Preisgekrönte Schülerzeitung zwischen Offsetdruck und Computereinsatz

Am 21. Dezember 1984 berichtete die Südwest Presse über einen Erfolg der Schülerzeitung Kaktus des Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasiums in Ulm. Beim Landeswettbewerb der baden-württembergischen Schülerzeitungen hatte man den dritten Platz erreicht und erhielt ein Preisgeld von 300 DM. Die Chefredakteure waren Thomas Baumann, Gernot Knödler, Oliver Bendel und Stefan Faßbinder. Technisch befand sich der Kaktus in einer interessanten Übergangszeit. Die Redaktion hatte sich bewusst von einer damals vergleichsweise neuen Technik verabschiedet: Statt die Zeitung weiterhin mit dem Kopierer zu vervielfältigen, ließ sie ihre Ausgaben wieder drucken. Das Ergebnis war qualitativ besser, und auch der Herstellungsprozess hatte einen besonderen Reiz. Die Verantwortlichen besuchten die Druckerei und konnten miterleben, sehen, riechen und riechen, wie aus ihren Vorlagen eine Zeitung entstand. Bei entsprechend hohen Auflagen rechnete sich das Drucken schließlich auch finanziell. Gleichzeitig hielt jedoch bereits die nächste technische Neuerung Einzug. Die Redaktion begann, elektronische Textverarbeitung für die Gestaltung der Artikel einzusetzen. Besonders auffällig war der Blocksatz, der Mitte der 1980er-Jahre bei Schülerzeitungen eine absolute Ausnahme war. Die Lehrer rätselten darüber, wie die Redaktion dies zustande brachte. Das Geheimnis war eine elektronische Schreibmaschine von Canon, die Oliver Bendel in jenem Jahr für ca. 700 DM erstanden hatte. Sie konnte eine ganze Seite speichern und den Text anschließend formatieren. So trafen beim Kaktus innerhalb kurzer Zeit drei Generationen der Medienproduktion aufeinander, nämlich Kopierer, klassische Druckerei und elektronische Textverarbeitung. Dieser Wechsel zwischen alter und neuer Technik macht die Geschichte der Schülerzeitung aus heutiger Sicht bemerkenswert. Zur selben Zeit erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt. Das Layout fand in einem eigens angemieteten Haus bei Neu-Ulm statt. Es waren Wochenenden mit lauter Musik, überbordender Kreativität und jugendlicher Leidenschaft.

Abb.: Thomas Baumann, Gernot Knödler, Oliver Bendel und Stefan Faßbinder (von links nach rechts) (Foto: SWP)

Eine ausgezeichnete Schülerzeitung

Die Schülerzeitung Kaktus des Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasiums in Ulm wurde im Herbst 1981 gegründet. Sie entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im schulischen Leben, auch wenn es kaum Rückmeldungen auf die Artikel gab. Beim Landeswettbewerb der baden-württembergischen Schülerzeitungen belegte der Kaktus den dritten Platz und erhielt einen Geldpreis in Höhe von 300 DM, gestiftet vom Kultusministerium in Stuttgart. Die Auszeichnung würdigte sowohl die inhaltliche Qualität als auch das gestalterische Erscheinungsbild der Zeitung. Zu den prägenden Köpfen zählten die Chefredakteure Thomas Baumann, Gernot Knödler, Oliver Bendel und Stefan Faßbinder. Unter ihrer Leitung verstand sich der Kaktus als unabhängige Schülerzeitung, die Themen aus Schule, Politik und Gesellschaft kritisch aufgriff und dabei bewusst unterschiedliche Meinungen zuließ. Auch Lyrik und Prosa wurden abgedruckt, umso mehr, als Oliver Bendel nach dem Schulabschluss der Kollegen die Chefredaktion übernahm. Die Redaktion arbeitete mit einem festen Mitarbeiterstamm und legte großen Wert auf Layout und Illustration. Die Zeitung wurde in einem eigens angemieteten Haus in Illerberg bei Neu-Ulm erstellt, ab 1984 auch mit Hilfe der elektronischen Schreibmaschine von Oliver Bendel, die eine Seite speichern konnte und Blocksatz ermöglichte. Rebecca Antoniadou und Johannes Pietschmann gehörten zu den Zeichnern. Manche Auflagen wurden kopiert, andere im Offset-Verfahren gedruckt. Vor dem Kaktus gab es den Abacus, nach dem Kaktus u.a. die Crumbs.

Abb.: Ein Cover des Kaktus, gezeichnet von Johannes Pietschmann