Schlagworte: Informationsethik

Selbstdarstellung und Datenschutz

Technology Review befragte den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel zu Informationsethik und Datenschutz. Dabei interessierte u.a., ob man aus ethischer Sicht mehr Datenschutz fordern und gleichzeitig großzügig mit seinen Daten umgehen darf. Die Antwort lautete: “Das darf ich durchaus. Ich kann ja daran interessiert sein, dass fremde personenbezogene Daten geschützt werden, etwa die meiner Kinder. Ich kann grundsätzlich an Schutz und Gerechtigkeit interessiert sein. Zugleich kann ich – auch das kann informationelle Autonomie bedeuten – mich dafür entscheiden, meine persönlichen Daten freizügig wegzugeben. Wichtig ist letztlich, dass die Entscheidung über meine Daten bei mir liegt. Auch wenn die Mehrheit einen laxen Umgang im Privaten hat, bedeutet das nicht, dass ich dann auch einen haben muss. Ich möchte im Gegenteil im Rechtsstaat als Minderheit vor der Mehrheit geschützt werden. Interessant wäre, wenn ich einzelne personenbezogene Daten oder Datensätze bestimmten Personen und Einrichtungen gegenüber freigeben, anderen Personen und Einrichtungen gegenüber sperren könnte, und wenn ich bei einer Freigabe eine Gegenleistung verlangen dürfte.” Diese und andere Antworten flossen in den Beitrag von Denis Dilba ein, der unter dem Titel “Darf ich private Daten posten und trotzdem mehr Datenschutz wollen?” in der Ausgabe 10/2017 erschienen ist.

Abb.: Selfie im Meer

Wer und was darf uns in Zukunft füttern?

Die Zeitschrift Clinicum hat in ihrer Ausgabe 4/2017 ein Interview nachgedruckt, das bereits im Frühjahr veröffentlicht wurde. Im Teaser heißt es: “Oliver Bendel wird am 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften & Zukunftsforum Gesundheit in Bern referieren. Er ist ein gescheiter agent provocateur. Die Wochenzeitung ‘DIE ZEIT’ hat uns grünes Licht gegeben, ein spannendes Gespräch mit dem Maschinenethiker zu publizieren.” Eine Frage im Gespräch hatte gelautet: “Kann man in Bezug auf bestimmte Programme oder Roboter überhaupt von Moral oder Unmoral sprechen? Können Maschinen gut oder böse sein?” Die Antwort: “Da sind wir mittendrin in der Maschinenethik. Wir kennen seit 2500 Jahren die Ethik als eine Disziplin, die sich ausschließlich auf Menschen richtete. Jetzt haben wir es mit neuen Subjekten der Moral zu tun, eben Maschinen. Natürlich sind sie nicht gut oder böse, weil sie keinen eigenen Willen, kein Bewusstsein haben. Aber sie treffen, teilautonom oder autonom, bestimmte moralisch relevante Entscheidungen.” Eine ähnliche Diskussion begann mit der Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Viele Experten verwenden den Begriff der künstlichen Intelligenz (der auf den Gegenstand der Disziplin verweist) metaphorisch oder intentional. So kann man es auch bei der “maschinellen Moral” machen. Der Nachdruck mit dem Titel “Darf mich ein Pflegeroboter füttern?” kann über http://www.clinicum.ch/de/magazin/magazin.htm oder direkt hier aufgerufen werden.

Abb.: Ein Reh bedient sich selbst

Eröffnung des Weizenbaum-Instituts

Nach zwei Jurysitzungen in 2016 und 2017 und einem Beschluss von Prof. Dr. Johanna Wanka, die dem Vorschlag der Jury folgte, fiel nun der “offizielle Startschuss für das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft am Standort Berlin im Konzertsaal der Universität der Künste”. Die Bundesministerin “verdeutlichte bei der feierlichen Eröffnung, was das BMBF von dem Forschungsverbund erwartet”: “Das neue Weizenbaum-Institut … soll die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen und Handlungsoptionen aufzeigen. Dafür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Fördermittel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren bereit.” (Pressemitteilung BMBF) Der Jury, bei der sich das BMBF am 21. September 2017 auch schriftlich bedankte, gehörten u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Catharina Maracke (Keio University, Japan) und Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) an.

