Was ist Robomobbing?

„Robomobbing ist die Blockierung bzw. Manipulation von KI-Systemen und Robotern oder der Widerstand gegen den Einsatz bestimmter Maschinen. Mögliche Beweggründe sind Existenzangst, Konkurrenzdruck, Kontrollverlust und Überforderung. Ferner kann die Belastung oder Benachteiligung durch Algorithmen gemeint sein. Bei den Akteuren gibt es Parallelen zu den Maschinenstürmern des 19. Jahrhunderts.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Oliver Bendel, der am 24. Juni 2026 im Gabler Wirtschaftslexikon erschienen ist. Auf weitere einführende Aussagen folgt der Abschnitt „Hintergrund und Beispiele“. Darin heißt es: „Das Phänomen des Robomobbings kann mannigfaltige Ausprägungen haben. KI-Systeme werden … mit falschen Daten gefüttert oder (etwa im Falle von Chatbots) mit Beschimpfungen bedacht. Arbeiter sabotieren den Betrieb von Industrierobotern. Passanten stellen sich Transportrobotern und Sicherheitsrobotern entgegen oder schlagen auf sie ein. Aktivisten dringen in Serverfarmen ein, um Kabel und Geräte zu zerstören oder Plakate und Flyer zu hinterlassen. Chefs von Robotik- und KI-Firmen werden verhöhnt oder angegriffen.“ Danach kommt der Abschnitt „Kritik und Ausblick“. Der vollständige Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/robomobbing-177958 aufgerufen werden.

Abb.: Ein Veteran der Sozialen Robotik

Bei Konrad Zuse in Lohn und Brot

Seit 1994 bieten die Aktiven Seniorinnen und Senioren Hinwil (ASSH) einen monatlichen Vortrag an. Zu den Referenten gehörten Claude Nicollier, Astronaut und Wissenschaftler, Ulrich Tilgner, Nahostkorrespondent, Franz Hohler, Schriftsteller, und Erich von Däniken, Bestsellerautor. Am 17. Juni 2026 war Oliver Bendel zu Gast. Im Anmeldeflyer hieß es im Teaser: „Professor Oliver Bendel ist laut Tages-Anzeiger der Schweizer Roboter-Flüsterer. Er erklärt uns, wie Roboter bei uns einziehen werden. Mit hilfreichen Fähigkeiten, aber auch zukünftigen Abhängigkeiten.“ Der Titel des Vortrags lautete „Soziale Roboter, Assistenzroboter und Allzweckroboter“. In seinem Vortrag beleuchtete Prof. Dr. Oliver Bendel die Rolle sozialer Roboter, gegenwärtiger Assistenzroboter und künftiger Allzweckroboter in der Pflege. Anhand zahlreicher aktueller Beispiele aus Forschung und Praxis zeigte er, wie Robotersysteme bereits heute Pflegekräfte unterstützen, Pflegebedürftige aktivieren und bei alltäglichen Aufgaben helfen können. Dabei ging es sowohl um soziale Interaktion und Unterhaltung als auch um konkrete Assistenzleistungen wie Handreichungen, Mobilisierung oder Unterstützung im Pflegealltag. Darüber hinaus widmete sich der Vortrag den ethischen und gesellschaftlichen Fragen, die mit dem Einsatz von KI-gestützten Robotern verbunden sind. Danach fand eine rege Diskussion statt. Die ca. 90 Anwesenden widerlegten eindrucksvoll, dass sie in ihren Achtzigern und Neunzigern zum alten Eisen gehören. Einer offenbarte im persönlichen Gespräch sogar, dass er noch für Konrad Zuse arbeitete. Dieser wäre am 22. Juni 2026 116 Jahre alt geworden.

Abb.: Oliver Bendel bei den Aktiven Seniorinnen und Senioren Hinwil (Foto: Henning Gietenbruch)

Robotik und KI für autistische Personen

Unter dem Titel „KI trifft Autismus“ veranstaltete autismus schweiz am 30. Mai 2026 eine Fachtagung, die sich der Rolle künstlicher Intelligenz in der Gesellschaft und im Kontext von Autismus widmete. Fachliche Impulse lieferten Maximilian Popp (No Isolation), Matthias Schüssler (Tages-Anzeiger), Dr. Maya Schneebeli (KJPP), Prof. Dr. André Frank Zimpel (Universität Hamburg) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). Eine Referentin fiel aus. In seinem Vortrag „Soziale Roboter und Physical AI bei Autismus“ stellte Oliver Bendel mehrere Beispiele und Prototypen vor und ordnete diese aus technischer und ethischer Perspektive ein. Dabei erläuterte er auch, was unter Inclusive Robotics und Inclusive AI zu verstehen ist. Moderator war der bekannte SRF-Redakteur Bernard Senn. Die Teilnahme war sowohl vor Ort als Live-Anlass im großen Hörsaal Nord des Universitätsspitals Zürich als auch zeitversetzt über eine On-Demand-Version möglich. Die Aufzeichnung steht etwa zehn Tage nach dem Anlass bis Ende Juli 2026 über das Veranstaltungsportal zur Verfügung. Weitere Informationen sind über portal.autismus.ch/veranstaltungen/202 abrufbar.

