Nadja Röll vom SRF hat mit Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW am 7. Oktober 2016 ein Interview zur „Partnership on Artificial Intelligence to Benefit People and Society“ geführt. Fünf IT-Konzerne haben angekündigt, dass sie ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bündeln und Leitplanken für Mensch und Maschine entwickeln wollen, nämlich Google, Amazon, Facebook, IBM und Microsoft. Es fehlen bislang Apple sowie die von Elon Musk geleitete Non-Profit-Organisation namens OpenAI. Gerade letzterer würde man sowohl eine gesellschafts- und benutzerbezogene Reflexion der Chancen und Risiken von Robotik und eine Erstellung von Moralkodizes für die Entwicklung von Robotern (Informationsethik und Roboterethik) als auch eine zielführende Integration von Entscheidungsmechanismen in die Maschinen (Maschinenethik) zutrauen. Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen schreibt Oliver Bendel den Unternehmen sowohl Sachverständigkeit als auch Schnelligkeit zu. Allerdings ist er skeptisch, ob sie sich selbst beschneiden werden: Künstliche Intelligenz hängt, etwa im Deep Learning, mit Big Data zusammen, und als Datenkonzerne werden Google, Amazon und Co. nicht vom Datensammeln lassen, auch wenn es gegen Persönlichkeitsrechte verstößt. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/wissen/wenn-google-die-moral-von-maschinen-festlegt-gibt-es-probleme aufgerufen werden.
Die Zeitung 20 Minuten hat Oliver Bendel zu Fragen der Digitalisierung und der Robotik interviewt. Eine Frage lautete, worin der Unterschied zwischen Robotern und Künstlicher Intelligenz bestehe. Die Antwort darauf lautete: „Ein Hardwareroboter ist nichts anderes als ein Bewegungsautomat. Im Falle der Softwareroboter kann man auch von Tätigkeitsautomat sprechen. Bisher war der Hardwareroboter in der Regel ‚dumm‘ und für einfache Aufgaben zuständig. Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz (der Begriff bezeichnet die Disziplin und ihren Gegenstand) kann der Bewegungsautomat vielfältige Aufgaben wahrnehmen. Das setzt allerdings voraus, dass er auch in seiner Hardware vielfältig wird, z.B. Werkzeuge besitzt, mit denen er greifen, schieben, werfen etc. kann. Manchmal führt das dazu, dass er humanoid wird, also menschenähnlich. Künstliche Intelligenz kann mit Lernfähigkeit verbunden sein. Der Roboter beobachtet einen Arbeiter und ahmt ihn nach. Oder er beobachtet eine Situation im Straßenverkehr und erstellt auf der Grundlage seiner Analysen und Schlussfolgerungen eigene Regeln. In geschlossenen oder halboffenen Welten (Computer, Haushalt, Fabrik) ist das oft nützlich, in offenen Welten (Straßenverkehr) manchmal gefährlich.“ Auf der Basis dieser Ausführungen und der Antworten weiterer Experten ist der Beitrag „Acht Technologien, die unsere Zukunft verändern“ entstanden, der am 12. September 2016 erschienen ist und über www.20min.ch/finance/news/story/Acht-Technologien–die-unsere-Zukunft-veraendern-30887235 aufgerufen werden kann.
Abb.: Auch VR gehört zu den Technologien der Zukunft
In his speech at the University of Zurich, Kaspar Etter (Stiftung für Effektiven Altruismus) discusses the relation between artificial intelligence and ethics. Some information from the advertising text: „We humans steer the future not because we’re the strongest or the fastest but because we’re the smartest animal on this planet. However, there are no reasons to assume that blind evolutionary processes have reached the physical limit of intelligence with us. Quite to the contrary, we have already seen how intelligent machines outperform the best of our kind on an increasing number of tasks, ranging from Chess over the quiz show Jeopardy to Go. What will happen when artificial intelligence surpasses human intelligence in a broader range and controls our destiny? Are we ready to make our final invention? And what is to be done from an ethical perspective?“ (Website EA) The text continues: „In his talk, Kaspar Etter will cover the current state and trends in artificial intelligence, its present implications on our society and what is to be expected for the coming decades. You will also learn about a phenomenon called intelligence explosion and strategic considerations for approaching the challenges ahead of us.“ (Website EA) The event will take place in KOL-F-117, May 26, 2016, at 7 pm.