Abb.: In Berlin

Soll uns Robear pflegen?

Operations- und Therapieroboter sind weit verbreitet. Pflegeroboter werden auf der ganzen Welt in Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern und Pflegeheimen erprobt. Vor einem regulären Einsatz sind diverse ethische Fragen aufzuwerfen und zu beantworten. Genau dies macht ein neuer Beitrag von Oliver Bendel, der Mitte September in der Zeitschrift IT for Health erschienen ist. Das Resümee lautet: “Der Einsatz von Pflegerobotern bietet aus ethischer (sowie aus ökonomischer und medizinischer) Perspektive sowohl Chancen als auch Risiken. Assistierende Technologien beweisen bereits ihre Alltagstauglichkeit. Robear und Co., die Hand an Patienten anlegen, benötigen bis zu einer hohen technischen Reife noch ein paar Jahre. Genügend Zeit, so scheint es, um sich über das Grundsätzliche klar zu werden. Letztlich sollte, wo immer möglich, der Wille des oder der Pflegebedürftigen geachtet werden, ob er in einer Verfügung oder während der Behandlung zum Ausdruck kommt.” Der Artikel mit dem Titel “Soll uns Robear pflegen?” kann hier aufgerufen werden.

Abb.: Soll uns Robear pflegen?

Gesichtserkennung macht Schlagzeilen

Gesichtserkennung macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. Ob Südkreuz in Berlin, ob Face ID beim iPhone, ob Software, die angeblich die sexuelle Ausrichtung festzustellen vermag – es existieren zahlreiche Anwendungs- und Missbrauchsmöglichkeiten. Der WDR hat in seiner Sendung Cosmo am 14. September 2017 Oliver Bendel zum Thema befragt. Ob er Angst habe, wollte Sümeyra Kaya u.a. wissen, und der in der Schweiz lebende Informations- und Maschinenethiker räumte ein, dass dies der Fall sei. Sein Gesicht gehöre ihm, führte er aus, und er wolle nicht, dass es von allen möglichen Personen, Gruppen und Parteien aufgenommen werde. “Schon gar nicht will ich, dass mein Alter, mein Geschlecht, meine Gesundheit etc. festgestellt werden. Natürlich kann jeder auf der Straße sehen, wer ich bin, aber ich habe die Chance, auch dem anderen ins Gesicht zu schauen. Es besteht ein gewisses Gleichgewicht. Im Falle von Gesichtserkennungssoftware schaut mich ein Unbekannter an, und ich sehe ihn nicht nur nicht, ich weiß auch nicht, welche Absichten er verfolgt, welche Daten er sammelt und auswertet, was er mit den Ergebnissen macht. Es besteht ein Ungleichgewicht, und es besteht ein Risiko: Vielleicht erfährt meine Krankenkasse, dass ich dick geworden bin, und will mich von bestimmten Zusatzleistungen ausschließen.” In der Schweiz ist das beispielsweise möglich. Online ist Cosmo über http://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/index.html erreichbar.

Abb.: Ein Paar macht Selfies

Fit for Love

Ein Magazin, das den Titel “Fit for Fun” trägt, muss sich natürlich auch dem Thema der Sexroboter widmen. “Hilfe, die Sexroboter kommen” – so lautet die anspielungsreiche Überschrift in der Rubrik “Fit for Love”. Zu Wort kommen der Sexualwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß und der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. “Das Gefühl des Alleinseins können Sexroboter mindern”, erklärt der Sexualwissenschaftler. “Doch hier lauere auch die Gefahr, sich mit ihm zurückzuziehen.” (Fit for Fun, 10/2017) Auch der Ethiker beurteilt die Liebesmaschinen differenziert. Er lehnt ihren Gebrauch nicht grundsätzlich ab und hat als Maschinenethiker auf der Konferenz “Love and Sex with Robots” Ende 2016 einige Vorschläge zur Verbesserung unterbreitet. So sollte sich der Sexroboter den meisten Anliegen gegenüber offen zeigen, sich aber auch bei bestimmten Ansinnen verweigern können. Als Informationsethiker sieht er vor allem die Gefahr des Datenmissbrauchs, der Ausspähung und der Überwachung. Vernetzte Roboter können mit Menschen verbunden sein, die sich an den Anblicken ergötzen und die Bilder weiterleiten. Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe (Oktober 2017) erschienen.

