Schlagworte: Roboterethik

Humanoide Roboter

Im Handelsblatt Magazin ist am 7. Oktober 2016 der Artikel “Humanoide Roboter” von Christian Wermke erschienen. Er fängt wie folgt an: “Bevor er den ersten Schritt macht, schaut Hubo auf den Boden. Er scannt mit seinen Kameraaugen die unebenen, grauen Betonsteine, die Motoren summen, vorsichtig hebt er das rechte Bein. Zwar dauert es fast noch eine ganze Minute, bis er das gut ein Quadratmeter große Hindernis überwunden hat. Aber: Hubo kann laufen. Und er kann noch viel mehr. Hubo ist einer der am weitesten entwickelten Roboter der Welt. 2015 gewann er die Darpa Robotics Challenge – einen vom US-Verteidigungsministerium initiierten Wettbewerb. Wenn man so will: die WM der humanoiden Roboter. Und Hubo ist der beste von 23. Der Mensch-Maschine-Meister. Acht Prüfungen musste das 80-Kilo-Wesen bestehen: ein Fahrzeug steuern, eine Tür öffnen, Treppen steigen, ein Loch bohren. 44 Minuten und 28 Sekunden brauchte er für alle Aufgaben.” (Handelsblatt Magazin, 7. Oktober 2016) Zu Wort kommen der Robotiker Jun Ho Oh vom Humanoid Robot Research Center in Daejeon, Südkorea, und Oliver Bendel, Roboter- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel hat 2842 Wörter und kann sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form bezogen werden, jeweils kostenpflichtig.

Abb.: Die humanoiden Roboter kommen

Am seidenen Faden

Beim Cybathlon in der SWISS Arena in Kloten bei Zürich, veranstaltet von der ETH Zürich, traten Sportler mit Behinderungen gegeneinander an. Aus der ganzen Welt waren die Teams angereist. Das Publikum ging begeistert mit, als das virtuelle Rennen mit Gedankensteuerung, das Fahrradrennen mit Muskelstimulation sowie der Armprothesen-, Beinprothesen- und Rollstuhl-Parcours stattfanden. Spektakulär der Exoskelett-Parcours, bei dem sich die Sportler langsam und konzentriert vorwärts bewegten, eine Tür öffneten und schlossen, von Stein zu Stein schritten und sich und ihren Apparat voller Freude über die Ziellinie brachten. Über den Köpfen der Zuschauer und Sportler schwebte eine Helium-Drohne, die an einem seidenen Faden zu hängen schien. Fünfmal war der Moderator Tobias Müller im Gespräch mit Oliver Bendel, dem Informations- und Maschinenethiker, der bei diesem Anlass vor allem Informations- und Roboterethiker war, den Einsatz von Implantaten, Prothesen und Robotern einordnend und bewertend. Einmal war Lino Guzzella mit dabei, der ETH-Präsident, einmal Robert Riener, der Initiator und Organisator des Cybathlon. Der Ethiker betonte immer wieder, dass gegen die technische Erweiterung aus Sicht der Ethik nichts spricht, wenn es um erwachsene, verständige Menschen geht, die ihre Autonomie oder Performanz verbessern wollen. Auch nicht, wenn es sich um gesunde Menschen handelt, wobei man bei diesen sicherlich körperliche Risiken bedenken muss. Anders sieht die Sache nach Meinung von Oliver Bendel aus, wenn die Benutzer nicht frei sind, nicht frei entscheiden können, etwa als Arbeitnehmer oder Soldaten, die Exoskelette tragen müssen. Diese rücken uns förmlich auf den Leib, und es sollte die individuelle Entscheidung bleiben, ob man sie tragen will oder nicht. Der Cybathlon wurde von SRF und 3sat unter dem Titel “SRF Menschmaschine” live übertragen.

