Schlagworte: Überwachung

Der kleine große Bruder

iPal ist der kleine große Bruder, im Aussehen zwischen Mensch und Affe. Es gibt ihn blau sowie pinkfarben mit spitzen Ohren, also auch als kleine große Schwester. Der Roboter wird vom Hersteller AvatarMind als Familienmitglied, Spielkamerad, Babysitter und vor allem als Erziehungsperson und Lehrkraft gesehen. Er hat natürlichsprachliche Fähigkeiten und ein Tablet in seiner Brust, auf dem Lernprogramme laufen. Er soll die soziale Entwicklung unterstützen und das Interesse an Wissenschaft und Technologie wecken. Laut Website macht iPal Bildung für Kinder lustig und attraktiv. Er kann tanzen, Geschichten erzählen, Spiele spielen und die Bewegung fördern. Über ihn kann man mit Freunden chatten, Videos teilen und sich mit dem Internet und sozialen Medien verbinden. Eltern sind in der Lage, iPal fernzusteuern und den Fortschritt, die Sicherheit und die Aktivitäten ihres Sprösslings auf ihrem Smartphone oder auf dem Desktop von jedem Ort aus und zu jeder Zeit zu überwachen. In seinem Nebenberuf ist iPal für Alte und Kranke da und kontrolliert z.B. die Medikamenteneinnahme. iPal verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Konkret wird durch den beschriebenen Gebrauch der Eltern das Recht auf Privatsphäre missachtet. Es ist ferner nicht auszuschließen, dass sich das Unternehmen oder dessen Partner und der Staat bestimmte persönliche Daten der Familie beschaffen.

Call for Papers zu “Ethics of Big Data”

Die Zeitschrift International Review of Information Ethics hat ihren Call for Papers zu “Ethics of Big Data” veröffentlicht. Darin heißt es: “This issue of IRIE attempts to explore the political, social, and ethical dimensions of big data.” (Website IRIE) Mögliche Themen sind u.a. “Big data and emerging regimes of mass surveillance”, “Big data and mass marketing”, “Big data and mass communication”, “Big data and counter-terrorism, policing and national security” und “Online privacy”. Gastherausgeber sind Prof. Dr. Klaus Wiegerling, Dr. Michael Nerukar und Christian Wadephul vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). An Michael Nerukar können auch Fragen gerichtet werden (michael.nerurkar@kit.edu). Die Deadline für Extended Abstracts ist der 30. September 2015. Weitere Informationen über i-r-i-e.net/call_for_papers.htm.

Springer-Lexikon zur Informationsethik

Ende 2015 erscheint ein neues Springer-Lexikon mit dem Titel “300 Keywords Informationsethik”. Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker, hat das ganze Werk verfasst. Dadurch handelt es sich um ein Nachschlagewerk aus einem Guss, was eine Seltenheit und eine Besonderheit ist. Manche der Begriffe werden kurz und knapp erklärt, andere seitenlang. Nach der Lektüre ist man umfassend in die Bereichsethik eingeführt, die auch mit dem Begriff der digitalen Ethik umrissen wird und der man Computerethik, Netzethik und Neue-Medien-Ethik zuordnen kann. Und auch die Maschinenethik und die Roboterethik sind einem nicht mehr fremd. Natürlich lernt der Leser den Big Brother (und den Little Brother) kennen, und es kommt ihm die Filter Bubble entgegengeschwebt. Gespannt sein darf man auf den Cyberhedonismus, den Sexroboter und den Wutbürger. Weitere Informationen sind im Herbst bei Springer erhältlich.

Abb.: Little Brother is watching you

Der Siegeszug der Serviceroboter

“Serviceroboter sind in etlichen Ausführungen erhältlich. Haushalts- und Gartenroboter erobern die Wohnviertel, Pflege- und Therapieroboter die Krankenhäuser und Altenheime. Sie unterstützen und sie überwachen uns. Und sie ersetzen uns allmählich.” Mit diesen Worten beginnnt der Artikel “Die Roboter sind unter uns” von Oliver Bendel in der Netzwoche vom 3. Dezember 2014. In der letzten Ausgabe des Jahres dreht es sich um die Trends des Jahres 2015. Als Wirtschaftsinformatiker und Ethiker sieht Oliver Bendel durchaus positive Aspekte von Jaco, Qrio und Pepper – und natürlich von LADYBIRD, einem Saugroboter, der keine Krabbeltiere tötet. Als Informationsethiker weist er aber eben auch darauf hin, dass die “künstlichen Kreaturen” uns überwachen: “Wenn sie mit Sensoren ausgestattet sind, wenn sie über Intelligenz und Erinnerungsvermögen verfügen, werden sie nach und nach zu allwissenden Begleitern.” Entsprechend ist die Informationsethik zur Reflexion der Probleme gefragt. Und die Maschinenethik, um die Serviceroboter in moralische Maschinen zu verwandeln. Der Artikel ist über die Website der Hochschule für Wirtschaft FHNW kostenlos zu beziehen.

