Schlagworte: Ethik

Was ist Coworking?

“Beim Coworking arbeitet man zusammen mit anderen Personen in Großraumbüros, Büros mit Workbays oder ähnlich angelegten Räumen, insgesamt Coworking Spaces genannt, entweder für eigene oder gemeinsame Belange. Man hat meist nur eine geringe Gebühr zu entrichten und keinen festen Platz, teilt sich die Infrastruktur und trifft sich in der Kaffeeküche oder im Fitnessraum.” So beginnt der Beitrag “Coworking” von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler, erschienen im Dezember 2019. Weiter heißt es: “Die Bewegung … hat seit den 2000er-Jahren in Kalifornien ihr Zentrum, aber ebenso in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz ihre Anhänger. In Berlin – wo Vorläufer bereits in den 1990er-Jahren existierten – und in anderen Metropolen befriedigen die verschiedenen Angebote unterschiedliche Bedürfnisse, etwa in Bezug auf Grundhaltung, Arbeitsform und Ausstattung.” Am Ende wird noch auf Chancen und Risiken für Unternehmen und Mitarbeiter eingegangen. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/coworking-119097 heruntergeladen werden.

Abb.: Was ist Coworking?

Zum Grundeigentum an der Stanford University

Die Studien zur Arbeitsmarktentwicklung ab 2020 gelangen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Man kann aber auf jeden Fall sagen, dass bestimmte Arbeitsplätze wegfallen und viele Menschen ohne ihre vertraute Arbeit sein werden. Es ist auch anzunehmen, dass insgesamt weniger menschliche Arbeit im Auftrag (etwa für Arbeitgeber) verrichtet werden muss. Als Lösungen der wirtschaftlichen und sozialen Probleme werden oft bedingungsloses Grundeinkommen und Robotersteuer genannt. Der Beitrag “Are Robot Tax, Basic Income or Basic Property Solutions to the Social Problems of Automation?” von Oliver Bendel diskutiert und kritisiert diese Ansätze im Kontext von Automatisierung und Digitalisierung. Zudem entwickelt er einen weitgehend unbekannten Vorschlag, das bedingungslose Grundeigentum, weiter und stellt dessen Potenziale ebenso dar wie dessen Risiken. Der Informations- und Maschinenethiker aus Zürich präsentiert seine Ergebnisse zwischen dem 25. und 27. März 2019 bei den AAAI Spring Symposia. Es ist sein sechster Vortrag an der Stanford University innerhalb von vier Jahren.

Abb.: An der Stanford University

Zur ambivalenten Rolle der Ethik

Der Abstract des Buchbeitrags “Wege zu verantwortungsvoller Forschung und Entwicklung im Bereich der Pflegerobotik: Die ambivalente Rolle der Ethik” von Christoph Kehl beginnt mit folgenden Worten: “Obwohl die Entwicklungsarbeiten an Pflegerobotern bis in die 1980er Jahre zurückreichen, waren die bisherigen Bemühungen nicht von größeren Erfolgen gekrönt. Zwar wurde eine Vielzahl an Produktvisionen und Prototypen hervorgebracht, diese haben jedoch in aller Regel noch nicht den Weg in den Pflegemarkt gefunden. Dies hängt nicht nur mit technischen Schwierigkeiten zusammen, sondern lässt sich auch auf die bislang stark technikfokussierte Ausrichtung der Forschungs- und Entwicklungspraxis zurückführen: Offenbar ist es noch nicht gelungen, Angebote zu entwickeln, die von Kostenträgern und Endkunden ausreichend akzeptiert werden. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag der Frage nach, wie sich eine verantwortungsvolle Forschungs- und Entwicklungspraxis gestalten lässt, die den hohen Anforderungen an Serviceroboter-Anwendungen im Pflegebereich gerecht wird.” (Kehl 2018) Der Experte für Technikfolgenabschätzung geht insbesondere auf die ambivalente Rolle der Ethik in diesem Zusammenhang ein. Der Beitrag, der im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) erschienen ist, kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Pepper in Zürich

