Deutsch als Wissenschaftssprache

Deutsch war einst eine wichtige Wissenschaftssprache. Wie auch Französisch. Und – davor – Latein. Englisch kam (bzw. war schon da), sah (was auch immer) und siegte (über Deutsch und Französisch, während Latein schon am Boden lag). Wer als deutschsprachiger Wissenschaftler deutsche Publikationen in einem Paper zitiert, wird von Gutachtern, den Reviewern, schnell zurechtgewiesen. Man kapitulierte vor dem Sprachimperialismus und nahm den Linguizismus einfach hin. 2022 begann der Siegeszug der Large Language Models (LLMs). Bereits Jahre zuvor hatten diese von sich reden gemacht, etwa im Zusammenhang mit humanoiden Robotern wie Harmony, aber OpenAI schuf mit der Bereitstellung von ChatGPT eine neue Ausgangslage. Heute gibt es viele LLMs, und während ihr Deutsch nicht immer zufriedenstellend ist, ist es ihr Englisch durchaus. Auch die Übersetzung vom Deutschen ins Englische ist bei wissenschaftlichen Texten meist problemlos. Damit stellt sich die Frage, ob Deutsch als Wissenschaftssprache nicht zurückkehren könnte. Viele Geisteswissenschaftler veröffentlichen nach wie vor in dieser Sprache und können sich in ihr anders als im Englischen präzise und korrekt ausdrücken. Eigentlich könnte der Linguizismus nun enden. Jeder Wissenschaftler könnte wieder in seiner Muttersprache schreiben, und es wäre jedem anderen Wissenschaftler zuzumuten, seine Texte in die eigene Muttersprache (oder eben ins Englische) zu übersetzen. Das wird vermutlich nicht geschehen – der Sprachimperialismus hat längst die Machtverhältnisse geändert. DAAD und Goethe-Institut setzen sich zwar für die deutsche Sprache in der Wissenschaft ein, letzteres aber eher für eine Karikatur davon, wenn man sich seine Website anschaut („Deutsch Sprechen Online. … Üben Sie mit Muttersprachler*innen in online live Sessions Deutsch zu sprechen!“). Deutsch scheint also für die Wissenschaft verloren. Dennoch könnten Gutachter heutzutage etwas großzügiger in dieser Hinsicht sein.

Abb.: Die Humboldt-Box in Berlin

Neue Leiterin der Duden-Redaktion

Dr. Kathrin Kunkel-Razum, die seit 2016 Leiterin der Duden-Redaktion war, ist Ende 2024 in den Ruhestand getreten. Ihre Nachfolgerin wurde Dr. Laura Neuhaus, ihre bisherige Stellvertreterin. Kunkel-Razum habe, wie das Übersetzerportal UEPO.de schreibt, den Duden-Verlag nach der Übernahme durch Cornelsen, der Zerschlagung der Mannheimer Redaktion und dem Neuaufbau in Berlin „zu einer Art Zentralverlag“ der „Religion of Wokeness“ umgebaut, worunter auch „Struktur und Inhalt des Wörterbuchs“ gelitten hätten (UEPO.de, 25. Dezember 2024). In der Tat ist der Online-Duden heute kaum noch brauchbar. So wird das generische Maskulinum entgegen linguistischen Erkenntnissen als Form aufgefasst, die ausschließlich männliche Personen bezeichnet. Die Bedeutung von „Bewohner“ gibt der Duden an mit „männliche Person, die etwas bewohnt“. In den anschließenden Beispielen wird diese Erklärung als falsch entlarvt, denn „die Bewohner des Hauses, der Insel“ sind eindeutig generisch zu verstehen. Ob die Nachfolgerin zu einer wissenschaftlichen Sicht auf die Sprache zurückkehrt und das Normative zugunsten des Deskriptiven zurücknimmt, wird die Zukunft zeigen.

Abb.: Ein Duden aus Papier