Abb.: Saugroboter der gewöhnlichen Art (Quelle: commons.wikimedia.org; Autor: Mamirobothk)

 

The Day We Fight Back

Dieser Tag ist der 11. Februar 2014, zumindest nach dem Wunsch der Organisatoren. Auf ihrer Website stellen sie mit Hilfe von Zitaten einige Fakten zusammen. Die NSA “has secretly broken into the main communications links that connect Yahoo and Google data centers around the world” (The New York Times). Und: Die NSA “is harvesting hundreds of millions of contact lists from personal e-mail and instant messaging accounts around the world” (Washington Post). Und so weiter. Was kann man tun? Auf der Website ist zu lesen: “Governments worldwide need to know that mass surveillance, like that conducted by the NSA, is always a violation of our inalienable human rights. Over the past year, more than 360 organizations in over 70 countries have come together to support the International Principles on the Application of Human Rights to Communications Surveillance. These thirteen Principles establish the human rights obligations of any government conducting surveillance. They are the core of an international movement to compel all states to stop the mass spying of the innocent. The Principles are already being used in national campaigns and international pressure to reign in spies including the NSA.” Vielleicht sollte es keinen Tag, sondern ein Jahrhundert des digitalen Widerstands und des digitalen Ungehorsams geben.

Abb.: Überwachung der Überwacher

Diskussionsteilnehmer für EU-Projekt gesucht

TA-SWISS hat sich an informationsethik.net gewandt mit der Bitte, auf ein EU-finanziertes Forschungsprojekt (SurPRISE: Surveillance, Privacy and Security) hinzuweisen. 300 Personen in der Schweiz haben die Möglichkeit, an einem sogenannten Diskussionsforum zum Thema “Sicherheitstechnologien, Überwachung und Privatsphäre” teilzunehmen. “Im Zentrum des Interesses steht, wie die Bürgerinnen und Bürger in neun Ländern Europas auf Überwachungstechnologien reagieren. Sind sie, wie in politischen Debatten gerne unterstellt wird, tatsächlich bereit, für ein Mehr an Sicherheit ein Weniger an Privatsphäre in Kauf zu nehmen? Welche Sicherheitsmassnahmen erachten sie als akzeptabel in einem demokratischen Staat und welche nicht?” (Zitat aus der Mitteilung) Geplant seien je eine ganztägige Gesprächsrunde (10 – 16 Uhr) in der Deutschschweiz (Zürich, 8. März 2014), in der Romandie (Grandson, 22. März 2014) und im Tessin (29. März 2014). Die Reisespesen werden übernommen, für Verpflegung ist gesorgt, und alle Teilnehmenden erhalten eine kleine Entschädigung. Weitere Informationen und Anmeldung: www.ta-swiss.ch/forum. Anmeldefrist: 31. Januar 2014.

Informationsethiker protestieren gegen Massenüberwachung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Australien, Deutschland, Holland, Kanada, Japan, der Schweiz und vielen anderen Ländern protestieren mit einem Aufruf, der von Nico van Eijk, Beate Roessler, Frederik Zuiderveen Borgesius und Manon Oostveen (University of Amsterdam) initiiert wurde, gegen die Massenüberwachung durch die Geheimdienste. Auf der Website www.academicsagainstsurveillance.net heißt es: “The right to privacy is a fundamental right.” Und weiter: “Without privacy people cannot freely express their opinions or seek and receive information. Moreover, mass surveillance turns the presumption of innocence into a presumption of guilt.” Die Unterzeichner des Aufrufs – unter ihnen sind auch Informations-, Technik- und Maschinenethiker wie Andrew Adams, Oliver Bendel, Kai Kimppa und Matthijs Pontier – fordern die Regierungen zum Handeln auf, wobei klare Forderungen gestellt werden.