Vom Böög zum Figure 02

In einem Artikel vom 1. Oktober 2026 berichtete Heise über eine spektakuläre Aktion des US-amerikanischen Robotikunternehmens Figure: Ausgemusterte Allzweckroboter des Typs Figure 02 wurden in einem Lichtbogenofen eingeschmolzen – sie wurden hineinmanövriert oder sprangen selbst hinein. In Zürich, wo der Technikphilosoph Oliver Bendel wohnt, verbrennt man jedes Jahr beim Sechseläuten den Böögg auf einem Scheiterhaufen, eine große, schneemannähnliche Figur aus Watte und Holzwolle. Manchen wird dabei mulmig zumute, denn man zerstört eine Abbildung des Menschen auf eine Weise, die für Menschen besonders schmerzvoll und grausam ist. Das Unternehmen hat nun Bilder geschaffen, die in gewisser Weise daran erinnern. Es verfolgte das Ziel, die Generation Figure 02 durch Figure 03 zu ersetzen, und wollte die alten Roboter nicht aufwendig weiterbetreiben oder auseinanderbauen. Zugleich sollten angeblich geschützte Spezialkomponenten zuverlässig vernichtet werden. In einer finnischen Gießerei wurden die Maschinen deshalb in einem 75-Tonnen-Lichtbogenofen versenkt. Daraus machte Figure mit enormem Aufwand eine filmische Inszenierung. Arnold Schwarzenegger persönlich lässt einen Figure 02 an einer Kette in den Ofen fahren, als deutliche Anspielung auf das Ende des T-800 in „Terminator 2“. Selbst der berühmte erhobene Daumen wird nochmals gezeigt, und der Schauspieler sagt nach vollbrachter Tat „Hasta la vista, Figure 02“ ins Mikrofon – aus dem Baby wird ein Robo – und grinst in die Kamera. Das Zerstören von Figure 02 in der Metallschmelze dürfte laut Oliver Bendel bei manchen Zuschauern ähnliche Gefühle auslösen wie das Verbrennen des Böögg auf dem Scheiterhaufen. Zwar handelt es sich um Maschinen, die nicht empfinden und leiden können. Doch gerade weil humanoide Roboter den menschlichen Kopf und Körper nachbilden und sich menschenähnlich bewegen, kann ihre demonstrative Vernichtung irritieren. Es sind letztlich faszinierende, aber schreckliche Bilder.

Abb.: Der Böög in Zürich

Es wird ein Mensch gemacht

In seiner Keynote „Es wird ein Mensch gemacht: Die Vision des universellen Roboters“ bei der IDEepolis am 19. Juni 2024 an der Hochschule der Medien ging Prof. Dr. Oliver Bendel auf universelle Roboter ein. Er begann mit einem Zitat aus „Faust II“ und stellte dann die Fortschritte in den Bereichen vor, die für den Bau eines Serviceroboters der Zukunft notwendig sind. Er kam zu folgenden Schlussfolgerungen: „Ein Serviceroboter als universelle Maschine kann an Schulen und Hochschulen, im Büro, in der Fabrik, im Hoch- und Tiefbau, im Haushalt und in der Freizeit eingesetzt werden. Er kann Sachverhalte erläutern und darstellen, Blumen gießen, am Fließband stehen, Gleisarbeiten durchführen, die Spülmaschine ein- und ausräumen und den Hund Gassi führen. Er kann als Gesprächspartner ebenso dienen wie als Sportpartner oder Liebespartner. Die humanoide Gestaltung erlaubt dem Roboter, sich überall dort zu bewegen, wo wir uns selbst auch bewegen. Zugleich kann er übermenschliche Fähigkeiten haben, schneller sein als wir, stärker, robuster. Er kann mit Sensoren ausgestattet werden, die weit über die Leistungsfähigkeit unserer Sinne hinausgehen. Damit könnte er zum Partner werden, der unser Überleben sichert in einer zunehmend gefährlichen und feindlichen Umwelt, aber auch zum Gegner, der sich gegen uns wendet.“ Nach Oliver Bendel können Digit, Atlas, Figure 01, H1, G1 und andere Modelle als Vorstufen von universellen Robotern aufgefasst werden. Es ist nach seiner Ansicht wichtig, sie in geschlossenen oder halboffenen Welten wie Fabriken zu erproben, bevor man sie in offene Welten entlässt. Die Jahrestagung wurde von Prof. Dr. Petra Grimm und Prof. Dr. Oliver Zöllner durchgeführt. Das Programm ist hier abrufbar.

Abb.: Oliver Bendel bei seiner Keynote (Foto: Aaron Kubach)