Die FAZ im freien Fall IV

Abb.: Die FAZ vom 8. August 2026

Abb.: Die FAZ vom 8. August 2026
Am Flughafen Leipzig wurde Anfang August 2026 eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt. Eine weitere kollidierte vermutlich mit einem Flugzeug. In seinem Mitte 2014 geschriebenen und Anfang 2015 veröffentlichten Artikel über private Drohnen aus informationsethischer Sicht beschrieb Oliver Bendel nicht nur Risiken für Privatsphäre und informationelle Autonomie, sondern wies auch ausdrücklich auf Sicherheitsgefahren im Luftverkehr hin. Er warnte davor, dass private Drohnen mit Flugzeugen zusammenstoßen, abstürzen oder Menschen verletzen können und dass selbst vergleichsweise leichte Fluggeräte ein erhebliches Zerstörungspotenzial besitzen. Ebenso thematisierte er die Möglichkeit, Drohnen zu kapern, um Schaden anzurichten, Überflugverbote zu umgehen oder Angriffe gegen Leib und Leben vorzubereiten. Besonders aufschlussreich erscheint aus heutiger Sicht der Ausblick des Beitrags, in dem kriminelle und terroristische Aktivitäten ausdrücklich erwähnt werden, einschließlich des Szenarios, sogenannte UAV für Sprengstoffanschläge zu instrumentalisieren. Die jüngsten Ereignisse machen deutlich, dass diese damals noch überwiegend theoretischen Überlegungen inzwischen reale sicherheitspolitische Relevanz besitzen und die Forderung nach einem angemessenen rechtlichen und technischen Rahmen aktueller denn je ist. Bereits 2009 hatte Oliver Bendel seinen Roman „Verlorene Schwestern“ vorgestellt, der sich um eine winzige Fotodrohne dreht, mit der ein Junge in Dresden und Umgebung prominente Personen auskundschaftet.

Abb.: Die Drohne aus ethischer Sicht
Latein war einst eine wichtige Wissenschaftssprache. Später Französisch. Und Deutsch. Englisch kam (bzw. war schon da), sah (was auch immer) und siegte (über Deutsch und Französisch, während Latein schon am Boden lag). Es wurde nicht nur eine Wissenschaftssprache, es wurde die Wissenschaftssprache. Wer als deutschsprachiger Wissenschaftler deutsche Publikationen in einem englischsprachigen Paper referenziert, wird von den Gutachtern, den Reviewern, schnell zurechtgewiesen. Man kapitulierte vor dem Sprachimperialismus und nahm den Linguizismus – die Geringschätzung und die Ablehnung von Sprachen ohne driftigen Grund – einfach hin. 2022 begann der Siegeszug der Large Language Models (LLMs). Bereits Jahre zuvor hatten diese von sich reden gemacht, etwa im Zusammenhang mit humanoiden Robotern wie Harmony, wie im Buch „Maschinenliebe“ nachzulesen ist, aber OpenAI schuf mit der Bereitstellung von ChatGPT eine neue Ausgangslage. Heute gibt es viele LLMs, und während ihr Deutsch nicht immer zufriedenstellend (ja sogar oft verheerend) ist, ist es ihr Englisch durchaus. Auch die Übersetzung vom Deutschen ins Englische ist bei wissenschaftlichen Texten meist problemlos. Damit stellt sich die Frage, ob Deutsch als Wissenschaftssprache nicht zurückkehren könnte. Viele Geistes- und Sozialwissenschaftler veröffentlichen nach wie vor in dieser Sprache und können sich in ihr – oft anders als im Englischen – präzise und korrekt ausdrücken. Eigentlich könnte der Linguizismus nun enden. Jeder Wissenschaftler könnte wieder in seiner Muttersprache schreiben, und es wäre jedem anderen Wissenschaftler zuzumuten, seine Texte in die eigene Muttersprache (oder eben ins Englische) zu übersetzen. Das wird vermutlich nicht geschehen – der Sprachimperialismus hat längst die Machtverhältnisse geändert. DAAD und Goethe-Institut setzen sich zwar für die deutsche Sprache in der Wissenschaft ein, letzteres freilich eher für eine Karikatur davon, wenn man sich seine Website anschaut („Deutsch Sprechen Online. … Üben Sie mit Muttersprachler*innen in online live Sessions Deutsch zu sprechen!“). Deutsch scheint also für die Wissenschaft verloren. Dennoch könnten Gutachter heutzutage etwas großzügiger in dieser Hinsicht sein. Profitieren würden Autoren in doppelter Hinsicht, nämlich als Urheber von Artikeln, die sie bei Journals und Konferenzen einreichen, und als Urheber von Artikeln, Buchbeiträgen und Büchern, die in deutscher Sprache sind und zwar gelesen, jedoch nicht zitiert werden.

