Schlagworte: Roboterethik

Die Hände von Pepper

Im Glattzentrum bei Zürich soll Pepper bald im Einsatz sein. Im Westfield San Francisco Centre kann man ihn bereits in Aktion sehen. Der kleine Roboter von SoftBank spricht und singt und tanzt auf Wunsch auch. Auf dem Touchscreen an seiner Brust werden auswählbare Rubriken und entsprechende Informationen angezeigt. Regelmäßig scharen sich Menschen um Pepper und probieren seine Funktionen aus. Faszinierend ist, wie schnell und präzise er seine Hände und seine Finger bewegen und benutzen kann. Er zeigt auf etwas, er gestikuliert – und er unterstützt seine Tanzbewegungen fast wie ein Profi. Wie 20 Minuten schreibt, soll Pepper im Glattzentrum ab Ende des Jahres eingesetzt werden. Über eine Million Franken habe das Einkaufszentrum für sechs Exemplare ausgegeben. Diese sollen ab Ende des Jahres selbstständig herumrollen. “Die Kunden können die Roboter ansprechen und nach Informationen fragen.” (20 Minuten, 7. März 2017) Wenn diese nicht weiterwissen, wird über ihren Bildschirm “die Infostelle des Centers zugeschaltet” (20 Minuten, 7. März 2017). In Kalifornien sind Roboter im öffentlichen Raum keine Seltenheit. Vor allem Informationsroboter sowie Überwachungs- und Sicherheitsroboter wie der K5 sind verbreitet. Eine Kollision kann im Westfield kaum stattfinden – der Roboter steht am Rand und bewegt sich nicht von der Stelle.

Abb.: Eine Hand von Pepper

Der Auto-Salon zwischen Zürich und Genf

Der Internationale Auto-Salon Genf ist eine der wichtigsten Fachmessen im Bereich der Mobilität. Er findet immer im März in Le Grand-Saconnex im Kanton Genf statt. Im Jahre 1907 musste man nach Zürich ausweichen, weil man im Westen im zunehmenden Autoverkehr eine Gefahr für Fußgänger sah und sich eine feindliche Stimmung verbreitete. Im Vorfeld des Auto-Salons 2017 wurden verschiedene Experten zum hoch- und vollautomatisierten Fahren befragt. Die Netzwoche widmete diesem ihren Schwerpunkt in der Ausgabe 4/2017 und ließ Frank M. Rinderknecht von Rinspeed und Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW zu Wort kommen. Die beiden hatten sich im Juli 2016 persönlich getroffen. Man sprach im Büro von Frank M. Rinderknecht in Zumikon über intelligente Autos und besuchte zusammen die Werkstatt, in der es von futuristischen Fahrzeugen nur so wimmelt. Das Gespräch wurde von RED, dem Magazin der Schweizer Börse SIX, aufgezeichnet und veröffentlicht. In der Netzwoche drückt der Visionär aufs Gas, der Ethiker steigt in die Bremsen. Beide sind der Meinung, dass das autonome Fahren Potenzial hat. Bendel sieht es aber nur auf den Autobahnen, nicht in den Ballungsgebieten, wo Fußgänger, Fahrradfahrer und Fahrzeuge aufeinander treffen. Er hat nicht die Angst, die man vor 110 Jahren in Genf hatte, warnt aber vor Situationen, in denen Autos nicht nur als Objekte, sondern auch als Subjekte in Unfälle verwickelt sind. Der Artikel kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Der Auto-Salon in Genf

Pepper in Switzerland

Wie 20 Minuten schreibt, soll Pepper von Aldebaran bzw. SoftBank im Glattzentrum bei Zürich eingesetzt werden. Über eine Million Franken habe das Einkaufszentrum für sechs Exemplare ausgegeben. Diese sollen ab Ende des Jahres selbstständig herumrollen. “Die Kunden können die Roboter ansprechen und nach Informationen fragen.” (20 Minuten, 7. März 2017) Wenn diese nicht weiterwissen, wird über ihren Bildschirm “die Infostelle des Centers zugeschaltet, um die Frage zu beantworten” (20 Minuten, 7. März 2017). Pepper soll nicht auf ein Sonderangebot eines Geschäfts hinweisen oder Produkte bewerben. In einem Einkaufszentrum ist er sicher gut aufgehoben. Er kann einen Mehrwert bieten, und es ist gewährleistet, dass Kinder im Beisein von Erwachsenen mit ihm kommunizieren und interagieren, anders als in Haushalten in Japan, wo sie oft mit ihm alleine sind und ihn imitieren, wie der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel kürzlich beim 10. Ulmer Robotertag berichtete. Es besteht allerdings, wie beim K5 in Stanford, die Gefahr, dass man mit ihm zusammenstößt. Zudem kann man über ihn stolpern, und er kann auf kleine Kinder fallen, wobei er recht standfest ist. Schweizerdeutsch versteht Pepper noch nicht, wie die Gratiszeitung schreibt. Es wird nicht einfach sein, ihm die dialektalen Varianten beizubringen.

