Gedichte und Geschichten im Circus Culturelli

Der Circus Culturelli war eine legendäre Hörfunksendung, die in den 1980er- und 1990er-Jahren auf Südfunk 3 bzw. SDR 3 ausgestrahlt wurde. Er bot eine unkonventionelle Mischung aus Musik, Kleinkunst, Literatur und humorvollen Beiträgen. Eine Besonderheit war die aktive Beteiligung der Hörer, die eigene Gedichte, Kurzgeschichten, Hörspiele und andere kreative Werke auf Audiokassetten aufnehmen und an die Redaktion schicken konnten. Ausgewählte Beiträge wurden im Radio ausgestrahlt. Damit bot der Circus Culturelli eine Plattform für literarische und künstlerische Experimente abseits des etablierten Kulturbetriebs und nahm heutige Formen von User-generated Content vorweg. Auch Oliver Bendel war um 1984 mindestens zweimal mit eigenen Gedichten vertreten, die er selbst auf Audiokassette eingesprochen hatte. Er galt damals in der Region zwischen Ulm und Stuttgart als literarische Nachwuchshoffnung und erhielt im Rahmen eines Stipendiums der Förderkreises deutscher Schriftsteller mehrmals Feedback vom Lektor und Freund von Michael Ende. Moderiert wurde die Sendung u.a. von Persönlichkeiten wie Stefan Siller und Hans-Peter Archner. Der Circus Culturelli stand für eine experimentierfreudige Radiokultur, in der die Grenzen zwischen Hörern und Programmmachern durchlässig wurden und man das bis dahin vorherrschende Sender-Empfänger-Prinzip zumindest zeitweise aufhob. Daneben gab es in den 1980er-Jahren auch das Poesietelefon, zu dem lokale Künstler deutscher Städte beitrugen.

Abb.: Ein Plakat aus jener Zeit (Bild: SDR 3, mit KI optimiert)

Gewinne an die Gesellschaft verteilen

Im Ausschuss „Digitale Agenda“ im Deutschen Bundestag, so ein Artikel auf detektor.fm vom 23. Juni 2016, diskutierten Experten „über die Folgen der Automatisierung und Digitalisierung“. Der Sender aus Leipzig stellte die Frage: „Worauf müssen sich Gesellschaft und Wirtschaft einstellen?“ (Website detektor.fm, 23. Juni 2016) Antworten lieferte Oliver Bendel, der am Tag zuvor im Reichstag als Sachverständiger fungiert hatte, per Telefon. Bereits im Vorfeld war er auf einen umfangreichen Fragenkatalog eingegangen. Unter anderem hielt er fest: „Für die Arbeitnehmenden, die ersetzt werden, ist Sorge zu tragen. Wer dazu in der Lage und willens ist, soll umgeschult werden, wobei staatliche Fördermaßnahmen ausgebaut werden können. Es ist darüber nachzudenken, wie hoch der Anteil von Robotern in einem Betrieb sein darf. Vielleicht braucht es eine Roboterquote. Wenn Gewinne mit einer hohen Zahl an Robotern, aber einer geringen Zahl an Arbeitnehmern erwirtschaftet werden, sind sie an die Gesellschaft zu verteilen. Möglichkeiten dazu sind ein bedingungsloses Grundeinkommen oder ein bedingungsloses Grundeigentum.“ Insgesamt hat Oliver Bendel aus der Perspektive der Informations-, Technik- und Wirtschaftsethik, aber auch der Maschinenethik argumentiert. Der erwähnte Artikel ist mitsamt dem Podcast auf detektor.fm/wirtschaft/ausschuss-digitale-agenda zu finden.

Abb.: Kein Roboter, sondern eine Figur aus Silber im Schloss Charlottenburg