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Hello, sagt Barbie

“Die gefährlichsten Trends der Digitalisierung” – so der Titel eines Beitrags in der Handelszeitung vom 12. Dezember 2016. Er beginnt mit den Worten: “Stille Zuhörer und Algorithmen, die Menschen bewerten. Wenn künstliche Intelligenz in die falschen Hände gerät, wie weit ist es dann noch bis zum Desaster? Ein Überblick über beunruhigende Ideen.” Zitiert wird mehrmals Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. “Stephen Hawking und Elon Musk sprechen seit Jahren davon, dass künstliche Intelligenz für die Menschheit zum Desaster werden kann. Tesla-Chef Musk nennt dies die zentrale Frage unserer Zeit: Dass wir einen klugen, bewussten Umgang mit schlauen Maschinen finden. Geht das überhaupt? Oliver Bendel ist da wenig optimistisch.” (Handelszeitung, 12. Dezember 2016) Er schätzt die Vorteile moderner Technologien und entwickelt selbst sogenannte moralische Maschinen. Für problematisch hält er vor allem das Potenzial mancher Technologien in Bezug auf Überwachung und Ausbeutung. Hello Barbie, Echo von Amazon – gerade im auditiven Bereich ereignet sich eine regelrechte Explosion, die noch Ohrenschmerzen bereiten könnte. Und andere Schmerzen ebenso. Der Beitrag kann über www.handelszeitung.ch/unternehmen/technologie/die-gefaehrlichsten-trends-der-digitalisierung-1288665 abgerufen werden.

Abb.: Barbie-Puppen können gucken und horchen

Google und die Moral

Nadja Röll vom SRF hat mit Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW am 7. Oktober 2016 ein Interview zur “Partnership on Artificial Intelligence to Benefit People and Society” geführt. Fünf IT-Konzerne haben angekündigt, dass sie ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bündeln und Leitplanken für Mensch und Maschine entwickeln wollen, nämlich Google, Amazon, Facebook, IBM und Microsoft. Es fehlen bislang Apple sowie die von Elon Musk geleitete Non-Profit-Organisation namens OpenAI. Gerade letzterer würde man sowohl eine gesellschafts- und benutzerbezogene Reflexion der Chancen und Risiken von Robotik und eine Erstellung von Moralkodizes für die Entwicklung von Robotern (Informationsethik und Roboterethik) als auch eine zielführende Integration von Entscheidungsmechanismen in die Maschinen (Maschinenethik) zutrauen. Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen schreibt Oliver Bendel den Unternehmen sowohl Sachverständigkeit als auch Schnelligkeit zu. Allerdings ist er skeptisch, ob sie sich selbst beschneiden werden: Künstliche Intelligenz hängt, etwa im Deep Learning, mit Big Data zusammen, und als Datenkonzerne werden Google, Amazon und Co. nicht vom Datensammeln lassen, auch wenn es gegen Persönlichkeitsrechte verstößt. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/wissen/wenn-google-die-moral-von-maschinen-festlegt-gibt-es-probleme aufgerufen werden.

Abb.: Studierende der FHNW auf Google-Fahrrädern

Ich bin kein Roboter

Ein Artikel zum Einsatz von Robotern und zur Robotersteuer findet sich in der ZEIT vom 21. Juli 2016. Er beginnt mit diesen Worten: “Burckhardt, Mitte 20, ein großer schmaler Mann mit schwarz gefärbten langen Haaren und Piercings, steht an einem Freitagmittag vor dem Haupteingang der Leipziger Messe und verteilt weiß-rote Handzettel.” (DIE ZEIT, 21. Juli 2016) Der Picker von Amazon sagt: “Wir lassen uns von den Maschinen nicht verdrängen! Wenn immer mehr Roboter eingesetzt werden, sind wir bald alle arbeitslos.” (DIE ZEIT, 21. Juli 2016) Auf seinen Flugblättern steht, so die ZEIT: “Ich bin kein Roboter!” Die Sprache kommt auch auf die Idee der Robotersteuer. Schon seit den 70er-Jahren wird die Maschinensteuer diskutiert, und die Maschinen, die im Moment am meisten Angst verursachen und Abwehr hervorrufen, sind die Roboter. Der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel, der ebenfalls zu Wort kommt, sieht die Chancen und Risiken einer Robotersteuer. Einerseits kann sie, zum Beispiel gekoppelt an das klassische Sozialsystem oder das bedingungslose Grundeinkommen, zu einer gerechten Verteilung von Gewinnen beitragen. Andererseits kann sie den technologischen Fortschritt hemmen, der nach einer Übergangszeit auch zur menschlichen Entwicklung beitragen mag, zur Befreiung von der Bürde der Arbeit. Ein Grundproblem ist nach seiner Ansicht, welche Arbeit welcher Roboter besteuert werden soll. Der Artikel mit dem Titel “Ab zum Finanzamt, Kollege!” füllt Seite 23 im Wirtschaftsteil der deutschen Wochenzeitung.

