Schlagworte: Robotik

Eine menschliche Moral ist sehr viel besser

Die Journalistin Heike Henzmann hat im Rahmen der Serie “Walk and Talk” für die Zeitschrift aktuelle technik (at) ein langes Gespräch mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Der erste Teil des Interviews ist im Juni 2016 erschienen und in diesem Blog besprochen worden. Der zweite Teil mit dem Titel “Aufhalten lassen wir uns nicht.” liegt seit dem 14. Juli vor und kann hier heruntergeladen werden. In dem Gespräch ging es, wie bereits ausgeführt, um Maschinenethik, Informationsethik und Technologiefolgenabschätzung sowie um Moral und Ethik im Allgemeinen. Zur Maschinenethik führt Oliver Bendel aus: “Die Maschinenethik begreife ich als Gestaltungsdisziplin, die Informationsethik als Reflexionsdisziplin. Die Maschinenethik ist die Disziplin, die die Moral der Maschine zum Thema hat. Die Moral des Menschen wird anders als in der Menschenethik nur nebenbei betrachtet, als Mittel zum Zweck. Eine menschliche Moral ist sehr viel besser als eine maschinelle Moral. Der maschinellen Moral fehlt einiges. Die Maschine kann aber mindestens eine so gute Moral haben wie der menschliche Fundamentalist.” (at, 7/2016) Diese These wird im Folgenden näher beleuchtet und begründet. Neben dem Text finden sich in beiden Beiträgen viele Fotos, aufgenommen bei miesestem Regenwetter und bester Diskutierlaune.

Abb.: Gestikulieren beim Diskutieren über den Dächern von Zürich

Autonomisierung und Cyborgisierung

Automatisierte Maschinen und (teil-)autonome Systeme verbreiten sich immer mehr. Zugleich verschmelzen Menschen und Maschinen, Menschen vermessen sich bei Aktivitäten (Quantified Self), zeichnen ihr Leben auf (Lifelogging), ergänzen und verbessern Körper und Geist und werden zu Cyborgs. Das Europäische Parlament in Brüssel widmet sich diesen Entwicklungen am 8. September 2016 von 9.30 bis 13.00 Uhr. Titel der Veranstaltung, zu der Jan Philipp Albrecht einlädt, ist “Merging of man and machines: questions of ethics in dealing with emerging”. Der Newsletter DIGITAL AGENDA wartet mit folgenden Informationen auf: “The Working Group Green Robotics would like to invite you to a public hearing on ‘Merging of man and machines: questions of ethics in dealing with emerging technology’. With this and further discussions we would like to develop a position on how society should respond to questions like How will our lives and our society change with the increasing fusion with modern technology? What role have politics and law in this context? Is there a need for regulation and if so, how? How can human rights be addressed?” Im Track “Ethics & Society: Examples of how our lives, values and society will change” sprechen drei Expertinnen und Experten zu den genannten Themen, nämlich Yvonne Hofstetter (Direktorin der Teramark Technologies GmbH), Prof. Dr. Oliver Bendel (Professor an der Hochschule für Wirtschaft FHNW) und Constanze Kurz (Sprecherin des CCC). Der Track “Politics & Law: Examples of how we do/can debate and regulate this field” wird bestritten von Juho Heikkilä (Bereichsleiter bei DG Connect) und Dr. Hielke Hijmans (Special Advisor at the Offices of the European Data Protection Supervisor). Zwei weitere Vortragende sind Enno Park (Vorsitzender von Cyborgs e.V.) und Dana Lewis (Unternehmensgründerin). Weitere Informationen über www.janalbrecht.eu/termine/merging-of-man-and-machines-questions-of-ethics-in-dealing-with-emerging-technology.html.

