Weniger Produktivität durch KI als erwartet

Sophia Sichtermann interviewte am 18. Februar 2026 den Technikphilosophen Prof. Dr. Oliver Bendel für einen Artikel über Produktivitätssteigerung durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Anlass war ein Artikel im Fortune Magazine, demzufolge rund 90 Prozent der befragten Unternehmen bislang keinen messbaren Einfluss von KI auf Produktivität oder Beschäftigung feststellen konnten. Eine von mehreren Fragen betraf die These, dass die erhoffte Produktivitätssteigerung zwar später, aber dennoch eintreten wird. Er antwortete zunächst direkt darauf und führte dann weiter aus: „In der Medikamentenentwicklung oder bei der Materialforschung kann generative KI die Entwicklungszyklen drastisch verkürzen. Allerdings zeigt sich hier auch die Dual-Use-Problematik: Dieselben Technologien können missbräuchlich eingesetzt werden, etwa zur Entwicklung gefährlicher Substanzen. Produktivität ist ökonomisch betrachtet wertneutral; sie kann sowohl gesellschaftlichen Fortschritt als auch destruktive Aktivitäten beschleunigen. Mit anderen Worten: Generative KI kann ebenso behinderten und beeinträchtigten Personen helfen wie der organisierten Kriminalität. Vor diesem Hintergrund gewinnt die sozialpolitische Dimension an Bedeutung. Wenn Automatisierung zu flächendeckender Automation führt und diese bestimmte Tätigkeiten dauerhaft verdrängt, könnte die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen neue Aktualität erhalten. Ein solches Instrument würde nicht Produktivität schaffen, könnte jedoch soziale Stabilität und individuellen Konsum sichern, während sich Arbeitsmärkte neu ordnen. Etwas zynischer ausgedrückt: Die Unternehmen können uns gar nicht sterben lassen, sonst werden ihre Produkte und Dienstleistungen nicht mehr nachgefragt.“ Am 21. Februar 2026 erschien der Artikel „‚Lage ist dringlich‘: Weniger Produktivität durch KI als erwartet – Deutschland verliert den Anschluss“ mit mehreren Statements von Oliver Bendel in der Frankfurter Rundschau, dem Münchner Merkur und zehn weiteren deutschen Zeitungen.

Abb.: Ein Jogger in Frankfurt am Main

Co-Robots und Co.

Kooperation ist Zusammenarbeit, insbesondere auf wissenschaftlichem, politischem oder wirtschaftlichem Gebiet. Typisch ist ein hoher Grad an Arbeitsteilung bei gleichzeitigem Vorliegen eines gemeinsamen Ziels. Bei Kollaboration ist ein hoher Grad an unmittelbarer Zusammenarbeit gegeben. Die Tätigkeiten greifen ineinander und bauen aufeinander auf. Mit Blick auf die Industrie spricht man von Kooperations- oder Kollaborationsrobotern, abkürzend und verallgemeinernd von Co-Robots und Cobots. Die Bedeutungsunterschiede nimmt man mal mehr, mal weniger ernst. In der Regel sind Kooperation und Kollaboration mit Menschen gemeint. Auch unter Maschinen können sie stattfinden, aber dort sind sie auf einem gewissen Niveau üblich und verbreitet, während die enge Zusammenarbeit zwischen Industrierobotern und Mitarbeitern neuartig und gewinnbringend für beide Seiten ist. In seinem Artikel „Co-Robots und Co. – Entwicklungen und Trends bei Industrierobotern“ in der Netzwoche 9/2017 geht Oliver Bendel auf den Einsatz von Kooperations- und Kollaborationsrobotern ein, nennt konkrete Produkte und skizziert Chancen und Risiken.

Abb.: P-Rob von F&P Robotics (Foto: Daimler und Benz Stiftung)

Chancen und Risiken 4.0

Die Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt der deutschen Regierung. Die Produktion wurde in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgelagert. Die Wirtschaft stand Ende des 20. Jahrhunderts am Scheideweg. Die BRD könnte, so die Überlegungen, noch mehr zum Dienstleistungsland werden. Oder wichtiger Produktionsstandort bleiben, indem Produktionsfaktoren und -mittel völlig neu gedacht und arrangiert würden. Die Idee der Industrie 4.0 war geboren. Der Artikel „Chancen und Risiken 4.0“ von Oliver Bendel, erschienen in der UnternehmerZeitung 3/2015, beantwortet Fragen dieser Art: Was meint der Begriff der Industrie 4.0? Welche Bereiche der Wirtschaft sind betroffen? Wie verändern sich unsere Arbeit und unser Alltag? Und kann auch die Schweiz von den Ansätzen profitieren? Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: „Die Informationsethik beschäftigt sich damit, dass die vernetzten Systeme manipuliert und gehackt werden, falsche Daten benutzen und falsche Informationen liefern können, zudem mit der Gefährdung der informationellen und persönlichen Autonomie.“ Weitere Informationen zum Heft über www.unternehmerzeitung.ch. Der Artikel ist als PDF verfügbar.

Abb.: Rote Flip-Flops out, blaue in – für die Smart Factory kein Problem