Abb.: Pepper muss erst noch Schweizerdeutsch lernen

Patientenverfügung zum Einsatz von Robotern

Es gibt unzählige Formulare für Patientenverfügungen. Allein für die Schweiz führt Kassensturz fünfzehn Organisationen mit eigenen Vorschlägen an. Die Übersichtstabelle kann bei SRF heruntergeladen werden. In der Regel fehlt ein Bezug zum Einsatz von Operations-, Pflege- und Therapierobotern. Dabei sind Operationsroboter weltweit im Einsatz, und Therapieroboter kennt man nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland und in der Schweiz. Offensichtlich müssen die Patienten damit klarkommen, ob sie wollen oder nicht. Gerade bei Therapierobotern wird es zwangsläufig Personen treffen, die urteilsunfähig sind. Bei Operationsrobotern wird dies seltener der Fall sein, wobei in der Zukunft sicherlich eine Ausweitung stattfindet und damit auch hier eine Patientenverfügung sinnvoll ist. Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker, hat eine ergänzende Patientenverfügung entwickelt, die als Diskussionsbeitrag zu verstehen ist. Er ist der Meinung, dass Operationsroboter gute Dienste leisten und Pflegeroboter, die im Moment als Prototypen vorliegen, Pfleger entlasten und Patienten helfen können. Persönlich lehnt er einen Therapieroboter wie Paro ab, auch wenn dieser positive Effekte hervorbringen kann. Jeder sollte so wichtige Entscheidungen zum eigenen Leben zur richtigen Zeit treffen. Zur rechtlichen Verbindlichkeit in diesem Kontext bestehen noch keine Erkenntnisse. Das Formular kann hier bezogen werden. Hinweise werden über informationsethik@gmx.net entgegengenommen.

Abb.: Hier operiert der Arzt noch ohne Roboter

Der Roboter im Recht

Anfang des Jahres war im Europäischen Parlament der Bericht “Civil Law Rules on Robotics” vorgelegt und die Regulierung von Künstlicher Intelligenz und Robotik gefordert worden. Am 23. Februar 2017 fragte sich Zündfunk (Bayern 2) deshalb: “Welche Gesetze brauchen Roboter?” Gregor Schmalzried hatte bereits am Morgen den Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW zum Thema befragt, der das Dokument im Detail kannte, weil er es im vergangenen Jahr für einen Abgeordneten in Brüssel kommentiert hatte. Auch der Informatiker Matthias Althoff von der Technischen Universität München kam zu Wort. Der Beitrag stieg ein mit dem Vorschlag von Bill Gates, eine Robotersteuer einzuführen (wozu Oliver Bendel wiederholt seine Meinung geäußert hatte, auch im Deutschen Bundestag), und es wurde aus dem genannten Bericht zitiert. Matthias Althoff nahm Stellung zur elektronischen Person, die er im Moment für Science-Fiction hält, Oliver Bendel zu den Robotergesetzen von Asimov, darauf hinweisend, dass diese für die Fiktionalität, nicht die Realität entwickelt wurden. Die Sendung kann über www.br.de/radio/bayern2 nachgehört werden.

Abb.: Wo muss man den Einsatz von Robotern regulieren?

