Schlagworte: Militärethik

Mit Robotern töten?

“Darf die Polizei mit Robotern töten?” Dies ist der Titel eines Beitrags, der am 9. Juli 2016 auf Spiegel Online erschienen ist. “Nachdem ein Roboter den mutmaßlichen Heckenschützen von Dallas getötet hat, werden unbequeme Fragen laut: Wie und warum ist die Entscheidung gefallen? Bricht mit dem Einsatz von ferngesteuerten Maschinen in der Polizeiarbeit eine neue Ära an? Ist der Einsatz von tötenden Maschinen ethisch vertretbar und – wollen die USA das?” (SPON, 9. Juli 2016) Zu Wort kommt u.a. Peter Asaro, der im März 2016 in Stanford zum Symposium zur Maschinenethik beigetragen und auch in der Roboterethik als Disziplin, die nach den Konsequenzen des Einsatzes von automatischen und autonomen Maschinen fragt, einen Namen hat. Gegenüber Bloomberg äußerte er: “Sobald das zu einem Standardverfahren wird, wird es auch in anderen Situationen eingesetzt werden, die nicht so deutlich sind wie dieser Fall.” (SPON, 9. Juli 2016) Der Jurist Stoughton wies gegenüber dem gleichen Nachrichtendienst darauf hin, dass sich, ob bei Schusswaffen oder Elektroschockern, jedes Mal die Frage des angemessenen Einsatzes gestellt habe. “Ich glaube, wir werden ähnliche Gespräche über Roboter haben, die den Tod bringen.” (SPON, 9. Juli 2016)

Abb.: Wer hat die Waffe in der Hand?

Militärische Drohnen in der Moral

Die Jahrestagung der Fachgruppe “Informatik und Ethik” widmet sich vom 15. bis 16. Oktober 2015 in Berlin dem Thema Drohnen. Auf der Website heißt es: “Im Geheimdienstbefugnisklärungsausschuss des Deutschen Bundestags taucht am Rande immer wieder auf, was der Ex-Geheimdienstler Michael Hayden so drastisch ausdrückte: Wir töten Menschen auf der Basis von Meta-Daten. Der nicht mehr ganz so geheime Drohnenkrieg der militärisch stärksten Staaten zeigt in erschreckender Weise, welch zentrale Rolle Technikerinnen und Techniker in der Schönen Neuen (Gewalt-)Welt einnehmen.” (Website GI, Oktober 2015) Es geht also um militärische Drohnen, die in bestimmter Weise bewertet werden. Entsprechend betrachtet Rafael Capurro am Donnerstag die “Kriegsmaschinen” aus moralischer Sicht, und Constanze Kurz wiederholt in ihrem Vortrag die obige Aussage: “We kill people based on meta-data”. Verena Hafner nimmt am Freitag die Perspektive der Roboterethik ein, Hans-Jörg Kreowski stellt die Frage nach der “Kalamität bewaffneter Drohnen”. Die Teilnahme ist laut GI kostenlos. Es wird um Anmeldung unter drohnen@turing-galaxis.de gebeten. Weitere Informationen über gewissensbits.gi.de/jahrestagung-2015-drohnen.

Abb.: Greift die Drohne an?

Kriegsmaschinen

Wie verschiedene Medien melden, will das US-Militär “Roboter mit Moralempfinden entwickeln”. Das will es schon lange, aber nun wird die Öffentlichkeit informiert. Auf GIZMODO heißt es: “Über die nächsten fünf Jahre stellt eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, das Office of Naval Research, 7,5 Mio. US-Dollar (etwa 5,5 Mio. Euro) für Universitätsforschung zur Verfügung, um Roboter zu entwickeln, die richtig und falsch unterscheiden können. So könnten autonome Kampfsysteme effektiver und selbstständiger operieren. Manch ein Wissenschaftler glaubt sogar, dass solche Maschinen bessere Entscheidungen als Menschen treffen könnten, da sie einfach klaren Regeln folgen, um die Chancen und Risiken von Operationen zu bewerten.” Es ist wichtig, die Maschinenethik möglichst unabhängig von militärischer Forschung zu halten und die zivile, kommerzielle Nutzung voranzutreiben. Dass dies nicht einfach sein wird, liegt auf der Hand. In Technik- und Informationsethik sind die entstehenden moralischen Probleme zu diskutieren.

Abb.: Spinnenroboter