Abb.: Organische und technische Strukturen finden zueinander

Übernahme von KUKA

Vom Deutschen Bundestag, genauer gesagt vom Ausschuss Digitale Agenda, wurde Oliver Bendel im Vorfeld der Anhörung vom 22. Juni 2016 als Sachverständiger zu seiner Meinung zur Rolle von Deutschland bei der Entwicklung von Robotern befragt. Er hat dazu u.a. ausgeführt: “In Deutschland sind wichtige Robotikunternehmen angesiedelt, wie Krones und KUKA, weiterhin solche Unternehmen, die integrierende Elemente anbieten, sowie solche, die erfolgreich traditionelle Produkte in Roboter verwandeln, etwa Staubsauger oder Automobile. Zudem hat es wichtige Forschungseinrichtungen, die die Disziplin der Künstlichen Intelligenz vertreten.” Mit Blick auf KUKA und bestimmte Start-ups führte er aus: “Es ist wichtig, dass Know-how im Land bzw. in Europa bleibt und führende Robotikunternehmen nicht verkauft werden. Die Forschung zur Robotik, auch zur sozialen Robotik, ist auszubauen. Robotik muss zudem noch interdisziplinärer werden. Psychologie, Philosophie und andere Disziplinen, die beitragen können, sind an den Hochschulen zu stärken und in den Curricula zu erweitern. In Europa kann, vor dem Hintergrund der Aufklärung, des Humanismus und einer einflussreichen Tradition der philosophischen Reflexion, ein eigener Zugang zur Robotik geschaffen werden, der nicht technikzentriert, sondern menschen- und tierbezogen ist.” In den Medien wird in diesen Tagen über eine Übernahme von KUKA durch den chinesischen Konzern Midea berichtet. Die Anhörung kann über www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw25-pa-digitale-agenda/427996 aufgerufen werden.

Auswirkungen der Robotik

Der Ausschuss Digitale Agenda des Deutschen Bundestages führt am 22. Juni 2016 von 16.00 bis 18.00 Uhr ein öffentliches Fachgespräch zum Themenkomplex “Auswirkungen der Robotik auf Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft” durch. Prof. Dr. Oliver Bendel wurde als Sachverständiger benannt. Der Fokus soll laut den Verantwortlichen nicht allein auf Robotik und Arbeitswelt liegen, sondern es sollen überhaupt die Digitalisierung der Gesellschaft und die damit einhergehenden Probleme und Herausforderungen behandelt werden. Dazu zählen etwa die Ag­gre­ga­ti­on und Verknüpfung von Daten und neue Entwicklungen wie das autonome Fahren. Mit dem Ausschuss “Digitale Agenda” hat der Deutsche Bundestag laut Website “zum ersten Mal ein ständiges parlamentarisches Gremium, das sich den aktuellen netzpolitischen Themen widmet” (Website Ausschuss Digitale Agenda). Es “sollen die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel gestellt werden” (Website Ausschuss Digitale Agenda). Netzpolitik sei für den Ausschuss kein “Nischenthema”. Das Gremium sehe sich vielmehr als wichtiger Impulsgeber für die parlamentarische Arbeit. Weitere Informationen über www.bundestag.de/ada.

Abb.: In der Kuppel des Reichstags

Ich bin nur eine Maschine

“Forscher arbeiten unter Hochdruck an sozialen Robotern. Sie sollen echte Gefährten werden, sogar eigene Persönlichkeit entwickeln. So schwindet die Differenz zwischen Mensch und Maschine. Das wirft ethische Fragen auf.” (RP, 10. März 2016) Mit diesen Worten beginnt der Artikel “Soziale Roboter auf dem Vormarsch” von Dorothee Krings, erschienen am 10. März 2016 in der Rheinischen Post. Eingegangen wird auf zwei neue Projekte in diesem Bereich: An der Uni Bielefeld wird “an einem Maschinen-Lehrer gebaut, der Einwandererkindern beim Deutschlernen helfen soll” (RP, 10. März 2016). “Nao ist nur 60 Zentimeter groß, ein niedliches Spielzeug, aber er kann sehen, hören und bald auch die Stimmungslage seines Gegenübers einschätzen – und auf Unlust reagieren.” (RP, 10. März 2016) In Freiburg “wird an Fritz getüftelt, einem Gestell mit Comicgesicht, das Blickkontakt aufnehmen und die Mundwinkel sinken lassen kann, wenn man sich von ihm abwendet”. Er soll “durchs Museum führen und merken, wenn seine Zuhörer sich langweilen” (RP, 10. März 2016). “In 20 Jahren wird man Roboter haben, die wirklich unter uns leben, mit denen wir reden, die wir lieben”, wird Oliver Bendel zitiert, “einer der führenden Maschinenethiker, der in der Schweiz lehrt” (RP, 10. März 2016). Dabei sieht er neben den Chancen die Risiken und macht Vorschläge, wie das Zusammenleben gelingen kann. Er spricht von einem V-Effekt für Roboter, “frei nach dem Theater von Brecht”; “der Roboter hält inne und betont, dass er nur eine Maschine ist” (RP, 10. März 2016). Der Artikel kann über www.rp-online.de/politik/soziale-roboter-auf-dem-vormarsch-aid-1.5824498 abgerufen werden.

