Die inklusive Sprache ist in Wirklichkeit eine exklusive III

Noch bemerkenswerter ist, dass der Genderstern offenbar keineswegs automatisch eine geschlechtlich ausgewogene Vorstellung erzeugt. Experimente von Körner und Kollegen fanden bei solchen Formen einen weiblichen Bias: Nach „Autor*innen“ etc. wurden Bezüge auf Frauen leichter beziehungsweise schneller verarbeitet als Bezüge auf Männer. Die ausgeschriebene Paarform erzeugte dagegen die ausgewogensten Vorstellungen. Die Behauptung, der Genderstern bilde Männer, Frauen und weitere Geschlechter gleichermaßen ab, trifft also keineswegs zu. Wird beim Sprechen zudem der Glottisschlag nicht realisiert, fällt etwa „Autor*innen“ lautlich mit „Autorinnen“ zusammen. Und auch in Texten findet sich oft ein generisches Femininum, das es in dieser Form im Deutschen gar nicht gibt. Medien wie die Republik in der Schweiz produzieren so regelmäßig Falschinformationen, etwa wenn es heißt, Deutschland habe „80 Millionen Einwohnerinnen“. Dazu kommt ein praktisches Problem, das viele längere gegenderte Dokumente vorführen: Es existiert kein einheitliches System. Stern, Doppelpunkt, Unterstrich, Binnen-I, Paarform und neutrale Ersatzformulierungen konkurrieren miteinander. Selbst Texte, die besonderen Wert auf „geschlechtergerechte“ Sprache legen, produzieren dadurch grammatische Zweifelsfälle und Inkonsistenzen. Das „Handbuch Inklusion und Medienbildung“ liefert dafür ein besonders anschauliches Beispiel: Dort stehen verschiedene Systeme nebeneinander, und ausgerechnet im Kapitel über Barrierefreiheit findet sich die Konstruktion „blinde_r Nutzer_innen“ – und das keineswegs im Genitiv. Dass Genderanhänger oft im eigenen System scheitern, zeigt die völlig verunglückte Konstruktion „Adressat_inn_enkreis“ in einem anderen Kapitel.

Abb.: Alle sollen einbezogen und mitgenommen werden