Von der Roboterfliege im Roman zum Flugroboter im Labor

Ein Forschungsteam am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen winzigen Flugroboter entwickelt, der weniger als eine Büroklammer wiegt und mit Hilfe einer KI-basierten Steuerung erstaunliche Flugmanöver vollführen kann. Wie am 3. Dezember 2025 berichtet wurde, konnte die Geschwindigkeit des insektenähnlichen Roboters um mehr als das Vierfache gesteigert werden. Unter anderem gelangen ihm zehn Überschläge in elf Sekunden. Als mögliches Einsatzgebiet gilt die Suche nach Verschütteten in eingestürzten Gebäuden. Noch ist der Roboter allerdings auf eine externe Energieversorgung und Steuerung angewiesen. Die Meldung wurde im Oktober 2026 erneut von verschiedenen Medien verbreitet. Bereits im Juni 2025 war eine ähnliche Entwicklung aus China bekannt geworden. Ein Robotiklabor der National University of Defence Technology (NUDT) hatte eine winzige Drohne vorgestellt, die einer Mücke ähnelt und für militärische Aufklärungsmissionen vorgesehen ist. Beide Entwicklungen erinnern an den Roman „Verlorene Schwestern“ von Oliver Bendel aus dem Jahre 2009. Darin hat der 16-jährige Maik eine Roboterfliege namens „la mouche“ konstruiert, mit der er Prominente und Reiche ausspioniert, um sie anschließend zu erpressen. Während die chinesische Entwicklung der literarischen Vision hinsichtlich des Einsatzzwecks näherkommt, zeigt das amerikanische Projekt, welche Fortschritte bei der Flugfähigkeit solcher künstlichen Insekten inzwischen möglich sind. Von einer autonomen Roboterfliege mit integrierter Kamera, Energieversorgung und zuverlässiger Datenübertragung sind beide Projekte allerdings noch ein Stück weit entfernt. Die literarische Fiktion ist damit weiterhin der technischen Wirklichkeit voraus. Zugleich stellt sich die Frage, welche Folgen solche Maschinen für die Privat- und Intimsphäre haben werden, wenn sie eines Tages kaum noch von echten Insekten zu unterscheiden sind.

Abb.: Eine echte Fliege