Schlagworte: Informationsethik

Neuerfindung der Ethik

“Autonome Waffen, künstliche Intelligenz, Algorithmen: In einer digitalisierten Welt stellen sich zahlreiche ethische Fragen. Wo genau liegen die Problemfelder? Wie sollen wir als Gesellschaft damit umgehen? Und wo muss sogar Umdenken stattfinden? Auf diese Fragen wollen die insgesamt 20 Beiträge ausgewählter Expertinnen und Experten erste Antworten geben und einen Diskurs entfachen, der uns noch viele Jahre beschäftigen wird. Die Anthologie wird am 25. Oktober 2017 im Verlag iRights.Media erscheinen und kann bereits jetzt als Print auf iRights.Media sowie als e-Book auf Amazon und iTunes vorbestellt werden.” So die Ankündigung auf der Website von iRights.Media zum neuen Buch mit dem Titel “3TH1CS”. Nach einem Vorwort der Herausgeber (“Die Neuerfindung der Ethik ist unsere Aufgabe!”) und einem Interview mit Rafael Capurro (“Digitalisierung als ethische Herausforderung”) folgen u.a. Beiträge von Luciano Floridi (“Die Mangroven-Gesellschaft”), Oliver Bendel (“Sexroboter und Robotersex aus Sicht der Ethik”), Susan Leigh Anderson und Michael Anderson (“Ethische Roboter für die Altenpflege”), Jean-Baptiste Jeangène Vilmer (“Terminator-Ethik: Sollten Killerroboter verboten werden?”) und Hu Yong (“Das Internet ist nicht genderneutral”). Zum Abschluss gibt es ein Interview mit Kate Darling (“Von Robotern und Menschen – wo liegt die wahre Gefahr?”). Weitere Informationen über irights-lab.de/3th1cs-ethik-in-der-digitalen-welt/.

Abb.: Das neue Buch zu Informations-, Roboter- und Maschinenethik

Congress on Love and Sex with Robots

Am 19. und 20. Dezember 2017 findet der “Third International Congress on Love and Sex with Robots” an der University of London (Goldsmiths) statt. Die akzeptierten Papers sind auf http://loveandsexwithrobots.org/program/ aufgelistet. Den Anfang macht Prof. Dr. Oliver Bendel (School of Business FHNW, Schweiz) mit “SSML for Sex Robots”. Er hatte im vergangenen Jahr über Sexroboter aus Sicht der Maschinenethik vorgetragen. Dieses Mal widmet er sich synthetischen Stimmen. Prof. Dr. Sophie Wennerscheid (Ghent University, Belgien) ist mit ihrem Thema “Posthuman desire in robotics and science fiction” vertreten, Dr. Rebekah Rousi (University of Jyväskylä, Finnland) mit “Lying cheating robots – robots and infidelity”, Prof. Dr. Deborah Blizzard (Rochester Institute of Technology, UK) mit “The Next Evolution: The Constitutive Human-Doll Relationship as Companion Species”. Aus der Schweiz kommt ein weiterer Beitrag, nämlich “Dolores and Robot Sex: Fragments of Non-Anthropocentric Ethics” von Prof. Dr. Thomas Beschorner (University of St. Gallen, Schweiz) und Florian Krause (ebd.). Das Buch mit den Beiträgen der letzten Konferenz ist Ende April 2017 bei Springer erschienen. Weitere Informationen über loveandsexwithrobots.org.