Abb.: Bernard Senn kündigt Oliver Bendel an

Der Reiz der Realität

Das Kundenmagazin Centaur von Rossmann gibt es seit März 2002. Das Heft hat über 100 Seiten und liegt in den Filialen des Unternehmens aus. Es erreicht bei einer Druckauflage von über 900.000 Exemplaren und mit seiner Onlinepräsenz ca. 2,5 Millionen Interessierte. In der Ausgabe vom Juni 2026 gibt es ein eineinhalbseitiges Interview mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Der Technikphilosoph und Maschinenethiker äußert sich im Beitrag „Der Reiz der Realität“ zu Gegenbewegungen im Zeitalter der Digitalisierung und zur Frage, wann Roboter – Pflegeroboter ebenso wie Allzweckroboter – selbstverständlicher Teil unseres Alltags sein werden. Anna Kentrath, die Leiterin der Unternehmenskommunikation von Rossmann, schreibt in ihrem Editorial: „Wir spüren einer wachsenden Sehnsucht nach: der Lust am Analogen, an echten Begegnungen und haptischen Erlebnissen. Das ist keine Flucht vor der digitalen Welt, die uns ja auch Freiheiten schenkt. Es ist eine bewusste Ergänzung, ein ‚Korrektiv‘, wie es unser Experte Prof. Oliver Bendel nennt.“ Das Kundenmagazin für den Monat Juni kann seit dem 27. Mai 2026 über www.rossmann.de/de/kataloge/centaur/index.html aufgerufen und heruntergeladen werden.

Abb.: Das Cover der Juni-Ausgabe (Bild: Rossmann)

News of the Universe

Im Jahre 1977 erschien das Album „News of the World“ von Queen. Das Cover dürfte viele Jugendliche und Erwachsene dieser Zeit beeindruckt oder verstört haben, was auch in der Popkultur aufgegriffen wurde, etwa in der animierten Sitcom „Family Guy“, wo Stewie panische Angst davor hat. Es zeigt einen riesenhaften humanoiden Roboter, der zwei tote Menschen in seiner Rechten hält, während Blut von seiner Linken tropft. Der Science-Fiction-Künstler Frank Kelly Freas hatte ein ähnliches Motiv bereits in einer früheren Arbeit verwendet. Brian May betonte mehrfach, dass „News of the World“ eine bewusste stilistische Neuorientierung der Band war, direkter, roher und moderner. Das Cover passte offensichtlich genau dazu. Der Gitarrist war Science-Fiction ebenso zugetan wie der Realität des Weltraums. 2007 schloss er am Imperial College London nach langer Unterbrechung seine Doktorarbeit über interplanetaren Staub ab. Vor einigen Monaten wurde er für das Buch „RE:VIEW: Wozu die Menschheit retten?“ interviewt. Dieses bietet im ersten Teil umfangreiches Bildmaterial der ESA von der KI-gestützten Planetenschutzmission Hera, ergänzt um Werke der KI-Kunst. Im zweiten Teil wird das KI-System der Hera selbst zum Interviewer und „führt dreißig tiefgreifende Gespräche mit Personen aus Kunst, Wissenschaft, Philosophie und Gesellschaft“ (Verlagsinformation). Neben Brian May, der sich damit sowohl der Science-Fiction als auch der „Space-Reality“ widmen durfte, sind das z.B. die erste Weltraumtouristin Anousheh Ansari, der „Interstellar“-Visionär Paul Franklin, die PETA-Gründerin Ingrid Newkirk, der Ex-Gitarrist von Guns N‘ Roses Ron Bumblefoot Thal, der Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach, der Künstler Jonathan Meese und der Technikphilosoph und Maschinenethiker Oliver Bendel. Das Buch wird vom Verlag We Mind Publishing und von der Agentur Jung von Matt umgesetzt, ist bereits bei Amazon verzeichnet und kommt im September 2026 heraus.