Abb.: Hilfe, die Sexroboter kommen

Homo faber

Im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler ist am 31. August 2017 ein neuer Beitrag von Oliver Bendel erschienen. Es wird nichts weniger als der Mensch beleuchtet. Der erste Absatz lautet: “Der Mensch gehört zur Gattung Homo, mit der Art des Homo sapiens (‘verständiger, vernünftiger, kluger, weiser Mensch’) und dessen Vorgänger Homo erectus (‘aufgerichteter, aufrecht gehender Mensch’). Er bewohnt seit Jahrmillionen die Erde und hat nie einen anderen Planeten besucht, wenn man vom Entsenden von Weltraumfähren und -robotern absieht; lediglich auf den Trabanten der Erde, den Mond, hat er seinen Fuß gesetzt. Als Homo oeconomicus maximiert er seinen Nutzen, ist Teil der Wirtschaft, als Produzent, Konsument oder Prosument. Als Homo politicus und Homo sociologicus ist er in ein Staats- und Gemeinwesen eingebunden, in dem er Rechte und Pflichten wahrnimmt und spezifische Handlungen ausführt, die sich auf Regierung, Verwaltung oder Gesellschaft beziehen. Im Homo faber erscheint der ein Handwerk oder eine Kunst ausübende, ein Werkzeug oder eine Technik schaffende Mensch, der damit seine Umwelt und sich selbst verändert.” Der ganze Beitrag – in dem es am Ende auch um die Perspektive der Informationsethik geht – kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/mensch.html abgerufen werden.

Abb.: Homo faber

Roboter im Gesundheitsbereich

“Entscheidfindung und Umsetzung: Shared Decision Making und verwandte Konzepte im Gesundheitssystem” – so der Titel des 14. Schweizerischen Kongresses für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften, der am 3. November 2017 in Bern stattfindet. “Der Kongress richtet sich an alle Fachleute aus dem Gesundheitswesen: Ärzteschaft, Spitalverantwortliche, Apothekerinnen/Apotheker, Pharmaindustrie, Sozial- und Privatversicherer, Behörden, Verbände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen generell.” (Flyer Kongress) Eine Besonderheit ist das Young Forum. “Die Young Forum SKGG Initiative soll Nachwuchsleuten aus dem gesamten Gesundheitswesen ermöglichen, den 14. Schweizerischen Kongress für Gesundheitsökonomie und Gesundheitswissenschaften (SKGG) zum Nulltarif zu besuchen.” (Flyer Kongress) Beim Kongress referieren u.a. Prof. Dr. iur. Regina E. Aebi-Müller (“Patient knows best? Instrumente der Selbstbestimmung im geltenden Recht”), Prof. Dr. oec. publ. Stefan Boes (“Swiss Learning Health System – eine Einführung”) und Prof. Dr. oec. HSG Oliver Bendel (“Künstliche Intelligenz und Roboter im Gesundheitsbereich: Hoffnung mit Grenzen?”). Der Flyer mit allen Informationen kann hier abgerufen werden.