Abb.: Ich bin nicht echt!

Digitale Revolution

Bereits 2015 gab es ein Referat über autonome Autos, ausgehend von der Disziplin der Maschinenethik. Auch 2016 setzt der Schweizer IT-Fachverband Swiss ICT auf innovative Entwicklungen. Eingereicht werden können für das Swiss ICT Symposium Referatsideen zum Thema “Digitale Revolution – are you ready?”. Industrie 4.0, Internet der Dinge, Cloud Computing, Big Data, Robotik in ihren ganz unterschiedlichen Varianten, Künstliche Intelligenz und Roboterautos können behandelt werden. Es stellen sich Fragen dieser Art: “Welche Visionen sind in der Schweiz relevant? Welche Chancen gibt es? Welche Vorbilder? Welche Folgen hat die digitale Revolution technisch, sozial, ökonomisch, rechtlich und politisch? Welche neuen Technologien, sei es 3D Printing, Self-driving Cars, Smartwatches …, stehen im Zentrum für den ICT-Werkplatz Schweiz? Was müssen Unternehmen, Politik, Schulen und Gesellschaft heute antizipieren?” (Website Swiss ICT) Das Swiss ICT Symposium findet am 14. und 15. November in Luzern statt. Weitere Informationen über www.swissict.ch/expertenwissen/fachanlaesse/swiss-ict-symposium/call-for-speaker/.

Abb.: Auch zum 3D-Druck kann referiert werden

Mein Kollege, der Robot

Die Industrieroboter verlassen – mit dieser Schilderung beginnt der Artikel “Mein Kollege, der Robot” – die Schutzräume und Fertigungsstraßen. “Sie bewegen sich durch die Hallen, auf festgelegten Spuren oder nach ihrem eigenen Plan. Sie arbeiten in Kooperationszellen eng mit Menschen zusammen. Und sie schauen uns zu, wie wir etwas machen – und machen es nach.” Oliver Bendel stellt dar, wie die Industrie 4.0 funktioniert, was in der intelligenten Fabrik passiert und wie sich darin der Roboter verändert. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen. Die Gesellschaft müsse “entscheiden, ob Roboter uns nicht nur unterstützen, sondern auch ersetzen sollen”. “Reflexionen aus Technik- und Informationsethik mögen ihr dabei helfen.” Schon davor wird die Maschinenethik gestreift: “Die Maschinenethik interessiert sich für moralische Maschinen, zum Beispiel für Apparaturen, die bestimmte moralische Regeln einhalten oder bestimmte Folgen mit moralischen Implikationen voraussehen können.” Der Beitrag, der am 18. Januar 2016 in der UnternehmerZeitung erschienen ist, kann kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Der Roboter wird zum Kollegen von Frauen und Männern

Ausschreibung zur Robotik der Pflege

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat im Rahmen des TAB-Projekts “Mensch-Maschine-Entgrenzungen” eine neue Ausschreibung gestartet. Zum Hintergrund heißt es auf der Website: “Das TAB-Projekt Mensch-Maschine-Entgrenzung beschäftigt sich mit technologischen Trends, die zu einer zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Maschine führen. Angetrieben wird die Entgrenzungsdynamik im Wesentlichen durch Entwicklungen in zwei Technologiefeldern: den Neurotechnologien auf der einen Seite, die zu einer fortschreitenden Technisierung des Menschen führen (durch die direkte Kopplung elektronischer Geräte an das Gehirn resp. Nervensystem), sowie der autonomen Robotik auf der anderen Seite, die Maschinen hervorbringt, die nicht nur immer eigenständiger handeln, sondern dem Menschen auch immer ähnlicher werden.” (Website TAB) Mit Fokus auf Robotik in Pflege und Rehabilitation werden, wie Dr. Christoph Kehl mitgeteilt hat, Gutachten zu folgenden drei Themenfeldern vergeben: 1. Autonome Assistenzsysteme in der Pflege: Potenziale und Grenzen aus pflegewissenschaftlicher Sicht; 2. Pflege- und Rehabilitationsrobotik: Fallstudien zur Forschungs- und Entwicklungspraxis; 3. Rechtliche Herausforderungen und Lösungsansätze autonomer Pflegetechnologien: Haftung und Datenschutz. Abgabetermin für Angebote ist der 15. Februar 2016. Weitere Informationen zur Ausschreibung sowie zur Untersuchung über www.tab-beim-bundestag.de/de/gutachter/g20700.html.