Industrieroboter in der Einstein-Stadt

In Ulm wurde nicht nur Albrecht Ludwig Berblinger geboren, der einen der ersten Flugapparate gebaut hat, sondern auch, über hundert Jahre später, Albert Einstein. Heute sind in der Großstadt am Fuße der Schwäbischen Alb mehrere renommierte Hochschulen und Forschungseinrichtungen angesiedelt. Am 22. Februar 2017 findet dort zum 10. Mal der Ulmer Robotertag statt. Veranstalter sind die Hochschule Ulm und Mitsubishi Electric Europe. “Auf der Jubiläumsveranstaltung präsentieren unsere Referenten nicht nur neueste Trends der Greifertechnik und der Servicerobotik, sondern setzen sich auch mit den ethischen Aspekten einer sich rasant verändernden Arbeitswelt auseinander.” (Flyer Ulmer Robotertag) “Industrie-Anwendungen und Vorstellung der Applikationen im Foyer” – damit beginnt Wolfram Zielke von Mitsubishi Electric Europe B.V. den Kongress. Daran schließt der Vortrag “Kollege und Kollegin Roboter – schöne neue Welt!” von Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) an. “Robotergestützte Rauheits- und Formmessung mit einem Streulichtsensor” ist der Titel des nächsten Beitrags (Rainer Brodmann, OptoSurf GmbH), gefolgt von “Entwicklung und Herstellung einer vollautomatischen Regen-/Lichtsensor-Montagelinie unter Anwendung von Mitsubishi-Robotern” (Dieter Süß, Schiller Automation). Nach dem Mittagessen werden weitere Vorträge, Vorführungen und Ausstellungen geboten. Detaillierte Informationen über www.hs-ulm.de.

Abb.: Das Stadthaus in Ulm

Machinery and Jealousy

PlayGround is a Spanish online magazine, founded in 2008, with a focus on culture, future and food. Astrid Otal asked the ethicist Oliver Bendel about the conference in London (“Love and Sex with Robots”) and in general about sex robots and love dolls. One issue was: “In love, a person can suffer. But in this case, can robots make us suffer sentimentally?” The reply to it: “Of course, they can make us suffer. By means of their body, body parts and limbs, and by means of their language capabilities. They can hurt us, they can kill us. They can offend us by using certain words and by telling the truth or the untruth. In my contribution for the conference proceedings, I ask this question: It is possible to be unfaithful to the human love partner with a sex robot, and can a man or a woman be jealous because of the robot’s other love affairs? We can imagine how suffering can emerge in this context … But robots can also make us happy. Some years ago, we developed the GOODBOT, a chatbot which can detect problems of the user and escalate on several levels. On the highest level, it hands over an emergency number. It knows its limits.” Some statements of the interview have been incorporated in the article “Última parada: después del sexo con autómatas, casarse con un Robot” (February 11, 2017) which is available via www.playgroundmag.net/futuro/sexo-robots-matrimonio-legal-2050-realdolls_0_1918608121.html.

Fig.: Is the bitch a robot or not?

Eine große, blaue, rollende Tonne

“Gita folgt auf dem Fuße: Die Piaggio-Tochter PFF hat einen schicken Roboter entwickelt, der Lasten wie Einkäufe nach Hause bringt. Gita ist schnell genug, um einem Fahrrad folgen zu können. Dabei nutzt sie eine interessante Art der Navigation.” (Golem, 3. Februar 2017) Dies meldet Golem am 3. Februar 2017. Auf Abbildungen, die durch die Medien gehen, ist eine große, blaue, rollende Tonne zu sehen. Während Paketroboter ihren Weg alleine finden müssen (ihnen wird meist nur bei einer Straßenüberquerung geholfen), kann sich Gita einfach an die Fersen des Besitzers heften – oder eben an das Hinterrad. Dabei lernt sie aber eine Strecke auch kennen und kann sie grundsätzlich auch alleine bewältigen. Gedacht ist Gita “eher als eine Art robotische Einkaufstasche auf Rädern denn als autonomer Lieferroboter wie etwa der von Starship Technologies” (Golem, 3. Februar 2017). Die Technik, so schreibt die Zeitschrift, dürfte der des Segway ähneln. Die Navigation erfolgt “per simultaner Lokalisierung und Kartenerstellung” (Golem, 3. Februar 2017). Wie der Paketroboter erhöht auch der automatische Rollkoffer die Komplexität in den Städten und wird zur Stolperfalle.