Pflegeroboter aus Sicht von Pflege und Ethik

“In Zukunft ist ein wachsender Einsatz von Pflegerobotern zu erwarten, denen möglicherweise zwei Hauptfunktionen zugeschrieben werden können: Beitrag zur Verringerung einer sich ausweitenden Personallücke in der Pflege; Erleichterung der Pflege hinsichtlich physischer und psychischer Arbeitsbelastungen, teilweise auch durch Substitution originär pflegerischer Teilaufgaben im Bereich der Ernährung, Medikation, Aktivierung/Mobilisierung.” (Remmers 2018) So beginnt der Abstract des Beitrags “Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht pflegerischen Handelns und ethischer Anforderungen” von Hartmut Remmers, der im neuen Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) veröffentlicht wurde. Und weiter: “Aus fachwissenschaftlicher Sicht stellen sich dabei Fragen, inwieweit und in welchem Ausmaße originär pflegerische Tätigkeiten wie die der persönlichen, vertrauensbildenden Beziehungsarbeit unterstützt/verbessert werden können oder (teil-)ersetzt werden sollen. Aus ethischer Perspektive stellen sich damit zusammenhängende Fragen, inwieweit durch den Einsatz von Robotern die Personalität des Menschen in verschiedenen Facetten seiner auch leiblich verstandenen Rezeptivität und seiner Spontaneität gegenseitigen Ausdruckshandelns und Ausdrucksverstehens gewahrt bleibt.” (Remmers 2018) Der Beitrag kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Nao reicht seine Hand

Umsorgen, überwachen, unterhalten

“Von einer Maschine hochgehoben, gewaschen, bedient, überwacht und unterhalten werden? Ein Roboter, der Menschen daran erinnert, Tabletten zu schlucken, genügend Flüssigkeit aufzunehmen oder mit ihnen über einen Monitor Gedächtnisspiele spielt? Der Gedanke, im Alter von einem Pflegeroboter betreut zu werden oder Nahestehende maschinell umsorgen zu lassen, ist für viele befremdlich. Dennoch ist die Entwicklung von Pflegerobotern in vollem Gange.” (Kreis 2018) Der Beitrag “Umsorgen, überwachen, unterhalten – sind Pflegeroboter ethisch vertretbar?” von Jeanne Kreis, aus dessen Abstract hier zitiert wird, “behandelt den Einsatz von Pflegerobotern aus ethischer Perspektive und weist dabei anhand konkreter Robotertypen auf Hürden der Pflegerobotik hin”. “Neben Einwänden wie dem Kontaktverlust thematisiert das Papier unter anderem den Einsatz von Pflegerobotern hinsichtlich der bewussten Täuschung älterer pflegebedürftiger Personen sowie der Menschenwürde. Anhand der vorgebrachten Argumente wird dargelegt, welchen moralischen Ansprüchen Pflegeroboter gerecht werden müssen und wie der Einsatz künstlicher Systeme in einem menschzentrierten Bereich wie der Pflege trotz ethischer Bedenken legitimiert werden kann.” (Kreis 2018) Der Beitrag ist im November 2018 im Buch “Pflegeroboter” (herausgegeben von Oliver Bendel) erschienen und kann über SpringerLink kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Unterhaltung ohne Roboter

Agilität und Ethik

“Agilität ist die Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.” (Gabler Wirtschaftslexikon) In der Ethik stellt man Begriffe und Methoden bereit, um moralische Implikationen zu untersuchen. Wichtige Begriffe in der Informationsethik sind “Informationelle Autonomie”, “Informationsfreiheit” und “Digitaler Graben”. Wichtige Methoden in dieser Disziplin sind die diskursive und die dialektische. Ethiker weisen immer wieder darauf hin, dass Einordnungen und Beurteilungen möglichst mit Blick auf konkrete Entwicklungen bzw. Technologien erfolgen sollten. Beispielsweise kann man die Erfassungs- und Auswertungssysteme von Pflegerobotern beschreiben und dann nach der informationellen Autonomie von Pflegekräften und Patienten fragen. Da sich die Technologien in solchen Bereichen schnell ändern, da auch disruptive Technologien vorkommen, wie man an Entwicklungen in der KI sieht, könnte Agilität für die Ethik ein passender Ansatz sein. Die Beschreibungen, die den Einordnungen und Bewertungen vorausgehen, müssen immer wieder erneuert werden, und die Anwendung der Methoden muss immer wieder neu erfolgen. Dass man proaktiv ist, kann in diesem Zusammenhang bedeuten, dass man moralische Fragen aufwirft, Zukunftsszenarien entfaltet, Chancen und Risiken gegenüberstellt und Technikfolgenabschätzung betreibt.