Abb.: Helium-Drohne über dem Wettkampffeld

Google und die Moral

Nadja Röll vom SRF hat mit Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW am 7. Oktober 2016 ein Interview zur “Partnership on Artificial Intelligence to Benefit People and Society” geführt. Fünf IT-Konzerne haben angekündigt, dass sie ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bündeln und Leitplanken für Mensch und Maschine entwickeln wollen, nämlich Google, Amazon, Facebook, IBM und Microsoft. Es fehlen bislang Apple sowie die von Elon Musk geleitete Non-Profit-Organisation namens OpenAI. Gerade letzterer würde man sowohl eine gesellschafts- und benutzerbezogene Reflexion der Chancen und Risiken von Robotik und eine Erstellung von Moralkodizes für die Entwicklung von Robotern (Informationsethik und Roboterethik) als auch eine zielführende Integration von Entscheidungsmechanismen in die Maschinen (Maschinenethik) zutrauen. Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen schreibt Oliver Bendel den Unternehmen sowohl Sachverständigkeit als auch Schnelligkeit zu. Allerdings ist er skeptisch, ob sie sich selbst beschneiden werden: Künstliche Intelligenz hängt, etwa im Deep Learning, mit Big Data zusammen, und als Datenkonzerne werden Google, Amazon und Co. nicht vom Datensammeln lassen, auch wenn es gegen Persönlichkeitsrechte verstößt. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/wissen/wenn-google-die-moral-von-maschinen-festlegt-gibt-es-probleme aufgerufen werden.

Abb.: Studierende der FHNW auf Google-Fahrrädern

Chancen für Menschen mit Behinderung

“Aus dem Rollstuhl auf die Beine – der Roboter macht’s möglich” – das ist der Titel einer SRF-Doppelpunkt-Sendung am 4. Oktober 2016 ab 20 Uhr. “Was klingt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, ist bereits Wirklichkeit: Dank speziellen Roboteranzügen können Rollstuhlfahrer wieder aufrecht gehen.” (Website SRF) Der Doppelpunkt “gibt einen Einblick ins Training und fragt bei Forschern nach, was heute möglich ist und wo die Chancen für Menschen mit Behinderung liegen” (Website SRF). “Die Sendung beleuchtet auch die Frage, was geschieht, wenn Roboter-Technologien dazu verwendet werden, um gesunde Menschen leistungsfähiger zu machen: Wo liegen hier die Grenzen – technisch und ethisch?” (Website SRF) Zu den ethischen Fragen war Romana Kayser im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Er wird auch den Cybathlon am Samstag, 8. Oktober 2016, begleiten. Bei diesem Wettkampf in der sogenannten SWISS Arena in Kloten bei Zürich treten Athleten mit Behinderungen mit Hightech-Prothesen und Exoskeletten gegeneinander an. Weitere Informationen zur Doppelpunkt-Sendung über www.srf.ch/sendungen/doppelpunkt/aus-dem-rollstuhl-auf-die-beine-der-roboter-macht-s-moeglich.

Abb.: Athlet mit Hightech-Prothese (Foto: ETH Zürich/Alessandro Della Bella)

Der Cyborg als Gewinner

“Und der Sieger ist – ein Cyborg” – so der Titel eines zweiseitigen Artikels in der SonntagsZeitung vom 2. Oktober 2016. Erklärt werden Zungensteuerung, Brain-Computer-Interface, neuronale Armprothese, kraftgesteuerte Roboterprothese, künstliche Niere sowie bionische Geweberegeneration. Erzählt wird die Geschichte der Androiden und Cyborgs von der Renaissance bis zur jüngsten Vergangenheit. Der Cybathlon steht an, ein Wettkampf für Athleten mit Behinderungen (SWISS Arena in Kloten, 8. Oktober 2016). Zu Wort kommt im Beitrag immer wieder Prof. Dr. Oliver Bendel, der einerseits Maschinenethiker ist, moralische Maschinen konzipierend und implementierend, andererseits Informationsethiker, die Auswirkungen des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien erforschend. Er begrüßt die informationstechnische Erweiterung von Menschen, wenn dadurch deren persönliche Autonomie verbessert und ihnen ein gutes Leben ermöglicht wird. Er weist zugleich auf die Gefahren für die informationelle Autonomie hin. Durch moderne Interfaces, Implantate und Prothesen werden Daten generiert, in Bezug auf die Umwelt, die Mitmenschen und den Träger selbst, für die sich Konzerne, Versicherungen und Krankenkassen interessieren werden. Der Artikel wurde von Matthias Meili verfasst und von Bruno Muff illustriert. Er ist im Gesellschaftsbund auf den Seiten 56 und 57 zu finden. Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung und des Redakteurs kann er hier heruntergeladen werden.

