Interessenkonflikte bei Innosuisse?

Innosuisse ist die Innovationsagentur des Bundes in der Schweiz und verfügt über ein Jahresbudget von rund 300 Millionen Franken. Mit diesen öffentlichen Geldern fördert sie Unternehmen, Start-ups und Forschungsprojekte. Eine Recherche von RTS/SRF zeigt nun, dass ausgerechnet Personen aus den Leitungsgremien der Agentur direkt oder indirekt mit Unternehmen verbunden sind, die selbst Innosuisse-Fördergelder erhalten haben. Das wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten und der Kontrolle der Förderentscheide auf. Laut der Recherche gingen rund 20 Förderzahlungen an Unternehmen, die mit Personen aus den Leitungsgremien von Innosuisse verbunden sind. In einem Fall bekamen mehrere Unternehmen eines Mitglieds des Innovationsrats allein 2021 insgesamt rund eine Million Franken. Besonders problematisch erscheint die Entscheidungsstruktur: Über Fördergesuche entscheiden teilweise Gruppen von lediglich drei bis fünf Personen. RTS fand Fälle, in denen ein Mitglied an Beratungen über Projekte eines anderen Mitglieds beteiligt war, während dieses in den Ausstand trat. Später waren die Rollen vertauscht. Innosuisse betont, seine Regeln zu Interessenkonflikten seien dabei eingehalten worden. Auch Innosuisse-Präsident André Kudelski steht im Fokus. Er präsidiert zugleich den Verwaltungsrat von Montreux Media Ventures, das 440.000 Franken Innosuisse-Fördergelder einstreichen konnte. Die Agentur sieht darin keinen Interessenkonflikt, da der Verwaltungsrat nicht über einzelne Fördergesuche entscheidet. Ein von SRF befragter Governance-Experte beurteilt dies anders. Die Recherche belegt keine unrechtmäßige Vergabe. Sie wirft jedoch die grundsätzliche Frage auf, ob Ausstandsregeln und Aufsicht genügen, wenn Personen in den Entscheidungsgremien zugleich vom Fördersystem profitieren können.

Abb.: Innosuisse sitzt in Bern

Chatbots for Inmates

Insassen in Schweizer Justizvollzugsanstalten haben nur begrenzten Zugang zu digitalen Technologien und wenig Kontakt zur Außenwelt. Zugleich verbringen sie jeden Tag einige Stunden in ihren Zellen. Das Projekt „Chatbots for Inmates“ (Kurztitel) will hier ansetzen: Ein LLM-basierter Chatbot soll als virtueller Buddy dienen, der Gespräche ermöglicht, Einsamkeit vermindert sowie soziale und digitale Kompetenzen stärkt. Das Projekt wurde von Tamara Siegmann, Gründerin des Start-ups SIEG – Smart Innovation Engineering Group by Siegmann und Studentin an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, initiiert. Sie ist Projektleiterin, Prof. Dr. Oliver Bendel Projektverantwortlicher, Stephan Vonschallen Projektmitarbeiter. Anwendungspartner ist die JVA Lenzburg mit ihrem Direktor Marcel Ruf. Der Chatbot soll offline auf Tablets der Gefangenen laufen. In einer Pilotphase wird die Lösung zunächst auf 2 oder 3, später auf 30 Tablets getestet. Es wird untersucht, ob ein digitaler Gesprächspartner das Wohlbefinden der Insassen verbessert und sie beim Aufbau von Kompetenzen für die Zeit nach der Haft unterstützt. Das Projekt hat am 1. März 2026 begonnen und wird durch einen Innovationsscheck von Innosuisse und das Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW unterstützt. Bereits 2024 haben Tamara Siegmann und Oliver Bendel ein Projekt zu Schweizer Gefängnissen durchgeführt und untersucht, ob man dort kollaborative und soziale Roboter einsetzen kann und soll. Das Paper kann hier heruntergeladen bzw. erstanden werden.

Abb.: Tamara Siegmann mit dem LLM-basierten Roboterkopf Furhat