Ein Haiku als Klingelton

Artmafia, eine Oltener Kunstbewegung rund um das Handy in den 2000er- und 2010er-Jahren, hat im November 2009 mehrere Handyhaikus von Oliver Bendel veröffentlicht. Die Gedichte waren als Bildtafeln umgesetzt und konnten über einen Premium-SMS-Dienst heruntergeladen werden. Ab 2010 gab es sie auch als Klingeltöne. Eingesprochen worden waren sie von Julia Nierle. Bereits 2007 hatte Oliver Bendel den Handyroman, der in Japan sehr beliebt war, nach Europa geholt. Es entstanden zwei Serien um eine Privatdetektivin in Berlin und einen Avatar auf einem Handy, der in der Wirklichkeit mit Superkräften aufwartete. Handygirl, so der Name, war vor allem bei jungen Mädchen beliebt. Zudem war mit „lonelyboy18“ ein Einzelroman vorhanden, der sich eher an Jungen richtete. Die Bücher bzw. Folgen bekam man ebenfalls über einen Premium-SMS-Dienst aufs Handy. Produziert und vertrieben wurden sie von Verlagen wie cosmoblonde in Berlin und Blackbetty in Wien. Letzterer veröffentlichte Ende Januar 2010 den allerersten Lyrikband in seinem Programm. Die 100 Handyhaikus in „stöckelnde dinger“ von Oliver Bendel besangen Brigitte Bardot, Jane Birkin und eine Frau auf einem Bild von Vermeer und huldigten den künstlichen Wesen der Antike und – Stichwort Handygirl – der Gegenwart. Oliver Bendel tourte mit seiner Handyliteratur auf Einladung zweier Goethe-Institute durch die Niederlande und wurde im Standardwerk zur modernen deutschen Literatur mit zwei Seiten bedacht.

Abb.: Die damalige Website handyhaiku.net