Abb.: Mensch und Maschine arbeiten eng zusammen

Das Web 4.0 befreit auch die Roboter

“Wer ist verantwortlich, wenn künstliche Intelligenz versagt?” Die Sendung bei Deutschlandradio Kultur vom 12. Januar 2016 mit diesem Titel widmete sich aktuellen Entwicklungen in der Robotik und in Roboter- und Maschinenethik. Zu Wort kommen u.a. Eric Hilgendorf, Experte für Roboterrecht an der Universität Würzburg, Ken Goldberg, Robotiker an der University of California, und Oliver Bendel, Informationsethiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Zu Ken Goldberg wird auf der Website gesagt: “Ken Goldberg von der University of California in Berkley Kalifornien ist einer der renommiertesten Robotik-Wissenschaftler weltweit. Er spricht von der Revolution, die auf seinem Arbeitsgebiet gegenwärtig stattfindet. Die Vernetzung von fast allem mit allem – Web 4.0 befreit auch die Roboter aus ihrer Isolation. Sie können nun direkt voneinander und von den Menschen lernen und auf unerhörte Rechnerkapazitäten zugreifen. Cloud Robotics nennt Goldberg das Konzept.” (Website DRadio Kultur, 12. Januar 2016) Oliver Bendel wird mit diesen Worten vorgestellt: Er “ist Philosoph und Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule der Nordwestschweiz”. “Bei ihm spürt man die Neugier darauf, was da zwischen Menschen und Maschinen entsteht. Es ist schon mehr ein Miteinander. Am Arbeitsplatz müssen die Roboter aufpassen und ausweichen, um niemanden anzufahren oder mit den Greifern zu verletzen. Und wir Menschen tun gut daran, die Umgebung übersichtlich zu strukturieren, damit sich die Maschinen zurechtfinden.” (Website DRadio Kultur, 12. Januar 2016) Der Beitrag kann über ondemand-mp3.dradio.de angehört werden.

Abb.: Eine Roboterfrau als Männerphantasie

Pflegeroboter im Wirtschaftslexikon

“Pflegeroboter unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte bzw. Betreuerinnen und Betreuer. Sie bringen und reichen Kranken und Alten die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen ihnen beim Hinlegen und Aufrichten oder alarmieren den Notdienst. Manche verfügen über natürlichsprachliche Fähigkeiten, sind lernende und intelligente Systeme.” (Gabler Wirtschaftslexikon, 12. Januar 2016) Der Beitrag von Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Springer Gabler stellt Pflegeroboter vor, geht auf ihre Funktionen und Aufgaben ein, klärt die Anwendungsbereiche und nennt Beispiele wie Care-O-bot, Cody, Robear, HOBBIT und TWENDY-ONE. Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: “Bereichsethiken wie Wirtschafts-, Medizin- und Informationsethik müssen Fragen dieser Art stellen: Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften Betreuung und Versorgung durch die Maschine? Inwieweit kann diese die persönliche und informationelle Autonomie des Patienten unterstützen oder gefährden? Ist der Roboter in unpassender Weise umgesetzt, etwa in Form einer stereotyp dargestellten Krankenschwester? Ist er eine Entlastung oder ein Konkurrent für Pflegekräfte?” (Gabler Wirtschaftslexikon, 12. Januar 2016) Der Beitrag ist am 12. Januar 2016 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/pflegeroboter.html abgerufen werden.