Abb.: Detail aus der Illustration

Ladenburger Diskurs zu Pflegerobotern

Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW lädt in diesen Tagen renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Ladenburger Diskurs 2017 über Pflegeroboter ein. Am 12. und 13. September arbeitet man in der Villa der Daimler und Benz Stiftung in Ladenburg zusammen, trägt vor und diskutiert. Pflegeroboter unterstützen oder ersetzen – so die Idee – menschliche Pflegekräfte bzw. Betreuerinnen und Betreuer. Sie bringen und reichen Kranken und Alten die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen ihnen beim Hinlegen und Aufrichten oder alarmieren den Notdienst. Die Daimler und Benz Stiftung engagiert sich immer wieder in Bezug auf Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) und mit Blick auf moralische und soziale Themen, wie 2015 mit einer Tagung zur Roboterethik. Der Workshop ermöglicht technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Wissenschaft – die Ethiker werden ausschließlich Vertreter der Moralphilosophie, nicht der Moraltheologie sein – sollen kontrovers und konstruktiv diskutieren und zu neuen Erkenntnissen gelangen. Die Anwesenheit von Entwicklern und Anwendern und mindestens eines Prototyps wird angestrebt. Nach der Veranstaltung erscheint eine gemeinsame Publikation in einem Fachverlag als Sammlung der verschriftlichten Vorträge. Über den Ladenburger Diskurs 2017 wird auf informationsethik.net und maschinenethik.net berichtet.

Abb.: Pflegeroboter und Oberärztin im Gespräch

Mit Robotern töten?

“Darf die Polizei mit Robotern töten?” Dies ist der Titel eines Beitrags, der am 9. Juli 2016 auf Spiegel Online erschienen ist. “Nachdem ein Roboter den mutmaßlichen Heckenschützen von Dallas getötet hat, werden unbequeme Fragen laut: Wie und warum ist die Entscheidung gefallen? Bricht mit dem Einsatz von ferngesteuerten Maschinen in der Polizeiarbeit eine neue Ära an? Ist der Einsatz von tötenden Maschinen ethisch vertretbar und – wollen die USA das?” (SPON, 9. Juli 2016) Zu Wort kommt u.a. Peter Asaro, der im März 2016 in Stanford zum Symposium zur Maschinenethik beigetragen und auch in der Roboterethik als Disziplin, die nach den Konsequenzen des Einsatzes von automatischen und autonomen Maschinen fragt, einen Namen hat. Gegenüber Bloomberg äußerte er: “Sobald das zu einem Standardverfahren wird, wird es auch in anderen Situationen eingesetzt werden, die nicht so deutlich sind wie dieser Fall.” (SPON, 9. Juli 2016) Der Jurist Stoughton wies gegenüber dem gleichen Nachrichtendienst darauf hin, dass sich, ob bei Schusswaffen oder Elektroschockern, jedes Mal die Frage des angemessenen Einsatzes gestellt habe. “Ich glaube, wir werden ähnliche Gespräche über Roboter haben, die den Tod bringen.” (SPON, 9. Juli 2016)

Abb.: Wer hat die Waffe in der Hand?

Cyber-Human Systems

In these days, the Hasler Foundation presents the new research program “Cyber-Human Systems”, with a budget of 5 millions Swiss francs. Some information from the website: “Computing plays an ever increasing role in all aspects of our life. As a consequence, society and information technology continuously interact and influence each other in a complex process. In this context, cyber-human system research investigates the increasingly coupled relationship between humans and computing with the broad goal of advancing human capabilities. Novel models, methods, theories and technological innovations in information technology are developed to increase our understanding of this new class of computing systems and to exploit their large economical and societal potential.” (Website Hasler) The text continues: “Research in cyber-human systems addresses specifically all aspects close to the interface between humans and information technology. It is concerned with novel computing platforms such as wearable, textile-integrated and mobile devices or even person-embedded sensors and computers. The research also explores systems that interact with users through multiple modalities such as new interaction techniques, computer displays and even brain-machine interfaces. Algorithmic aspects in cyber-human systems concentrate on local data processing in smart devices at the network edge rather than sending all data to the cloud for processing.” According to a press release, research subjects include interfaces between digital and human world, computing like machine learning at the edge and analysis of economic and societal consequences. More information via www.haslerstiftung.ch/en/support/support-programmes/active-support-programmes.

