiker gleichermaßen interessieren. In der Beschreibung heißt es: “Recent progress in various subfields of AI has caused some researchers and pundits to raise concerns about the dangers that AI might ultimately pose. These concerns range from questions about the ethics of delegating to military drones the authority to decide when to attack human targets, up to fears about a possible existential risk posed by AI technologies … Much of the debate surrounding these issues has taken place in a scientific vacuum, uninformed by the experiences and insights of practicing AI researchers. Meanwhile, a wide range of other and sometimes less obvious ethical issues arise from current and proposed use of AI in diverse areas such as medicine, social care, autonomous trading agents and autonomous vehicles.” (Website Workshop) Zum Ziel des Workshops wird gesagt: “The aim of this workshop is to bring together … AI researchers and others interested in understanding how the discipline of AI should respond to these concerns. The workshop particularly aims to foster an active exchange of ideas between attendees from different disciplinary backgrounds to gain a better understanding of the ethical issues surrounding AI.” (Website Workshop) Die Konferenz findet vom 9. – 15. Juli 2016 in New York statt. Weitere Informationen über www.cs.ox.ac.uk/efai/call-for-papers/.

Abb.: Autonome Autos sind ein Thema des Workshops

37 Grad im Schatten, sagt der Lügenbot

An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wird ab Frühjahr 2016 im Rahmen einer Abschlussarbeit ein Lügenbot (Liebot) entwickelt. Der betreuende Professor, Dr. Oliver Bendel, hat seit 2013 mehrere Artikel über Münchhausen-Maschinen und den Lügenbot publiziert, etwa “Wenn ein Chatbot zum Lügenbot wird“, “Können Maschinen lügen? Die Wahrheit über Münchhausen-Maschinen” und “Der Lügenbot und andere Münchhausen-Maschinen“. In “Robots between the Devil and the Deep Blue Sea” wurde zudem das sogenannte Lügenbot-Problem vorgestellt, als eines von vier Dilemmata. In den Beiträgen wurde stets die Sprachlichkeit des Lügens betont. Wer etwas sagen kann, so der Autor, und dabei eine gewisse Absicht verfolgt, der kann auch die Unwahrheit sagen. Man könnte also Lügenmaschinen bauen, die mit falschen Versprechungen locken, das Blaue vom Himmel erzählen – und uns letztlich verwundert und verunsichert zurücklassen. Das müssen auch Unternehmen berücksichtigen, und sie müssen etwas dafür tun, damit unser Vertrauen in die Maschinen gerechtfertigt ist. Der Student wird den Chatbot für zwei Szenarien realisieren, den Einsatz im Auftrag der Lebensmittel- und der Tourismusbranche. Bereits 2013 kam der GOODBOT als einfache moralische Maschine auf die Welt. Der Lügenbot könnte als einfache unmoralische Maschine bezeichnet werden, wobei Lügen natürlich nicht per se schlecht ist. Er ist interessant für die Maschinenethik als Gestaltungsdisziplin und für die Informationsethik als Reflexionsdisziplin. Über die Resultate des Projekts wird zur gegebenen Zeit auf maschinenethik.net informiert.

Abb.: Auch ein Meister der Lüge

Lexikon zur Informationsethik

Anfang 2016 erscheint ein neues Springer-Lexikon mit dem Titel “300 Keywords Informationsethik”. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker, Professor an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, hat das ganze Werk mit seinen 250 Seiten verfasst. Dadurch handelt es sich um ein Nachschlagewerk aus einem Guss, was eine Seltenheit und eine Besonderheit ist. Manche der Begriffe werden kurz und knapp erklärt, andere seitenlang. Nach der Lektüre ist man umfassend in die Bereichsethik eingeführt, die auch mit dem Begriff der digitalen Ethik umrissen wird und der man Computerethik, Netzethik und Neue-Medien-Ethik zuordnen kann. Und auch die Maschinenethik und die Roboterethik sind einem nicht mehr fremd. Natürlich lernt der Leser den Big Brother (und den Little Brother) kennen, und es kommt ihm die Filter Bubble entgegengeschwebt. Gespannt sein darf man auf den Cyberhedonismus, den Sexroboter und den Wutbürger. Weitere Informationen sind über Springer erhältlich.

Abb.: Cover des neuen Lexikons

Technik unter der Haut

“Die mikroelektronische Revolution, die nach der Erfindung des Transistors und der integrierten Schaltkreise in den 1960er-Jahren einsetzte, eröffnete auch der Medizintechnik völlig neue therapeutische Wege.” Mit diesen Worten beginnt eine Pressemitteilung der Daimler und Benz Stiftung. Angekündigt wird der Vortrag “Technik unter der Haut – Elektronische Pillen oder Ersatzteile für Maschinenmenschen” von Prof. Dr. Thomas Stieglitz im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart. Gegenwärtig erlebe man eine enorme Ausweitung der Möglichkeiten, da es Forschern immer perfekter gelinge, Muster von Nervensignalen in Rückenmark und Gehirn zu verändern – und diese sozusagen zu überschreiben. So können laut der Stiftung “hochgradig gelähmte Menschen mittels Gedankenkraft Gegenstände steuern”, werden “fühlende Prothesen” entwickelt, können “epileptische Anfälle oder das Zittern bei Parkinson-Patienten verringert sowie Depressionen und Zwangsstörungen gelindert werden” (Pressemitteilung Daimler und Benz Stiftung). Diese sogenannten “Elektrozeutika”, eine Art von “elektronischen Pillen”, vermögen – so weiter die Ausführungen – “die Gabe von Medikamenten zu verringern oder gar zu ersetzen” (ebd.). “Dabei stellt sich aber eine wichtige ethische Frage: Kontrolliert der Mensch noch die Maschine oder wird er von ihr kontrolliert?” (ebd.) Dies ist eine Frage für Informations-, Technik- und Medizinethik und ein weiteres Beispiel dafür, dass diese eng kooperieren müssen. Weitere Informationen über www.daimler-benz-stiftung.de.

Abb.: Mensch und Maschine – wer kontrolliert wen?