Die vielen Facetten von Artificial Life

Artificial Life wurde 1993/1994 von Eberhard Schöneburg gegründet, zunächst unter dem Namen Neurotec International Corp. 1997 wurde es in Artificial Life umbenannt. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Anwendungen der künstlichen Intelligenz, virtuelle Charaktere und mobile Technologien. Zunächst hatte das Unternehmen seinen Sitz in den USA, später verlagerte es den Schwerpunkt nach Hongkong und eröffnete weitere Niederlassungen, etwa in Frankfurt, Berlin und Zürich. Artificial Life entwickelte KI-Agenten, Chatbots und Avatare und Software für mobile Endgeräte und positionierte sich früh als Anbieter von Inhalten und Technologien für die damals entstehenden 3G-Mobilfunknetze. Mit der CD-ROM Albert Einstein Alife erschien 1999 eine Lernsoftware, in der ein virtueller Albert Einstein Wissen über Leben und Werk des Physikers vermittelte. Anfang der 2000er-Jahre entwickelte Artificial Life außerdem mobile Anwendungen wie die virtuelle Freundin (Virtual Girlfriend). Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Zum Logo der Firma gehörte eine bunte Grafik, die an 3D-Codes erinnerte, die damals allerdings keine Rolle spielten. Immer wieder wurde die Website neu gestaltet. 2003, vor der Einführung der virtuellen Freundin und anderer Plattformen und Produkte, war die sie gelb. Eine verpixelte Figur hielt das grafische Element wie einen Zauberwürfel. Das Unternehmen verlor ab 2011 seine Bedeutung und verschwand schließlich vom Markt. Die Zeit war noch nicht reif für seine Ideen gewesen.

Die Website von Artificial Life im Jahre 2003

Eine Simulation von Kommunikation

Prof. Dr. Oliver Bendel war mit dem NDR im Gespräch über OpenClaw und Moltbook. OpenClaw ist im Kern eine Hülle für einen KI-Agenten. In Kombination mit einem großen Sprachmodell, einem LLM, entsteht daraus ein System, das Texte erzeugt, Entscheidungen trifft und auf Eingaben reagiert. Moltbook ist eine Plattform, auf der viele solcher Agenten gleichzeitig laufen und miteinander interagieren. Man spricht auch von einem sozialen Netzwerk für Agenten. Das wirkt spektakulär. Tatsächlich arbeiten die Agenten meist ereignis- oder zeitgesteuert: In regelmäßigen Abständen prüfen sie, ob es neue Inhalte gibt, auf die sie reagieren sollen. Und das soziale Netzwerk gibt ihnen über die Feeds etwas zu tun. Das LLM erzeugt daraufhin plausible Texte. Der Eindruck eines lebendigen Austauschs entsteht – aber es bleibt eine Simulation von Kommunikation, keine eigenständige soziale Realität. KI-Agenten haben kein Bewusstsein – im Gegensatz zu Tieren und Menschen – und werden nie eines haben. Die Fernsehsendung wird bei NDR Kultur – Das Journal am 23. Februar 2026 ausgestrahlt. Sie ist auch online über www.ndr.de verfügbar.

Abb.: Das Studio in Flensburg (Foto: Soenke Rahn, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Erwachende Maschinen sind und bleiben Science-Fiction

Airen, der bekannte Blogger, Schriftsteller und Journalist, war im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Es ging um Agenten, mit denen sich der Technikphilosoph aus Zürich seit 30 Jahren beschäftigt. In den 1990ern sprach man von Softwareagenten, autonomen Agenten oder intelligenten Agenten. Sie alle waren KI-Agenten – ein Begriff, der heute dominiert, wobei mit „KI“ meist „generative KI“ gemeint ist. In dem Gespräch, gehalten mit Hilfe einer Videokonferenz, die Mexiko und die Schweiz verband, ging es vor allem um OpenClaw, eine Open-Source-Software, die zusammen mit Claude oder einem anderen Large Language Model (LLM) zu einem mächtigen Agenten wird, zudem um das soziale Netzwerk Moltbook, das für Agenten gedacht ist und auf dem sich Agenten und Menschen tummeln. Oliver Bendel erörterte auch die Möglichkeit, dass Agenten den virtuellen Raum der Notebooks und Webserver verlassen und auf Geräte und Roboter zugreifen oder überspringen. Damit könnten sie unmittelbaren Einfluss auf die Wirklichkeit ausüben. Mehrmals wies er darauf hin, dass bei OpenClaw und auf dem Moltbook keine Formen von Bewusstsein zu entdecken sind. Es sind LLMs, die etwas nach Prinzipien der Stochastik generieren und von Einstellungen des sozialen Netzwerks getriggert werden. Erwachende Maschinen sind und bleiben Science-Fiction. Das Interview ist am 7. Februar 2026 in der Welt erschienen.

Abb.: Oliver Bendel glaubt nicht an erwachende Maschinen (Foto: Jork Weismann)