Abb.: In London wird wieder über Liebesmaschinen nachgedacht

Roboter am Uniklinikum Regensburg

Am 11. Oktober 2017 findet der 10. Regensburger Intensivpflegetag statt. Prof. Dr. Martina Müller-Schilling (Universitätsklinikum Regensburg) und Dr. Tomáš Kural (Karls-Universität, Zweigstelle Pilsen) schreiben in ihrem Grußwort: “Erstmals in der nun 10-jährigen Geschichte unseres Intensivpflegetages sind wir ein internationales Organisatoren- und Schirmherrenteam und freuen uns den diesjährigen Pflegetag gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Karls-Universität Pilsen zu gestalten. Die Partnerstädte Pilsen und Regensburg haben vieles gemeinsam: ein großes kulturelles Erbe, sie stellen das Oberzentrum der Region auf beiden Seiten der Grenze dar und beide haben eine medizinische Fakultät, mit der wir den gegenseitigen Austausch und die Partnerschaft weiter stärken wollen.” (Programm 10. Regensburger Intensivpflegetag) Es referieren u.a. Prof. Dr. Thomas Bein, Dr. Thomas Böttcher und Dr. Václav Liška. Prof. Dr. Oliver Bendel betrachtet Operations-, Therapie- und Pflegeroboter aus den Perspektiven von Maschinen- und Informationsethik. Weitere Informationen über http://www.uniklinikum-regensburg.de/service/Veranstaltungen/05031.php.

Abb.: Bei Regensburg

Roboter Paul in Zürich

Laut einer Pressemitteilung werden die Kunden im MediaMarkt Sihlcity seit 5. Oktober 2017 von einem Roboter unterstützt und informiert. Paul, so sein Name, “kennt sich im Sortiment des Zürcher Elektrofachmarkts bestens aus” (Pressemitteilung MediaMarkt). Paul ist eigentlich Care-O-bot 4 vom Fraunhofer IPA. Da der Roboter im Pflegebereich derzeit schwer vermittelbar ist, passt man ihn für den Einsatz im Einzelhandel an. Bei MediaMarkt hat er seine Arme verloren. Das Unternehmen schreibt: “In Kopfhöhe besitzt Paul ein schräg nach vorne gerichtetes Display, das an ein Gesicht erinnert. Er erkundigt sich nach den Wünschen der Kunden und führt sie bei Bedarf zu demjenigen Produkt im Markt, für das sie  sich interessieren. Auf dem Weg dorthin kann man mit ihm plaudern. Bei einem Small Talk über das Wetter oder über ein anderes Thema entpuppt sich Paul als angenehmer Gesprächspartner.” (Pressemitteilung MediaMarkt) Paul wird zum Kollegen und Konkurrenten von Pepper, der eigentlich ein Roboter ist, der Emotionen erkennt und zeigt (aber nicht hat) und als Companion in Haushalten untergebracht ist, aber auch in Supermärkten und Shopping Malls auf der ganzen Welt seinen Dienst versieht. Ob Paul auch für die Sicherheit sorgt, wie etwa der K5 (der dabei auch Unsicherheit schafft) oder wie REEM, ist nicht bekannt.

Abb.: Sihlcity (Foto: Sihlcity)

Das Erkennen und Deuten des Gesichts

Ein neuer Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Gabler erklärt, was Gesichtserkennung ist. “Gesichtserkennung ist das automatisierte Erkennen eines Gesichts in der Umwelt bzw. in einem Bild (das bereits vorliegt oder zum Zwecke der Gesichtserkennung erzeugt wird) oder das automatisierte Erkennen, Vermessen und Beschreiben von Merkmalen eines Gesichts, um die Identität einer Person … oder deren Geschlecht, Gesundheit, Herkunft, Alter, sexuelle Ausrichtung oder Gefühlslage … festzustellen.” Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: “Die Informationsethik fragt nach der Verletzung der informationellen Autonomie, die Wirtschaftsethik nach Chancen und Risiken des Einsatzes von Gesichtserkennung im Zusammenhang mit Beratung und Werbung. Um sich zu schützen, können Individuen ihr Erscheinungsbild modifizieren oder die Systeme manipulieren, was die Informationsethik wiederum unter dem Begriff der informationellen Notwehr behandeln würde.” Der Beitrag ist am 5. Oktober 2017 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/gesichtserkennungssoftware.html abgerufen werden.

