Chatbots für tote, gefährdete und ausgestorbene Sprachen

Am 8. April 2026 ist der Artikel „Chatbots für tote, gefährdete und ausgestorbene Sprachen: Möglichkeiten und Grenzen generativer KI für die Weiterbildung“ von Oliver Bendel bei Wiley Industry News erschienen. Im Zentrum steht die Frage, wie Chatbots auf der Basis generativer KI zur Erhaltung und Förderung toter, gefährdeter und ausgestorbener Sprachen in der Weiterbildung (sowie in der Ausbildung) beitragen können. Nach einer Einführung in die technischen und konzeptionellen Grundlagen werden mehrere Projekte an der Hochschule für Wirtschaft FHNW vorgestellt und in technischer, ethischer und didaktischer Hinsicht diskutiert. Diese Dimensionen werden im nächsten Abschnitt wiederaufgenommen und ins Allgemeine und Übergreifende geführt. Am Ende werden mögliche und notwendige Schritte skizziert, die über den rein technologischen Diskurs hinausweisen. Zudem wird ein Ausblick auf künftige Möglichkeiten gegeben, die mit neuen Versionen von großen Sprachmodellen zusammenhängen. Mit dem Artikel liegt zum ersten Mal eine Gesamtschau zu den von Oliver Bendel initiierten Projekten vor, die sich toten, gefährdeten und ausgestorbene Sprachen widmen, darunter @ve (für Latein), @llegra (für Vallader) und kAIxo (für Baskisch) sowie Cleop@tr@ (Ägyptisch). Er kann über die Website des Verlags aufgerufen oder hier als PDF heruntergeladen werden.

Abb.: Oliver Bendel auf dem Nil (Foto: Stefanie Hauske)

H@mmur@pi kommt auf die Welt

Seit 2012 baut Prof. Dr. Oliver Bendel – teils mit seinen Studenten und Studentinnen, teils im Alleingang – Chatbots und Sprachassistenten. Diese wurden von den Medien besprochen und von der NASA für interessant befunden. Sein theoretisches Rüstzeug und praktisches Anschauungsmaterial hat er aus seiner Promotion zu diesem Thema, die ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Seit 2022 liegt der Fokus auf Dialogsystemen für tote und gefährdete Sprachen. Unter seiner Betreuung entwickelte Karim N’diaye den Chatbot @ve für Latein und Dalil Jabou den mit Sprachausgabe erweiterten Chatbot @llegra für Vallader, ein Idiom des Rätoromanischen. Derzeit testet er die Reichweite von GPTs – custom versions of ChatGPT“, wie OpenAI sie nennt – für gefährdete Sprachen wie Irisch (Irisch-Gälisch), Maori und Baskisch. Für alle drei sind bereits Prototypen entstanden, nämlich Irish GirlMaori Girl und Adelina (für Baskisch). Zudem untersucht er das Potenzial für ausgestorbene Sprachen wie Ägyptisch und Akkadisch. Die GPTs kommunizieren nicht ohne weiteres in Hieroglyphen und in Keilschrift, sie können aber Zeichen von Bildsprachen durchaus darstellen und erklären. Es ist sogar möglich, ganze Sätze einzugeben und danach zu fragen, wie man sie verbessern kann. Das Ergebnis sind dann – um beim Akkadischen zu bleiben – komplexe Strukturen aus Zeichen der Keilschrift. H@mmur@pi ist spezialisiert auf diese Sprache. Zudem kennt er sich mit Kultur und Geschichte der Region aus.

Abb.: Hammurapi mit seiner Frau im Euphrat (Bild: Ideogram)