Wenn die Moral die Kunst verhüllt

Die Forderung der Alternativen Linken (der vormaligen Alternativen Liste), die 130 Jahre alten Holzfiguren im Zürcher Schulhaus Hirschengraben zu verhüllen, weil diese rassistisch seien, zeigt eine ikonoklastische Tendenz. Was heutigen moralischen Vorstellungen nicht entspricht, soll dem Blick entzogen werden. Dabei handelt es sich um kunstvoll geschnitzte, farbig gefasste Figuren, die von handwerklichem Können zeugen und als Teil der historischen Architektur der Schweiz ein wertvolles Kulturgut darstellen. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie kam zudem zum Schluss, dass die verschiedenen Völker gleichwertig dargestellt werden und die Figuren nicht rassistisch seien. Die germanischen Köpfe sind nicht weniger pointiert als die indischen oder afrikanischen. Doch selbst wenn man heute ihre Bildsprache kritisch beurteilen mag, rechtfertigt dies nicht ihre Verhüllung. Solche Kunstwerke sind Zeugnisse ihrer Entstehungszeit und keine moralischen Bekenntnisse unserer Gegenwart. Eine aufgeklärte Gesellschaft sollte sie nicht verhüllen, sondern betrachten, verstehen und einordnen können. Gerade eine Schule sollte das Hinsehen lehren, nicht das Wegsehen. Die Bilderstürmer der AL sind aus der Zeit gefallen.

Abb.: Das Schulhaus Hirschengraben (Foto: Roland zh/Wikimedia, CC BY-SA 3.0)