Abb.: Eine große, blaue, stehende Tonne

Social Bots und Chatbots

“Social Bots sind Bots, also Softwareroboter bzw. -agenten, die in sozialen Medien (Social Media) vorkommen. Sie liken und retweeten, und sie texten und kommentieren, können also natürlichsprachliche Fähigkeiten haben. Sie können auch als Chatbots fungieren und damit mit Benutzern synchron kommunizieren. Social Bots werden zur Sichtbarmachung und Verstärkung von Aussagen und Meinungen eingesetzt. Dabei können sie werbenden Charakter besitzen bzw. politische Wirkung entfalten.” So lautet die Kurzfassung eines neuen Beitrags im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler. Dazu passt ein anderer Text von Oliver Bendel über Chatbots, der wie folgt zusammengefasst wird: “Chatbots oder Chatterbots sind Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten textueller oder auditiver Art. Sie werden, oft in Kombination mit statischen oder animierten Avataren, auf Websites verwendet, wo sie die Produkte und Dienstleistungen ihrer Betreiber erklären und bewerben respektive sich um Anliegen der Interessenten und Kunden kümmern.” Es wird jeweils auch auf die Perspektive der Informationsethik und der Maschinenethik eingegangen. Die beiden Beiträge, die am 1. Februar 2017 erschienen sind, können über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/social-bots.html bzw. wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/chatbot.html aufgerufen werden.

Abb.: Social Bots sind in den Social Media zu finden

Regeln für Roboter

“EU plant erstmals Regeln für Roboter” – so der Titel eines Beitrags auf EurActiv von Daniel Mützel vom 10. Januar 2017. Im Teaser heißt es: “Am Donnerstag entscheidet der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments über einen Resolutionsentwurf, der den Einsatz ziviler Roboter reglementieren soll. Der Text könnte die Grundlage für die ersten europäischen Robotergesetze werden.” (Website EurActiv) Bereits im Sommer 2016 hat Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW auf Bitte eines Abgeordneten den Entwurf in seiner damaligen Fassung im Detail kommentiert. In seiner Zusammenfassung schrieb er: “Die Robotertypen sind sehr unterschiedlich und müssen auseinandergehalten werden. Im Speziellen vermisse ich auch die Unterscheidung zwischen Hardware- und Softwarerobotern. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen dem, was bereits der Fall ist, und dem, was vielleicht oder wahrscheinlich der Fall sein wird. Bewusstsein bei Robotern halte ich für Science-Fiction.” Für den Artikel wurden Oliver Bendel und Eric Hilgendorf von der Universität Würzburg, Experte für Roboterrecht, zu den Auswirkungen des Einsatzes von Industrie- und Servicerobotern befragt. Er kann über www.euractiv.de/section/innovation/news/eu-plant-erstmals-regeln-fuer-roboter aufgerufen werden.

Abb.: Welche Regeln sollen für Roboter gelten?

Daimler und Benz Stiftung zu Pflegerobotik

Gegen 15 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffen am 12. und 13. September 2017 in der Villa der gemeinnützigen Daimler und Benz Stiftung in Ladenburg zusammen, tragen vor und diskutieren zu Pflegerobotern. Die Stiftung engagiert sich immer wieder in Bezug auf Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) und mit Blick auf moralische und soziale Themen, wie 2015 mit einer Tagung zur Roboterethik. Der Workshop ermöglicht technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen im Rahmen der Ladenburger Diskurse kontrovers und konstruktiv diskutieren und zu neuen Erkenntnissen gelangen. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Prof. Dr. Oliver Bendel. Er lud im Namen der Stiftung Wirtschaftswissenschaftler, Robotiker, Informatiker, Mediziner und Moralphilosophen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und UK ein. Bisher liegen elf Zusagen vor. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Herausgeberband zusammengefasst. Sie richten sich an ein breites Publikum. Letztlich müssen die Krankenhäuser, die Pflegeheime und die Patientinnen und Patienten bzw. Seniorinnen und Senioren entscheiden, wie die Pflege der Zukunft aussehen soll.

Abb.: Bei der Hochzeit denkt man noch nicht an die Pflege

Sexroboter am Goldsmiths in London

Der internationale Kongress “Love and Sex with Robots” startete am 19. Dezember 2016 mit einem Vortrag von Oliver Bendel. In der Professor Stuart Hall von Goldsmiths, University of London, versammelten sich zahlreiche interessierte Wissenschaftler und Journalisten. Die erste Keynote hielt Kate Devlin (Department of Computing at Goldsmiths, University of London). Der erste Kongress der Reihe fand 2014 auf Madeira statt, der zweite war für Malaysia geplant, wurde aber von den dortigen Behörden verboten. Oliver Bendel führte am 19. Dezember Interviews mit SWR2, SWR3, Deutschlandradio Kultur, WDR und ARD. Das Interview mit dem WDR liegt in schriftlicher Form vor, unter dem Titel “Können wir eines Tages Roboter lieben?” Im Teaser heißt es: “Liebespuppen gab es schon in der Antike. Mit moderner Technik können wir sie heutzutage zum Leben erwecken. Doch wie gehen wir mit Sex-Robotern um? Und was, wenn diese Maschinen eines Tages ein Bewusstsein entwickeln?” (Website WDR) Am 20. Dezember wurde die Konferenz zu Ende geführt. Weitere Informationen über loveandsexwithrobots.org.