Fig.: A cyborg girl

Roboter in der Pflege

Am 2. Mai 2016 fand in Wien eine öffentliche Sitzung der österreichischen Bioethikkommission zum Thema “Von Mensch und Maschine: Roboter in der Pflege” statt. Wegen des großen Andrangs war sie in den Kassensaal, wo früher Geldgeschäfte getätigt wurden, verlegt worden, einen prächtigen Saal der Bundesregierung. Zunächst trafen sich die Referenten zu einem Hintergrundgespräch mit Pressevertretern im Bundeskanzleramt am Minoritenplatz. Nach einem Mittagessen im Café Landtmann ging man in den Kassensaal hinüber. Die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, eröffnete die Veranstaltung. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW referierte zu Maschinen- und Informationsethik und zu ethischen Fragen des Einsatzes von Pflegerobotern. Er ist der Meinung, dass diese die persönliche Autonomie von Patienten verbessern, aber auch deren informationelle Autonomie verletzen können. Mark Coeckelbergh, inzwischen an der Universität Wien tätig, fragte nach den Anforderungen in der Pflege und wie Pflegeroboter, auch aus Sicht der Maschinenethik, dazu passen, und Michael Decker vom KIT in Karlsruhe präsentierte ein aktuelles Projekt in diesem Bereich. Grundsätzliche Technologiekritik übte Jutta Weber von der Universität Paderborn. Markus Wohlmannstetter von der Krankenanstalt Rudolfstiftung nahm die Perspektive der Pflegerinnen und Pfleger ein. Ina Wagner, Mitglied der Bioethikkommission, fasste die Ergebnisse zusammen. Im Anschluss stellten Mitglieder der Kommission und der Öffentlichkeit eine Stunde lang ihre Fragen, wobei nicht nur teilautonome Pflege-, sondern auch autonome Kampfroboter thematisiert wurden, deren Einsatz ein älterer Österreicher forderte, während Oliver Bendel sich dagegen aussprach, obwohl sie, wie er erklärte, nicht plündern, brandschatzen oder vergewaltigen, also auch gewisse Vorteile hätten. Am Ende wurden die Referenten, die der Alpenrepublik ihre Erkenntnisse honorarfrei übermittelt hatten, mit einem kräftigen Applaus verabschiedet. Weitere Informationen und Fotos über www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160503_OTS0014/bioethikkommission-diskutiert-den-einsatz-von-robotern-im-pflegebereich

Abb.: Oliver Bendel referiert vor der Bioethikkommission (Foto: Regina Aigner)

Konferenz zur Maschinenethik

Beim Workshop “Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents” an der Stanford University vom 21. bis 23. März 2016 im Rahmen der AAAI Spring Symposia erklärte Ron Arkin (Georgia Institute of Technology, USA) in seiner Keynote “Robots that Need to Mislead: Biologically Inspired Machine Deception”, wie Tiere täuschen und wie man Maschinen beibringen kann, andere zu täuschen. Er ging auch auf die Möglichkeit ein, dass Roboter lügen, und stellte die Frage: “Should a robot be allowed to lie?” Elizabeth Kinne und Georgi Stojanov thematisierten in “Grounding Drones‘ Ethical Use Reasoning” die Chancen und Risiken von Kampfdrohnen. Sie präsentierten Szenarien, um die Probleme beim Einsatz zu vergegenwärtigen. Die Verantwortlichen könnten dazu neigen, immer mehr heikle Entscheidungen den Robotern zu überlassen. Der Vortrag “Metaethics in context of engineering ethical and moral systems” von Michal Klincewicz und Lily Frank, bereits nach der Kaffeepause, fragte nach den grundsätzlichen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten moralischer Systeme. Oliver Bendel ging auf das LIEBOT-Projekt ein. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wird 2016 im Rahmen einer Bachelor-Arbeit ein Chatbot programmiert, der konsequent die Unwahrheit sagt. Vor allem stellte der Wissenschaftler aber einen annotierten Entscheidungsbaum für eine einfache moralische Maschine vor, ein tierfreundliches Roboterauto. “The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model” war der letzte Vortrag vor dem Lunch. Ioan Muntean schlug in “The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model” einen Ansatz der Tugendethik vor, den er zusammen mit Don Howard erarbeitet hatte. Bis zum Mittwoch tauschte man sich zur Maschinenethik und zur Roboterethik aus. Die letzte Keynote (“Programming Machine Ethics”) hielt Kumar Pandey von Aldebaran Robotics (SoftBank Group). Der Proceedingsband “The 2016 AAAI Spring Symposium Series: Technical Reports SS-16-01 – SS-16-07″ kann über www.aaai.org/Press/Reports/Symposia/Spring/ss-16.php bezogen werden.

