Venezianische Glocke mit lebendigem Schlegel

Die Biennale Arte 2026 findet vom 9. Mai bis 22. November 2026 in den Giardini, im Arsenale und an weiteren Orten in Venedig statt. Zu den kontrovers diskutierten Beiträgen gehört der österreichische Pavillon von Florentina Holzinger mit der Installation „Seaworld Venice“. Zu jeder vollen Stunde klettert eine nackte Performerin an einem Seil hoch in die Glocke, hängt anschließend kopfüber darin und wird so selbst zum lebendigen Schlegel. Zu sehen sind ihr Oberkörper und ihr Kopf. Es ist ein Verweis auf die historische Funktion venezianischer Kirchenglocken als Signalgeber für Gefahr, Hochwasser oder politische Ereignisse. Sicherlich ist es auch die weithin sichtbare Darstellerin, die die Scharen anlockt, und nicht nur die mediale Berichterstattung. Im Inneren des Pavillons setzt sich die Auseinandersetzung mit Wasser und Körper fort. In einem Schautauchbecken liegt eine nackte Performerin in aufbereitetem menschlichem Urin, der laufend von Besuchern in einem Dixi-Klo gespendet wird, während in einem gefluteten Ausstellungsraum eine nackte Performerin auf einem Jetski ihre Runden dreht, bis die Besucher nass werden von der Gischt. Trotz der auf Aktivismus gründenden und auf Effekt setzenden Elemente erreicht Holzingers Beitrag eine hohe künstlerische Qualität und zählt zu den Highlights der Biennale 2026.

Abb.: Die Performerin steigt in die Glocke