Abb.: Oliver Bendel als Autor eines deutschsprachigen Buchs
Die Daimler und Benz Stiftung feierte am 24. Juli 2026 das Jubiläum ihres 40-jährigen Bestehens. Die Gäste strömten auf das Areal beim Carl-Benz-Haus in Ladenburg. Die Darstellerin Angela Pfenninger stieg als Bertha Benz in den Benz Patent-Motorwagen Nummer 3. Der Fotograf Jessen Oestergaard drückte ständig auf den Auslöser. Vorstand Prof. Dr. Lutz Gade ging in seinem Vortrag auf die Geschichte der Stiftung ein. Dabei hob er eine Tagung zur Roboterethik (und zur Maschinenethik) hervor, die am 24. November 2015 in Berlin stattgefunden hatte. Eingeladen hatten Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres) und Daimler und Benz Stiftung. Vor dem eigentlichen Programm mit Beginn um 10 Uhr wurde eine Pressekonferenz mit Prof. Dr. Eckard Minx, Prof. Dr. Christiane Woopen, Prof. Dr. Alin Albu-Schäffer und Prof. Dr. Oliver Bendel abgehalten. Im Karl-Storz-Besucher- und Schulungszentrum begann dann der wissenschaftliche Marathon. Minx begrüßte und eröffnete, Woopen führte ein, nicht in ihrer damaligen Funktion als Vorsitzende des Ethikrats, sondern als Leiterin von ceres. Die Grundlagen autonomer Systeme erklärte Albu-Schäffer in seinem Vortrag „Autonomie und Kognition für menschzentrierte Robotik“. Mit „Autonome Systeme und die Selbstbestimmung des Menschen“ war der nächste Komplex betitelt. „Roboterlernen ohne Grenzen?“ von Prof. Dr. Jochen Steil schuf weitere Grundlagen. Dann ging es tief in die Maschinenethik hinein. Bendel referierte über „Die Moral in der Maschine“, wobei er die Designstudien CLEANINGFISH und LADYBIRD und den Prototyp GOODBOT vorstellte, Prof. Dr. Catrin Misselhorn über „Maschinen mit Moral? Theoretische Grundlagen und eine Roadmap für autonome Assistenzsysteme in der Pflege“. Nach der Mittagspause waren Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen und Prof. Dr. Johannes Weyer an der Reihe. Prof. Dr. Norbert Lammert, damaliger Bundestagspräsident, sprach zur Rolle der Politik, wetterte gegen die Verwendung des Begriffs der Autonomie in den Technikwissenschaften und missverstand damit deren Autonomie bei der Begriffsbildung. Christiane Woopen rundete mit ihrem Schlusswort die Veranstaltung ab. Der Fotograf Matti Hillig war pausenlos umhergeeilt, um die schönsten Bilder einzufangen. All dies hatten diejenigen in Ladenburg wieder vor dem geistigen Auge, die vor elf Jahren in Berlin dabei gewesen waren und nun nach dem Vortrag von Gade begeistert applaudierten.

Abb.: Prof. Dr. Lutz Gade bei seinem Vortrag (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard)
Um das Jahr 2000 zählte NativeMinds zu den bedeutendsten Pionieren ambitionierter Chatbots und virtueller Assistenten und gehörte neben Artificial Life zu den technologischen Vorreitern der Branche. Das Unternehmen entwickelte sogenannte vReps (Virtual Representatives), also Avatare mit Dialogfunktion, die Kunden auf Unternehmenswebsites begrüßten, Fragen in natürlicher Sprache beantworteten und sie bei Support, Vertrieb oder Marketing unterstützten. Anders als viele einfache Chatbots jener Zeit verfügten die vReps über eine eigene Persönlichkeit, konnten den Gesprächskontext berücksichtigen und auf Wissensdatenbanken zugreifen. NativeMinds bezeichnete diese virtuellen Assistenten treffend als „Virtual Workforce for the Web“ – virtuelle Mitarbeiter, die rund um die Uhr verfügbar waren und menschlichen Kundendienst ergänzen oder ersetzen sollten. Auf der eigenen Website begrüßte Nicole die Besucher. Mit ihrer aufrechten Haltung und den in die Hüften gestützten Händen strahlte sie Selbstbewusstsein und Kompetenz aus. Zu den Kunden gehörten unter anderem Oracle, Ford und Nissan. Mit seiner Kombination aus Chatbot, Avatar und KI-gestütztem Kundenberater nahm NativeMinds viele Konzepte moderner KI-Agenten und Conversational-AI-Systeme vorweg. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase wurde das Unternehmen 2004 von Verity übernommen, doch seine Technologie gilt bis heute als wichtiger Meilenstein in der Entwicklung intelligenter Dialogsysteme.