Abb.: Die Arbeit dieses Mähroboters muss wohl nicht besteuert werden

Big Brother hört mit

Immer mehr Geräte, Produkte und Dienste haben ein Mikrofon bzw. Spracheingabe und -ausgabe. Im Beitrag “Auditive Systeme im Wohn- und Arbeitsbereich: Big Brother hört mit” wird auf ihre Funktionen eingegangen und gezeigt, dass ein Risiko vorhanden und Vorsicht geboten ist. Oliver Bendel lässt ihn mit den Worten beginnen: “Im Kinderzimmer wird es eng. Neben dem guten alten Teddybär und neben Hello Kitty als Puppe steht oder liegt Hello Barbie. Anders als ihre plüschigen und niedlichen Freunde und Freundinnen ist sie intelligent. Künstlich intelligent, aber immerhin. Sie versteht und hört mit.” Am Ende heißt es: “Man kann versuchen, auf bestimmte Geräte und Maschinen zu verzichten, und man kann mit Abwehrsystemen gegen diese vorgehen. Der Einzelne wird allerdings dem Ansturm der Möglichkeiten ausgeliefert sein. Deshalb braucht es ethische Überlegungen – vor allem aus Medien-, Technik- und Informationsethik heraus – und rechtliche Konsequenzen.” Der Artikel ist am 19. Oktober 2015 in der Zeitschrift ICTkommunikation erschienen und über ictk.ch/content/auditive-systeme-im-wohn-und-arbeitsbereich-big-brother-h%C3%B6rt-mit aufrufbar.

Abb.: Albtraum Barbie?

Der kleine Lauschangriff

Das gesprochene Wort ist seit jeher Objekt der Begierde, nicht erst seit dem Kalten Krieg und der Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, von der Bevölkerung auch “Horch und Guck” genannt. Das lautlose Anschleichen und hemmungslose Mitlauschen gehört in jeden Indianerfilm und in jede Intrige. Während “Guck” aus der Ethik heraus recht umfassend behandelt wurde, bedarf “Horch” noch eines genaueren Hinsehens bzw. -hörens, gerade im 21. Jahrhundert, und nicht nur in Bezug auf Staatsapparate, Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste, sondern auch und insbesondere in Bezug auf Privatpersonen und Unternehmen, die sozusagen den kleinen Lauschangriff erproben. Sprach- und Tonsysteme erobern die Welt, sei es in Form von Lautsprechersäulen, intelligenten Fernsehern, Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets und darauf installierten Assistenten, intelligentem Spielzeug sowie Datenbrillen und Drohnen, die Mikrofone besitzen. Die Ethik, ob Informations- oder Technikethik, kann Probleme wie den Verlust der informationellen und persönlichen Autonomie identifizieren. Der Artikel “Der kleine Lauschangriff” von Oliver Bendel bietet einen Überblick über auditive Systeme im Alltagsleben, die zur Überwachung geeignet sind, und geht auf Fragen der Ethik ein. Er ist am 5. Juli 2015 in Telepolis erschienen und kann über www.heise.de/tp/artikel/45/45319/1.html aufgerufen werden.

Abb.: Das Ohr hört mit