Abb.: Zuwendung sollte in erster Linie von Menschen kommen

Zwischen Skylla und Charybdis

“Robots between the Devil and the Deep Blue Sea” lautet der Titel des Beitrags, der am 1. Dezember 2015 in der brasilianischen Zeitschrift Liinc em Revista erschienen ist. Man könnte auch sagen: “Roboter zwischen Skylla und Charybdis”. Oliver Bendel stellt klassische Dilemmata vor und überträgt sie ins Informationszeitalter. Insbesondere interessiert der Einsatz von Chatbots, Robotern, Drohnen und selbstständig fahrenden Autos, der immer wieder problembehaftet ist. Bei den Lösungsansätzen wird u.a. die Perspektive der Maschinenethik eingenommen. Es stellt sich heraus, dass klassische Dilemmata für die Herausforderungen der Gegenwart nützlich sind und dabei helfen, die Entscheidungsmöglichkeiten teilautonomer und autonomer Systeme zu diskutieren sowie Robotik, Künstliche Intelligenz und Informatik in dieser Frage zu sensibilisieren und ihre Ergebnisse und Erzeugnisse zu optimieren. Skizziert werden das “Roboterauto-Problem”, die “Parkbucht des Karneades”, “Buridans Robot” und das “Lügenbot-Problem”. Der Beitrag kann über die Website der Zeitschrift kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Zwischen Skylla und Charybdis

Tagung zur Roboterethik in Berlin

Eine hochkarätig besetzte Tagung zur Roboterethik fand am 24. November 2016 in Berlin statt. Eingeladen hatten Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres) und Daimler und Benz Stiftung. Vor dem eigentlichen Programm mit Beginn um 10 Uhr wurde eine Pressekonferenz mit Prof. Dr. Eckard Minx, Prof. Dr. Christiane Woopen, Prof. Dr. Alin Albu-Schäffer und Prof. Dr. Oliver Bendel durchgeführt. Im Karl-Storz-Besucher- und Schulungszentrum begann dann der wissenschaftliche Marathon. Minx begrüßte und eröffnete, Woopen führte ein, nicht in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ethikrats, sondern als Leiterin von ceres. Die Grundlagen autonomer Systeme erklärte Albu-Schäffer in seinem Vortrag “Autonomie und Kognition für menschzentrierte Robotik”. Mit “Autonome Systeme und die Selbstbestimmung des Menschen” war der nächste Komplex betitelt. “Roboterlernen ohne Grenzen?” von Prof. Dr. Jochen Steil schuf weitere Robotikgrundlagen. Dann ging es tief in die Maschinenethik. Bendel referierte über “Die Moral in der Maschine”, wobei er die Designstudien CLEANINGFISH und LADYBIRD und den Prototypen GOODBOT vorstellte, Prof. Dr. Catrin Misselhorn über “Maschinen mit Moral? Theoretische Grundlagen und eine Roadmap für autonome Assistenzsysteme in der Pflege”. Nach der Mittagspause waren Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen und Prof. Dr. Johannes Weyer an der Reihe. Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, sprach zur Rolle der Politik. Christiane Woopen rundete mit ihrem Schlusswort die Veranstaltung ab. Der Diskussionsbedarf war groß, die Nachfrage der Journalisten nach Interviews mit den Fachexperten ebenfalls. Ein Audiofile mit Statements der Experten (als Teil eines Beitrags des Deutschlandfunks) kann direkt hier abgerufen werden.

Abb.: Pressekonferenz mit (v. l.) Bendel, Woopen und Albu-Schäffer (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Hillig)

Roboterethik in Berlin

Das Programm der Tagung “Roboterethik – Sie sind stark, klug, selbstständig. Und was wird aus uns?”, veranstaltet von der Daimler und Benz Stiftung sowie vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres), wurde Mitte Oktober 2015 fertiggestellt. Es steht auch über maschinenethik.net zum Download bereit. Während der eintägigen Veranstaltung in Berlin soll, wie ceres auf seiner Website schreibt, “aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, wie autonome Systeme unser Leben und unsere Gesellschaft verändern und welche ethischen Spannungsfelder hierdurch in unterschiedlichen Lebensbereichen aufgeworfen werden bzw. zukünftig entstehen können” (Website ceres). Die Leitung der Tagung, die am 24. November 2015 ab 10 Uhr stattfindet, hat Prof. Dr. Christiane Woopen (Universität zu Köln, Geschäftsführende Direktorin des Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health) inne, die Referenten sind Prof. Dr.  Alin Albi Schäffer (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Direktor des Instituts für Robotik and Mechatronik), Prof. Dr. Oliver Bendel (Fachhochschule Nordwestschweiz, Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik), Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen (Technische Universität Dortmund, früherer Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Industriesoziologie), Prof. Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Universität Stuttgart, Direktorin des Instituts für Philosophie), Prof. Dr. Jochen Steil (Universität Bielefeld, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kognition und Robotik) und Prof. Dr. Johannes Weyer (Technische Universität Dortmund, Professor für Techniksoziologie). Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Eckard Minx, Vorsitzender des Vorstands der Daimler und Benz Stiftung.