Abb.: Die Website von NativeMinds im Jahre 2000 ohne die Newsmeldungen in den rechteckigen Boxen
Vor fünfzehn Jahren veröffentlichte Oliver Bendel den Artikel „Die kleine Schwester der Filmmusik: Soundtracks für E-Books“. Die Idee war ebenso naheliegend wie ungewöhnlich: Warum sollten Bücher nicht – ähnlich wie Filme – von Musik und Klängen begleitet werden? Passende Soundtracks könnten Atmosphäre schaffen, Emotionen verstärken und das Leseerlebnis bereichern. Die Entwicklung verlief allerdings anders als erwartet und erhofft. Zwar entstanden Projekte wie Booktrack, die Musik, Geräusche und Töne sogar an die individuelle Lesegeschwindigkeit anpassten. Größere Aufmerksamkeit und eine entsprechende Nachfrage blieben jedoch aus. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf Hörbücher, also ein Medium mit festem zeitlichem Verlauf, bei dem sich Musik wesentlich leichter synchronisieren lässt als beim freien Lesen. Mit generativer KI erhält die Idee nun neue Aktualität. LLMs können den Inhalt eines Buches analysieren, während Audiogeneratoren in Echtzeit eine passende Klangkulisse erzeugen – dynamisch, personalisiert und ohne aufwändig produzierte Soundtracks. Denkbar sind musikalische Motive für Figuren, spezifische Töne für wechselnde Atmosphären oder dezente Geräuschkulissen, die sich dem Lesefortschritt und den Vorlieben des Lesers anpassen. Freilich könnte sich erneut zeigen, dass die meisten Leser gerade die Stille schätzen und ihre eigene Vorstellungskraft keiner musikalischen Interpretation unterordnen möchten. Dennoch könnte die Idee, die vor langer Zeit in die Welt kam, heute unter anderen technischen Voraussetzungen eine zweite Chance erhalten.

Abb.: Soundtracks für Bücher
Wie können soziale Roboter den Alltag in Alters- und Pflegeheimen unterstützen? Dieser Frage gehen Cora Pauli, Samira-Salomé Hüsler und Simone Eicher von der Ostschweizer Fachhochschule in einer aktuellen Studie nach. Im Mittelpunkt steht Moflin, dessen Einsatz in drei Schweizer Alters- und Pflegeheimen aus der Perspektive von Fachpersonen untersucht wurde. Die Autorinnen bezeichnen ihn als Sozial Assistiven Roboter (SAR). Die Ergebnisse zeigen, dass Moflin vielfältig eingesetzt werden kann, etwa zur Beruhigung, Aktivierung und Förderung der Kommunikation. Besonders wichtig war dabei, dass die Fachpersonen selbst entscheiden konnten, wann und wie sie den Roboter einsetzen. Diese selbstbestimmte, personenzentrierte Nutzung sowie die einfache Handhabung von Moflin erwiesen sich als wichtige Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration in den Pflegealltag. Die drei Autorinnen plädieren dafür, soziale Roboter dieser Art nicht anhand starrer Nutzungsszenarien zu bewerten, sondern Fachpersonen aktiv in die Erprobung einzubeziehen. So lassen sich praxisnahe Einsatzmöglichkeiten identifizieren und die Einführung solcher Systeme in der Langzeitpflege besser verstehen. Die Open-Access-Publikation vom 17. Juli 2026 ist verfügbar über link.springer.com/article/10.1007/s00391-026-02616-8.

Abb.: Auch mit Booboo könnte man eine solche Studie durchführen
DeepL wirbt für sich mit dem Spruch „Der präziseste Übersetzer der Welt“. Trifft diese Selbsteinschätzung zu? Das kann man durch Tests schnell selbst herausfinden. Teilweise werden Begriffe völlig falsch übersetzt. So macht DeepL aus dem deutschen Satz „Unser Ansatz in der Tier-Maschine-Interaktion ist ähnlich.“ den englischen Satz „Our approach to human-animal-interaction ist similar.“ – korrekt wäre „Our approach to animal-machine interaction ist similar.“ gewesen. Dadurch gewinnt der Text eine ganz andere Bedeutung, und das Tier, das bei dieser Disziplin im Fokus steht, verschwindet. Aus „She is one of the best-known writers in the world“ wird „Sie ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Welt“. Dies ist auch bei menschlichen Übersetzern und Autoren ein beliebter Fehler, mit dem die Leistung von Mädchen und Frauen geschmälert wird. Korrekt wäre „Sie ist einer der bekanntesten Schriftsteller der Welt.“ oder „Sie gehört zu den bekanntesten Schriftstellern der Welt.“ … In vielen Fällen verwendet DeepL, wie in früheren Tests gezeigt wurde, nicht einmal Standardsprache. Dies ist auch ein Problem bei ChatGPT und Claude. Sie alle verfolgen eine sprachpolitische Agenda, umgesetzt durch Auswahl der Trainingsdaten, Reinforcement Learning from Human Feedback und Alignment bzw. Prompt Engineering. Man kann in den Einstellungen oder durch Prompts vorgeben, dass Standardsprache verwendet wird, doch zumindest bei ChatGPT wird dies oft ignoriert oder erst nach einer Beschwerde im zweiten Anlauf berücksichtigt. Der präziseste Übersetzer der Welt? Davon kann leider keine Rede sein.

