Large Behavior Models für Pancakes

„Forscher des Toyota Research Institute (TRI) haben nach eigenen Angaben einen wegweisenden generativen KI-Ansatz entwickelt, um Robotern schnell und sicher neue Fähigkeiten beizubringen, zu denen beispielsweise die Zubereitung von Pancakes gehört. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärt, werde dadurch der Nutzen von Robotern erheblich verbessert. Obendrein sei dies ein bedeutsamer Schritt hin zur Entwicklung eines sogenannten Large Behavior Models (LBM).“ (Golem, 20. September 2023) Dies meldete Golem am 20. September 2023. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die Nutzung von Large Language Models (LLM) für Roboter. In diesem Bereich hat seit Anfang 2023 vor allem das Sprachmodell PaLM-E für Aufmerksamkeit gesorgt. Indem Bilddaten und Daten zu Zuständen und Ereignissen integriert werden, werden Virtualität und Realität miteinander verbunden. Konkret kann der Benutzer mit Hilfe eines Prompts einem Roboter eine Anweisung geben, die dieser dann in seiner Umgebung ausführt, die er vorher beobachtet hat und weiter beobachtet. Aber nicht nur Google und TU Berlin forschen auf diesem Gebiet – in dem Paper „ChatGPT for Robotics“ hat auch Microsoft erste Ergebnisse vorgestellt. Oliver Bendel hat im Mai 2023 zu diesem Thema den Artikel „Die Mächtigkeit von Sprachmodellen“ veröffentlicht.

Fig.: A cobot with two engineers

DALL-E 3 steht Allgemeinheit zur Verfügung

„Knapp eine Woche, nachdem OpenAI die neue Version von Dall-E 3 vorgestellt hat, steht sie nun über den Bing Image Creator zur kostenlosen Verfügung. Ursprünglich hatten die Entwickler angekündigt, das Tool nur für ChatGPT-Plus- und Enterprise-Kunden ab Anfang Oktober zu veröffentlichen.“ (Golem, 2. Oktober 2023) Dies meldete Golem am Spätnachmittag des 2. Oktober 2023. „Mit der Text-zu-Bild-KI verspricht OpenAI, Kenntnisse im Prompt Engineering überflüssig zu machen. Bei Dall-E 3 übernimmt ChatGPT diese Aufgabe und übersetzt die Bildbeschreibungen der Nutzer in Prompts, die für Dall-E 3 verständlich sind.“ (Golem, 2. Oktober 2023) Am Abend war das System zeitweise stark überlastet. Das Generieren eines Bildes dauerte 15 bis 30 Minuten. Erste Tests von Prof. Dr. Oliver Bendel verliefen erfolgversprechend. Die Qualität nähert sich Midjourney an, aber Füße und Hände sind immer noch eine Herausforderung … Auch eine moralische und rechtliche Dimension scheint es wieder zu geben: OpenAI legt „bei Dall-E 3 weiterhin Wert auf Sicherheit“ und „integriert Mechanismen, mit denen Missbrauch, Propaganda und Desinformationen“ (Golem, 2. Oktober 2023) vorgebeugt werden soll. Bei DALL-E 2 sorgte dies bereits für ärgerliche Einschränkungen, ebenso bei Ideogram. Man ist letztlich der Moral amerikanischer Machart ausgeliefert – dem neoviktorianischen Unternehmenskonservatismus, wie es ein KI-Experte im Austausch mit Oliver Bendel ausdrückte. DALL-E 3 zensiert ebenfalls, direkt bei den Prompts, und droht mit Konsequenzen bis hin zur Schließung des Accounts.

Abb.: Ein Mädchen springt vom Turm in den Pool (Bild: DALL-E 3)