Abb.: Sicherheitsdienst in Roboterform in der Shopping Mall von Stanford

Neuerscheinung zur Moral in der Maschine

Die Maschinenethik hat die Moral von Maschinen zum Gegenstand. Die meisten ihrer Vertreter und Anhänger sitzen in den USA, doch auch in Europa wächst das Interesse am Thema. Philosophen, Robotiker oder Experten für Künstliche Intelligenz stellen sich Fragen dieser Art: Können Maschinen gut oder böse sein? Kann man von einer Moral der Maschinen sprechen? Verwendet man Regeln oder Fälle? Hat die Maschinenethik eine Existenzberechtigung? Ist sie Konkurrenz oder Pendant zur Menschenethik? Letzten Endes geht es darum, ob bzw. wie man (teil-)autonomen Systemen so etwas wie Moral beibringen kann. Untersucht und erweitert werden unter anderem Chatbots, Serviceroboter, autonome Drohnen, ob zivil oder militärisch genutzt, und selbstständig fahrende Autos. Im Telepolis-Buch “Die Moral in der Maschine” (Heise Medien), erschienen im Februar 2016, finden sich (populär-)wissenschaftliche und journalistische Beiträge von Oliver Bendel aus den Jahren 2012 bis 2016 zur Roboterethik und zur Maschinenethik. Sie sind in ganz unterschiedlichen schweizerischen und deutschen Zeitungen und Zeitschriften sowie auf einschlägigen Plattformen erschienen und widmen sich technischen Implementierungen, vor allem aber philosophischen Implikationen.

Abb.: Auch das Trolley-Problem kommt im Buch vor, als Roboterauto-Problem

Werden Roboter zur Konkurrenz?

In der größten Tageszeitung der Schweiz, 20 Minuten, schreibt Kaspar Wolfensberger: “Roboter werden die Arbeitswelt grundlegend verändern. Zehntausende Schweizer Jobs könnten verschwinden. Was kann man tun, um nicht verdrängt zu werden?” Befragt wird u.a. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW (Institut für Wirtschaftsinformatik). Er sagt: “Alles, was mit manueller Arbeit zu tun hat, kann nach und nach ersetzt werden. Wie eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums gezeigt hat, sind aber auch Bürojobs durch Roboter bedroht.” (20 Minuten, 1. Februar 2016) Moritz Hämmerle vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation nennt Zahlen zu Deutschland: “Es gibt verschiedene Studien zur Beschäftigungsentwicklung durch Digitalisierung/Industrie 4.0. Die pessimistischsten sehen ca. 45 Prozent der deutschen Arbeitsplätze als gefährdet an, die optimistischen sehen allein für Deutschland einen Beschäftigungsaufbau von etwa 350.000 Jobs.” (20 Minuten, 1. Februar 2016) Hannes Lubich von der Hochschule für Technik (Institut für Mobile und Verteilte Systeme) beschwichtigt in Bezug auf pessimistische Schätzungen. Es sei zu bemerken, dass die Schätzungen und der Zeithorizont eine große Varianz aufweisen, “da einfache lineare Prognosen für solche Veränderungen nicht ausreichen und die Zahlen oft auch im Sinne eines Weckrufs oder zur Untermauerung politischer oder gesellschaftlicher Ansprüche verwendet werden” (20 Minuten, 1. Februar 2016). Der Artikel mit dem Titel “So schützen Sie sich vor der Roboter-Konkurrenz” ist am 11. Februar 2016 erschienen und kann als PDF oder – in erweiterter Form – über www.20min.ch/finance/news/story/11417961 abgerufen werden.

Abb.: Die Roboter lauern überall

Helfen Roboterautos der Umwelt?