Abb.: DeepL beim Halluzinieren von Wörtern (invertierte Darstellung)
„Die große Sommerausstellung zeigt Kunstwerke aus den letzten zehn Jahren, die sich mit den kognitiven, politischen und ökologischen Dimensionen der KI auseinandersetzen. Eine Reihe von Zeitkapseln – kleine Kuriositätenkabinette – verbinden die Gegenwart mit der Vergangenheit.“ Mit diesen Worten wird die Ausstellung „The World Through AI“ in der Frankfurter Schirn angekündigt, die den Besucher mit manchen Objekten, Videos und Installationen erfreut, etwa mit denen von Holly Herndon und Mat Dryhurst, mit vielen Texten aber in einer Weise belehrt und verwirrt, dass man letztlich enttäuscht das Provisorium in Bockenheim – eine alte Druckerei – verlässt. Es fängt damit an, dass künstliche Intelligenz schon in den beiden ersten Räumen vor allem als böse präsentiert wird. Man fragt sich schnell, warum denn eine Ausstellung mit diesem Fokus stattfindet, wenn man so wenig davon hält. Es ist indes nicht nur so, dass vor allem die Risiken und kaum die Chancen thematisiert werden, sondern auch so, dass man anscheinend gar keine andere Meinung duldet. Es wird Behauptung an Behauptung gereiht, ganz und gar erdrückend, doch ohne jeden Beweis. Manche Darstellungen sind ungenau, einige falsch. So wird suggeriert, dass Halluzinationen ein bewusst eingesetztes Werkzeug psychologischer Beeinflussung seien. Tatsächlich sind sie aber unerwünschte Fehler eines KI-Modells, und gezielte Manipulationen sind davon begrifflich und technisch zu unterscheiden. Man hätte sich insgesamt weniger Aktivismus und mehr Expertise gewünscht. Es gibt seit Jahren zahlreiche Ausstellungen zu und mit künstlicher Intelligenz. In Frankfurt wurde eine Chance vertan.

Abb.: Das Ausstellungsplakat vor dem Druckereigebäude
Oliver Bendel hat seit 2012 eine Reihe von Begriffen und Konzepten in die wissenschaftliche Diskussion eingeführt oder wesentlich geprägt, insbesondere in der Maschinenethik, der Sozialen Robotik und der Technikphilosophie. Die Münchhausen-Maschine (Munchausen Machine) bezeichnet eine unmoralische Maschine, die systematisch Unwahrheiten erzeugt oder verbreitet: Der LÜGENBOT (LIEBOT) ist eine konkrete Ausprägung davon. Er ist ein von Bendel konzipierter und prototypisch realisierter Chatbot, der systematisch lügt. Damit wurden die Möglichkeiten, Gefahren und ethischen Implikationen täuschender Dialogsysteme erforscht. Der umgekehrte Cyborg (Reversed Cyborg, Inverted Cyborg) beschreibt das Gegenstück zum klassischen Cyborg: Es werden keine technischen Strukturen in biologische eingefügt, sondern biologische in technische. „Robot Enhancement“ bezeichnet die gezielte Erweiterung und Verbesserung von Robotern durch zusätzliche sensorische, motorische, kognitive oder kommunikative Fähigkeiten und bildet das Gegenstück zum Human Enhancement. Ein Wearable Social Robot ist ein sozialer Roboter, der am Körper getragen oder an der Kleidung befestigt wird und seinen Benutzer durch Kommunikation, Assistenz oder soziale Interaktion im Alltag begleitet. Mit der mythomorphen Gestaltung beschreibt Bendel einen Gestaltungsansatz für Roboter, bei dem nicht Menschen oder Tiere, sondern Figuren aus Mythologie, Fantasy oder Science-Fiction als Vorbilder dienen. Die Animal-Machine Interaction (Tier-Maschine-Interaktion) bezeichnet ein von Bendel nicht erfundenes, aber geprägtes Forschungs- und Anwendungsfeld, das die Interaktion zwischen Tieren und Maschinen systematisch untersucht und dabei sowohl technische als auch ethische Fragestellungen berücksichtigt. Es geht vor allem um die Gestaltung von Maschinen, nicht um die Erforschung von Tieren, bis hin zur Entwicklung tierfreundlicher Maschinen. Dabei spielt auch die Maschinenethik eine Rolle. Die Stellvertretermaschine mit einer Stellvertretermoral ist ein Konzept der Maschinenethik, bei dem eine Maschine von Menschen vorgegebene moralische Regeln stellvertretend ausführt, ohne selbst über Bewusstsein oder Verantwortlichkeit zu verfügen. Weitere wichtige Ansätze in dieser Disziplin sind annotierte Entscheidungsbäume und Moralmenüs.

Abb.: Oliver Bendel in Windisch (Foto: Jork Weismann)
Artificial Life wurde 1994 von Eberhard Schöneburg gegründet, zunächst unter dem Namen Neurotec International Corp. (bereits im Jahr davor war in Deutschland die Neurotec Group bzw. Neurotec GmbH entstanden). 1997 wurde das Unternehmen in Artificial Life umbenannt. Es spezialisierte sich auf Anwendungen der künstlichen Intelligenz, virtuelle Charaktere und mobile Technologien. Zunächst hatte das Unternehmen seinen Sitz in den USA, später verlagerte es den Schwerpunkt nach Hongkong und eröffnete weitere Niederlassungen, etwa in Frankfurt, Berlin und Zürich. Artificial Life entwickelte KI-Agenten, Chatbots und Avatare sowie Software für mobile Endgeräte und positionierte sich früh als Anbieter von Inhalten und Technologien für die damals entstehenden 3G-Mobilfunknetze. Mit der CD-ROM Einstein Alife erschien 1999 eine Lernumgebung, in der ein virtueller Albert Einstein Wissen über Leben und Werk des Physikers aus Ulm vermittelte. Anfang der 2000er-Jahre lancierte Artificial Life außerdem mobile Anwendungen wie die virtuelle Freundin (Virtual Girlfriend). Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Zum Logo der Firma gehörte eine bunte Grafik, die an 3D-Codes erinnerte, die damals allerdings keine Rolle spielten. Immer wieder wurde die Website neu gestaltet. 2003, vor der Einführung der virtuellen Freundin und anderer Plattformen und Produkte, war sie gelb. Eine verpixelte Figur hielt das grafische Element wie einen Zauberwürfel. Das Unternehmen verlor ab 2011 seine Bedeutung und verschwand schließlich vom Markt. Die Zeit war noch nicht reif für seine Ideen gewesen.