Abb.: Der Gesundheitsbereich verändert sich

VDI-Konferenz zu humanoiden Robotern

Auch die 2. VDI-Konferenz “Humanoide Roboter” beschäftigt sich mit “dem Menschen nachempfundenen Robotern” (Website VDI). Zwar seien Roboter insbesondere in Bezug auf Wahrnehmung und Intelligenz “noch weit vom Menschen entfernt”, aber die Entwicklung von humanoiden Robotern werde “mit enormem Tempo vorangetrieben”. “Das Themenspektrum der Konferenz reicht dabei von Design und Gestaltung über die kognitive Planung bis hin zu Anwendungsbeispielen der Roboter.” (Website VDI) Am 6. Dezember 2017 spricht Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) über die “Speech Synthesis Markup Language (SSML) für humanoide Serviceroboter”, Prof. Dr. Elisabeth André (Universität Augsburg) zur “Personalisierung der Mensch-Roboter-Interaktion durch sozialsensitives Lernen”, Prof. Dr. Sven Behnke (Universität Bonn) über “Humanoide Roboter für den Einsatz in menschenfeindlichen Umgebungen”. Die Konferenz findet vom 5. bis 6. Dezember 2017 in Aschheim bei München statt. Weitere Informationen über https://www.vdi-wissensforum.de/weiterbildung-automation/humanoide-roboter/.

Abb.: Humanoide Roboter in den Startlöchern

Roboter unter uns

Omer Kabir von der israelischen Tageszeitung Calcalist hat im Februar 2017 ein Interview mit Oliver Bendel geführt, das am 16. August 2017 erschienen ist. Es geht um Künstliche Intelligenz, Robotik und Maschinenethik. Zu einer Frage führte Oliver Bendel aus: “I would like to distinguish between simple and complex moral machines. While simple moral machines are useful and valuable in many contexts, e.g., in order to protect animals in the household, in the parkway or in the wilderness, complex moral machines can be dangerous, on the battle field as well as in road traffic. I am against autonomous weapons and autonomous cars which decide between life and death of human beings. I prefer simple machines which follow simple rules in our absence, simple machines that are our representatives, not least in a moral sense.” Auf eine andere gab er die Antwort: “Industrial and service robots as well as agents and chatbots will support and replace us, doing some things better than their human competitors. They may be more precise, faster and cheaper. The machines can used for automatic operation round the clock. We may experience initial discomfort and pressure. After some discussions and perhaps revolutions, we could head for adequate economic, political and legal conditions. Perhaps there will be an unconditional basic income for all citizens, and I must admit that I sympathise with this idea. Other experts also propose a machinery tax or a quota of robots, but I am rather sceptical about such restrictions. I like the discussions about them more than themselves.” Der Artikel mit dem Titel “Affäre mit einem Roboter” kann hier als PDF heruntergeladen oder über www.calcalist.co.il/internet/articles/0,7340,L-3719292,00.html aufgerufen werden.

Abb.: Pepper in Aktion

Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht

Bei interaktivem Digital Signage stellen sich Plakate, Schilder, Tafeln, Terminals und Säulen in Läden oder an Straßen und auf Plätzen auf ihren digitalen Bildschirmen automatisch auf Anwesende ein und interagieren und kommunizieren mit diesen in visueller oder auditiver Weise. Es wird also nicht einfach etwas dargestellt, sondern das, was dargestellt wird, hängt vom Betrachter oder vom Umfeld ab. Der hauptsächliche Zweck ist neben der Informierung (auch im Sinne von Beratung) die Werbung, die hauptsächliche Umsetzungsart die interaktive Werbefläche. Der Beitrag “Neue Spione in den Straßen, auf den Plätzen und in den Läden: Interaktive Werbeflächen aus ethischer Sicht” von Oliver Bendel, erschienen bei Telepolis am 15. August 2017, untersucht das Phänomen digitaler Werbeflächen aus ethischer Sicht. Erstens wird der Begriff des Digital Signage erklärt, unter den der Begriff der interaktiven Werbeflächen subsumiert wird. Typisch für diese sind – abgesehen von den digitalen Bildschirmen – Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Muster-, Bild- und Gesichtserkennung. Zweitens werden Überlegungen aus Sicht von Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik und darüber hinaus, etwa im Sinne des Verbraucherschutzes, angestellt. Auch die Maschinenethik wird berücksichtigt. Der Beitrag kann über www.heise.de/tp/features/Neue-Spione-in-den-Strassen-auf-den-Plaetzen-und-in-den-Laeden-3797118.html abgerufen werden.

