Können Maschinen kreativ sein?

Können Roboter und KI-Systeme kreativ sein? Seit dem Aufkommen generativer KI wird diese Frage intensiv diskutiert. Dabei geht es nicht nur darum, ob Maschinen Bilder, Texte oder Musik hervorbringen können. Es geht auch darum, was wir überhaupt unter Kreativität und Kunst verstehen und ob diese notwendig an Menschen gebunden ist. Die Biennale Arte 2026 hätte ein hervorragender Ort sein können, um sich in diese Diskussion einzumischen. Tatsächlich geschieht dies nur vereinzelt. Im chinesischen Pavillon schreibt der humanoide Roboter Astribot S1 im Stile des Kalligrafiemeisters Wang Dongling. Die Besucher können die Kunstwerke, wenn es welche sind, mit nach Hause nehmen. Zhang Zhoujie wiederum lässt Computer auf der Grundlage vorgegebener Regeln Formen für seine „digital chairs“ entwickeln. Der Designer versucht dabei, möglichst wenig Kontrolle auszuüben und dem Computer einen eigenen Gestaltungsspielraum zu überlassen. Im Venedig-Pavillon übersetzt „Echo/SommersiVo“ Erinnerungen und Eindrücke der Besucher mit Hilfe künstlicher Intelligenz in eine sich ständig verändernde Klang- und Bildwelt. Die Beteiligten sprechen ausdrücklich von einer Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI im kreativen Prozess. Das sind interessante Ansätze, die jedoch Ausnahmen bleiben. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der generative KI unser Verständnis von Urheberschaft, Originalität und Kreativität herausfordert, macht die wichtigste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst diese Entwicklung kaum zum Gegenstand. Die Biennale Arte 2026 hätte die Frage, ob Maschinen kreativ sein können, nicht beantworten müssen. Aber sie hätte sie stellen sollen.

Abb.: Astribot S1 bei der Arbeit