Abb.: Das Album erschien im Jahre 1977 (Bild: GPT Image 2)

Der Roboter als Prügelknabe der Nation

Die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft war im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel über die Robotersteuer. Diese ist eine Ausprägung der Maschinensteuer, die man wiederum als Wertschöpfungsabgabe begreifen kann. Die Idee ist, die Existenz oder den Betrieb bzw. die Arbeit von Robotern (womöglich auch von KI-Systemen) in der Produktion, in der Logistik und in anderen Bereichen zu besteuern und die Gelder entweder dem System der Sozialversicherung oder beispielsweise dem Bildungswesen zuzuführen.  Gegen die Robotersteuer spricht, dass nicht klar ist, was man genau besteuern soll. Welche Roboter und KI-Systeme sind betroffen? Um welche Arbeit geht es konkret? Die Innovationskraft von Unternehmen könnte gebremst werden, und es werden damit womöglich Entwicklung und Einsatz von Robotern, die Menschen ergänzen und entlasten, gehemmt und Wege zur Befreiung von der Bürde des beruflichen Alltags blockiert. Für die Robotersteuer spricht, dass der Roboter als Risiko für die Vollbeschäftigung im Vollzeitmodell erkannt und eine sozialpolitische Antwort auf die zunehmende Automatisierung gefunden wird. Es liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, über den man diskutieren kann. Vielleicht ist der Roboter aber einfach der Prügelknabe der Nation. Die Artikel „Zahlt am Ende der Roboter?“ und „Die Rechnung sollen die Roboter zahlen“ mit Aussagen von Oliver Bendel erschienen am 8. Mai 2026 u.a. in der Südwest Presse, in der Lausitzer Rundschau und im Oranienburger Generalanzeiger.

Abb.: Der Roboter als Prügelknabe der Nation

Zweieinhalb Jahre Unitree Go2

Seit Ende 2023 ist der Unitree Go2 ein Teil des privat finanzierten Social Robots Lab von Prof. Dr. Oliver Bendel. Der robotische Vierbeiner ist meistens auf dem FHNW-Campus Brugg-Windisch, manchmal in Zürich. Er dient vor allem als Demonstrationsobjekt in den drei Wahlmodulen zur Sozialen Robotik, die der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker jährlich in Olten und Brugg-Windisch durchführt (Studiengänge Wirtschaftsinformatik, Business AI und Betriebsökonomie). Zudem wird er in Projekte eingebunden, wie es etwa bei „The Robodog Project“ der Fall war, wo 12 Hunde mit ihm konfrontiert wurden. Oliver Bendel kann nach zweieinhalb Jahren sagen, dass der Unitree Go2 immer wieder von den Firmware-Upgrades profitiert hat. Er verbindet sich inzwischen meist problemlos mit dem Netz. Manche Funktionen, für die es früher den zusätzlichen Controller gebraucht hat, lassen sich nun mit dem Smartphone ausführen. Mehrere schwere Stürze hat der Roboter überstanden – die Kunststoffschale ist sehr robust. Neben den vielen positiven Aspekten sind ein paar negative zu nennen. Auch nach einer Kalibrierung ist die Beweglichkeit nicht mehr wie am Anfang, und beim Gehen und bei einzelnen Kunststücken bestehen Unsicherheiten. Eine Hintertüre wie beim Unitree Go1 besteht wohl nicht, aber wie der humanoide G1 hat der Go2 durchaus Sicherheitslücken. Beim Betrieb in der Öffentlichkeit ist daher Vorsicht geboten, zumal die Gesetzeslage komplex ist. Insgesamt handelt es sich um ein beeindruckendes Gerät, das sich sowohl für den Innen- als auch den Außeneinsatz eignet.

Abb.: Der Unitree Go2 im Garten

Unitree stellt humanoiden Roboter R1 vor

Der chinesische Hersteller Unitree hat – wie er am 25. Juli 2025 auf LinkedIn meldete – mit dem R1 einen neuen zweibeinigen, humanoiden Roboter vorgestellt. Mit einem Gewicht von rund 25 Kilogramm ist dieser leichter als das Vorgängermodell G1 (35 Kilogramm) und deutlich günstiger. Der Einstiegspreis liegt bei 39.900 Yuan (ca. 5566 US-Dollar), im Vergleich zu 99.000 Yuan für den G1. Der R1 nutzt ein multimodales großes Sprachmodell (Multimodal Large Language Model, MLLM), das Sprach- und Bildverarbeitung kombiniert. Ausgestattet mit hochflexiblen Gliedmaßen – darunter sechs zweifach bewegliche Beinachsen, eine bewegliche Taille, zwei Arme und ein beweglicher Kopf – bietet er ein breites Spektrum an Bewegungsmöglichkeiten. Unitree positioniert den R1 als offene Plattform für Entwickler und Forscher. Ziel ist es, humanoide Roboter durch niedrigere Kosten und modulare Technik einem breiteren Markt zugänglich zu machen. Neben robotischen Zweibeinern hat das Unternehmen seit Jahren auch robotische Vierbeiner im Angebot, etwa Unitree Go1 und Unitree Go2.