Abb.: Keynote von Kate Devlin

Der Roboterkopf Flobi

Bei den VDI-Konferenzen “Humanoide Roboter” und “Assistenzroboter in der Produktion”, die zeitgleich am 13. und 14. Dezember 2016 in Aschheim bei München stattfanden, gab es zahlreiche hochkarätige Vorträge und mehrere Exponate. Zu letzteren gehörte Flobi, der “intelligente Roboterkopf”. Er gemahnt an den orakelnden Kopf des Vergil, der vor allem durch seinen doppeldeutigen Ratschlag berühmt geworden ist, an dem der Dichter der Legende nach verstarb, und an den sprechenden Kopf, der angeblich Gerbert von Aurillac (den Erzbischof von Reims und späteren Papst Silvester II.) beriet. Auf einer Informationskarte der Forscher des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) an der Universität Bielefeld steht geschrieben: “Er kann Emotionen ausdrücken und reagiert mimisch auf sein Gegenüber. Mithilfe von 16 Antriebselementen lächelt Flobi beispielsweise, schaut verschmitzt oder ernst. CITEC erforscht, wie und unter welchen Bedingungen Flobis Mimik Menschen motivieren kann – etwa zu längerem Durchhalten beim Ausdauertraining.” Am 14. Dezember wurden in Vorträgen der Konferenz “Humanoide Roboter” zwei weitere besondere Wesen vorgestellt. Der frischgebackene Doktor Daniel Kühn erläuterte die zwei- und vierbeinigen Posen des hominiden Roboters Charlie, Prof. Dr. Oliver Bendel die Lügenstrategien des Lügenbots, einer virtuellen Münchhausen-Maschine.

Abb.: Flobi macht Pause

Nursing Robots from the Perspective of Ethics

The swissnexDay’16 will take place at the University of Basel (December 15, 2016). The second break-out session “Care-Robots – an elderly’s best friend?” starts shortly after 4 pm. An extract from the description: “Ageing societies and a lack of qualified caregivers are challenging our current system and innovative solutions are strongly needed. Japan, with 20% of its population being over 65 years, is leading the development of robotic solutions. In this session, a diverse panel will discuss the current landscape in Japan and draw comparison to the situation in Switzerland. We will also discuss ethical applications and different perception of the relationship between human + robots.” (Website swissnex) Kyoko Suzuki (Deputy Head, S&T Tokyo), Christiana Tsiourti (University of Geneva) and Christine Fahlberg (School of Business FHNW, master student of Prof. Dr. Oliver Bendel) will present their current research and discuss about robots in healthcare. Christine Fahlberg is focussing on the use of nursing robots from the perspective of ethics. Keynote speakers of the swissnexDay’16 are Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki (President, University of Basel), Dr. med. Guy Morin (President of the Executive Council of the Canton of Basel-Stadt) and State Secretary Mauro Dell’Ambrogio (State Secretariat for Education, Research and Innovation). Further information via www.swissnex.org/news/swissnexdays/.

Fig.: Will humans be replaced in healthcare?

Podiumsdiskussion über täuschende Maschinen

“Should we develop robots that deceive?” Diese Frage diskutierten Ron Arkin (Georgia Tech), Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Jaap Hage (Universiteit Maastricht) und Mojca Plesnicar (Inštitut za kriminologijo pri Pravni fakulteti v Ljubljani) auf dem Podium der Konferenz “Machine Ethics and Machine Law”. Ron Arkin forschte wiederholt für das Pentagon an Robotern, die Maschinen und Personen täuschen und Personen und Einrichtungen schützen. Er stellte Tiere vor, die andere Tiere täuschen, und skizzierte, wie dieses Verhalten auf Roboter übertragen werden kann. Oliver Bendel, der Vater des LIEBOT, formulierte sechs Thesen. Die fünfte lautete: “We should … develop deceptive and lying machines to be able to fight against deceptive and lying machines.” Und er kam zum Schluss: “After all, deceptive and lying machines are important for the improvement of artificial intelligence.” Nach den Statements von Jaap Haage und Mojca Plesnicar diskutierte man miteinander und mit dem Publikum, angeleitet und vermittelt von Amit Kumar Pandey (SoftBank Robotics). Die Konferenz am 18. und 19. November 2016 in Krakau dürfte nach dem Symposium “Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents” (21. – 23. März in Stanford) die wichtigste internationale Konferenz für Maschinenethik im Jahre 2016 gewesen sein. An den zwei Tagen trugen u.a. Ron Arkin, Oliver Bendel (zusammen mit Kevin Schwegler), Elizabeth Kinne, Lily Frank, Joanna Bryson und Kathleen Richardson vor. Es liegt ein Proceedingsband mit den Extended Abstracts vor.

