Dieser Roboter ist eine Rakete auf zwei Beinen

Der Tages-Anzeiger befragte am 25. August 2026 den Technikphilosophen Oliver Bendel zu den World Humanoid Robot Games 2026 in Peking. Dort fanden 30 Sportwettkämpfe mit Allzweckrobotern (General-Purpose Robots) oder Robotern auf General-Purpose-Robot-Plattformen statt, die etwa für das Rennen oder den Hochsprung angepasst worden waren. Zudem wurden 21 Szenariowettkämpfe durchgeführt, in denen sich die humanoiden Roboter bei praktischen Aufgaben in Produktion, Logistik, Haushalt, Pflege etc. behaupten mussten. Oliver Bendel war fasziniert von den Bewegungen beim Kickboxen, wobei diese wohl bei den meisten Auftritten ferngesteuert waren. Noch mehr fasziniert war er von den Allzweckrobotern auf dem Tennisplatz. Diese hatten vielleicht die Fähigkeiten von kleinen Kindern, wie Oliver Bendel meinte, der früher selbst Tennis gespielt hatte, und eine ungewöhnliche Schlägerhaltung. Aber im Unterschied zu den anderen waren sie selbstständig unterwegs. Vor ein paar Jahren noch wäre ein solches Bespielen des Platzes undenkbar gewesen. Es ist erklärtes Ziel der Spiele, die unter anderem von chinesischen Medien- und Robotikorganisationen und der Pekinger Stadtregierung ausgerichtet werden, die Autonomie von Jahr zu Jahr zu erhöhen und sie in immer mehr Disziplinen durchzusetzen. Das Interview ist am 26. August in der Onlineausgabe unter dem Titel „Dieser Roboter ist eine Rakete auf zwei Beinen – nur bremsen kann er nicht“ erschienen, was ein Zitat des Technikphilosophen ist. Am 28. August kommt es in den Printausgaben verschiedener Schweizer Tageszeitungen.

Abb.: Oliver Bendel spiegelt sich im Modell einer Rakete auf Mallorca

World Humanoid Robot Games 2026

Die World Humanoid Robot Games 2026 laufen vom 23. bis zum 25. August 2026 in Peking. Mehr als 2000 humanoide Roboter von über 660 Teams treten in 30 Sportwettkämpfen und 21 Szenariowettbewerben an. Neben Medien- und Robotikorganisationen gehört die Pekinger Stadtregierung zu den Mitveranstaltern. Die meisten Modelle sind Allzweckroboter (General-Purpose Robots) oder basieren auf General-Purpose-Robots-Plattformen und wurden mehr oder weniger stark modifiziert. Während es beim Sport vor allem um Show, Effekte und Emotionen geht, sollen die Szenariowettbewerbe zeigen, ob die Maschinen tatsächlich in Produktion, Logistik, Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel, Haushalt, Büro und Rettungswesen bestehen können. Besonders eindrucksvoll sind die flüssigen Bewegungen beim Kickboxen, auch wenn diese ferngesteuert werden. Beim Tennis agieren die Roboter autonom, allerdings noch auf bescheidenem Niveau. Spektakulär sind zudem die Laufrekorde, während das Abbremsen weiterhin Probleme bereitet. Insgesamt zeigt sich: Es wackelt noch, wie vor ein paar Jahren bei Bild- und Videogeneratoren, aber es wird ständig stabiler. China hat bei Allzweckrobotern und überhaupt humanoiden Robotern in den vergangenen Jahren aufgeholt und besitzt Vorteile bei Produktion, Infrastruktur, Lieferketten, Stückzahlen und Preisen. Rund 80 Prozent der weltweiten Auslieferungen kommen inzwischen von dort. Die Veranstaltung ist letztlich eine Technik- und Machtdemonstration.

Abb.: Der Unitree G1 in Zürich