Abb.: Pflegeroboter Lio in Aktion

Das chinesische Sozialkreditsystem

“Das Sozialkreditsystem (engl. “social credit system”) ist ein elektronisches Überwachungs-, Erfassungs- und Bewertungssystem zur Harmonisierung des Verhaltens der Bürger, Behörden und Firmen von China mit den moralischen, sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Ansprüchen der dortigen Kommunistischen Partei (KP). Es findet ein permanentes Rating und Scoring (“citizen score” bzw. “social scoring”) mit Blick auf die Lebenssituation, das Sozialverhalten oder Verwaltungs- und Wirtschaftsaktivitäten statt. Dabei werden vernetzte Datenbanken sowie Bild- und Tonsysteme in Verbindung mit Big-Data-Analysen und Methoden der Künstlichen Intelligenz eingesetzt.” So beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel, erschienen am 19. November 2018 im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Gegen Ende kommt der Roboterphilosoph zu folgendem Befund: “Das Sozialkreditsystem kann als Automatisierung des Totalitarismus gelten. Es führt zu einer völligen Unterwerfung unter die Vorstellungen und Vorgaben von Staat und Gesellschaft.” Ganz am Schluss wird die Perspektive der Ethik eingenommen. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sozialkreditsystem-100567 aufgerufen werden.

Abb.: Menschenmenge in China

Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?

“Pflegeroboter unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte. Sie bringen und reichen Hilfsbedürftigen die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen ihnen beim Hinlegen bzw. Aufrichten oder alarmieren bei Bedarf den Notdienst. Manche Patienten bevorzugen bei bestimmten Aufgaben Maschinen, etwa bei Waschungen im Intimbereich. Andere Tätigkeiten, vor allem in der sozialen Interaktion, scheinen heute noch ungeeignet für Pflegeroboter zu sein.” (Website Daimler und Benz Stiftung) Das 23. Berliner Kolloquium “Pflegeroboter – Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?” nähert sich dieser Thematik aus interdisziplinärer Perspektive. “Wissenschaftler der Fachbereiche Informatik, Robotik, Medizin, Philosophie und Hirnforschung stehen nach ihren Vorträgen für ein Gespräch zur Verfügung. Auch Patienten, die bereits Erfahrungen mit Pflegerobotern gemacht haben, sollen zu Wort kommen. Als wissenschaftlicher Leiter koordiniert Prof. Dr. Oliver Bendel sowohl die beteiligten internationalen Forscher als auch die teilnehmenden Experten aus der Praxis.” (Website Daimler und Benz Stiftung) Mehr über www.daimler-benz-stiftung.de.

Abb.: Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?