Abb.: Digital Signage in New York

Über den Denialismus

Das KLEINE LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK existiert seit 2012 und wird immer noch ausgebaut. Seit 13. August 2017 ist auf informationsethik.net ein weiterer Eintrag zu finden: “Denialism oder Denialismus (in der eingedeutschten Form) ist der Versuch, Fakten abzustreiten und sich ‘alternative Fakten’ auszudenken. Beispielsweise behauptet man, die Erde sei flach, der Klimawandel nicht vorhanden, selbst das höherentwickelte Tier nicht leidensfähig, und die Evolution habe nicht stattgefunden. Über das Internet schließen sich die Denialisten (Leugner im radikalen Sinne) zusammen und bestärken sich in ihren haltlosen Überzeugungen. Zudem zitieren und produzieren sie Fake News. Sie sind weder Skeptiker noch philosophische Zweifler, denn diese stellen etwas in Frage, das gesichert erscheint, um zu etwas zu gelangen, das als wirklich gesichert angesehen werden kann. Die Informationsethik untersucht die Nutzung des WWW und von Instant Messengers zur Verbreitung denialistischer Ansätze, mitsamt den moralischen Implikationen.” Wer die Begriffe des Lexikons in größerer Breite und Tiefe haben will, sei auf das umfangreiche Nachschlagewerk “300 Keywords Informationsethik” (Springer Gabler, 2016) von Oliver Bendel verwiesen. Dieses bietet Fachwissen nicht nur zur Informationsethik, sondern auch zur Maschinenethik. Zu letzterer Disziplin sei wiederum auch das KLEINE LEXIKON DER MASCHINENETHIK auf maschinenethik.net empfohlen.

Abb.: Die Erde flach, Hunde nicht leidensfähig

Schweigen ist Gold

Im März 2009 bewarb sich der Schriftsteller und Wissenschaftler Oliver Bendel beim Blick am Abend als Kolumnenschreiber. Er bekam den Auftrag (der nicht vergütet wurde) und legte los. Über jeden Beitrag dieser Rubrik wurde von Leserinnen und Lesern abgestimmt, und der Autor wurde weiter- oder abgewählt. Die Idee von Oliver Bendel war, Kritik, Kunst und Kultur sowie Wissenschaft in den BAA zu bringen. Dies auf knappem Platz und für einen riesigen Adressatenkreis. Zu seinem Erstaunen wurde er über mehrere Tage weitergewählt. Die Themen wurden immer gewagter, Theorien und Kanons entwickelt. Auch ein Web-2.0-Knigge tauchte auf, mit seinen zehn Vorschlägen zum Verhalten in den sozialen Medien, später als “Netiquette 2.0″ in der Netzwoche veröffentlicht. Regel Nummer 3 lautete: “Du sollst nachdenken, bevor du einen Beitrag verfasst, und keine Fehlinformationen verbreiten.” Und 10: “Du sollst Handy und Computer so oft wie möglich ausschalten und dem Gesang der Vögel lauschen.” Ein Text über Inge Scholl war bereits geschrieben, als nach zehn Ausgaben das Aus kam. Die Kolumnen können jetzt, achteinhalb Jahre später, hier heruntergeladen werden.

Abb.: Im Web 2.0 ist Schweigen manchmal Gold

Das Wörterbuch bekommt Zuwachs

Der gedruckte Duden bekommt Zuwachs. Wörter wie “Tablet”, “Social Bot”, “Datenbrille” und “Fake News” finden sich ab dem 9. August 2017 darin. “Datenbrille” war bereits 2014 im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. 2015 wurde das “Tablet” aufgenommen. Die “Social Bots” kamen Anfang 2017 hinzu, ebenso die “Fake News“. Allerdings ist das Wörterbuch in der Printversion und im Grundsatz aus verschiedenen Gründen schwerfällig. So kann man nicht innerhalb von Wochen oder Monaten auf eine Neuschöpfung bzw. ein Sozialphänomen reagieren, sondern erst nach längerer Zeit: “Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert.” (Süddeutsche Zeitung, 7. August 2017) Auch stellen sich an ein Wörterbuch andere Anforderungen als an ein Lexikon. Online geht es freilich schneller, auch bei Duden, und dort finden sich die genannten Wörter bereits – seit wann, lässt sich nicht eruieren. Im Bereich der Ethik schläft der Duden übrigens noch. Während “Medizinethik” und “Wirtschaftsethik” gekannt werden, ist bei “Technikethik” oder “Informationsethik” leider Fehlanzeige, trotz der seit Jahren immensen Bedeutung.