Im Studiengang Energie- und Umwelttechnik der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, von der Hochschule für Technik verantwortet und von der Hochschule für Wirtschaft mitgetragen, wurde im Januar 2016 das Projekt “Umweltfreundliche Roboterautos” beendet. Der Student Robin Güdel, betreut von Prof. Dr. Oliver Bendel (in diesem Studiengang der Dozent für Umwelt- und Unternehmensethik), hat zunächst fünf Fahrerassistenzsysteme bzw. Kommunikationsverfahren untersucht. Es habe sich “herausgestellt, dass die Energieeffizienz beträchtlich erhöht werden kann” (Abschlussbericht). “Auch Emissionen wie Lärm, CO2 und andere Schadstoffe können dank dieser Systeme gesenkt werden. Die effektiven Einsparungen sind jedoch schwer zu quantifizieren, da diese von vielen Einflussfaktoren abhängen.” (Abschlussbericht) Im Anschluss wurden Roboterautos unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis war, dass neue Konzepte für die Nutzung des Automobils entstehen könnten. Beim “Carsharing der Zukunft” handle es sich um eine Dienstleistung, bei welcher man mit Hilfe autonomer Fahrzeuge am Standort A abgeholt und zum Standort B transportiert wird. “Falls eine solche Dienstleistung stark genutzt wird, könnten viele Konsumenten von dem Besitz eines eigenen Fahrzeugs absehen.” (Abschlussbericht)

Abb.: Können Roboterautos der Umwelt helfen?

Das Web 4.0 befreit auch die Roboter

“Wer ist verantwortlich, wenn künstliche Intelligenz versagt?” Die Sendung bei Deutschlandradio Kultur vom 12. Januar 2016 mit diesem Titel widmete sich aktuellen Entwicklungen in der Robotik und in Roboter- und Maschinenethik. Zu Wort kommen u.a. Eric Hilgendorf, Experte für Roboterrecht an der Universität Würzburg, Ken Goldberg, Robotiker an der University of California, und Oliver Bendel, Informationsethiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Zu Ken Goldberg wird auf der Website gesagt: “Ken Goldberg von der University of California in Berkley Kalifornien ist einer der renommiertesten Robotik-Wissenschaftler weltweit. Er spricht von der Revolution, die auf seinem Arbeitsgebiet gegenwärtig stattfindet. Die Vernetzung von fast allem mit allem – Web 4.0 befreit auch die Roboter aus ihrer Isolation. Sie können nun direkt voneinander und von den Menschen lernen und auf unerhörte Rechnerkapazitäten zugreifen. Cloud Robotics nennt Goldberg das Konzept.” (Website DRadio Kultur, 12. Januar 2016) Oliver Bendel wird mit diesen Worten vorgestellt: Er “ist Philosoph und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule der Nordwestschweiz”. “Bei ihm spürt man die Neugier darauf, was da zwischen Menschen und Maschinen entsteht. Es ist schon mehr ein Miteinander. Am Arbeitsplatz müssen die Roboter aufpassen und ausweichen, um niemanden anzufahren oder mit den Greifern zu verletzen. Und wir Menschen tun gut daran, die Umgebung übersichtlich zu strukturieren, damit sich die Maschinen zurechtfinden.” (Website DRadio Kultur, 12. Januar 2016) Der Beitrag kann über ondemand-mp3.dradio.de angehört werden.

Abb.: Eine Roboterfrau als Männerphantasie

Roboter in der Pflege

“In der Pflege herrscht Fachkräftemangel. Pflegeroboter könnten das Problem lösen. Aber selbst wenn die Technik so weit sein sollte: Wollen sich Menschen tatsächlich von einer Maschine pflegen lassen?” Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Stella Hombach im Ihre Gesundheitsprofis MAGAZIN. Befragt wurden Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Wirtschaftsinformatiker sowie Informations- und Maschinenethiker ist, und Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Bendel hat nichts gegen den Einsatz von Pflegerobotern, wenn diese Pflegekräfte entlasten und den Wünschen von Pflegebedürftigen entgegenkommen. Auch Knüppel hat gegen den Einsatz nichts einzuwenden. “Gerade beim Umlagern”, so wird sie zitiert, “ist jede Hilfe willkommen.” (Ihre Gesundheitsprofis MAGAZIN, 6. Januar 2016) Wichtig ist beiden, dass der Patient mitreden darf. Dass man auf die Hilfe von Robotern kaum verzichten kann, zeigen auch die nackten Zahlen: “In Deutschland sind derzeit rund 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2060 prognostiziert das Bundesministerium für Gesundheit annähernd eine Verdopplung auf 4,7 Millionen. Fachkräfte in den Pflegeberufen fehlen bereits heute.” (Ihre Gesundheitsprofis MAGAZIN, 6. Januar 2016) Der Artikel mit dem Titel “Beim Waschen lieber den Roboter” kann über www.igp-magazin.de/beim-waschen-lieber-den-roboter/ aufgerufen werden.