Abb.: Gesichtserkennung bei Microsoft

Co-Robots und die Zukunft der Arbeit

Auf meinungsbarometer.info werden Debatten zu brisanten Themen geführt. Zu den aktuellen Teilnehmern gehören Peter Altmaier, Martin Schulz und Cem Özdemir. Oliver Bendel wurde im Herbst 2017 zu Co-Robots und zur Zukunft der Arbeit befragt. Eine Antwort war: “Möglicherweise sind Co-Robots eine Übergangslösung, sodass wir in der Zukunft in allen Bereichen die Automatisierung haben, die wir aus manchen bereits kennen. Dann würde es auch weniger Arbeit für Menschen geben. Das muss nicht nur ein Nachteil sein, denn wir können uns auf andere Aufgaben besinnen – wenn unsere Existenz grundsätzlich gesichert ist. Die Unternehmen werden auch ohne uns Gewinne erzielen, die gerecht verteilt werden müssen.” Das Portal über sich selbst: “Meinungsbarometer.info vereint die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft beschäftigen. Unsere Debattenteilnehmer sind Top-Manager aus der Wirtschaft, Spitzenpolitiker aus ganz Europa, namhafte Wissenschaftler, Entscheider aus der Medienbranche wie Intendanten und Chefredakteure sowie internationale und nationale Fachjournalisten.”

Abb.: Auch AR gehört zur Zukunft der Arbeit

Talk with the Bots

Der Medientag 2017 der Universität Innsbruck trägt den Titel “Talk with the Bots. Die Maschine versteht dich”. Er findet am Dienstag, 21. November 2017 in der Aula statt. Aus dem Flyer: “Immer öfter kommuniziert Software mit und für uns. Bots übernehmen unbemerkt immer komplexere Aufgaben für Nutzer*innen. Virtuelle Assistent*innen wie Alexa, Siri, Cortana und Assistant empfangen und verarbeiten die gesprochene Sprache. Künstliche Intelligenzen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und versprechen eine Erleichterung bei alltäglichen Fragen und Tätigkeiten. Im Bereich der politischen Propaganda und Public Relations sind die Social Bots im vergangenen Jahr zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt. … Wie können wir die Interaktion mit künstlichen Intelligenzen von jener mit Menschen unterscheiden? Inwieweit ist das wichtig? Was bedeutet diese Entwicklung für das Alltagsleben und für den Bereich der Kommunikation? Welche Bedeutung hat der verbreitete Einsatz von Bots als neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine?” Die Impulsvorträge stammen von Dr. Netaya Lotze (Linguistin an der Westfälischen Wilhelms-Universität), Bernhard Hauser (Mitgründer von Oratio, Organisator der ChatbotConf) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW). Den Flyer zur Veranstaltung kann man hier herunterladen.

Abb.: Ein sprechender Kopf?

2. Daimler-Fachtagung Autonomes Fahren

Die 2. Daimler-Fachtagung Autonomes Fahren findet am 17. Oktober 2017 in Stuttgart statt. Aus dem Programmflyer: “Autonom fahrende Fahrzeuge spielen eine Schlüsselrolle in der Mobilität der Zukunft. Die Technik bietet enorme Chancen, allerdings sind noch rechtliche und ethische Fragen zu klären. Inwiefern kann die Gesellschaft vom autonomen Fahren profitieren? Wie kann der rechtliche Rahmen hierfür gestaltet werden? Und welche Rolle spielen Ethik und Recht beim technischen Fortschritt – bremsen sie ihn eher oder tragen sie dazu bei? Bei der zweiten Expertenkonferenz zu Ethik und Recht beim autonomen Fahren stehen diese Fragen im Mittelpunkt. Am 17. Oktober 2017 werfen wir gemeinsam mit Ihnen und unseren Rednern einen Blick auf die autonome Mobilität von morgen.” (Programm Daimler) Die Podiumsdiskussion am Morgen bestreiten Renata Jungo Brüngger, Dr.-Ing. Joachim Damasky, Staatssekretär Rainer Bomba und Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, diejenige am Nachmittag Dr. Peter Vaughan Schmidt, René Große-Vehne, Dr. Stefan Brink, Frank-Holger Appel und Prof. Dr. Oliver Bendel.