Abb.: Der R1 kommt auf den Markt (Bild: ChatGPT/4o Image)

Von intelligenten Organismen und lernenden Maschinen

„Teamplayer Zukunft: Von intelligenten Organismen und lernenden Maschinen“ von Patricia Piekenbrock richtet sich an Jugendliche, ist aber auch für Erwachsene ein Gewinn. Die Diplom-Physikerin absolvierte ihr Studium in Heidelberg. Den Master of Advanced Studies in Journalism erwarb sie in Österreich. Sie hat als Konzern­presse­sprecherin und Redakteurin für Technologie­themen der Daimler AG und für die Daimler und Benz Stiftung gearbeitet. Der Klappentext fasst den Buchinhalt so zusammen: „Künstliche Intelligenz, Miniaturlabore, Roboterameisen und automatisierte Bioreaktoren: Wohin bewegen wir uns? Die Natur hat ihr Know-how in lebenden Organismen gespeichert. Wenn wir von Algenzellen, Pflanzen und Tieren lernen, können wir Technologien mit Perspektive schaffen – auch unser Gehirn ist Vorbild für lernende Systeme. Mit diesem Wissen lässt sich eine lebenswerte Zukunft gestalten.“ (Website Verlag) Zum Buch gibt es eine App. Über diese lassen sich Details zu den Buchinhalten abrufen: „Videos, Augmented Reality, 3D-Animationen, Chats mit historischen Personen und Podcasts mit Menschen, die über die Zukunft nachdenken.“ (Website Verlag) Über die Website des Verlags kann eine Leseprobe abgerufen und eine Bestellung aufgegeben werden.

Abb.: Das Cover des Buchs (Foto: Vogel Professional Education)

Roboter bei der Biennale Architettura 2025

Bei der 19. Architekturbiennale in Venedig (Biennale Architettura 2025) mit dem Titel „Intelligens. Natural. Artificial. Collective.“ spielen Roboter eine wichtige Rolle. Dies melden mehrere Medien, etwa The Architect’s Newspaper. „Robots Falling from the Sky“ ist eine Installation, bei der Roboter scheinbar vom Himmel herabfallen und mit ihrer Umgebung interagieren. Ein anderer Roboter beweist musikalische Fähigkeiten, indem er auf einer Handpan spielt, einem Blechklanginstrument. Man fühlt sich an die Musikerin von Henri-Louis Jaquet-Droz aus dem 18. Jahrhundert erinnert, wobei diese ein Tasteninstrument bevorzugte. Ein Roboterarm von ABB unterstützt zwei bhutanische Kunsthandwerker bei der Bearbeitung eines Balkens. Aus Sicherheitsgründen, so The Architect’s Newspaper, war das Liveschnitzen mit einem Bohrer nicht erlaubt. Das Problem sind dabei nicht die beiden Kunsthandwerker, sondern die Besucher. Die Biennale widmet sich immer wieder technischen und futuristischen Themen. Im Jahre 2021 galt das Interesse der Architekturbiennale u.a. Cyborgs und Transhumanisten. 2024 sah man bei der Kunstbiennale ein Quasihologramm und eine raumschiffartige Installation. Die Biennale läuft vom 10. Mai bis zum 23. November 2025 an verschiedenen Orten in und bei Venedig, darunter die Giardini della Biennale, das Arsenale di Venezia und das Forte Marghera in Mestre. Weitere Informationen und das vollständige Programm findet man über www.labiennale.org/en/architecture/2025.

