Automatische Übersetzungen ins Deutsche auf X

X bietet nun automatische Übersetzungen englischsprachiger Tweets ins Deutsche an. Die Ergebnisse sind verheerend, wie eine Stichprobe zeigt. Der Tweet „The first image taken from the Moon’s far side, showing Earth rising beyond the lunar horizon, captured by Orion.“ wird übersetzt mit „Das erste Bild, das von der mondabgewandten Seite des Mondes aufgenommen wurde und den aufsteigenden Erdball jenseits des Mondhorizonts zeigt, aufgenommen von Orion.“ … Aus „HMND 01 Alpha received tasks via the SAP Joule agent layer” wird „HMND 01 Alpha hat Aufgaben über die SAP Joule Agent-Schicht erhalten“, aus „A landmark peer-reviewed study just dropped. Here’s what it found.“ wird „Eine bahnbrechende, peer-reviewed Studie ist gerade erschienen. Hier ist, was sie gefunden hat.“ Auffällig auch die Übersetzung von „Don’t throw your children’s drawings away!“: „Wegwerfen Sie nicht die Zeichnungen Ihrer Kinder!“ … Man findet also u.a. fehlerhafte Übertragungen und falsche Wortbildungen und insgesamt eine zu starke Orientierung an der englischen Syntax. Und fragt sich, ob das das Werk von Grok oder ein noch unbekanntes Experiment von Elon Musk ist.

Abb.: Ein Blick ins Wörterbuch würde helfen

Von Spinchat bis X

Im Jahre 1996 entstand die Community Spinchat (oder Spinchat.de), die später in Spin.de umbenannt wurde. Das Unternehmen wollte damit eigentlich nur die Leistungsfähigkeit seiner Chatsoftware zeigen. Schnell fanden sich aber zahlreiche Benutzer ein und gaben dem Projekt eine andere Richtung. Über 100.000 waren es irgendwann. In den Chatrooms konnte man miteinander sprechen, über private Probleme und gemeinsame Interessen. Man flirtete miteinander oder versuchte es zumindest. Dabei war man nicht allein – Chatbots oder Chatterbots moderierten, sie kickten Benutzer mit anstößigen Nicknames, kurbelten Unterhaltungen an oder erzählten Witze. Man konnte sie, wie auch die Menschen im Chatroom, direkt ansprechen. Diese Funktion erinnert an Grok von Elon Musk. Auch hier ist ein Chatbot in eine Community integriert, in diesem Falle X. Das LLM bietet natürlich ganz andere Möglichkeiten als ein regelbasierter Chatbot, bis hin zur Generierung von Bildern, auch anzüglichen und bloßstellenden, was inzwischen eingedämmt wurde. Im Buch „Die Mondlandung des Internet“ (1998) ging Oliver Bendel auf Spinchat ein, und zwar in dessen Funktion als Anbieter des Chats von „Wahlstudio live“. Der Hauptautor Rainer Kuhlen, Professor für Informationswissenschaft an der Universität Konstanz, wollte untersuchen, wie Werbung und Propaganda der Bundestagswahl 1998 im WWW stattfanden. Er schuf den theoretischen Rahmen des Werks, während Oliver Bendel die zahlreichen Projekte der Parteien und Politiker mit ihren Diskussionsforen, Chats und Votings beschrieb und einordnete. Ob der Chat von „Wahlstudio live“ moderiert wurde, von Mensch oder Maschine, blieb unklar.

Abb.: Spinchat im Jahre 1999

Die woke Plattform X

Microsoft verwendet in den deutschsprachigen Texten von Plattformen wie LinkedIn und Diensten wie Outlook die Gendersprache, also eine Fantasie- oder Sondersprache, die nicht dem allgemeinen Sprachgebrauch der Sprachgemeinschaft entspricht und von der Mehrheit – Frauen wie Männern, Jungen wie Alten – abgelehnt wird. Das amerikanische Unternehmen ist für seine Mühe mit der deutschen Sprache seit Jahren bekannt. Kaum thematisiert wird der Gebrauch der Gendersprache mit Blick auf X, eine manipulative Plattform des rechtspopulistischen Elon Musk. Dort werden in mehreren Rubriken die „Follower*innen“ erwähnt. Die AGB gelten für „Käufer*innen“. Man interessiert sich für das Wachstum des eigenen Unternehmens? „Finde mit der Personensuche Ingenieur*innen, Leads für den Vertrieb und Gestalter*innen.“ Ganz anders Bluesky, der im Moment aussichtsreichste Konkurrent. Dort ist durchgehend von „Nutzern“ und „Benutzern“ die Rede. Möge der Druck der Blase, die sich dort bildet, nicht zu groß werden und nicht zu einem Abrücken von der Standardsprache führen.

Abb.: Was treibt Elon Musk?