Abb.: Die Website von Artificial Life im Jahre 2003
Im Jahre 2004 kündigte das Unternehmen Artificial Life ein Projekt mit dem Namen BotCollege an. Informationen dazu sind nur spärlich vorhanden. Erhalten geblieben ist ein archivierter Screenshot der Website, der einen stilisierten 3D-Campus mit mehreren Gebäuden zeigt. Darunter steht lediglich: „botcollege.com – available soon“. Weder Testberichte noch Pressemitteilungen lassen darauf schließen, dass das BotCollege jemals live ging. Vermutlich blieb es bei einem Konzept oder einem frühen Prototyp. Inhaltlich hätte das BotCollege gut zur damaligen Ausrichtung von Artificial Life gepasst. Das Unternehmen arbeitete ab Mitte der 1990er-Jahre an verschiedenen Projekten mit KI-Agenten, Chatbots und Avataren, darunter Einstein (Einstein Alife), eine Lernanwendung auf einer CD-ROM, die 1999 auf den Markt kam. Der Chatbot war mit einem realistisch aussehenden Avatar verbunden und führte durch Leben und Werk des berühmten Physikers aus Ulm. 2004 kam die Firma mit einem weiteren Produkt in die Schlagzeilen, der virtuellen Freundin (Virtual Girlfriend) für das Handy, für das damals gerade eingeführte 3G-Netz. Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Vielleicht sollte das BotCollege aus demselben Jahr eine Lernumgebung für KI-Agenten sein. Oder eine Lernumgebung mit KI-Agenten, für Menschen, die mit ihnen hätten lernen können. Eigentlich sollte man den Gründer von Artificial Life fragen, also Eberhard Schöneburg persönlich, aber wer möchte schon einen solchen Pionier bei der Arbeit stören. Die Welt zitierte ihn im Jahre 1999 mit den Worten, irgendwann würden „im Internet keine Menschen mehr unterwegs“ sein, „sondern nur noch Bots, die Aufträge ausführen“. „Ob man sich darauf freuen soll?“ (Welt, 19. November 1999)

Abb.: Ein archivierter Screenshot von der Website
Most design is evaluated by how well it solves a problem. But some of the most memorable objects are not designed to maximize efficiency – they are designed to invite a relationship. Oliver Bendel believes this deserves its own name: Relational Object Design. Unlike Emotional Design, which focuses on how a product makes us feel, Relational Object Design focuses on the object itself as a potential relationship partner. Takashi Murakami’s Rumble-kun in a Jar is a beautiful example. The small axolotl-like creature sits quietly inside a transparent jar. It has no function, no movement, and no intelligence, yet it immediately feels alive. Its gentle expression and childlike proportions encourage us to care about it rather than simply look at it. The same philosophy can be found in the work of Yukai Engineering. Products such as Qoobo, Mirumi, and Nekojita FuFu are not primarily tools; they are companions with distinct personalities. Their value lies less in what they accomplish than in the emotional bond they encourage. This perspective also offers an interesting lens on social robotics. Robots such as AIBO, Eiliko, or Paro are often discussed in terms of artificial intelligence and social interaction, but perhaps the deeper question is simpler: what is the minimum amount of design required for a person to perceive an object as a companion? Murakami’s sculpture suggests that the answer may be surprisingly little. Sometimes a peaceful smile is enough.

Fig.: Oliver Bendel’s Rumble-kun in a Jar
Hosting ICSR + AI 2025 at the University of Naples Parthenope’s campus in the Centro Direzionale and ICSR + Art 2026 at London’s Senate House offers an intriguing architectural juxtaposition. The Parthenope building reflects the late twentieth century’s fascination with technology, functionality, and verticality. Its exposed structural elements, metallic cladding, and dramatic symmetry embody the modernist vision of Naples‘ business district, creating an atmosphere that is distinctly contemporary and forward-looking. In contrast, Senate House, completed in 1937, is one of London’s finest examples of Art Deco monumentalism. Designed by Charles Holden, its clean limestone façades, carefully proportioned massing, and restrained ornament express dignity, permanence, and institutional authority. While both buildings share a striking vertical emphasis and a commanding presence within their respective urban settings, they represent different architectural ideals. The Parthenope campus celebrates innovation and technological expression, whereas Senate House conveys intellectual tradition through timeless geometric order and classical monumentality interpreted in a modern idiom. Although the conference venues were, of course, chosen because they are university buildings rather than for their architectural symbolism, it is nevertheless an appealing coincidence that the futuristic setting of ICSR + AI 2025 is followed by the artistic and historic character of Senate House for ICSR + Art 2026. Together, the two venues provide memorable settings for consecutive ICSR conferences, illustrating how academic exchange can unfold in environments that reflect very different architectural visions.