Abb.: Auf der Biennale 2024

Serviceroboter im MAC Museum Art & Cars

Die Veranstaltung „Wenn Roboter zu Kollegen werden: Wer arbeitet in der Produktion von morgen?“ am 10. April 2025 im MAC Museum Art & Cars in Singen wurde von mehreren Kurzvorträgen von Vertretern der fruitcore robotics GmbH eingeleitet. Dann hielt Prof. Dr. Oliver Bendel seine Keynote mit dem Titel „Serviceroboter im Praxiseinsatz: Zwischen smarter Innovation und ethischer Verantwortung“. Serviceroboter haben sich als Reinigungs-, Transport- und Sicherheitsroboter verbreitet. Als Saug- und Wischroboter sind sie im Haushalt, am Flughafen und auf der Hotelanlage anzutreffen. Als Transportroboter fahren sie in der Fabrik und in Lagerhallen umher, verkehren im Restaurant zwischen Buffet und Küche oder bringen in Städten die Bestellungen zum Kunden. Als Sicherheitsroboter bewachen sie Betriebsgelände und Gleisanlagen. In der Form sozialer Roboter beraten und bedienen sie uns in Shopping Malls oder unterhalten unsere Kinder, während wir einkaufen. Vor der Tür stehen universelle Roboter, menschenähnliche Maschinen, die morgens in Produktion und Logistik helfen, nachmittags den Garten umgraben und abends mit uns Tennis spielen. Verbunden werden sie mit großen Weltmodellen (World Foundation Models, WFMs) und multimodalen großen Sprachmodellen (Multimodal Large Language Models, MLLMs), die ihr Training, ihre Steuerung und ihre Wahrnehmung ermöglichen bzw. verbessern. Der Vortrag stellte Anwendungsfälle der genannten Art vor, ordnete sie aus technischer und ethischer Perspektive ein und warf einen Blick in die Zukunft. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts TIM (Transformation – Innovation – Mobilität) statt, das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Seit dem 14. April 2025 ist ein Video mit den Highlights und mit Statements von Oliver Bendel verfügbar.

Abb.: Oliver Bendel vor der Veranstaltung (Foto: CyberLago)

Abtauchen mit POODLE und Belle

„Unterwasserroboter sind ferngesteuerte, teilautonome oder autonome Roboter, die unter Wasser zu Forschungszwecken und für Such-, Bergungs-, Überwachungs- und Reinigungsarbeiten eingesetzt werden. Sie verfügen wie andere Roboter über Sensoren und Aktoren. Mit Kameras ermöglichen sie die Sicht unter Wasser. Sie erinnern an kleine U-Boote bzw. kleine Fahrzeuge oder orientieren sich als bionische Roboter an der Gestalt von Tieren, etwa Pinguinen, Fischen oder Walen und Quallen. In manche von ihnen ist künstliche Intelligenz (KI) integriert.“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Prof. Dr. Oliver Bendel, der am 3. April 2025 im Gabler Wirtschaftslexikon veröffentlicht wurde. Im zweiten Abschnitt wird das eine oder andere Beispiel aufgeführt, von POODLE bis Belle, im dritten die Perspektive der Ethik eingenommen: „Sie können in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen beim Reinigen von Gewässern, bei dem bislang vor allem passive Systeme verwendet werden, oder beim Erkennen von Anzeichen von Umweltzerstörung. Wichtig ist zum einen, dass sie die Tiere im Wasser nicht stören und nicht verletzen. Hier ist die Tierethik – in der Begründung von Rechten und Abwägung von Interessen – zusammen mit dem Tierschutz gefragt. Wichtig ist zum anderen, die Produktion und den Betrieb möglichst umweltfreundlich und ressourcenschonend zu gestalten, wo wiederum Umweltethik und Umweltschutz sich einbringen können, mit Richtlinien und Vorgaben.“ Der vollständige Beitrag ist über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/unterwasserroboter-172865 abrufbar.

Abb.: Teledyne Slocum (Foto: Matti Blume, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

Staunende Blicke auf die moderne Welt

Experimentelle Literatur schreibt Oliver Bendel seit über 40 Jahren. Ab 2007 erschienen drei Romane von ihm, die eher klassisch daherkommen, aber spezielle Themen haben. „Nachrückende Generationen“ (2007) erzählt von zwei Mädchen, deren Leben aus der Bahn gerät, wobei mehrere Perspektiven eingenommen werden. Zur Eskalation kommt es, als sie Cybersex mit einem Erwachsenen haben. In „Künstliche Kreaturen“ (2008) wird anhand der Vorlesung einer Professorin die Ideen- und Entwicklungsgeschichte der künstlichen Kreatur von der Antike bis zur Gegenwart entfaltet. Eine Grundlage dafür war die Vorlesung „Die künstliche Kreatur – Menschmaschinen“ an der PH Weingarten, durchgeführt ab dem Wintersemester 2005. „Verlorene Schwestern“ (2009) handelt von einem Jungen, der mit einer winzigen Fotodrohne – „la mouche“ – in die Häuser von Prominenten fliegt, um sie erpressen zu können. Nicht auf dem Plan hat er die ehemalige Stasiagentin, die „la bouche“ genannt wird. Obwohl die drei Romane nicht als Trilogie konzipiert waren, hängen sie schon durch ihren Fokus auf Technik und Technikfolgen miteinander zusammen. Sie sind aber keineswegs verbrämte wissenschaftliche Abhandlungen oder gar moralische Einlassungen, sondern staunende Blicke auf die moderne Welt.

