Schlagworte: Maschinenmoral

Wie kann man gute Autos noch besser machen?

Der Artikel “Ich bremse auch für Tiere: Überlegungen zu einfachen moralischen Maschinen” von Oliver Bendel ist am 4. Dezember 2013 in inside-it.ch erschienen (direkt über www.inside-it.ch/articles/34646). Er hebt an mit den Worten: “Wie kann man gute Autos noch besser machen? Oder gute Drucker? Oder gute Sauger? Indem man ihnen Manieren und Moral beibringt. Für das eine ist der Knigge zuständig, für das andere die Philosophie – seit nunmehr 2500 Jahren.” Es wird kurz erläutert, was Maschinenethik ist und was “Moralisieren” im vorliegenden Kontext bedeutet – dann werden verschiedene Beispiele genannt, die teilweise auch für IT-Unternehmen relevant sind und mehrheitlich mit dem Leben oder dem Tod von Menschen und Tieren zu tun haben. Konkret werden Chatbots, Haushalts- und Gartenroboter, private Drohnen, selbstständig fahrende Autos, Windkraftanlagen und 3D-Drucker aus Sicht der Maschinenethik skizziert. Damit denkt der Autor das Konzept der einfachen moralischen Maschinen weiter, das er auf der Plattform KMU Business World entwickelt hatte. Der Beitrag endet mit dem Satz: “Jedes (teil-)autonome System steht eines Tages vor der gleichen Herausforderung. Es kann gut sein und bleiben – oder es kann besser werden, als Teil einer technischen und moralischen Evolution.”

Die Moral der Algorithmen

In einem Interview mit der TAZ vom 10. August 2013 spricht Yvonne Hofstetter auch über die Moral von Algorithmen. Die Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH wird gefragt: “Algorithmen sind im Grunde Roboter. Gibt es für sie eine Ethik?” Sie antwortet: “Die Technologen beschäftigen sich mit diesen Fragen. Welche Ethik, welche Moralvorstellungen brauchen wir? Was kann man in die Maschinen hinein programmieren? Aus der philosophischen Ecke, also von denen, die sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen, kommt hingegen nichts oder wenig. Die Philosophie sieht offenbar noch nicht, dass eine Sturzwelle an intelligenten Technologien auf uns zurollt.” Nun ist die Maschinenethik in den USA, in Kanada, Australien, Japan und Holland eine weit entwickelte Disziplin, zu der KI-Experten genauso beitragen wie Philosophen. Die Informationsethik, die sich auf die moralischen Implikationen des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien bezieht, ist gar eine traditionsreiche Disziplin, auch in Bezug auf Algorithmen und Maschinen. Es ist aber in der Tat so, dass im deutschsprachigen Raum erheblicher Nachholbedarf besteht, dass die Ethik von Lobbyorganisationen bekämpft und von Kirchen missbraucht wird. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen der Maschinenethik (begriffen als Pendant zur Menschenethik) und der Informationsethik, die Computer-, Netz- und Neue-Medien-Ethik umfasst. Beide sind wichtig, wobei die eine eher technologiegestaltend, die andere eher problemanalysierend und lebensgestaltend unterwegs ist und in gewisser Weise gilt: Die Informationsethik löst die Probleme, die die Maschinenethik verursacht.

Roboterethik im Gabler Wirtschaftslexikon

Im Gabler Wirtschaftslexikon wird seit 3. Juli 2013 die Roboterethik definiert. Diese kann man sowohl der Maschinen- als auch der Menschenethik zuordnen. In der Roboterethik werde danach gefragt, ob ein Roboter ein Subjekt der Moral sein und wie man diese implementieren kann. Auch der Roboter als Objekt der Moral sowie sein Einfluss auf Menschen sei von Belang. Oliver Bendel erklärt in seinem Beitrag den Begriff der Roboterethik, nimmt die Perspektive der Robotik ein, erwähnt die Robotergesetze von Asimov und gibt eine Einschätzung der Disziplin und einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung. Der Beitrag ist direkt über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/roboterethik.html abrufbar. Er wurde dem Sachgebiet “Grundlagen der Wirtschaftsinformatik” zugewiesen. Für das Gabler Wirtschaftslexikon schreiben nach eigenen Angaben über “150 Experten aus Wissenschaft und Praxis”. Mehr als “25.000 Stichwörter stehen kostenlos” bereit.

Der GOODBOT kommt auf die Welt

Viele Benutzer mögen Chatbots auf Websites und unterhalten sich gerne mit ihnen. Dabei spielen Produkte und Dienstleistungen meist eine untergeordnete Rolle. Man will das virtuelle Gegenüber ausfragen, mit ihm flirten, es necken und reizen. Wenn man in Schwierigkeiten steckt, will man eine Antwort erhalten, die einen nicht noch mehr entmutigt und verstört. Die meisten Bots sind in dieser Hinsicht völlig überfordert. Auf Selbstmorddrohungen oder Ankündigungen von Amokläufen reagieren sie inadäquat. In einem Projekt an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW wird unter der Leitung von Oliver Bendel eine moralische Maschine besonderer Art, nämlich ein sogenannter GOODBOT, konzipiert und prototypisch implementiert. Zunächst werden theoretische Grundlagen im Kontext der Maschinenethik erarbeitet. Es interessiert unter anderem, welche normativen Modelle maschinell verarbeitbar sind. Dann werden ausgewählte Chatbots auf Websites sowie Sprachassistenten wie Siri analysiert und verglichen sowie Erkenntnisse zu Systemen solcher Art gewonnen. Ein vorhandener Regelkatalog soll daraufhin überprüft werden, ob er in einem regelbasierten System umgesetzt bzw. wie er angepasst werden kann. Nicht nur Top-down-, sondern auch Bottom-up-Ansätze sollen erwogen werden. Zudem ist relevant, inwieweit soziale Medien und leibhaftige Menschen moralische Referenzpunkte bilden können. Das Projekt hat im Juni 2013 begonnen. Informationen zum Initiator und Projektleiter über www.fhnw.ch/personen/oliver-bendel.

Abb.: Ein Chatbot, der als “bad bot” bezeichnet werden könnte