Fig.: The two buildings (Photo on the left: ICSR)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Schweiz verurteilt, weil zwei vegan lebende Männer während ihrer Unterbringung in einem Genfer Gefängnis beziehungsweise einer psychiatrischen Universitätsklinik nicht durchgehend eine vegane Verpflegung erhielten. Das Gericht stellte klar, dass ein aus ethischer Überzeugung praktizierter Veganismus unter den Schutz der Gedanken- und Gewissensfreiheit nach Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention fällt. Es geht dabei nicht darum, den Veganismus als Religion einzuordnen, wie einzelne Medien nahelegten, sondern ihn als ernsthaft vertretene weltanschauliche Überzeugung anzuerkennen. Das Urteil betrifft zwar Einzelfälle, dürfte aber Auswirkungen auf den Strafvollzug und andere staatliche Einrichtungen in ganz Europa haben. Künftig werden Gefängnisse und ähnliche Institutionen stärker begründen müssen, wenn sie keine vegane Verpflegung anbieten. Wie die Verpflegung im Strafvollzug organisiert ist, unterscheidet sich von Land zu Land und teilweise sogar von Anstalt zu Anstalt. In den meisten Schweizer Gefängnissen werden die Mahlzeiten zentral zubereitet und an die Insassen ausgegeben. Eine Besonderheit ist hingegen die JVA Lenzburg. Dort kann man auf seiner Zelle mit einem Gasherd selbst kochen und sich seine Mahlzeiten innerhalb der geltenden Regeln selbst zubereiten. In den Medien überbieten sich die Leser mit unflätigen und unsinnigen Kommentaren, aber ohne Zweifel ist das Urteil zu begrüßen. Wer sich aus einer ethischen Überzeugung heraus vegan ernährt, sollte auch während einer Haft oder einer Unterbringung in einer staatlichen Einrichtung nicht dazu gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln. Religiöse Speisevorschriften werden schon lange respektiert, und es ist daher nur folgerichtig, vergleichbare weltanschauliche Überzeugungen ebenso zu behandeln. Unabhängig davon erscheint es sinnvoll, auch andere nachvollziehbare Ernährungsbedürfnisse zu berücksichtigen. So können Ekelvegetarier und -veganer kein Fleisch, keinen Fisch und keine Tierprodukte zu sich nehmen. Bei einem fehlenden Angebot für sie drohen sie zu verhungern.

Abb.: Das Einheitsessen in einer Kantine
OpenAI has teamed up with Work Louder to introduce the Codex Micro, a compact desktop controller designed for developers who use Codex. The device features customizable mechanical keys, a joystick, a rotary dial, and dedicated Agent Keys that display the live status of AI coding agents through RGB lighting. Users can launch common workflows, trigger frequently used commands, and adjust Codex’s reasoning level directly from the hardware, with every control configurable through the ChatGPT desktop app. The limited-edition device is intended to give developers a more tactile way to interact with Codex while reducing the need to switch between keyboard shortcuts and on-screen controls during everyday coding tasks. It remains to be seen whether this physical interface for AI will find its market and deliver the expected benefits in everyday software development. Further information is available at openai.com/de-DE/supply/co-lab/work-louder/.

Fig.: Codex Micro Desktop Controller (Photo: Screenshot from the YouTube video)
„Nachrückende Generationen“ von Oliver Bendel wurde 2006 geschrieben und 2007 im Leipziger Literaturverlag (Edition ERATA) veröffentlicht. Es ist sozusagen ein Roman über die Generation Y, fast schon die Generation Z. Es tauchen darin mehr oder weniger moderne Phänomene auf, die auch in der Informationsethik behandelt werden, etwa Cyber- und Telefonsex. Der Roman wird dabei an keiner Stelle moralisch, so wie auch die Ethik nicht moralisch werden sollte, außer wenn man aus ihr heraus zur Diskussion anregen und deshalb Position beziehen will. Aus dem Klappentext: „Nelli ist 14. Sie und ihre Freundin Sara gehen ins Café, ins Kino, klauen in einer Boutique. Sie haben Cyber- und Telefonsex, langweilen sich auf Partys und begehen beinahe einen Raubüberfall auf offener Straße. Als Nelli den gleichaltrigen Robert kennenlernt, spürt sie so etwas wie Glück – aber zur gleichen Zeit entgleitet ihr das Leben. Sie und Sara verabreden sich im Chat mit einem Mann, der sie zu Hause fast vergewaltigt. Als Nelli schließlich Robert Gewalt antut, scheint dies für beide das Ende zu sein. Und doch geht es irgendwie weiter, ganz anders, als man vermutet.“ Das Buch ist als Printausgabe vergriffen, kann aber als E-Book über die üblichen Kanäle bezogen werden. Als Hörbuch wurde es von einem Tatort-Schauspieler eingesprochen – dieses Format dürfte allerdings vergriffen sein. 2008 folgte im gleichen Verlag „Künstliche Kreaturen“, 2009 „Verlorene Schwestern“.