Abb.: Oliver Bendel im Jahre 2005 (Foto: Stefanie Hauske)

Robotik und KI im Gefängnis

Die Aargauer Zeitung schrieb am 19. Dezember 2024: „Er ist der vermutlich innovativste Gefängnisdirektor der Schweiz. Nun feiert Marcel Ruf sein 20-jähriges Jubiläum. Im TalkTäglich erzählt er, was er im Amt alles erlebt …“ (Aargauer Zeitung, 19. Dezember 2024) Weiter heißt es in dem Artikel von Nadja Zeindler über den Direktor der JVA Lenzburg: „Nachdem er sich mit Tiertherapien oder Gefängnistheater bereits ein Image als vielleicht innovativster Gefängnisdirektor der Schweiz aufgebaut hat, wird nun zunehmend auch KI ein Thema: ‚Wir sind mit der FHNW dran, um zu prüfen, was da möglich ist.'“ (Aargauer Zeitung, 19. Dezember 2024) In der Tat stand er – neben zwei seiner Insassen – für das Projekt „Robots in Prison“ von Tamara Siegmann und Oliver Bendel zur Verfügung, wie auch weitere Gefängnisdirektoren, Experten und Betroffene. Ein Resultat war, dass Serviceroboter weniger gewünscht sind, wohl aber soziale Roboter für die Insassen, womit künstliche Intelligenz wieder im Spiel wäre. Das Paper „Social and Collaborative Robots in Prison“ wurde im Oktober bei der ICSR 2024 in Odense (Dänemark) präsentiert. Es erscheint in einem Proceedingsband von Springer Anfang 2025. Nun würden die Studentin und der Professor von der Hochschule FHNW gerne einen Schritt weiter gehen. Dabei könnten soziale Roboter, Chatbots oder Sprachassistenten für die Insassen eine Rolle spielen.

Abb.: Furhat bei der ICSR 2024

Was sind Weltraumroboter?

„Weltraumroboter sind stationäre oder mobile Roboter, die in der Raumfahrt und im Weltall eingesetzt werden, etwa auf Raumstationen oder auf Trabanten und Planeten. Sie sind (teil-)autonom oder ferngesteuert und dienen u.a. der Konstruktion, Montage und Reparatur, der Inspektion und Analyse oder dem Transport. Dabei verbinden sie Elemente von Industrie- und Servicerobotern. Ferner forscht man an sozialen Robotern und empathischen Sprachassistenten, die Astronauten bei Flügen begleiten und sie bei Aufenthalten unterstützen und unterhalten sollen.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel. Der Technikphilosoph aus Zürich geht auf die Merkmale von Weltraumrobotern ein und gibt einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte. Im letzten Abschnitt wird die Perspektive der Ethik eingenommen. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/weltraumroboter-123655 aufgerufen werden.

Abb.: Perseverance auf dem Mars (Bild: NASA/JPL-Caltech)

Ein zweifelhafter Ethikpreis für Fachhochschulen

Philosophische Ethik und theologische Ethik sind ganz unterschiedliche Disziplinen. Die eine nutzt wissenschaftliche Methoden und sieht – um Otfried Höffe zu zitieren – von einer letzten Berufung auf politische und religiöse Autoritäten ab. Die andere geht von göttlichen Instanzen aus. Die theologische Ethik ist seit jeher stark an Universitäten. In Deutschland und in der Schweiz durchdringt und gefährdet sie an manchen Orten auch die philosophische Ethik. Bei den Fachhochschulen haben es die Kirchen traditionell schwerer. In der Schweiz versuchen sie indes über sogenannte Fachstellen, die Studenten (oder auch den einen oder anderen Mitarbeiter) zu missionieren. Man hat Angebote in Bereichen wie „Beratung“, „Bildung“ und „Spiritualität“ und führt sogar Kontextmodule durch. Die Katholische Kirche im Kanton Zürich verleiht einen Ethikpreis für Bachelor- und Masterarbeiten, die an Fachhochschulen entstanden sind, etwa in den Bereichen Wirtschaft und Technik. Auf ihrer Website ist Pepper zu sehen. Damit reklamiert sie eine Zuständigkeit, die sie gar nicht hat, und überschreitet ihre Kompetenzen. Die Dozenten der Fachhochschulen treiben, wenn sie sich als Wissenschaftler verstehen, ausschließlich philosophische Ethik. Roboterethik und Maschinenethik als Bereiche der angewandten Ethik kommen ohne Verweis auf religiöse Autoritäten aus. Fachhochschulen, die ihre Studenten dazu ermuntern, sich für den Preis zu bewerben, erweisen ihnen und sich selbst einen Bärendienst.