Abb.: Oliver Bendel vor einem alten selbstständig fahrenden Mercedes

Selbstdarstellung und Datenschutz

Technology Review befragte den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel zu Informationsethik und Datenschutz. Dabei interessierte u.a., ob man aus ethischer Sicht mehr Datenschutz fordern und gleichzeitig großzügig mit seinen Daten umgehen darf. Die Antwort lautete: “Das darf ich durchaus. Ich kann ja daran interessiert sein, dass fremde personenbezogene Daten geschützt werden, etwa die meiner Kinder. Ich kann grundsätzlich an Schutz und Gerechtigkeit interessiert sein. Zugleich kann ich – auch das kann informationelle Autonomie bedeuten – mich dafür entscheiden, meine persönlichen Daten freizügig wegzugeben. Wichtig ist letztlich, dass die Entscheidung über meine Daten bei mir liegt. Auch wenn die Mehrheit einen laxen Umgang im Privaten hat, bedeutet das nicht, dass ich dann auch einen haben muss. Ich möchte im Gegenteil im Rechtsstaat als Minderheit vor der Mehrheit geschützt werden. Interessant wäre, wenn ich einzelne personenbezogene Daten oder Datensätze bestimmten Personen und Einrichtungen gegenüber freigeben, anderen Personen und Einrichtungen gegenüber sperren könnte, und wenn ich bei einer Freigabe eine Gegenleistung verlangen dürfte.” Diese und andere Antworten flossen in den Beitrag von Denis Dilba ein, der unter dem Titel “Darf ich private Daten posten und trotzdem mehr Datenschutz wollen?” in der Ausgabe 10/2017 erschienen ist.

Abb.: Selfie im Meer

Wer und was darf uns in Zukunft füttern?

Die Zeitschrift Clinicum hat in ihrer Ausgabe 4/2017 ein Interview nachgedruckt, das bereits im Frühjahr veröffentlicht wurde. Im Teaser heißt es: “Oliver Bendel wird am 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften & Zukunftsforum Gesundheit in Bern referieren. Er ist ein gescheiter agent provocateur. Die Wochenzeitung ‘DIE ZEIT’ hat uns grünes Licht gegeben, ein spannendes Gespräch mit dem Maschinenethiker zu publizieren.” Eine Frage im Gespräch hatte gelautet: “Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?” Die Antwort: “Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.” Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der künstlichen Intelligenz (der auf den Gegenstand der Disziplin verweist) metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der “maschinellen Moral” machen. Der Nachdruck mit dem Titel “Darf mich ein Pflegeroboter füttern?” kann über http://www.clinicum.ch/de/magazin/magazin.htm oder direkt hier aufgerufen werden.

Abb.: Ein Reh bedient sich selbst

Eröffnung des Weizenbaum-Instituts

Nach zwei Jurysitzungen in 2016 und 2017 und einem Beschluss von Prof. Dr. Johanna Wanka, die dem Vorschlag der Jury folgte, fiel nun der “offizielle Startschuss für das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft am Standort Berlin im Konzertsaal der Universität der Künste”. Die Bundesministerin “verdeutlichte bei der feierlichen Eröffnung, was das BMBF von dem Forschungsverbund erwartet”: “Das neue Weizenbaum-Institut … soll die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen und Handlungsoptionen aufzeigen. Dafür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren bereit.” (Pressemitteilung BMBF) Der Jury, bei der sich das BMBF am 21. September 2017 auch schriftlich bedankte, gehörten u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Catharina Maracke (Keio University, Japan) und Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) an.

Abb.: In Berlin

Soll uns Robear pflegen?