Abb.: Nach der Podiumsdiskussion

Gefahren und Chancen der Digitalisierung

“Gefahren und Chancen der Digitalisierung” – so der Titel einer Sendung im “Treffpunkt Europa” bei Euranet Plus, dem Radionetzwerk für EU-Nachrichten. Die Journalistin Urte Modlich ist im Gespräch mit Oliver Bendel, Professor an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Auf der Website wird erklärt, worum es geht: “Mit Hilfe einer klaren Strategie will die EU-Kommission die Digitalisierung der europäischen Wirtschaft vorantreiben – das Ziel dahinter: Europa soll im Wettbewerb mit der Welt bestehen können.” (Website Euranet Plus) Oliver Bendel erklärt, was das Internet der Dinge und was eine Public bzw. eine Private Cloud ist – und stellt technische Lösungen vor, die Nutz- und Wildtieren helfen können. Auch auf den Initiativbericht zu “Civil Law Rules on Robotics”, der von ihm auf Wunsch eines Abgeordneten des EU-Parlaments kommentiert wurde, geht er ein. Die Sendung mit insgesamt fünf Interviewteilen wurde am 6. November 2016 zum ersten Mal ausgestrahlt und kann über www.euranetplus.de/2016/11/06/gefahren-und-chancen-der-digitalisierung-treffpunkt-europa/ abgerufen werden.

Abb.: Zwischen Barcode und WiFi

Ein locker geflochtener Zopf

Dass Roboter auch Gedichte vortragen können, zeigt ein Projekt von Oliver Bendel, gestartet im November 2016. Benutzt wurde für den ersten Versuch die Text-to-speech-Engine von IBM Watson. Diese kann im Prinzip für Vorlesesysteme, für Chatbots oder für Serviceroboter verwendet werden. Das Gedicht wurde mit Hilfe der Speech Synthesis Markup Language (SSML) angepasst, einer auf XML basierenden Auszeichnungssprache. Die deutsche Stimme “Birgit” unterstützt diese teilweise. So konnte das Personalpronomen “sie” an drei Stellen in der Aussprache etwas verlängert werden. Es wurden Pausen am Anfang eingebaut, damit der Titel und die Metainformationen (Autor, System, Stimme, Datum) nicht zu schnell nacheinander gesprochen werden, zudem Pausen zwischen den Strophen. Der Titel des Gedichts lautet “Ein locker geflochtener Zopf”. Es geht um eine Astronautin, die auf einem Planeten, der Atmosphäre besitzt, ihr Haar schüttelt. Ein Roboter ist bei ihr, ein eitler Geck, der sich am liebsten selbst betrachtet. Die Texte aus der Sammlung “Die Astronautin” kreisen um eine Frau im besten Alter, die allein in den Tiefen des Alls unterwegs ist. Veröffentlicht wurde daraus bisher nur “Auf dem obersten Deck”, und zwar in der Anthologie “Worte reden, Worte schweigen” von 2013. Das Gedicht kann hier im Format .ogg heruntergeladen und beispielsweise im VLC Media Player angehört werden. In weiteren Versuchen will der Autor die Stimme selbst verändern und die eine oder andere Passage anders betonen lassen.