Abb.: Das Cover des Romans
Christiane Pöhlmann rezensiert in „Gezählt, nicht erzählt“ (FAZ, 13. Juli 2026) das Prosadebüt „41515 Wörter“ von Vera Martynov. Erschienen ist es in deutscher Sprache (oder besser gesagt, in einer Art deutscher Sprache) im Zeitkind Verlag, der auf der Website von seinen „Autor*innen“ spricht. Er sitzt in Meilen, einem Städtchen am Zürichsee. Laut Teaser wirft das Buch „einige Fragen auf“, „auch was die Übersetzung aus dem Russischen betrifft“ (FAZ, 13. Juli 2026). Diese stammt von Yvonne Griesel, und Pöhlmann, ebenfalls Übersetzerin, findet zunächst klare Worte: „Griesel gendert durchgängig, Martynov wählt generisches Maskulinum.“ Sie fährt fort: „Verzichtet Griesel in Ausnahmen auf den Gender-Doppelpunkt, kriegt die deutsche Variante rasch einen ungewollten Dreh. ‚Der Mensch, Schauspieler oder Zuschauerin, ist in einer schutzlosen Situation und sich dessen selbst oft nicht bewusst.‘ Der Singular in allgemeinen Aussagen ist in diesem Text so selten, dass er etwas Konkretes gewinnt: der aktive Mann (Schauspieler), die passive Frau (Zuschauerin). Die Autorin nutzt auch an dieser Stelle das Maskulinum …“ (FAZ, 13. Juli 2026). Eine solche Neubewertung oder Abwertung kennt man von anderen Fällen misslungener Zuschreibungen und Übersetzungen. Diesem Beispiel entnimmt man aber auch, dass die Übersetzerin durchgängig einen „Gender-Doppelpunkt“ benutzt, was erstaunen muss, denn im Wortinneren sind Sonder- und Satzzeichen ausgeschlossen (Leerzeichen übrigens auch). Man wundert sich deshalb, warum Pöhlmann zuvor meint, „die deutsche Fassung“ sei „gut“, um gleich wieder einzuräumen, dass sie „neuen Diskussionsstoff“ gibt „für eine Frage, die seit einiger Zeit diskutiert wird“ (FAZ, 13. Juli 2026) – eben das Gendern, in diesem Falle das „Gendern hardcore“. Nun dürfte unter Literaturliebhabern und unter seriösen Germanisten und Linguisten unbestritten sein, dass man Originaltexte nicht verfälschen darf, weder durch Anpassungen noch durch Übersetzungen solcher Art. Tatsächlich verbreiten sich diese Formen der Suggestion und Manipulation aber, ohne dass ihnen die gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird. In der deutschen Übersetzung von „What we can know“ von Ian McEwan wird zwar kein Genderzeichen verwendet, aber durch ein „Gendern light“ der Text sinnentstellt. Diogenes, einst ein renommierter Verlag, sitzt in Hottingen, einem beschaulichen Stadtteil von Zürich. Auf seiner Website spricht er von seinen „Leser:innen“ und rühmt sich seiner „Bestsellerautor:innen“. Die Feuilletons der Zeitungen, sofern es sie noch gibt, sollten sich dieser Problematik zuwenden und auf den Schaden aufmerksam machen, der für Literatur und Sprache bereits entstanden ist.

Abb.: Nicht gegenderte Texte aus dem Diogenes Verlag
Humanoid robots are becoming increasingly convincing conversational partners, but can they also become good storytellers? This intriguing question will be explored at New Scientist Live 2026 in London during the Family session „Science Bites: Why are robots bad story tellers?“ on October 10 from 12:40 to 1:20 p.m. Computer scientist Dr. Carl Strathearn and lecturer and computer scientist Emilia Sobolewska will present their two AI-powered humanoid robots, Euclid and Moira, and let them engage in a live conversation. While today’s AI systems can generate impressive text, storytelling remains a difficult challenge because compelling narratives require contextual understanding, shared knowledge, creativity, and the ability to connect ideas in meaningful ways. During the demonstration, the two robots will exchange thoughts and ideas, and the audience may even witness them gradually drifting into hallucinations and constructing a shared fantasy world. The researchers hope that these spontaneous interactions could offer new insights into how imagination and creativity might emerge in autonomous AI systems. Euclid has already attracted considerable attention this summer as one of the highlights of the 18th International Conference on Social Robotics (ICSR + Art 2026) in London, where visitors were able to interact directly with the advanced humanoid robot. Developed by Carl Strathearn and Emilia Sobolewska, Euclid combines automatic speech recognition, computer vision, generative AI, skin sensors, and an innovative robotic mouth that produces highly realistic speech movements through machine learning. Unlike many famous humanoid robots with idealized faces, Euclid deliberately represents an older man with deeply lined features, challenging established design conventions while emphasizing authenticity, diversity, and natural human interaction. The upcoming New Scientist Live session now offers another opportunity to experience Euclid in action, this time in an experiment that explores one of the most fascinating frontiers of artificial intelligence: whether machines can move beyond generating language and begin creating genuinely imaginative stories together.

