Das BotCollege aus dem Jahre 2004

Im Jahre 2004 kündigte das Unternehmen Artificial Life ein Projekt mit dem Namen BotCollege an. Informationen dazu sind nur spärlich vorhanden. Erhalten geblieben ist ein archivierter Screenshot der Website, der einen stilisierten 3D-Campus mit mehreren Gebäuden zeigt. Darunter steht lediglich: „botcollege.com – available soon“. Weder Testberichte noch Pressemitteilungen lassen darauf schließen, dass das BotCollege jemals live ging. Vermutlich blieb es bei einem Konzept oder einem frühen Prototyp. Inhaltlich hätte das BotCollege gut zur damaligen Ausrichtung von Artificial Life gepasst. Das Unternehmen arbeitete ab Mitte der 1990er-Jahre an verschiedenen Projekten mit KI-Agenten, Chatbots und Avataren, darunter Einstein (Einstein Alife), eine Lernanwendung auf einer CD-ROM, die 1999 auf den Markt kam. Der Chatbot war mit einem realistisch aussehenden Avatar verbunden und führte durch Leben und Werk des berühmten Physikers aus Ulm. 2004 kam die Firma mit einem weiteren Produkt in die Schlagzeilen, der virtuellen Freundin (Virtual Girlfriend) für das Handy, für das damals gerade eingeführte 3G-Netz. Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Vielleicht sollte das BotCollege aus demselben Jahr eine Lernumgebung für KI-Agenten sein. Oder eine Lernumgebung mit KI-Agenten, für Menschen, die mit ihnen hätten lernen können. Eigentlich sollte man den Gründer von Artificial Life fragen, also Eberhard Schöneburg persönlich, aber wer möchte schon einen solchen Pionier bei der Arbeit stören. Die Welt zitierte ihn im Jahre 1999 mit den Worten, irgendwann würden „im Internet keine Menschen mehr unterwegs“ sein, „sondern nur noch Bots, die Aufträge ausführen“. „Ob man sich darauf freuen soll?“ (Welt, 19. November 1999)

Abb.: Ein archivierter Screenshot von der Website

Das Virtual Girlfriend für 3G

Im Jahre 1999 wechselte Oliver Bendel von einem Institut in Trier an die Universität St. Gallen, auf eine Stelle als Projektleiter und Doktorand. Zunächst wollte er seine Arbeit über Lern- und Wissensportale schreiben. Schnell entschied er sich aber für ein anderes Thema. Seit jeher hatten es ihm Chatbots, Sprachassistenten und soziale Roboter angetan. Einige kannte er aus der Science-Fiction, einige auch aus eigener Anschauung und Anwendung. Faszinierend waren nicht nur die Dialogsysteme selbst, mit denen er bereits seit 1996 experimentierte, sondern auch die Visualisierungen und Verkörperungen. Er widmete sich pädagogischen Agenten, also Chatbots, Sprachassistenten und KI-Agenten in Lernumgebungen. Auch Systeme mit Emotionserkennung waren im Blick und erste soziale Roboter. Der Firma Artificial Life widmete er mehrere Seiten. Sie war ab 1999 mit Einstein (Albert Einstein Alife) bekannt geworden, einer Lernanwendung auf einer CD-ROM. Der Chatbot war mit einem realistisch aussehenden Avatar verbunden und führte durch das Leben und die Arbeit des berühmten Physikers aus Ulm. Anfang des neuen Jahrtausends kam die Firma mit einem weiteren Produkt in die Schlagzeilen, der virtuellen Freundin (Virtual Girlfriend) für das Handy, für das damals gerade eingeführte 3G-Netz. Man konnte sich um sie kümmern wie um das Tamagotchi, das ein paar Jahre vorher auf den Markt gekommen war, und ihr Geschenke machen, natürlich kostspielige. Unter v-girl.com war sie jahrelang zu erreichen. Etliche Firmen hatten bereits Erfahrungen damit gesammelt, dass Benutzer die Chatbots mit ihren Avataren umwarben, sie fragten, wie alt sie sind, ob sie einen Freund haben, ob sie Interesse an einer Beziehung haben. Artificial Life setzte nun genau auf diese Beziehung und schuf ein ebenso visionäres wie problematisches Artefakt, darauf ausgelegt, weitgehende Abhängigkeit in einer einseitigen Beziehung herzustellen. Solchen Themen widmete sich Oliver Bendel dann in zahlreichen Artikeln und Buchbeiträgen. 2020 erschien sein Buch „Maschinenliebe“ bei Springer Gabler. Es fasste den damaligen Stand der Forschung zu Chatbots, Liebespuppen und Sexrobotern zusammen.

Abb.: Das Virtual Girlfriend im Jahre 2004 (Bild: Screenshot der Website von Artificial Life)