Maschinenliebe: Zur Entstehung eines Begriffs

Eine frühe Verwendung des Worts „Maschinenliebe“ findet sich im Jahre 2016. Am 10. September hielt der Kunsthistoriker und Medienwissenschaftler Andreas Broeckmann auf der Düsseldorfer Konferenz „Cold Bodies, Warm Machines – Kunst und Technologie nach dem Menschen“ eine Keynote mit dem Titel „Maschinenliebe und Geschwisterkampf. Über die Beziehung von Menschen und Technik“. „Der Vortrag diskutierte verschiedene Maschinenkonzepte und machte einen Vorschlag für ein Diagramm, nach dem ‚die Maschine‘ als Ausdruck eines technologischen Paradigmas verstanden werden kann, das nicht so sehr posthumane als vielmehr ganz menschliche Begehren projiziert.“ (Website Medienwerk) Der erste bekannte Gebrauch von „Maschinenliebe“ im Kontext erotischer Mensch-Maschine-Beziehungen ist die Überschrift eines am 7. März 2018 bei Telepolis erschienenen Beitrags von Klaus Benesch. Es gibt allerdings keinen Beleg dafür, dass der deutsche Amerikanist selbst das vielschichtige und anspielungsreiche Wort gewählt hat, denn dieses kommt ausschließlich im Titel, nicht aber im Text vor. Ein möglicher Urheber ist der damalige Telepolis-Chefredakteur Florian Rötzer, der just an jenem Tag zum Telepolis-Salon „Sexbots: Neue Formen der Liebe, oder doch nur die alte Lust an der Selbstbefriedigung?“ eingeladen hatte. Unabhängig davon wurde der Begriff in wissenschaftlicher Hinsicht von Oliver Bendel geprägt. Der Technikphilosoph aus Zürich, seit 2015 in der Forschung zu Sexrobotern, wählte „Maschinenliebe“ als Titel für einen von ihm herausgegebenen Sammelband über Liebespuppen und Sexroboter, der 2020 bei Springer Gabler erschien. Im einleitenden Beitrag „Eine Annäherung an Liebespuppen und Sexroboter: Grundbegriffe und Abgrenzungen“ wird der Ausdruck zur Charakterisierung des Verhältnisses zwischen Mensch und Maschine verwendet. Unterschieden werden soll die „eigentliche von einer scheinbaren Maschinenliebe“. Inzwischen taucht der Ausdruck verschiedentlich in der Kunst, in der Literatur und in den Medien auf. Der in Zürich ansässige Musiker Kneubühler (David Mehr) veröffentlichte am 21. November 2024 ein Album mit dem Titel „Maschinenliebe“, das auch das gleichnamige Stück enthält – laut Ankündigung der Kulturtage Schaffhausen 2025 „ein Album über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, über Prozessoptimierung, Technologie als Ersatzreligion und das irritierende Schaudern, wenn man plötzlich tiefe Sympathie für einen Chatbot empfindet“. Im Tages-Anzeiger vom 16. Juli 2026 ist „Maschinenliebe“ das Schlüsselwort des Teasers eines Artikels von Martin Zips über symbolische Hochzeiten zwischen humanoiden Robotern.

Abb.: Eine Liebespuppe im Cybrothel in Berlin (Foto: Cybrothel)