Fig.: Euclid at ICSR + Art 2026
Oliver Bendel hat der Tagespost ein Interview zu Pflegerobotern gegeben. Der Artikel „Roboter gegen den Pflegenotstand“ von Sina Hartert erschien am 11. Juli 2026. Der in Zürich lebende Technikphilosoph forscht seit 2012 zu Pflegerobotern. Er richtete 2017 für die Daimler und Benz Stiftung den Ladenburger Diskurs zu Pflegerobotern aus. Die Teilnehmer waren Autoren des 2018 erschienenen Herausgeberbands „Pflegeroboter“ – bis zum Juli 2026 erzielte er über 574.000 Accesses auf Springer Nature Link. Im Jahre 2019 führte Oliver Bendel für die Daimler und Benz Stiftung das Berliner Kolloquium zum Thema durch. Mit dabei waren u.a. Michael Anderson und Susan Leigh Anderson, zwei Maschinenethiker aus den USA, Florian Coulmas, ein Japanexperte, und Armin Grunwald, Technikphilosoph aus Deutschland. Moderator war Christoph Keller von SRF. 2021 erschien der Herausgeberband „Soziale Roboter“ – bis zum Juli 2026 erreichte er über 415.000 Accesses auf Springer Nature Link. 2022 entwickelte Marc Heimann nach den Ideen von Oliver Bendel ein Moralmenü für einen Pflegeroboter. Der Patient kann seine moralischen und sozialen Vorstellungen mit Hilfe von Schiebereglern auf die Maschine übertragen. Oliver Bendel glaubt nicht, dass Roboter ein Mittel gegen den Pflegenotstand sind. Sie können aber Pflegekräfte und Pflegebedürftige unterstützen, sowohl als soziale Roboter als auch als Assistenzroboter. Der Artikel in der Tagespost kann über www.die-tagespost.de/leben/wirtschaft/roboter-gegen-den-pflegenotstand-art-276741 aufgerufen werden.

Abb.: Christoph Keller und Oliver Bendel beim Berliner Kolloquium (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
The Victory sign (V sign) first gained worldwide recognition during World War II as a symbol of victory before becoming the iconic gesture of the hippie movement, representing peace. Since then, it has become part of popular culture, appeared in business settings, and today remains a favorite pose among many people in Generation Z. One detail matters, especially in the UK: with the palm facing outward, the gesture means victory or peace. With the back of the hand facing outward, however, it is considered an offensive gesture. At ICSR + Art 2026 in London, Oliver Bendel (Generation X, FHNW School of Business) and Jana Figge (Generation Z, Hochschule Ruhr West) celebrated their presentations on social robots with the same gesture. Across generations, the Victory sign expressed shared success, relief, and the pleasure of seeing their work received with genuine interest by the research community. Do humanoid robots use the Victory sign as well? They certainly can perform expressive hand gestures, but a widely documented example of a robot intentionally using the V sign as a social gesture is surprisingly hard to find. Perhaps that is a small challenge for the next generation of social robots.

Fig.: Oliver Bendel and Jana Figge at ICSR + Art 2026 (Photo: Hooman Samani)
Im Jahre 1999 wechselte Oliver Bendel von einem Institut in Trier an die Universität St. Gallen, auf eine Stelle als Projektleiter und Doktorand. Zunächst wollte er seine Arbeit über Lern- und Wissensportale schreiben. Schnell entschied er sich aber für ein anderes Thema. Seit jeher hatten es ihm Chatbots, Sprachassistenten und soziale Roboter angetan. Einige kannte er aus der Science-Fiction, einige auch aus eigener Anschauung und Anwendung. Faszinierend waren nicht nur die Dialogsysteme selbst, mit denen er bereits seit 1996 experimentierte, sondern auch die Visualisierungen und Verkörperungen. Er widmete sich pädagogischen Agenten, also Chatbots, Sprachassistenten und KI-Agenten in Lernumgebungen. Auch Systeme mit Emotionserkennung waren im Blick und erste soziale Roboter. Der Firma Artificial Life widmete er mehrere Seiten. Sie war ab 1999 mit Einstein (Albert Einstein Alife) bekannt geworden, einer Lernanwendung auf einer CD-ROM. Der Chatbot war mit einem realistisch aussehenden Avatar verbunden und führte durch das Leben und die Arbeit des berühmten Physikers aus Ulm. Anfang des neuen Jahrtausends kam die Firma mit einem weiteren Produkt in die Schlagzeilen, der virtuellen Freundin (Virtual Girlfriend) für das Handy, für das damals gerade eingeführte 3G-Netz. Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Unter v-girl.com war sie jahrelang zu erreichen. Etliche Firmen hatten bereits Erfahrungen damit gesammelt, dass Benutzer die Chatbots mit ihren Avataren umwarben, sie fragten, wie alt sie sind, ob sie einen Freund haben, ob sie Interesse an einer Beziehung haben. Artificial Life setzte nun genau auf diese Beziehung und schuf ein ebenso visionäres wie problematisches Artefakt, darauf ausgelegt, weitgehende Abhängigkeit in einer einseitigen Beziehung herzustellen. Solchen Themen widmete sich Oliver Bendel dann in zahlreichen Artikeln und Buchbeiträgen. 2020 erschien sein Buch „Maschinenliebe“ bei Springer Gabler. Es fasste den damaligen Stand der Forschung zu Chatbots, Liebespuppen und Sexrobotern zusammen.

Abb.: Das Virtual Girlfriend im Jahre 2004 (Bild: Screenshot der Website von Artificial Life)