Wolkenklar? Alles klar!

Die Hitze hat die Schweiz und ganz Europa fest im Griff. Auf Google-Pixel-Smartphones wird derzeit in der Wetteranzeige angegeben, es sei bzw. werde tagsüber „wolkenklar“. Der aufmerksame Benutzer ist erstaunt, denn diesen Ausdruck gibt es nicht im deutschen Sprachgebrauch. Dagegen sind „wolkenlos“, „wolkenfrei“, „heiter“, „sonnig“ oder „klar“ feste Bestandteile der Wettermeldungen. Vermutlich handelt es sich um ein Ergebnis automatischer Übersetzung. „Wolkenklar“ folgt bekannten Wortbildungsmustern (man denke an „sternenklar“ oder „glasklar“), hat sich aber nie im Deutschen durchgesetzt. Es ist auch nicht ganz klar, was damit gemeint sein könnte. Ist es so klar, dass man die Wolken sehen kann? Wohl kaum. Vielleicht wurde eine englische Beschreibung wie „mostly clear“ oder „clear skies“ zum Ausgangspunkt genommen. Man fühlt sich an den Thesaurus von Microsoft erinnert, der im Jahre 2008 als Synonym zu „dunkel“ allen Ernstes „negerfarbig“ vorschlug. Vielleicht steckt heute generative KI dahinter, vielleicht auch nicht. Immer wieder wird im Zusammenhang mit generativer KI behauptet, diese würde mehrheitlich verständliche, ja weitgehend fehlerfreie Sprache produzieren. Das Gegenteil ist der Fall. Google, Microsoft und OpenAI scheitern seit jeher an der deutschen Sprache, grammatikalisch wie semantisch, und heute sind meist Textgeneratoren im Spiel. Oftmals werden englische Wort- und Satzstrukturen übertragen. Zuweilen bringt auch eine Ideologie die Sprache durcheinander. Das ist bei einem Ausdruck wie „wolkenklar“ kaum anzunehmen. Dennoch trägt seine Verwendung nicht gerade zur Klarheit bei.

Abb.: Ein neues deutsches Wort, erfunden von einer amerikanischen Firma