Abb.: Im Neuen Museum in Berlin

Die Industrie 4.0 aus ethischer Sicht

Der Artikel “Die Industrie 4.0 aus ethischer Sicht” erscheint am 23. Juli 2015 in der Zeitschrift HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, als “Online-First”-Artikel auf SpringerLink. Die deutsche Zusammenfassung: “Der vorliegende Beitrag arbeitet die wesentlichen Merkmale der Industrie 4.0 heraus und setzt sie ins Verhältnis zur Ethik. Es interessieren vor allem Bereichsethiken wie Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik. Am Rande wird auf die Maschinenethik eingegangen, im Zusammenhang mit der sozialen Robotik. Es zeigt sich, dass die Industrie 4.0 neben ihren Chancen, die u. a. ökonomische und technische Aspekte betreffen, auch Risiken beinhaltet, denen rechtzeitig in Wort und Tat begegnet werden muss.” Das englische Abstract: “This article highlights the essential features of the industry 4.0 and puts them in relation to ethics. Of special interest are the fields of applied ethics such as information, technology and business ethics. Machine ethics is mentioned in passing in connection with social robotics. It is evident that the industry 4.0 in addition to opportunities, affecting among other things economic and technical aspects, includes also risks which must be addressed in word and deed in a timely manner.” Weitere Informationen über link.springer.com/article/10.1365/s40702-015-0163-z.

Abb.: Ihr Verhalten kann Einfluss auf die Produktion haben

Selfies im All

Oliver Bendel hat schon mehrfach über Roboselfies (auch Robot Selfies genannt) geschrieben. Zum ersten Mal berücksichtigt er nun, in einem Artikel der Zeitschrift Telepolis, eine Aufnahme von Philae. Weltraumroboter sind in der Ferne unterwegs, sie sind allein, um nicht zu sagen einsam, und was liegt näher, als ein Foto von sich selbst zu knipsen und es an die daheimgebliebenen Kohlenstoffeinheiten zu schicken. Der eigentliche Zweck ist natürlich, den Ingenieuren zu zeigen, ob die Instrumente und Apparate in Ordnung sind, ob die Haut eine Beschädigung oder eine Veränderung aufweist. Aus Sicht der Robotik stellt sich die Frage, ob die Selfies zur Weiterentwicklung und zum Selbstlernen beitragen könnten. In welcher Hinsicht ist die egozentrische Perspektive interessant? Kann der Roboter zu neuem Wissen über die ihn unmittelbar umgebende Umwelt kommen? Kann er seine Mimik und Gestik interpretieren und sein Verhalten reflektieren? Kann er nach und nach ein Selbstbewusstsein erlangen oder sich zumindest selbst im Spiegel erkennen? Der Artikel ist am 2. Februar 2015 erschienen und kann über www.heise.de/tp/ aufgerufen werden.

Abb.: Touristin mit Selfiestange auf der Akropolis

Der Siegeszug der Serviceroboter

“Serviceroboter sind in etlichen Ausführungen erhältlich. Haushalts- und Gartenroboter erobern die Wohnviertel, Pflege- und Therapieroboter die Krankenhäuser und Altenheime. Sie unterstützen und sie überwachen uns. Und sie ersetzen uns allmählich.” Mit diesen Worten beginnnt der Artikel “Die Roboter sind unter uns” von Oliver Bendel in der Netzwoche vom 3. Dezember 2014. In der letzten Ausgabe des Jahres dreht es sich um die Trends des Jahres 2015. Als Wirtschaftsinformatiker und Ethiker sieht Oliver Bendel durchaus positive Aspekte von Jaco, Qrio und Pepper – und natürlich von LADYBIRD, einem Saugroboter, der keine Krabbeltiere tötet. Als Informationsethiker weist er aber eben auch darauf hin, dass die “künstlichen Kreaturen” uns überwachen: “Wenn sie mit Sensoren ausgestattet sind, wenn sie über Intelligenz und Erinnerungsvermögen verfügen, werden sie nach und nach zu allwissenden Begleitern.” Entsprechend ist die Informationsethik zur Reflexion der Probleme gefragt. Und die Maschinenethik, um die Serviceroboter in moralische Maschinen zu verwandeln. Der Artikel ist über die Website der Hochschule für Wirtschaft FHNW kostenlos zu beziehen.