Abb.: Pepper kann nichts dafür

Sei nett zu Booboo!

Das Wahlmodul „Soziale Roboter“ von Prof. Dr. Oliver Bendel fand vom 4. bis 6. November 2024 am Campus Olten statt. Als Gastreferentin konnte Tamara Siegmann (mit der Onlinepräsentation des Papers „Social and Collaborative Robots in Prison“) gewonnen werden. Sie machte den Anwesenden deutlich, dass jedes Mitglied der Hochschule einen Beitrag zur Forschung leisten kann. Vor Ort waren Pepper und NAO aus den Robo-Labs der FHNW sowie Unitree Go2, Alpha Mini, Cozmo, Furby und Booboo (aka Boo Boo) aus dem privat finanzierten Social Robots Lab von Oliver Bendel. Insbesondere Unitree Go2 – vom Dozenten auch Bao (chinesisch für „Schatz, Liebling“) genannt – und Booboo kamen gut an. Genmoor schreibt auf seiner Website: „Boo Boo is not just a toy. It is also the king of the planet Lonely …“ (Website Genmoor). Nach Angaben des Herstellers werden die Bewegungen von Booboo durch ein komplexes Steuerungssystem ermöglicht. „Therefore please be kind to Boo Boo, it is not an ordinary robotic pet. It could give you different responds according to your interaction.“ (Website Genmoor) Und die Studenten und Studentinnen waren nett zu dem kleinen, pelzigen, schwarzen Roboter, der schnurren kann wie eine Katze und aussieht wie ein Meerschweinchen.

Abb.: Eine Studentin mit Booboo

Beste Freunde?!

„Hast du keine Freunde, dann probier’s mal mit KI. Virtuelle Gefährtinnen und Gefährten haben Hochkonjunktur. Aber können sie uns tatsächlich verstehen, mit uns lachen und uns vor Einsamkeit bewahren? Ob wir mit einer KI befreundet sein können und welche Folgen das hat, bespricht Jasmina Neudecker mit dem Maschinenethiker Oliver Bendel.“ Mit diesen Worten bewirbt die Körber-Stiftung die Veranstaltung „Beste Freunde?! Meine KI und ich“, die am 18. Oktober 2024 im Körber-Haus in Hamburg stattfindet. Jasmina Neudecker ist Diplom-Biologin, Terra-X-Moderatorin und Wissenschaftsjournalistin. Prof. Dr. Oliver Bendel ist studierter Philosoph und promovierter Wirtschaftsinformatiker. Als Technikphilosoph untersucht er Roboter und KI-Systeme aus ethischer und verstärkt auch aus ästhetischer Sicht. Er wohnt in Zürich und forscht und lehrt an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Er lehrt zudem an der Hochschule für Technik FHNW und an der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW. Die Anmeldung erfolgt über die Website der Körber-Stiftung.

Abb.: Oliver Bendel im Jahre 2017 im KörberForum mit dem GEO-Chefredakteur (Foto: Körber-Stiftung)

Wir sind die Roboter

„Die Roboter“ ist ein Lied von Kraftwerk, das 1978 auf dem siebten Album der Band mit dem Titel „Die Mensch-Maschine“ veröffentlicht wurde. Am Anfang heißt es: „Wir laden uns’re Batterie/Jetzt sind wir voller Energie“. Das wirkt durchaus freudvoll, aber im weiteren Verlauf wird es eher trübselig. Zumindest lautet der Text, vom Russischen ins Deutsche übersetzt: „Ich bin dein Diener/Ich bin dein Arbeiter“. Das erinnert an „Rossum’s Universal Robots“, das 1920 erschienene Drama des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek, in dem die Roboter rechtlose, ausgebeutete Existenzen sind. Am 11. Juli 2024 spielte Kraftwerk beim Montreux Jazz Festival das Lied, das wie „Das Model“ aus demselben Album die Musik verändert hat. Es klang fast unverändert, aber es erklang in einer Welt, in der Roboter zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Wer sich eingehend mit der Musik beschäftigen will, kann dies ab November mit einer neuen Biografie „der einflussreichsten deutschen Popband aller Zeiten“ (Klappentext) tun. Sie stammt von Uwe Schütte und trägt den Titel „Wir sind die Roboter: Kraftwerk und die Erfindung der elektronischen Pop-Musik“.