Abb.: “Tablet” im Online-Duden

Vier Glossen aus der zfo

Vier Glossen von Oliver Bendel aus der zfo (2013 bis 2015) können nun, nach der freundlichen Genehmigung des Verlags Schäffer-Poeschel, von dieser Website heruntergeladen werden, nämlich “Sinnhafte Entcomputerisierung“, “Druck dir die Welt, wie sie dir gefällt!“, “Neun Thesen zur Ethik” und “In einem gesunden Körper …“. Zur Zeitschrift gibt die Website folgende Auskunft: “Organisations- und Führungsfragen begegnen uns im beruflichen Alltag überall und in den unterschiedlichsten Facetten und Ausprägungen. Als führende deutschsprachige Zeitschrift auf ihrem Gebiet bietet die zfo – Zeitschrift Führung + Organisation zu diesen Themenbereichen fundierte und aktuelle Fachinformationen sowie professionelle Lösungsansätze renommierter Autoren aus Wissenschaft und Praxis. Die zfo ist offizielles Organ der Gesellschaft für Organisation e.V. (gfo), der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) sowie der Österreichischen Vereinigung für Organisation und Management (ÖVO).” (Website zfo) Weitere Informationen über www.zfo.de.

Abb.: In einem gesunden Körper

Pro und Contra zur Robotersteuer

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat auf ihrem Portal “Die Netzdebatte” zwei neue Beiträge veröffentlicht, unter der Überschrift “Pro und Contra zur Robotersteuer“. Es handelt sich um keine Pole, sondern um Varianten. Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber sieht eher Vorteile in der Robotersteuer, die er sich unter gewissen Umständen und in einer bestimmten Ausgestaltung vorstellen kann. Prof. Dr. Oliver Bendel ist dafür, die Robotersteuer zu diskutieren, sieht aber insgesamt eher Nachteile, und benennt Herausforderungen, denen sich eine Umsetzung im Moment stellen müsste. Vor allem sei unklar, was genau man besteuern soll. Besonders deutlich zeige sich dies bei Kooperations- und Kollaborationsrobotern, die eng mit Menschen zusammenarbeiten. Wann fängt die Arbeit des Menschen und der Maschine an, wann hört sie auf? Auch muss man klären, ob man nur Hardwareroboter oder auch Softwareroboter besteuern soll. Wie verhält es sich mit einer Armee von Social Bots? Mit Crawlern von Suchmaschinen? Die Beiträge können direkt über www.bpb.de/dialog/netzdebatte/248706/meinung-auch-roboter-sollten-steuern-zahlen und www.bpb.de/dialog/netzdebatte/245350/meinung-roboter-haben-keine-verantwortung aufgerufen werden.

Abb.: Soll dieser Roboter besteuert werden?

Das SmartShuttle auf dem Waisenhausplatz

Die PostAuto AG kündigt für den Nationalfeiertag 2017 in der Schweiz ein Ereignis an, das Freundinnen und Freunde des teil-, hoch- und vollautomatisierten Fahrens freuen dürfte. “Am 1. August ist erstmals ein SmartShuttle von PostAuto auf einem öffentlichen Platz in Bern zu Gast. Die Besucher der Bundesfeier können auf dem Waisenhausplatz testen, wie sich autonomes Fahren anfühlt.” (Informationsschreiben PostAuto) Und weiter: “Ein SmartShuttle von PostAuto wird … von 9 bis 22 Uhr auf dem Waisenhausplatz seine Runden drehen. Die Besucherin und der Besucher können einsteigen und miterleben, wie das selbstfahrende Postauto den kleinen Parcours absolviert. Die Software steuert den elfplätzigen Bus selber. Die Techniker sind die Strecke auf dem Waisenhausplatz mit dem Shuttle manuell abgefahren, und die Sensoren haben daraus eine virtuelle Karte erstellt. So ist der Shuttle in der Lage, seine eigene Position zu bestimmen und dem vorgesehenen Weg selbstständig zu folgen.” (Informationsschreiben PostAuto) Der technische Leiter Ramon Mueller gewährte Prof. Dr. Oliver Bendel von der FHNW und einer kleinen Gruppe von Studierenden der Hochschule für Wirtschaft und der Berner Fachhochschule bereits am 3. März 2017 in Bern einen tiefen Einblick in den Betrieb.