Operations- und Therapieroboter sind weit verbreitet. Pflegeroboter werden auf der ganzen Welt in Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern und Pflegeheimen erprobt. Vor einem regulären Einsatz sind diverse ethische Fragen aufzuwerfen und zu beantworten. Genau dies macht ein neuer Beitrag von Oliver Bendel, der Mitte September in der Zeitschrift IT for Health erschienen ist. Das Resümee lautet: “Der Einsatz von Pflegerobotern bietet aus ethischer (sowie aus ökonomischer und medizinischer) Perspektive sowohl Chancen als auch Risiken. Assistierende Technologien beweisen bereits ihre Alltagstauglichkeit. Robear und Co., die Hand an Patienten anlegen, benötigen bis zu einer hohen technischen Reife noch ein paar Jahre. Genügend Zeit, so scheint es, um sich über das Grundsätzliche klar zu werden. Letztlich sollte, wo immer möglich, der Wille des oder der Pflegebedürftigen geachtet werden, ob er in einer Verfügung oder während der Behandlung zum Ausdruck kommt.” Der Artikel mit dem Titel “Soll uns Robear pflegen?” kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Soll uns Robear pflegen?

Gesichtserkennung macht Schlagzeilen

Gesichtserkennung macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. Ob Südkreuz in Berlin, ob Face ID beim iPhone, ob Software, die angeblich die sexuelle Ausrichtung festzustellen vermag – es existieren zahlreiche Anwendungs- und Missbrauchsmöglichkeiten. Der WDR hat in seiner Sendung Cosmo am 14. September 2017 Oliver Bendel zum Thema befragt. Ob er Angst habe, wollte Sümeyra Kaya u.a. wissen, und der in der Schweiz lebende Informations- und Maschinenethiker räumte ein, dass dies der Fall sei. Sein Gesicht gehöre ihm, führte er aus, und er wolle nicht, dass es von allen möglichen Personen, Gruppen und Parteien aufgenommen werde. “Schon gar nicht will ich, dass mein Alter, mein Geschlecht, meine Gesundheit etc. festgestellt werden. Natürlich kann jeder auf der Straße sehen, wer ich bin, aber ich habe die Chance, auch dem anderen ins Gesicht zu schauen. Es besteht ein gewisses Gleichgewicht. Im Falle von Gesichtserkennungssoftware schaut mich ein Unbekannter an, und ich sehe ihn nicht nur nicht, ich weiß auch nicht, welche Absichten er verfolgt, welche Daten er sammelt und auswertet, was er mit den Ergebnissen macht. Es besteht ein Ungleichgewicht, und es besteht ein Risiko: Vielleicht erfährt meine Krankenkasse, dass ich dick geworden bin, und will mich von bestimmten Zusatzleistungen ausschließen.” In der Schweiz ist das beispielsweise möglich. Online ist Cosmo über http://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/index.html erreichbar.

Abb.: Ein Paar macht Selfies

Fit for Love

Ein Magazin, das den Titel “Fit for Fun” trägt, muss sich natürlich auch dem Thema der Sexroboter widmen. “Hilfe, die Sexroboter kommen” – so lautet die anspielungsreiche Überschrift in der Rubrik “Fit for Love”. Zu Wort kommen der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß und der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. “Das Gefühl des Alleinseins können Sexroboter mindern”, erklärt der Sexualwissenschaftler. “Doch hier lauere auch die Gefahr, sich mit ihm zurückzuziehen.” (Fit for Fun, 10/2017) Auch der Ethiker beurteilt die Liebesmaschinen differenziert. Er lehnt ihren Gebrauch nicht grundsätzlich ab und hat als Maschinenethiker auf der Konferenz “Love and Sex with Robots” Ende 2016 einige Vorschläge zur Verbesserung unterbreitet. So sollte sich der Sexroboter den meisten Anliegen gegenüber offen zeigen, sich aber auch bei bestimmten Ansinnen verweigern können. Als Informationsethiker sieht er vor allem die Gefahr des Datenmissbrauchs, der Ausspähung und der Überwachung. Vernetzte Roboter können mit Menschen verbunden sein, die sich an den Anblicken ergötzen und die Bilder weiterleiten. Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe (Oktober 2017) erschienen.