Abb.: Noch besser als die beste Pflegekraft ist der Jungbrunnen

Workshop zur Ethik der Künstlichen Intelligenz

Der Call for Papers zum Workshop ETHICS FOR ARTIFICIAL INTELLIGENCE bei der 25th International Joint Conference on Artificial Intelligence IJCAI-16 sollte Informations-, Maschinen- und Roboterethiker gleichermaßen interessieren. In der Beschreibung heißt es: “Recent progress in various subfields of AI has caused some researchers and pundits to raise concerns about the dangers that AI might ultimately pose. These concerns range from questions about the ethics of delegating to military drones the authority to decide when to attack human targets, up to fears about a possible existential risk posed by AI technologies … Much of the debate surrounding these issues has taken place in a scientific vacuum, uninformed by the experiences and insights of practicing AI researchers. Meanwhile, a wide range of other and sometimes less obvious ethical issues arise from current and proposed use of AI in diverse areas such as medicine, social care, autonomous trading agents and autonomous vehicles.” (Website Workshop) Zum Ziel des Workshops wird gesagt: “The aim of this workshop is to bring together … AI researchers and others interested in understanding how the discipline of AI should respond to these concerns. The workshop particularly aims to foster an active exchange of ideas between attendees from different disciplinary backgrounds to gain a better understanding of the ethical issues surrounding AI.” (Website Workshop) Die Konferenz findet vom 9. – 15. Juli 2016 in New York statt. Weitere Informationen über www.cs.ox.ac.uk/efai/call-for-papers/.

Abb.: Autonome Autos sind ein Thema des Workshops

Tagung zur Roboterethik in Berlin

Eine hochkarätig besetzte Tagung zur Roboterethik fand am 24. November 2016 in Berlin statt. Eingeladen hatten Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres) und Daimler und Benz Stiftung. Vor dem eigentlichen Programm mit Beginn um 10 Uhr wurde eine Pressekonferenz mit Prof. Dr. Eckard Minx, Prof. Dr. Christiane Woopen, Prof. Dr. Alin Albu-Schäffer und Prof. Dr. Oliver Bendel durchgeführt. Im Karl-Storz-Besucher- und Schulungszentrum begann dann der wissenschaftliche Marathon. Minx begrüßte und eröffnete, Woopen führte ein, nicht in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ethikrats, sondern als Leiterin von ceres. Die Grundlagen autonomer Systeme erklärte Albu-Schäffer in seinem Vortrag “Autonomie und Kognition für menschzentrierte Robotik”. Mit “Autonome Systeme und die Selbstbestimmung des Menschen” war der nächste Komplex betitelt. “Roboterlernen ohne Grenzen?” von Prof. Dr. Jochen Steil schuf weitere Robotikgrundlagen. Dann ging es tief in die Maschinenethik. Bendel referierte über “Die Moral in der Maschine”, wobei er die Designstudien CLEANINGFISH und LADYBIRD und den Prototypen GOODBOT vorstellte, Prof. Dr. Catrin Misselhorn über “Maschinen mit Moral? Theoretische Grundlagen und eine Roadmap für autonome Assistenzsysteme in der Pflege”. Nach der Mittagspause waren Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen und Prof. Dr. Johannes Weyer an der Reihe. Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, sprach zur Rolle der Politik. Christiane Woopen rundete mit ihrem Schlusswort die Veranstaltung ab. Der Diskussionsbedarf war groß, die Nachfrage der Journalisten nach Interviews mit den Fachexperten ebenfalls. Ein Audiofile mit Statements der Experten (als Teil eines Beitrags des Deutschlandfunks) kann direkt hier abgerufen werden.

Abb.: Pressekonferenz mit (v. l.) Bendel, Woopen und Albu-Schäffer (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Hillig)