Buch zu Demokratie und Digitalisierung

“Wissen – Macht – Meinung: Demokratie und Digitalisierung” ist ein neues Buch aus dem Verlag Velbrück Wissenschaft. Herausgeberin ist Franziska Martinsen, Philosophin und Politikwissenschaftlerin. Autorinnen und Autoren sind u.a. Jeanette Hofmann, Lars Klingbeil, Oliver Bendel, Matthias Spielkamp, Constanze Kurz und Yvonne Hofstetter. “Der Sammelband widmet sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Auseinandersetzung mit neuen Formen politischer Kommunikation und von Gestaltungsspielräumen im digitalen Zeitalter.” (Information Velbrück) Technologische und sozialwissenschaftliche sowie politiktheoretische Zugänge reflektieren laut Verlag die Potenziale der Digitalisierung für eine tragfähige Demokratie des World Wide Web, “ebenso wie mögliche demokratiegefährdende Dynamiken” (Information Velbrück). Auch die ethische Perspektive wird eingenommen. Die Autorinnen und Autoren waren bei den 20. Hannah-Arendt-Tagen, die 2017 und 2018 stattfanden, ihre Vorträge die Grundlage der Beiträge. Weitere Informationen und Bestellung über www.velbrueck.de/Programm/Vorschau/Wissen-Macht-Meinung.html.

Abb.: Das Parlament ist ein Bestandteil der Demokratie

Pflegeroboter in der Apotheken Umschau

Die Apotheken Umschau widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe, erschienen am 1. November 2018, dem Einsatz von Robotern in der Pflege. In einem ganzseitigen Interview kommt Prof. Dr. Oliver Bendel zu Wort. Er befürwortet den Einsatz von Robotern in Pflege und Betreuung, wenn es der Pflegekraft und dem Patienten bzw. Pflegebedürftigen hilft. Das Hauptproblem sieht er im Eingriff in Privat- und Intimsphäre. Bestimmte Serviceroboter und bestimmte Pflegeroboter sind nach seiner Ansicht mobile Spione. Im Heft ebenfalls zu Wort kommt Prof. Dr.-Ing. Sami Haddadin von der TU München, der demnächst zweiarmige Roboter in der Praxis testen will. Solche Roboter kennt man von ABB (YuMi) und von F&P Robotics (P-Care). “Wer sich über gesundheitliche und medizinische Themen bestens informieren will, greift gerne zur Apotheken Umschau. Mit monatlich 9,2 Millionen verkauften Exemplaren und knapp 20 Millionen Lesern ist das Magazin eine Klasse für sich. 89 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung über 14 Jahre kennen es, knapp 29 Prozent lesen es.” (Website Apotheken Umschau) Der Beitrag kann mit freundlicher Genehmigung der Apotheken Umschau hier heruntergeladen werden.

Abb.: In einer alten Apotheke

Patientenverfügung für Pflegeroboter

Am 10. Oktober 2018 widmete sich der Bonner General-Anzeiger Robotern in der Pflege und in der Therapie. Abgedruckt ist ein Interview mit Oliver Bendel, Roboterphilosoph, Informations- und Maschinenethiker. Er hält grundsätzlich viel von Robotern in der Pflege und nimmt auch die Perspektive des Pflegers ein: Dieser soll weder ersetzt noch verdrängt werden, sondern ergänzt, er soll Hilfe und Unterstützung erhalten. Ein interessanter Prototyp war nach seiner Meinung Robear, der zusammen mit der Pflegekraft einen Patienten hochheben und umbetten konnte. Aus ethischer Sicht sei wichtig, dass wir keinen Betrug an den zu Pflegenden begehen: Er persönlich möchte später als dementer Patient nicht mit Pepper alleingelassen oder von Paro betreut werden. Er will aus seiner heutigen Freiheit und Vernunft heraus per Patientenverfügung diese Entscheidung treffen, auch wenn sie dann letztlich vielleicht falsch ist. Einen Roboter, der die Pflegekraft und ihn selbst unterstützt, kann er sich aber gut vorstellen.