Abb.: Hilfe, die Sexroboter kommen

Homo faber

Im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler ist am 31. August 2017 ein neuer Beitrag von Oliver Bendel erschienen. Es wird nichts weniger als der Mensch beleuchtet. Der erste Absatz lautet: “Der Mensch gehört zur Gattung Homo, mit der Art des Homo sapiens (‘verständiger, vernünftiger, kluger, weiser Mensch’) und dessen Vorgänger Homo erectus (‘aufgerichteter, aufrecht gehender Mensch’). Er bewohnt seit Jahrmillionen die Erde und hat nie einen anderen Planeten besucht, wenn man vom Entsenden von Weltraumfähren und -robotern absieht; lediglich auf den Trabanten der Erde, den Mond, hat er seinen Fuß gesetzt. Als Homo oeconomicus maximiert er seinen Nutzen, ist Teil der Wirtschaft, als Produzent, Konsument oder Prosument. Als Homo politicus und Homo sociologicus ist er in ein Staats- und Gemeinwesen eingebunden, in dem er Rechte und Pflichten wahrnimmt und spezifische Handlungen ausführt, die sich auf Regierung, Verwaltung oder Gesellschaft beziehen. Im Homo faber erscheint der ein Handwerk oder eine Kunst ausübende, ein Werkzeug oder eine Technik schaffende Mensch, der damit seine Umwelt und sich selbst verändert.” Der ganze Beitrag – in dem es am Ende auch um die Perspektive der Informationsethik geht – kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mensch.html abgerufen werden.

Abb.: Homo faber

Roboter im Gesundheitsbereich

“Entscheidfindung und Umsetzung: Shared Decision Making und verwandte Konzepte im Gesundheitssystem” – so der Titel des 14. Schweizerischen Kongresses für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften, der am 3. November 2017 in Bern stattfindet. “Der Kongress richtet sich an alle Fachleute aus dem Gesundheitswesen: Ärzteschaft, Spitalverantwortliche, Apothekerinnen/Apotheker, Pharmaindustrie, Sozial- und Privatversicherer, Behörden, Verbände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen generell.” (Flyer Kongress) Eine Besonderheit ist das Young Forum. “Die Young Forum SKGG Initiative soll Nachwuchsleuten aus dem gesamten Gesundheitswesen ermöglichen, den 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften (SKGG) zum Nulltarif zu besuchen.” (Flyer Kongress) Beim Kongress referieren u.a. Prof. Dr. iur. Regina E. Aebi-Müller (“Patient knows best? Instrumente der Selbstbestimmung im geltenden Recht”), Prof. Dr. oec. publ. Stefan Boes (“Swiss Learning Health System – eine Einführung”) und Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (“Künstliche Intelligenz und Roboter im Gesundheitsbereich: Hoffnung mit Grenzen?”). Der Flyer mit allen Informationen kann hier abgerufen werden.

Abb.: Der Gesundheitsbereich verändert sich

VDI-Konferenz zu humanoiden Robotern

Auch die 2. VDI-Konferenz “Humanoide Roboter” beschäftigt sich mit “dem Menschen nachempfundenen Robotern” (Website VDI). Zwar seien Roboter insbesondere in Bezug auf Wahrnehmung und Intelligenz “noch weit vom Menschen entfernt”, aber die Entwicklung von humanoiden Robotern werde “mit enormem Tempo vorangetrieben”. “Das Themenspektrum der Konferenz reicht dabei von Design und Gestaltung über die kognitive Planung bis hin zu Anwendungsbeispielen der Roboter.” (Website VDI) Am 6. Dezember 2017 spricht Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) über die “Speech Synthesis Markup Language (SSML) für humanoide Serviceroboter”, Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg) zur “Personalisierung der Mensch-Roboter-Interaktion durch sozialsensitives Lernen”, Prof. Dr. Sven Behnke (Universität Bonn) über “Humanoide Roboter für den Einsatz in menschenfeindlichen Umgebungen”. Die Konferenz findet vom 5. bis 6. Dezember 2017 in Aschheim bei München statt. Weitere Informationen über https://www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-automation/humanoide-roboter/.

