Position und Methodik von Oliver Bendel in der angewandten Ethik

Oliver Bendel versteht sich als Technikphilosoph, mit einer Fokussierung auf Technikethik und neuere Forschungsfelder der angewandten Ethik, vor allem Informations- und Roboterethik sowie Maschinenethik. In der Informations- und Roboterethik vertritt er einen empirisch informierten oder empirisch fundierten, gegenstandsnahen Ansatz. Ethischen Urteilen geht eine möglichst genaue empirische und technische Analyse voraus: Zunächst ist zu klären, wie ein konkretes System beschaffen ist, welche Funktionen es besitzt, welche Daten es verarbeitet und welche Wirkungen von ihm ausgehen. Erst auf dieser Grundlage werden normative Fragen etwa nach informationeller Autonomie, Privatheit, Verantwortung oder Wohlergehen untersucht. Aus der Beschreibung allein werden dabei keine normativen Aussagen abgeleitet, und empirische Befunde und normative Prämissen bleiben unterscheidbar. In der Maschinenethik ergänzt Bendel diesen Ansatz um eine konstruktiv-experimentelle Methodik. Er entwickelt und erprobt selbst Prototypen, etwa spezielle Chatbots, Sprachassistenten und Haushaltsroboter, in denen moralische Regeln implementiert werden. Die Konstruktion dient dabei als Erkenntnismethode: Sie soll zunächst zeigen, ob und wie sich bestimmte moralische Regeln operationalisieren und technisch umsetzen lassen. Anschließend werden die entstandenen Artefakte systematisch untersucht, um Möglichkeiten, Grenzen, Widersprüche und unerwartete Folgen der Implementierung sichtbar zu machen. Es entsteht eine Rückkopplung von ethischer Konzeption, technischer Konstruktion, empirischer Erprobung und ethischer Reflexion. Insgesamt lässt sich Bendels Vorgehen damit als empirisch fundierter und konstruktiv-experimenteller Ansatz in der Technikethik und verwandten Forschungsfeldern charakterisieren.

Fig.: Oliver Bendel in der Schweiz (Foto: Jork Weismann)