Abb.: Ein Roboter in der Pflege

KI und Robotik in Lugano

Im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) der Schweizerischen Eidgenossenschaft unterstützt regiosuisse seit dem Jahre 2008 die Umsetzung der Neuen Regionalpolitik (NRP). Das zweite “regiosuisse-Wissenschaftsforum” findet am 22. und 23. November 2018 in Lugano statt. Unter dem Titel “Digitalisierung in der Regionalentwicklung” richtet es sich an Forschende von Hochschulen oder privaten Forschungsinstituten, Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen, Regionen und RIS sowie regionale Projekt- und Innovationsträgerinnen und -träger. Die Keynotes stammen von Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW (“Künstliche Intelligenz und Robotik – Risiken und Chancen aus Sicht der Ethik”) und Stefan Kah von der University of Strathclyde (“Digitalisierung und Regionalentwicklung – die europäische Perspektive”). Prof. Dr. Emanuele Carpanzano von der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana spricht über “Industrie 4.0: Herausforderungen für Arbeit und Regionen”, Dr. Peter Moser von der HTW Chur zum Thema “Digitales Bergdorf Davos – Wie kann lokalen Akteuren der Zugang zum Wissen zur digitalen Transformation erleichtert werden?” Weitere Informationen über regiosuisse.ch.

Abb.: Am Lago di Lugano

Wozu braucht es humanoide Roboter?

In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen, das in Ausschnitten am 6. September 2018 in 10vor10 ausgestrahlt wurde, wurde der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel gefragt, ob es überhaupt und wozu es humanoide Roboter brauche. Er wies zunächst darauf hin, dass die Schaffung künstlicher Kreaturen ein Menschheitstraum sein. Man denke an Galatea von Pygmalion oder an Pandora und Talos von Hephaistos. Dann erklärte er, solche Roboter seien ein Spiegel des Menschen. Diese erblickten darin das, was sie sind und nicht sind, und sie verstünden, wie kompliziert ein Lächeln ist, wie schwer zu konstruieren. Nicht zuletzt gibt es Anwendungsbereiche, in denen humanoide Roboter sinnvoll sind, etwa die Hotelrezeption oder ein Bordell. Andere Bereiche eignen sich nicht oder nur bedingt. So muss der Pakethersteller nicht von seiner maschinellen Kopie ersetzt werden – es genügt ein kleiner, abstrakt gestalteter Roboter. Dass dieser dann zur Stolperfalle werden kann, ist ein anderes Thema. Der Beitrag, in dem Oliver Bendel zum Thema zu Wort kommt, kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Menschen wollen Kopien von sich schaffen

Trinkt Holly Golightly einen Coffee to go?

Kaffee ist für viele Philosophen und auch Ethiker ein Betriebsstoff und ein Lebenselixier. Vor über einem halben Jahrhundert entstand die mobile Variante, die das Straßenbild amerikanischer wie europäischer Städte prägt. In seinem Beitrag für das Wirtschaftslexikon von Springer Gabler vom 16. August 2018 erklärt Oliver Bendel: “Coffee to go ist Kaffee zum Mitnehmen, abgefüllt in einem Karton- oder Kunststoffbecher, auf dem ein Deckel sitzt, der mit einer Trinköffnung versehen sein kann.” (Gabler Wirtschaftslexikon) Der Informations- und Maschinenethiker wirft die Frage auf, ob der mobile Kaffee wirklich 1964 von 7-Eleven erfunden oder schon vorher verkauft wurde, und verweist auf den Film “Frühstück bei Tiffany” (1961). “In der berühmten Eingangsszene holt Holly Golightly (gespielt von Audrey Hepburn) vor dem Juweliergeschäft in Manhattan nebst einem süßen Teilchen einen Becher aus einer Papiertüte, macht den Deckel ab und nimmt einen Schluck.” Wasser, Tee, Kaffee? Gekauft oder selbst gemacht? Man weiß es nicht, nicht mit Sicherheit. Auch die Ethik wird am Ende gestreift: “Wirtschafts- und Umweltethik beschäftigen sich mit den moralischen Implikationen von Einwegprodukten und der Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Die Konsumentenethik fragt nach der Verantwortung des Verbrauchers beim Kaffeekonsum in nicht durchweg selbstverschuldeten Prozessen und Strukturen.” Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/coffee-go-99952 aufgerufen werden.