Abb.: Ein locker geflochtener Zopf

Robotersex in der NZZ am Sonntag

“Was hat Sex mit Technologie zu tun?” Das fragt Regula Freuler in einem zweiseitigen Artikel, der am 23. Oktober 2016 in der NZZ am Sonntag erschienen ist. “Am Anfang war der Sex, erst später kam die Liebe. So war das in der Geschichte der Menschheit. Die Geschichte der Technologie verläuft offenbar gleich: Seit Jahrzehnten wird an Maschinen und Computersystemen getüftelt, die unser Sexleben bereichern sollen, von Vibratoren bis zu Avataren. Dank künstlicher Intelligenz rückt die Sex-Tech-Industrie bald in eine neue Dimension vor: Sex-Roboter, die sich anfühlen wie ein Mensch und Dialoge führen können wie ein Mensch. Und was ist dann mit der Liebe? Werden wir Roboter lieben? Werden Roboter uns lieben?” (NZZ am Sonntag, 23. Oktober 2016) Zu Wort kommen Oliver Bendel (Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW), Kate Darling (Research Specialist am MIT Media Lab), Kathleen Richardson (Senior Research Fellow in Roboterethik an der De Montfort University), David Levy (Schachmeister und Computerexperte), Sherry Turkle (Professorin für Science, Technology and Society am MIT) und Eva Illouz (Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem). Der Beitrag wurde von der NZZ am Sonntag freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Kann man sich in Dinge verlieben?

Darf ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen?

“Soll ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen dürfen?” So lautet der Titel eines Artikels von Tom Strohschneider im Neuen Deutschland. Angelehnt ist er an eine Frage in einem Buchbeitrag von Oliver Bendel, aus dem mehrmals zitiert wird und der im Sammelband “Programmierte Ethik” (Heise Medien, 2016) enthalten ist. Im Teaser des Artikels heißt es: “Darf ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen? Sollte er vielleicht sogar? Die Frage mag auf den ersten Blick wie eine seltsame, nur für einen eher kleinen Teil der Öffentlichkeit interessante anmuten. Doch es steckt mehr dahinter: Je näher sich Mensch und Maschine durch die technologische Entwicklung kommen (können), desto drängender wird nach ethischen Antworten für die Beziehungen zwischen Robotern und uns gesucht.” (Neues Deutschland, 21. Oktober 2016) Zitiert werden u.a. Kathleen Richardson, Charles Ess und eben Oliver Bendel. Die beiden Erstgenannten lehnen Robotersex ab. Richardson hat vor einiger Zeit eine Petition verfasst für ein Verbot von Sexmaschinen. Sie glaubt, dass echten Frauen durch ihre künstlichen Kopien eine weitere Reduktion droht. Faktisch findet diese allerdings bei Dildos und Vibratoren statt, und diese Reduktion gilt nicht Frauen, sondern Männern. Ess ist ebenso kritisch: “Wer sich nur noch auf die Suche nach dem vollkommenen Sex mit Maschinen mache, werde nicht nur im Bett mit Zombies landen, sondern selbst ein solcher werden.” (Neues Deutschland, 21. Oktober 2016) Oliver Bendel sieht sowohl die Risiken als auch die Chancen. Für ihn bleibt die Zustimmung oder Ablehnung gegenüber Robotersex letztlich die Privatsache urteilsfähiger Menschen.

Abb.: Darf ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen?

Humanoide Roboter

Im Handelsblatt Magazin ist am 7. Oktober 2016 der Artikel “Humanoide Roboter” von Christian Wermke erschienen. Er fängt wie folgt an: “Bevor er den ersten Schritt macht, schaut Hubo auf den Boden. Er scannt mit seinen Kameraaugen die unebenen, grauen Betonsteine, die Motoren summen, vorsichtig hebt er das rechte Bein. Zwar dauert es fast noch eine ganze Minute, bis er das gut ein Quadratmeter große Hindernis überwunden hat. Aber: Hubo kann laufen. Und er kann noch viel mehr. Hubo ist einer der am weitesten entwickelten Roboter der Welt. 2015 gewann er die Darpa Robotics Challenge – einen vom US-Verteidigungsministerium initiierten Wettbewerb. Wenn man so will: die WM der humanoiden Roboter. Und Hubo ist der beste von 23. Der Mensch-Maschine-Meister. Acht Prüfungen musste das 80-Kilo-Wesen bestehen: ein Fahrzeug steuern, eine Tür öffnen, Treppen steigen, ein Loch bohren. 44 Minuten und 28 Sekunden brauchte er für alle Aufgaben.” (Handelsblatt Magazin, 7. Oktober 2016) Zu Wort kommen der Robotiker Jun Ho Oh vom Humanoid Robot Research Center in Daejeon, Südkorea, und Oliver Bendel, Roboter- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel hat 2842 Wörter und kann sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form bezogen werden, jeweils kostenpflichtig.

Abb.: Die humanoiden Roboter kommen