Abb.: Saugroboter der gewöhnlichen Art (Quelle: commons.wikimedia.org; Autor: Mamirobothk)

 

Der Begriff der cyber-physischen Systeme

Cyber-physische Systeme sind Systeme, bei denen informations- und softwaretechnische mit mechanischen bzw. elektronischen Komponenten verbunden sind, wobei Datentransfer und -austausch sowie Kontrolle bzw. Steuerung über eine Infrastruktur wie das Internet in Echtzeit erfolgen. Wesentliche Bestandteile sind mobile und bewegliche Einrichtungen, Geräte und Maschinen (darunter auch Roboter), eingebettete Systeme und vernetzte Gegenstände (Internet der Dinge). In der Industrie 4.0 haben cyber-physische Systeme eine zentrale Funktion. Der Beitrag von Oliver Bendel zum Thema ist am 2. September 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, geht auf Anwendungsbereiche ein und betrachtet den Gegenstand schließlich, im Rahmen von Kritik und Ausblick, aus dem Blickwinkel der Ethik: “Die Informationsethik untersucht das mögliche Versagen der cyber-physischen Systeme, etwa ihre feindliche Übernahme und ihren selbstverschuldeten Ausfall, in moralischer Beziehung, die Maschinenethik versucht die Entscheidungen der (teil-)autonomen Systeme in moralischer Hinsicht zu verbessern.”

Robot Car

Der Robot Car findet seinen Weg. Er hupt und weicht aus. Er bleibt stehen, neugierig, verspielt. Vor einem Kind oder einer Kuh. Er verhandelt mit anderen Fahrzeugen, wenn es um die Vorfahrt geht oder einen Unfall gegeben hat, er schickt Nachrichten an die Polizei, die Werkstatt und den Hersteller. Der Artikel “Cloud am Steuer”, der vor einiger Zeit in der GDI Impuls erschienen ist, kann nun kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Ein Dank geht an das Gottlieb Duttweiler Institute – und den Autor Christian Rauch. Wenn Roboter über die Straßen steuern, so fragt er, “welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen hat das”? Beantwortet wird das von Patrick Lin, Roboter- und Maschinenethiker an der California Polytechnic State University, und Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW.

Abb.: Auto und Kuh

Der Begriff “Human Enhancement”

Human Enhancement, die Erweiterung und Verbesserung des Menschen mit Hilfe biologischer und technischer Mittel, kann aus der Perspektive der Medizin, der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Informatik betrieben bzw. thematisiert werden. Verschiedene Bereichsethiken können nach Chancen und Risiken in moralischer Hinsicht fragen. Die Informationsethik ist gefordert, wenn die Entwicklung von der Informatik ausgeht. Mit ihr kann man Fragen des Datenschutzes, der informationellen und persönlichen Autonomie und der Kontrolle des Menschen mithilfe von Hacking und Manipulation beantworten. Auch die Maschinenethik ist in verschiedener Weise von Relevanz. Der Lexikonbeitrag von Oliver Bendel zum Thema ist im Juli 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, untersucht Verfahren und Methoden und nimmt am Ende, im Rahmen von Kritik und Ausblick, den Blickwinkel der Ethik ein: “Damit Menschen- und Tierwürde nicht verletzt und Manipulation und Instrumentalisierung von Körper bzw. Geist nicht zur unhinterfragten Norm werden, bedarf es moralischer und ethischer Diskussionen (auch aus der Wirtschaftsethik heraus) ebenso wie rechtlicher Anpassungen.”

Selfies und Zeitgeist

“People take selfies with smartphones and digital cameras (or even with flying robots), and share them on social media, blogs, microblogs and image platforms for social purposes, and though selfies may just be a trend, they say a lot about the narcissism of people and the zeitgeist of the media age.” Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Oliver Bendel, der am 9. Juni 2014 auf Robohub unter dem Titel “Robot selfies, and the road to self-recognition” erschienen ist. Es geht um Roboter, die Selfies machen, um die Frage, warum sie dies tun (und warum sie dies in Zukunft noch mehr tun werden). Bendel kommt zum Schluss: “Once an android pulls a duckface and takes a selfie, any roboticist will know the breakthrough has been made.” Auch die Informationsethik ist in diesem Zusammenhang gefragt, etwa wenn der Roboter seine Umgebung einfängt und im Anschluss persönliche Daten weiterleitet.