Abb.: Humanoide Roboter in den Startlöchern

Roboter unter uns

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: “I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.” Auf eine andere gab er die Antwort: “Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.” Der Artikel mit dem Titel “Affäre mit einem Roboter” kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Pepper in Aktion

Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht

Bei interaktivem Digital Signage stellen sich Plakate, Schilder, Tafeln, Terminals und Säulen in Läden oder an Straßen und auf Plätzen auf ihren digitalen Bildschirmen automatisch auf Anwesende ein und interagieren und kommunizieren mit diesen in visueller oder auditiver Weise. Es wird also nicht einfach etwas dargestellt, sondern das, was dargestellt wird, hängt vom Betrachter oder vom Umfeld ab. Der hauptsächliche Zweck ist neben der Informierung (auch im Sinne von Beratung) die Werbung, die hauptsächliche Umsetzungsart die interaktive Werbefläche. Der Beitrag “Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen und in den Läden: Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht” von Oliver Bendel, erschienen bei Telepolis am 15. August 2017, untersucht das Phänomen digitaler Werbeflächen aus ethischer Sicht. Erstens wird der Begriff des Digital Signage erklärt, unter den der Begriff der interaktiven Werbeflächen subsumiert wird. Typisch für diese sind – abgesehen von den digitalen Bildschirmen – Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Muster-, Bild- und Gesichtserkennung. Zweitens werden Überlegungen aus Sicht von Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik und darüber hinaus, etwa im Sinne des Verbraucherschutzes, angestellt. Auch die Maschinenethik wird berücksichtigt. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Neue-Spione-in-den-Strassen-auf-den-Plaetzen-und-in-den-Laeden-3797118.html abgerufen werden.

Abb.: Digital Signage in New York

Über den Denialismus

Das KLEINE LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK existiert seit 2012 und wird immer noch ausgebaut. Seit 13. August 2017 ist auf informationsethik.net ein weiterer Eintrag zu finden: “Denialism oder Denialismus (in der eingedeutschten Form) ist der Versuch, Fakten abzustreiten und sich ‘alternative Fakten’ auszudenken. Beispielsweise behauptet man, die Erde sei flach, der Klimawandel nicht vorhanden, selbst das höherentwickelte Tier nicht leidensfähig, und die Evolution habe nicht stattgefunden. Über das Internet schließen sich die Denialisten (Leugner im radikalen Sinne) zusammen und bestärken sich in ihren haltlosen Überzeugungen. Zudem zitieren und produzieren sie Fake News. Sie sind weder Skeptiker noch philosophische Zweifler, denn diese stellen etwas in Frage, das gesichert erscheint, um zu etwas zu gelangen, das als wirklich gesichert angesehen werden kann. Die Informationsethik untersucht die Nutzung des WWW und von Instant Messengers zur Verbreitung denialistischer Ansätze, mitsamt den moralischen Implikationen.” Wer die Begriffe des Lexikons in größerer Breite und Tiefe haben will, sei auf das umfangreiche Nachschlagewerk “300 Keywords Informationsethik” (Springer Gabler, 2016) von Oliver Bendel verwiesen. Dieses bietet Fachwissen nicht nur zur Informationsethik, sondern auch zur Maschinenethik. Zu letzterer Disziplin sei wiederum auch das KLEINE LEXIKON DER MASCHINENETHIK auf maschinenethik.net empfohlen.

Abb.: Die Erde flach, Hunde nicht leidensfähig