Der Call for Papers zum Workshop ETHICS FOR ARTIFICIAL INTELLIGENCE bei der 25th International Joint Conference on Artificial Intelligence IJCAI-16 sollte Informations-, Maschinen- und Roboterethiker gleichermaßen interessieren. In der Beschreibung heißt es: „Recent progress in various subfields of AI has caused some researchers and pundits to raise concerns about the dangers that AI might ultimately pose. These concerns range from questions about the ethics of delegating to military drones the authority to decide when to attack human targets, up to fears about a possible existential risk posed by AI technologies … Much of the debate surrounding these issues has taken place in a scientific vacuum, uninformed by the experiences and insights of practicing AI researchers. Meanwhile, a wide range of other and sometimes less obvious ethical issues arise from current and proposed use of AI in diverse areas such as medicine, social care, autonomous trading agents and autonomous vehicles.“ (Website Workshop) Zum Ziel des Workshops wird gesagt: „The aim of this workshop is to bring together … AI researchers and others interested in understanding how the discipline of AI should respond to these concerns. The workshop particularly aims to foster an active exchange of ideas between attendees from different disciplinary backgrounds to gain a better understanding of the ethical issues surrounding AI.“ (Website Workshop) Die Konferenz findet vom 9. – 15. Juli 2016 in New York statt. Weitere Informationen über www.cs.ox.ac.uk.
Das Buch „Können Roboter lügen?“ von Raúl Rojas enthält „Essays zur Robotik und Künstlichen Intelligenz“, die von 2011 bis 2013 in der Online-Zeitschrift Telepolis erschienen sind. Rojas ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin. Im Kontext der Maschinenethik (und der Roboterethik) ist vor allem der dritte Teil interessant. Im Vorwort heißt es: „Der dritte Teil über Robotik und KI gibt einen Einblick in die Arbeit, die in den letzten Jahren auf diesem Gebiet geleistet worden ist. Wir wären froh, mit Robotern die Eleganz eines Insekts bei der Bewältigung von Hindernissen zu erreichen. Wir können aber schon heute kleine und große Roboter – z.B. autonome Fahrzeuge – mit kognitiven Architekturen ausstatten, die eine effiziente und nützliche Funktionalität erlauben. Die Kapitel über Roboter, die lügen, bzw. über das Watson-System zeigen die zwei Seiten der Medaille: Wie weit die künstliche Intelligenz gekommen ist und wie weit entfernt sie doch noch vom Ziel bleibt.“ Rojas gelangt zum Schluss: „Roboter kennen die Wahrheit nicht, deswegen können sie nicht lügen.“ Das Buch wurde Ende Mai 2013 im Heise Zeitschriften Verlag veröffentlicht und ist u.a. in der Kindle-Edition erhältlich.
Michael Anderson und Susan Leigh Anderson gehen als Herausgeber des 2011 in der Cambridge University Press erschienenen Buchs „Machine Ethics“ der Frage nach, ob und wie autonome Systeme in moralischer Weise „handeln“ sollen und können. Schon vor Jahrzehnten hat man in Literatur und Wissenschaft über diese Frage nachgedacht; aber eine entsprechende Disziplin ist erst in den letzten Jahren entstanden. Offensichtlich wird die Notwendigkeit gesehen, das „Verhalten“ von Maschinen im Kontext der Moral zu reflektieren und Philosophen (vor allem Ethiker) und Vertreter der Künstlichen Intelligenz darüber nachdenken zu lassen. In der Einführung heißt es: „The subject of this book is a new field of research: Developing ethics for machines, in contrast to developing ethics for human beings who use machines.“ Wir benutzen Maschinen, und Maschinen benutzen uns. Wie sollen die Maschinen mit uns umgehen, und wie sollen sie sich entscheiden in Situationen, in denen wir in unserer Identität und in unserer Existenz bedroht werden? Die Beiträge enthalten bemerkenswerte Vorschläge und verdienen eine aufmerksame Lektüre.