Abb.: Snapshot aus “Frühstück bei Tiffany”

Beitrag über Nudging

“Beim Nudging (engl. ‘Anstoßen’, ‘Schubsen’ oder ‘Stupsen’) bewegt man jemanden auf mehr oder weniger subtile Weise dazu, etwas Bestimmtes einmalig oder dauerhaft zu tun oder zu lassen. Dabei können Voreinstellungen und Standards (Defaults) ebenso zum Einsatz kommen wie Produktinformationen und Warenpräsentationen. Angestrebt werden die Verhaltensänderungen der Personen und Gruppen etwa von Unternehmen oder vom Staat.” Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel, der Anfang August 2018 im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler erschienen ist. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen. Am Ende heißt es: “Manche Nudges führen u.U. nicht nur zu einer Verhaltens-, sondern auch zu einer Bewusstseinsänderung und einer Realitätsverschiebung. Wir lassen uns von sozialen Medien und Systemen der Künstlichen Intelligenz animieren und dirigieren, reagieren auf Lob und Tadel, akzeptieren Belohnungen und Geschenke, selbst wenn wir damit auf andere Druck ausüben und zu Gleichschaltung und Überwachung beitragen.” Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/nudging-99919 abgerufen werden.

Abb.: Auch eine Smartwatch ermöglicht Nudging

Private Drohnen aus ethischer Sicht

Der Artikel “Private Drohnen aus ethischer Sicht: Chancen und Risiken für Benutzer und Betroffene” von Oliver Bendel erschien in der Zeitschrift Informatik-Spektrum 2015 als Onlineversion, 2016 in gedruckter Form. Er kann nun im Rahmen der Springer Nature SharedIt Initiative kostenlos online gelesen werden, über rdcu.be/4drA … Aus dem Abstract: “Es werden immer mehr private Flugdrohnen verkauft und genutzt. Sie fotografieren und filmen uns von oben, selbst wenn wir in unserem Garten liegen oder in unserem Haus sind, am Fenster vorbeigehend oder stehend. Aus der Sicht der Informationsethik, die im vorliegenden Beitrag eingenommen wird, gibt es viele Risiken beim Einsatz, aber auch einige Chancen, und zwar sowohl für die Besitzer als auch für die Betroffenen. Zu den herausgearbeiteten Risiken zählt die Gefährdung der informationellen und persönlichen Autonomie, zu den Chancen die Erweiterung menschlicher Möglichkeiten mit Hilfe der Informationstechnologie.”

Abb.: Eine Fotodrohne in Aktion

Vortrag zu Robotern und Arbeit im Stadthaus

Roboter lieben Arbeit. Zumindest sind sie dafür gemacht. Sie unterstützen und ersetzen uns in der Arbeitswelt. In der Industrie, in Produktion und Logistik, sind neue Typen anzutreffen. Co-Robots nehmen uns anstrengende, gefährliche und langweilige Tätigkeiten ab. Sie kommen uns dabei sehr nahe, ganz anders als die alten Industrieroboter, die in den Käfigen sitzen. Serviceroboter verbreiten sich in allen möglichen Bereichen. Als Sicherheitsroboter, verbunden mit Systemen der Künstlichen Intelligenz (KI), überwachen sie das Betriebsgelände oder das Einkaufszentrum und melden Verdächtiges an eine Zentrale, als Pflege- und Therapieroboter kümmern sie sich zusammen mit Fachpersonal um Kranke und Alte. In all diesen Fällen sind noch Arbeitskräfte vorhanden. Aber das kann sich in Zukunft ändern. Die Liebe der Roboter zur Arbeit ist so groß, dass sie sie für sich haben wollen. Es stellen sich Fragen aus der Sicht der Ethik, mit Blick auf persönliche und informationelle Autonomie sowie auf Arbeitslosigkeit, und aus Politik und Gesellschaft erschallen Rufe nach einer Robotersteuer und nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Prof. Dr. Oliver Bendel stellt in seiner Keynote “Das automatische Verschwinden der menschlichen Arbeit” im Stadthaus Ulm am 25. Oktober 2018 die Veränderungen in der Arbeitswelt durch Roboter und KI-Systeme vor und diskutiert sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Weitere Informationen über www.vdi-ulm.de/schwerpunkte/forum-technik-und-gesellschaft/.