Der künstliche Barkeeper

„Diskrete Fertigung und Prozessautomation – das sind die Fokusthemen der messtec drives Automation. Durch Markt- und Branchenanalysen, Unternehmensporträts sowie Technologie- und Applikationsberichte gibt das Medienkonzept mit seinen Print- und digitalen Formaten neue Impulse!“ (Website Wiley) Mit diesen Worten wirbt das Magazin von Wiley auf seiner Website. In der Ausgabe 8/2023, erschienen am 2. Oktober 2023, ist der dreiseitige Artikel „Der künstliche Barkeeper“ von Prof. Dr. Oliver Bendel und Lea Peier enthalten. Es handelt sich um den Auftakt einer dreiteiligen Serie, die auf das Paper „How Can Bar Robots Enhance the Well-being of Guests?“ zurückgeht und die in den Ausgaben 8/2023, 9/2023 und 1/2024 abgedruckt wird. Im Fokus stehen Barroboter wie Barney Bar und Robobarista, die an der Hochschule für Wirtschaft FHNW erforscht werden. Im ersten Teil werden Industrieroboter, Serviceroboter und soziale Roboter erklärt. Dabei spielt das Modell mit den fünf Dimensionen eine Rolle. Zudem wird auf Roboter in der Gastronomie eingegangen und eine Übersicht über Barroboter gegeben. Zwei Fotos zeigen die genannten Modelle, die aus der Schweiz stammen. Das ganze Heft kann hier heruntergeladen werden.

Abb.: Robobarista von Smyze (Foto: Lea Peier)

Das Zensieren beim Generieren

Ideogram schien im August 2023 als recht freier und freizügiger Bildgenerator zu starten. Inzwischen werden auffällig viele Bilder zensiert. Dabei ist gar nicht der Prompt entscheidend, sondern das Bild selbst. Wenn der Plattform beim Generieren auffällt, dass das Bild problematisch sein könnte, wird es nicht zu Ende gebracht, sondern durch eine Kachel mit einer Katze ersetzt, die ein Schild mit der Aufschrift «MAYBE NOT SAFE» in den Pfoten hält. Ein Prompt lautete: „Die Skulptur Galatea, die der schönen Aphrodite ähnelt, erschafft sich selbst, photo, cinematic“. Die Skulptur von Pygmalion sollte sich also selbst ermächtigen. Man sah die vier Bilder entstehen, bei zweien waren Brüste zu erkennen, für den Benutzer und auch die Plattform selbst, was offenbar dazu führte, dass die Bilder noch vor der Fertigstellung in die besagten Warnhinweise umgewandelt wurden. Unproblematisch dagegen nach wie vor die fotorealistischen Bilder von Frauen in freizügiger Pose, solange sie Bikinis oder Hotpants tragen. Genau hier scheint, wie bei anderen amerikanischen Plattformen auch, das Problem zu liegen, nämlich in der Sichtbarkeit der Brustwarzen, ganz egal, ob es sich um Menschen oder Skulpturen handelt. Ein weiterer Versuch ließ bei einem von vier Bildern genau diese erkennen, bis sie unter dem Fell der Katze verschwanden. Bei einer anderen Skulptur hatte Ideogram selbst die Brustwarzen abgedeckt, die eine mit ihrer Hand, die andere mit etwas Schmuck aus Lehm oder Stein. Ihr blieb das Schicksal der Schwester erspart.

Abb.: Mehr ist kaum möglich (Photo: Ideogram)

ChatGPT will See, Hear, and Speak

OpenAI reported on September 25, 2023 in its blog: „We are beginning to roll out new voice and image capabilities in ChatGPT. They offer a new, more intuitive type of interface by allowing you to have a voice conversation or show ChatGPT what you’re talking about.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) The company gives some examples of using ChatGPT in everyday life: „Snap a picture of a landmark while traveling and have a live conversation about what’s interesting about it. When you’re home, snap pictures of your fridge and pantry to figure out what’s for dinner (and ask follow up questions for a step by step recipe). After dinner, help your child with a math problem by taking a photo, circling the problem set, and having it share hints with both of you.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) But the application can not only see, it can also hear and speak: „You can now use voice to engage in a back-and-forth conversation with your assistant. Speak with it on the go, request a bedtime story for your family, or settle a dinner table debate.“ (OpenAI Blog, 25 September 2023) More information via openai.com/blog/chatgpt-can-now-see-hear-and-speak.

