Das Schweizer Onlinemagazin Republik mit Sitz in Zürich sieht sich gerne als moralische Instanz. Es belehrt Unternehmen und Institutionen über den richtigen Umgang mit Daten, über Verantwortung und Transparenz. Nun räumte es am 15. Oktober 2026 in einem Artikel ein, dass Unbekannte über zwei Monate hinweg Zugriff auf eine Kopie seiner Datenbank hatten. Betroffen sind sämtliche aktiven und ehemaligen Benutzer, darunter Newsletter-Abonnenten. Abgeflossen sind Namen, E-Mail-Adressen und weitere persönliche Angaben. Auch die Zuordnung anonymer Kommentare zu ihren Verfassern war möglich. Im schlimmsten Fall könnten rund 2300 Personen identifiziert werden. Besonders brisant ist, dass die Sicherheitslücke seit dem 6. August bekannt war und ein Update bereitstand. Die Republik hatte es jedoch versäumt, die Sicherheitswarnungen des Herstellers zu abonnieren und automatische Prüfungen einzurichten. Der Angriff wurde erst am 14. Oktober bemerkt. Das Medium, das anderen regelmäßig erklärt, wie sie mit sensiblen Informationen umzugehen haben, hatte die eigenen Systeme nicht im Griff. Bemerkenswert ist auch die Sprache, in der die Republik über den Fall berichtet. Bereits im Vorspann heißt es: „Es sind Nutzerinnendaten, aber keine Kreditkarteninformationen abgeflossen.“ Das ist irreführend, denn selbstverständlich sind auch Daten männlicher Benutzer abgeflossen. Das vermeintliche generische Femininum, das in dieser Form gar nicht existiert, produziert hier eine Falschinformation. Im Artikel selbst ist von den „Angaben aller unserer Nutzerinnen“ die Rede, zu denen die „aktiven Verleger“ gezählt werden. Der Widerspruch könnte kaum deutlicher sein. Schon in einem früheren Beitrag wurde auf solche Falschnachrichten und -informationen durch Gendersprache hingewiesen und dabei die Republik als Beispiel angeführt. Vier Jahre später hat sich offenbar wenig geändert. Die moralische Haltung wird bis in Orthografie und Grammatik hinein demonstriert, während die journalistische Kompetenz auf der Strecke bleibt. Dabei wäre gerade bei einer Mitteilung über ein schwerwiegendes Datenleck sprachliche Genauigkeit geboten. Die Schweiz bräuchte dringend seriöse linke Stimmen – doch eine Simulation des Journalismus gefährdet nicht nur die Glaubwürdigkeit der Medien, sondern auch die Standfestigkeit der Demokratie.
Was für die einen das Kreuzworträtsel ist, ist für die anderen das Zählen von Rechtschreib- und Grammatikfehlern in Zeitungen. In der einst so sprachsicheren FAZ findet man kaum noch fehlerfreie Teaser und Überschriften. Und auch die Texte lassen immer mehr zu wünschen übrig. Über Deklinationsfehler und Fehler bei Zusammen- und Getrenntschreibung wurde schon berichtet, ebenso über andere Fehler bei der Wortbildung. Eine weitere besprochene Kategorie waren redundante Geschlechtsspezifizierungen. In der Ausgabe vom 9. April 2026 hieß es über Averil Cameron: „Die Pionierin inspirierte ganz besonders ihre weiblichen Kolleginnen.“ Ein weiteres Beispiel für Fehler bei Zusammen- und Getrenntschreibung findet sich in der FAZ vom 8. August 2026. Die Überschrift in der Vorschau der Rubrik „Schneller schlau“ lautet „Was kostet eine KI Umfrage?“. Wenn man auf den Artikel selbst geht, wird das Fragezeichen weggenommen, der Fehler aber belassen. Die Komposita sind im Folgenden richtig geschrieben, wie bei „KI-Modelle“ und „KI-Chatbots“ (wobei alle Chatbots auf KI basieren). Womöglich ist also nicht der Autor für den Kopplungsfehler verantwortlich, sondern der Praktikant, der die Überschrift ins System getippt hat. Ferner wird der Name der Firma OpenAI nicht richtig geschrieben, was sich in vielen Medien findet – man will den Schreibweisen der Hersteller nicht folgen, und so wird aus „OpenAI“ einfach „Open AI“, aus „ChatGPT“ wird „Chat GPT“. Aber warum sollte das richtiger sein? Zu den Rechtschreibfehlern kommen Rechenfehler. Für diese sind aber andere zuständig.
Über einen der größten Medienskandale im Nachkriegsdeutschland hat Greta Zieger in der FAZ vom 27. März 2025 einen deutlichen, wenngleich immer noch freundlichen Artikel geschrieben. Sie kommt zum Urteil, dass der Verursacher der Kritik ausweichen will. Und diese schlägt ihm massiv entgegen. Aber worum geht es überhaupt? Florian Rötzer hat Telepolis im Jahre 2016 mitgegründet und war der langjährige Chefredakteur des Onlinemagazins. Man war früher dran als viele andere deutsche Medien und hat Lücken gefüllt, die diese belassen haben. Dabei war der eine oder andere Artikel auch schlampig geschrieben und mäßig recherchiert. Dennoch blieb Telepolis viele Jahre lang eine wertvolle Lektüre und eine ideale Ergänzung zu Golem – das eine Magazin auch politisch interessiert, das andere vor allem technisch versiert. Harald Neuber, Chefredakteur seit 2021, verkündete 2024 eine „Qualitätsoffensive“. Er ließ 70.000 Artikel löschen und vernichtete damit das Lebenswerk von Florian Rötzer und die Arbeit von hunderten engagierten, kompetenten Autoren, unter ihnen viele Wissenschaftler und Aktivisten. Sie wurden nicht einmal informiert und mussten sich von Studenten oder Kollegen sagen lassen, dass ihre Texte nicht mehr zugreifbar waren. Wer wollte, brachte das Entfernte über das Internet Archive wieder zum Vorschein. Doch die reguläre, übrigens auch bezahlte Publikation war weg. Rötzer wurde in einem Interview vom 13. Dezember 2024 für die Junge Welt deutlich: „Diese riesige Löschaktion ist ein beispielloser Akt, mit dem ein wichtiges Stück des kulturellen Gedächtnisses ausradiert wird“. „Fast noch ungeheuerlicher sei aber die Ankündigung, man werde die Inhalte sichten und selektieren oder sogar korrigieren.“ (Junge Welt, 3. Dezember 2024) Am Ende des Artikels kommt Thomas Moser zu Wort, der Verfasser von zahlreichen Telepolis-Artikeln über den NSU-Komplex. Er bezichtigt Neuber, ein „einst kritisches, meinungsstarkes und auf seine Weise einmaliges Medium“ (Junge Welt, 3. Dezember 2024) zu zerstören.
Abb.: Ein Sonderheft von 2005 (Wikimedia, Heise Gruppe, CC BY-SA 3.0 DE)