Von Spinchat bis X

Im Jahre 1996 entstand die Community Spinchat (oder Spinchat.de), die später in Spin.de umbenannt wurde. Das Unternehmen wollte damit eigentlich nur die Leistungsfähigkeit seiner Chatsoftware zeigen. Schnell fanden sich aber zahlreiche Benutzer ein und gaben dem Projekt eine andere Richtung. Über 100.000 waren es irgendwann. In den Chatrooms konnte man miteinander sprechen, über private Probleme und gemeinsame Interessen. Man flirtete miteinander oder versuchte es zumindest. Dabei war man nicht allein – Chatbots oder Chatterbots moderierten, sie kickten Benutzer mit anstößigen Nicknames, kurbelten Unterhaltungen an oder erzählten Witze. Man konnte sie, wie auch die Menschen im Chatroom, direkt ansprechen. Diese Funktion erinnert an Grok von Elon Musk. Auch hier ist ein Chatbot in eine Community integriert, in diesem Falle X. Das LLM bietet natürlich ganz andere Möglichkeiten als ein regelbasierter Chatbot, bis hin zur Generierung von Bildern, auch anzüglichen und bloßstellenden, was inzwischen eingedämmt wurde. Im Buch „Die Mondlandung des Internet“ (1998) ging Oliver Bendel auf Spinchat ein, und zwar in dessen Funktion als Anbieter des Chats von „Wahlstudio live“. Der Hauptautor Rainer Kuhlen, Professor für Informationswissenschaft an der Universität Konstanz, wollte untersuchen, wie Werbung und Propaganda der Bundestagswahl 1998 im WWW stattfanden. Er schuf den theoretischen Rahmen des Werks, während Oliver Bendel die zahlreichen Projekte der Parteien und Politiker mit ihren Diskussionsforen, Chats und Votings beschrieb und einordnete. Ob der Chat von „Wahlstudio live“ moderiert wurde, von Mensch oder Maschine, blieb unklar.

Abb.: Spinchat im Jahre 1999