Abb.: Der Vortrag findet im Richard-Meier-Bau statt

The Next Brain-Computer Interface Race

The gates of the SWISS Arena in Kloten in the vicinity of Zurich will be opened for the second edition of the Cybathlon on 2 – 3 May 2020. The ETH Zurich website states: “After the six disciplines of the CYBATHLON 2016 have proven themselves, they will remain in the program of CYBATHLON 2020. This means that visitors and pilots can look forward to Brain-Computer Interface Race, Functional Electrical Stimulation Bike Race, Powered Arm Prosthesis Race, Powered Leg Prosthesis Race, Powered Exoskeleton Race as Powered Wheelchair Race. The tasks will continue to be relevant to everyday life, but will reflect advances in research.” (Website ETHZ) Athletes with disabilities competed against each other in the 2016 Cybathlon. The teams came from all over the world. The event has attracted international attention. Technical challenges and questions of information ethics and medical ethics were discussed. The scientific director is Prof. Dr. Robert Riener from ETH Zurich. Further information is available via www.cybathlon.ethz.ch/cybathlon-2020.html.

Fig.: Scene from the Cybathlon 2016

Co-Robots in der Moral

Die Konferenz “Smarte Maschinen im Einsatz – Künstliche Intelligenz in der Produktion” fand am 15. Mai 2018 am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart statt. Schirmherrin war Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut MdL (Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg). Prof. Dr. Oliver Bendel bildete mit seinem Vortrag über “Co-Robots aus Sicht von Informations- und Maschinenethik” den Schlusspunkt der Veranstaltung. Der schweizerischen SonntagsZeitung, deren Wissenschaftsredakteur angereist war, stand er Rede und Antwort. Das Interview wurde am 20. Mai 2018 als zentraler Bestandteil eines Einseiters veröffentlicht, der hier heruntergeladen werden kann. Vor allem geht es um Co-Robots aus Sicht der Ethik. Am Ende wird auch Kapitalismuskritik geäußert. Oliver Bendel ist für eine Reichensteuer und für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Robotersteuer muss nach seiner Ansicht diskutiert werden, hat aber mehr Nach- als Vorteile.

Abb.: Beitrag in der SonntagsZeitung

Siri und die Mundart

Im Sommer 2012 erschien der Artikel “Siri ist hier.”, mit dem Untertitel “Der Sprachassistent von Apple in der Schweiz aus linguistischer und ethischer Sicht”. Mit Schweizerdeutsch kam Siri damals nicht zurecht. Oliver Bendel erklärte: “Es wäre sicherlich nicht ganz einfach, dem Sprachassistenten auf der Ebene der Aussprache und Betonung die schweizerischen Gepflogenheiten nahezubringen. Er könnte dazulernen; aber dazu müsste er in der Lage sein, semantische Beziehungen zu knüpfen (und damit zu realisieren, dass das Chuchichäschtli ein kleiner Küchenschrank ist). Wenn der Benutzer in der Schweiz nicht weiß, dass man ‘Serie’ auch anders aussprechen kann, kann Siri allenfalls eine Menge von mehr oder weniger sinnvollen Alternativen – oder kluge Rückfragen – unterbreiten. Ob man mit diesen immer etwas anfangen kann, sei dahingestellt. Auch auf der lexikalischen Ebene weiß nicht jeder Benutzer, dass Alternativen existieren. Nicht in allen Fällen werden Helvetismen – dies haben mir viele Gespräche gezeigt – als solche erkannt.” Inzwischen ist man weiter: “Zwei Start-ups aus dem Wallis, Keylemon und recapp, haben zur Entwicklung der neuen Swisscom TV-Box beigetragen, die erstmalig Spracherkennung auch für Deutschschweizer Dialekte bietet.” (Website recapp) Siri aber beherrscht nach wie vor keine Mundart. Dies hat erst kürzlich die Handelszeitung thematisiert, wobei sie auch erwähnt, dass man das Problem heute mit Lösungen von Firmen wie recapp angehen könnte.

Abb.: Versteht mich Siri?