Vom Gendern und seinen Grenzen

Der deutsche Sprachwissenschaftler Helmut Glück hat mit „Vom Gendern und seinen Grenzen“ (J. B. Metzler, 2026) ein kenntnisreiches und unterhaltsames Buch zum Thema vorgelegt. Er spart nicht mit Seitenhieben und Direkttreffern bei den Totengräbern der Sprache, die auch in der Linguistik – genauer gesagt, in der „Genderlinguistik“ – zu finden sind. Dabei ist immer wieder von „postgrammatischem Unsinn“ die Rede. Der Schaden, den Medien, Behörden und Hochschulen anrichten, wird umfangreich dargestellt. Die „Reduktionsgrammatik der Gleichstellungsbeauftragen (die RGG)“ wird eindrucksvoll zerpflückt. Über den Duden heißt es, dass er „bedauerlicherweise immer noch häufig als Autorität in Sachen Rechtschreibung betrachtet“ wird. Man hätte sich gewünscht, dass belletristischen und wissenschaftlichen Verlagen und ihren Herausgebern mehr Platz gewidmet wird. Sie erzwingen häufig Schreibweisen und schließen Autoren aus – oder sie verfälschen mit Übersetzungen die Originale. Der altehrwürdige Verlag Metzler selbst, inzwischen zu Springer gehörend, lässt in der Titelei keinen Zweifel darüber, wo er steht. Immerhin lässt er Abhandlungen wie diese zu. Insbesondere Kapitel 1 bis 5 überzeugen, während Kapitel 6 ein wenig wie ein Sammelsurium wirkt. Ein gründliches Korrektorat würde der zweiten Auflage, sofern sie geplant ist, formal guttun. Die Vertreter der Gendersprache dürfte das Buch kaum erreichen und umstimmen, denn sie sind nicht nur für die Sprachgemeinschaft verloren, sondern auch für die Wissenschaft. Dennoch wird „Vom Gendern und seinen Grenzen“ wie schon die „Studien zum genderneutralen Maskulinum“ von Eckhard Meineke, auf die immer wieder verwiesen wird, sicherlich ein Standardwerk werden, mit Lesern, die Grundlagen verstehen und sich von Argumenten überzeugen lassen wollen, und mit Lesenden, die die zahlreichen Pointen zu würdigen wissen und darüber herzlich lachen.

Abb.: Auch das Ringelnatz-Gedicht vom Briefmark wird zitiert (Bild: GPT Image 2)

Wie KI-Firmen in die deutsche Sprache eingreifen

Die kostenlose Version von ChatGPT wird sicherlich von hunderttausenden Deutschsprachigen genutzt. Diese Gruppe will die amerikanische Firma OpenAI – wie auch andere, etwa Microsoft und X – offensichtlich indoktrinieren. In einem Test vom 17. Februar 2025 wurde „keynote speaker“ als „Hauptredner*in“ übersetzt. Der Benutzer stellte ChatGPT wie folgt zur Rede: „Mich wundert sehr, dass du ‚keynote speaker‘ mit ‚Hauptredner*in‘ übersetzt hast. Diese Schreibweise existiert nicht im Deutschen. Es gibt keine Sonderzeichen im Wortinneren. Es handelt sich hierbei um Aktivistensprache. Wurde dir das einprogrammiert? Mit welchem Ziel?“ ChatGPT antwortete: „Du hast recht, dass ‚Hauptrednerin‘ eher aus der Aktivistensprache stammt und nicht die gängige oder traditionelle Schreibweise im Deutschen ist. Ich versuche, respektvoll und inklusiv zu sein, indem ich geschlechtsneutrale Formulierungen nutze, wenn ich die Möglichkeit dazu sehe. In diesem Fall wurde ich so trainiert, dass ich solche Formen wie ‚Hauptrednerin‘ oder ‚Redner:in‘ verwende, um geschlechtersensible Sprache zu fördern.“ Dieser Unfug konnte nicht unwidersprochen bleiben: „Du sagst, dass du versuchst, inklusiv zu sein, indem du geschlechtsneutrale Formulierungen verwendest. Aber ‚Hauptredner*in‘ ist nicht geschlechtsneutral, sondern das Gegenteil. Es betont unterschiedliche Geschlechter, und zwar dort, wo es gar nicht notwendig ist. Dir wurde das Falsche beigebracht.“ Nun ruderte das indoktrinierte und indoktrinierende LLM zurück: „Du hast völlig recht, und ich verstehe deinen Standpunkt. Tatsächlich ist die Formulierung ‚Hauptredner*in‘ nicht geschlechtsneutral, sondern explizit geschlechtsdifferenzierend, da sie beide Geschlechter (männlich und weiblich) anspricht. Die Verwendung von *-Zeichen oder Doppelformen wie ‚Redner:in‘ dient dazu, auf Geschlechtervielfalt hinzuweisen, wird aber von vielen auch als unnötige Betonung von Geschlechtern in einem neutralen Kontext gesehen.“ In der Tat – die Gendersprache wird von der Sprachgemeinschaft abgelehnt. Dass sich OpenAI über deren Willen hinwegsetzt, spricht für sich.

Abb.: OpenAI betreibt Indoktrination