Von der Pferdekutsche zum Roboterauto

Im Jahrbuch “Strassenverkehr Schweiz 2016″ geht es auch um Roboterautos. Die Wissenschaftsjournalistin Barbara Fischer hat im Technopark in Zürich den Maschinenethiker Oliver Bendel interviewt. Sie beginnt mit den Worten: “Autonome Fahrzeuge sind nichts Neues, bereits Kutschen haben so funktioniert. War der Kutscher betrunken oder eingeschlafen, blieben die Pferde vor einer Schlucht selbstständig stehen und warteten, bis der Kutscher die Steuerung wieder übernehmen konnte.” Der Professor, der an der Hochschule für Wirtschaft FHNW arbeitet, meint: “Ein sehr schöner Vergleich. Im Grunde verfügen Kutschen über entsprechende Systeme. Das Pferd ist sozusagen der intelligente Antrieb und Fahrerassistent. Der Kutscher entspricht dem Autofahrer, er ist verantwortlich für das Gefährt. Meist sitzt er bewusst am Steuer, er kann die Führung aber auch delegieren. Ein spannendes Detail im Fall der Kutsche: Pferde haben ihren eigenen Kopf, wenn sie klug sind, bleiben sie rechtzeitig stehen, wenn sie Angst haben, rasen sie womöglich in den Abgrund.” Im Folgenden plädiert Bendel für einfache moralische Maschinen und problematisiert komplexe moralische Maschinen wie autonome Autos, die über Leben und Tod von Menschen entscheiden. Das Jahrbuch mit dem Interview ist am 9. November 2015 erschienen. Es richtet sich an “die Gesamtheit aller Entscheidungsträger der Schweizer Verkehrsszene” (www.kömedia.ch). Der Beitrag steht dank der freundlichen Genehmigung durch die Autorin und den Verlag kostenlos als PDF zur Verfügung.

Abb.: Eine Kutsche in Wien

Roboterethik in Berlin

Das Programm der Tagung “Roboterethik – Sie sind stark, klug, selbstständig. Und was wird aus uns?”, veranstaltet von der Daimler und Benz Stiftung sowie vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres), wurde Mitte Oktober 2015 fertiggestellt. Es steht auch über maschinenethik.net zum Download bereit. Während der eintägigen Veranstaltung in Berlin soll, wie ceres auf seiner Website schreibt, “aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, wie autonome Systeme unser Leben und unsere Gesellschaft verändern und welche ethischen Spannungsfelder hierdurch in unterschiedlichen Lebensbereichen aufgeworfen werden bzw. zukünftig entstehen können” (Website ceres). Die Leitung der Tagung, die am 24. November 2015 ab 10 Uhr stattfindet, hat Prof. Dr. Christiane Woopen (Universität zu Köln, Geschäftsführende Direktorin des Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health) inne, die Referenten sind Prof. Dr.  Alin Albi Schäffer (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Direktor des Instituts für Robotik and Mechatronik), Prof. Dr. Oliver Bendel (Fachhochschule Nordwestschweiz, Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik), Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen (Technische Universität Dortmund, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Industriesoziologie), Prof. Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Universität Stuttgart, Direktorin des Instituts für Philosophie), Prof. Dr. Jochen Steil (Universität Bielefeld, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kognition und Robotik) und Prof. Dr. Johannes Weyer (Technische Universität Dortmund, Professor für Techniksoziologie). Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Eckard Minx, Vorsitzender des Vorstands der Daimler und Benz Stiftung.

Abb.: Im Neuen Museum in Berlin

Militärische Drohnen in der Moral

Die Jahrestagung der Fachgruppe “Informatik und Ethik” widmet sich vom 15. bis 16. Oktober 2015 in Berlin dem Thema Drohnen. Auf der Website heißt es: “Im Geheimdienstbefugnisklärungsausschuss des Deutschen Bundestags taucht am Rande immer wieder auf, was der Ex-Geheimdienstler Michael Hayden so drastisch ausdrückte: Wir töten Menschen auf der Basis von Meta-Daten. Der nicht mehr ganz so geheime Drohnenkrieg der militärisch stärksten Staaten zeigt in erschreckender Weise, welch zentrale Rolle Technikerinnen und Techniker in der Schönen Neuen (Gewalt-)Welt einnehmen.” (Website GI, Oktober 2015) Es geht also um militärische Drohnen, die in bestimmter Weise bewertet werden. Entsprechend betrachtet Rafael Capurro am Donnerstag die “Kriegsmaschinen” aus moralischer Sicht, und Constanze Kurz wiederholt in ihrem Vortrag die obige Aussage: “We kill people based on meta-data”. Verena Hafner nimmt am Freitag die Perspektive der Roboterethik ein, Hans-Jörg Kreowski stellt die Frage nach der “Kalamität bewaffneter Drohnen”. Die Teilnahme ist laut GI kostenlos. Es wird um Anmeldung unter drohnen@turing-galaxis.de gebeten. Weitere Informationen über gewissensbits.gi.de/jahrestagung-2015-drohnen.

Abb.: Greift die Drohne an?