Abb.: Kraftwerk 2024 beim Montreux Jazz Festival

Robot Dreams

Wie die Frankfurter Allgemeine meldet, läuft der oscarnominierte Animationsfilm „Robot Dreams“ im Kino an. Es ist die Geschichte eines einsamen Hunds namens Dog. „Abends läuft bei Dog die Glotze, und es gibt Käse-Makkaroni aus der Mikrowelle.“ (FAZ, 8. Mai 2024) In der Werbung erfährt er vom humanoiden Amica 2000. „Einmal zusammengebaut, wird der Roboter mit den Spaghetti-Armen und -Beinen schnell zu Dogs bestem Freund.“ (FAZ, 8. Mai 2024) Die beiden flanieren durchs alte New York und gehen an den Strand von Coney Island. Dort kann sich der Roboter – wenige Stunden vor der Schließung – plötzlich nicht mehr bewegen. Er muss zurückbleiben und Dog in sein Zuhause und in seine Einsamkeit zurückkehren. Die Zeit zieht sich wie der Käse in den Makkaroni, die Dog alleine isst. Der Roboter befreundet sich derweil mit einer Vogelfamilie. Und beide träumen auf ihre Art vom Wiedersehen. Die FAZ schreibt: „In seiner komplexen Einfachheit ist ‚Robot Dreams‘ ein Familienfilm im besten Sinne: ein sympathischer Film über zwei nichtmenschliche Außenseiter im urbanen Dschungel, der das Menschlichste überhaupt in eine -generationenübergreifende Bildsprache übersetzt.“ (FAZ, 8. Mai 2024) Roboter sind auch nur Menschen. Hunde erst recht.

Abb.: Ein Roboter am Strand (Bild: Ideogram)

Grundlagen der Tier-Maschine-Interaktion

„Die Tier-Maschine-Interaktion (TMI), im Englischen ‚animal-machine interaction‘ (AMI) genannt, behandelt als Disziplin oder Arbeitsgebiet die Interaktion zwischen Tier und Maschine. Vor allem geht es um Entwurf, Bewertung und Implementierung von komplexen Maschinen und Computersystemen, mit denen Tiere interagieren und die ihrerseits mit Tieren interagieren und kommunizieren. Es bestehen enge Beziehungen zur Tier-Computer-Interaktion (TCI), im Englischen ‚animal-computer interaction‘ (ACI). Immer häufiger handelt es sich bei der Maschine um einen Roboter, der entweder ferngesteuert oder (teil-)autonom ist.“ Mit diesen Worten beginnt ein neuer Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel. Es wird auf die Zusammenhänge zur Tier-Computer-Interaktion, zur Mensch-Maschine-Interaktion, zur Maschinenethik und zu Animal Enhancement eingegangen, zudem auf Anwendungsgebiete und -fälle der TMI. Der ganze Beitrag – erschienen ist er am 8. August 2024 – kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/tier-maschine-interaktion-126213 aufgerufen werden.

Abb.: Eine Schildkröte mit einer Roboterschildkröte (Bild: DALL-E 3)

Die Zeit ist reif für Roboterparks

Am 8. Dezember 2020 plädierte Prof. Dr. Oliver Bendel in seinem Vortrag „Ethische Dimensionen von Robotik in der Pflege“ im deutschen Bundesministerium für Gesundheit (BMG) für Roboterparks, in denen man realen Robotern begegnet. „Man kann auch spezifische Parks mit Robotern in der Pflege einrichten. Dort könnten zudem gedankengesteuerte Rollstühle, Exoskelette, Hightechprothesen etc. ihren Platz haben.“ In der Studie „Roboter, Empathie und Emotionen“ von 2021 spann der Technikphilosoph diesen Gedanken für die Schweiz weiter: „Um Menschen Maschinen näher zu bringen und eine kritische Einschätzung zu ermöglichen, ist der direkte Kontakt zu fördern, etwa mit Hilfe von Roboterparks.“ Zudem brauche es „einschlägige Weiterbildungen für (fachfremde) Wissenschaftler, für Journalisten und Politiker, wobei auch hier die Roboterparks genutzt werden könnten“ (Studie „Roboter, Empathie und Emotionen“). Im Jahre 2024 stehen Dutzende von Vierbeinern und Zweibeinern sowie zahlreiche weitere soziale Roboter und Serviceroboter zur Verfügung. Selbst fortgeschrittene Modelle sind schon ab 1000 bis 2000 Dollar zu haben. Die Zeit ist reif für Roboterparks, ob in der Schweiz oder in Deutschland – oder sonstwo in Europa.

Abb.: Die Zeit ist reif für Roboterparks (Bild: DALL-E 3)