Abb.: Das SmartShuttle in einer Halle in Bern

Privacy by Design

Petra Grimm und Tobias Keber von der Hochschule der Medien haben internationale Experten zu einem Experten-Round-Table zum Thema “Privacy by Design im automatisierten Autofahren” an die Hochschule der Medien in Stuttgart eingeladen. Nach Angaben von Susanne Kuhnert entstand die Idee zu dem interdisziplinären Austausch zum Themenbereich “Datenschutz und Datensicherheit im automatisierten und autonomen Autofahren” im Rahmen der Mitarbeit im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt KoFFI. “KoFFI” stehe, so das Einladungsschreiben, “für eine kooperative Fahrer-Fahrzeug-Interaktion und erforscht und erarbeitet ein multimodales Interaktionstool, welches im automatisierten Fahrzeug der Zukunft zum Einsatz kommen soll”. Weitere Informationen dazu über www.digitale-ethik.de/forschung/forschungsprojekte/koffi/. Am 27. Juli 2017 diskutierten Expertinnen und Experten wie Rafael Capurro und Oliver Bendel zum Thema. Im Anschluss entstanden Videos mit zentralen Statements, produziert von Studierenden der Hochschule. Diese werden in einigen Tagen online gestellt.

Abb.: Wieviel Privatsphäre bietet das Auto der Zukunft?

The Synthetization of Human Voices

The synthetization of voices, or speech synthesis, has been an object of interest for centuries. It is mostly realized with a text-to-speech system (TTS), an automaton that interprets and reads aloud. This system refers to text available for instance on a website or in a book, or entered via popup menu on the website. Today, just a few minutes of samples are enough in order to be able to imitate a speaker convincingly in all kinds of statements. The article “The Synthetization of Human Voices” by Oliver Bendel (published on 26 July 2017) abstracts from actual products and actual technological realization. Rather, after a short historical outline of the synthetization of voices, exemplary applications of this kind of technology are gathered for promoting the development, and potential applications are discussed critically in order to be able to limit them if necessary. The ethical and legal challenges should not be underestimated, in particular with regard to informational and personal autonomy and the trustworthiness of media. The article can be viewed via rdcu.be/uvxm.

Fig.: What will we hear in the future?

Die Vermessung der Lernenden

“Zuschauen geht nicht! Das Thema Digitalisierung beschäftigt gesellschaftlich und persönlich. Der Weiterbildungskongress Adult and Professional Education (WBK A&PE) 2017 bietet zum Aufbau der nötigen Kompetenzen eine vertiefte sowie alltagsnahe Auseinandersetzung damit. Entwickelt mit Personen aus dem Berufsfeld ist das Programm praxisrelevant gestaltet und regt zur Umsetzung an.” Mit diesen Worten wirbt die PH Luzern für den 10. Weiterbildungskongress A&PE, der vom 17. bis 19. August 2017 in Luzern stattfindet. Ein Vortrag von Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) trägt den Titel “Die Vermessung der Lernenden”. In der Beschreibung heißt es: “Lernplattformen sind Standard an vielen (Hoch-)Schulen, Massive Open Online Courses (MOOCs) werden auch von Studierenden genutzt. Aus Sicht von Datenschutz und Informationsethik stellen sich viele Fragen. Wie sicher sind die persönlichen Daten? Wo landen sie und wer nutzt sie? Was kann man über das Verhalten, die Lern- und Denkfähigkeit der Benutzer herausfinden?” Es wird vor allem die Perspektive der Informationsethik eingenommen. Weitere Informationen über www.phlu.ch/weiterbildung/wbk/.

Abb.: Wer wird von wem warum und wie vermessen?