Behütet von Maschinen voller liebevoller Gnade

Im Jahre 1967 veröffentlichte Richard Brautigan sein Gedicht „All Watched Over by Machines of Loving Grace“. Darin entwirft der amerikanische Schriftsteller die Vision einer Welt, in der Tiere, Menschen und Maschinen in Harmonie zusammenleben. Er beschreibt kybernetische Wiesen und Wälder, in denen sich Säugetiere und Computer begegnen und Hirsche friedlich an Maschinen vorbeiziehen: „I like to think (and / the sooner the better!) / of a cybernetic meadow / where mammals and computers / live together in mutually / programming harmony / like pure water / touching clear sky. // I like to think / (right now, please!) / of a cybernetic forest / filled with pines and electronics / where deer stroll peacefully / past computers / as if they were flowers / with spinning blossoms. // I like to think / (it has to be!) / of a cybernetic ecology / where we are free of our labors / and joined back to nature, / returned to our mammal / brothers and sisters, / and all watched over / by machines of loving grace.“ Mehr als fünfzig Jahre später beschäftigt sich der wissenschaftliche Artikel „Passive, Active, and Proactive Systems and Machines for the Protection and Preservation of Animals and Animal Species“ (2022) von Oliver Bendel mit einer ähnlichen Vision: Maschinen und autonome Roboter könnten künftig Tiere und ganze Tierarten schützen, Gefahren erkennen und selbständig eingreifen. Während Brautigan seine kybernetische Ökologie als poetische Utopie entwirft, vielleicht mit ironischer Absicht, untersucht der Artikel die technischen und ethischen Voraussetzungen einer solchen Welt. Dabei steht weniger die Befreiung des Menschen von der Arbeit im Vordergrund, wie bei dem Schriftsteller, sondern der Schutz der Tiere vor menschlichen Eingriffen. Was in den 1960er-Jahren noch wie eine fantastische Vorstellung erschien, ist heute als faszinierende Möglichkeit in die Nähe gerückt.

Foto: Ein Buch von Richard Brautigan (Foto: Make It Old/CC BY-NC-SA 2.0)