Fig.: ChatGPT will see you (Image: Ideogram)

Artifacts with Handicaps

The technology philosopher and writer Oliver Bendel published the book „ARTIFACTS WITH HANDICAPS“ on 24 September 2023. The information about the author reads: „Oliver Bendel featuring Ideogram and GPT-4“. In fact, the entire work was created with the help of generative AI. It consists of 11 images, each followed by a short story. This one deals with the imperfection of representation. Once a hand looks like that of a mummy, once a skateboard floats in the air above the wheels. But there is also one or another representation that looks perfect. In this case, the story explains what is different about the person, their history, or their behavior. Ultimately, it is about the otherness and the fact that this is in fact a special feature. The book is freely available and can be distributed and used as desired, with credit given to the authors, i.e. the artist and the AI systems. Oliver Bendel has been writing experimental literature, including digital literature, for 40 years. As of 2007, he was one of the best-known cell phone novelists in Europe. In 2010, he attracted attention with a volume of haiku – „handyhaiku“ – in which the poems were printed in the form of QR codes. In 2020, the volume „Die Astronautin“ was published, in which the poems are printed in the form of 3D codes. The standard work „Die Struktur der modernen Literatur“ („The Structure of Modern Literature“) by Mario Andreotti devotes two pages to the writer’s work.

Fig.: One of the images (Image: Ideogram)

BABYCLON, a Robotic Baby

The Copernicus Science Centre’s exhibition „The Future is Now“ helps to face and understand the challenges of today’s world in all its complexity. „It shows different technological solutions and encourages to look at them in a critical way. It also takes notice of the relationships between our personal values and the values of others.“ (CSC website) The exhibition is divided into three parts. Two of them can already be visited: „Digital Brain?“ and „Mission: Earth“. The last part („Human 2.0“) is scheduled to open on 15 October 2024. Part of the „Digital Brain“ („#Relationships“) is BABYCLON, a robotic baby. According to the organizers, this will allow visitors to test the uncanny valley effect on themselves. „Are we ready to meet our machine lookalikes? Not really. It turns out that the more indistinguishable from humans a robot is, the weirder feelings it evokes. See for yourself if the ‚uncanny valley‘ effect works on you.“ (CSC website) This is not exactly what the uncanny valley thesis means. It is about very high expectations of very human-like robots, which are then disappointed by, for example, Sophie’s weird smile or BABYCLON’s strange behavior. More information at www.kopernik.org.pl/en/education-and-information-campaigns/exhibition-future-today.

Fig.: The robot baby (Photo: Katharina Kühne)

In der Schweiz verkehren autonome Züge

Wie verschiedene Schweizer Medien melden, etwa Tages-Anzeiger und Watson, startet der Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS) im Oktober 2023 Testfahrten mit einem automatischen oder autonomen Zug. Dieser ist „nur auf Strecken unterwegs, wo es Leerfahrten gibt“ (Watson, 13. September 2023). Damit würde man laut Medien das geforderte Sicherheitsniveau erfüllen. „Den Testfahrten vorausgegangen seien – unter anderem zur Klärung dieser Frage – umfangreiche Abklärungen und Studien. Derzeit werde zusätzlich überprüft, ob eine Raumüberwachung des Bahnübergangs notwendig ist, der sich auf der Strecke zwischen dem Bahnhof Bätterkinden und dem Wendegleis befindet.“ (Watson, 13. September 2023) Weltweit verkehren viele U-Bahnen fahrerlos und weitgehend unfallfrei. Auch mit Shuttles, die auf virtuellen Schienen mit geringer Geschwindigkeit fahren, hat man seit Jahren gute Erfahrungen gemacht – hier wurde in der Schweiz mit dem SmartShuttle Pionierarbeit geleistet. Es liegt nahe, in diesem Land den Zugverkehr zu automatisieren. Ohne Zweifel wird in ein paar Jahren auch der Personentransport in dieser Form stattfinden.

Abb.: Ein Zug der SBB in Solothurn

Der interaktive, webbasierte Digital-Trust-Radar

Es entstehen immer mehr Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz (KI). Manche sind sehr allgemein, andere sehr konkret, bezogen auf einen Anwendungsbereich oder eine Nutzergruppe. Ein wesentlicher Aspekt bei der Durchführung von KI-Projekten und der Einführung von KI-Systemen ist Digital Trust. Die Entwickler müssen den Einrichtungen, die Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen zu künstlicher Intelligenz verantworten und vorlegen, vertrauen können, und sie müssen den Regeln selbst vertrauen können. Die Anbieter und Benutzer müssen beim Betrieb der KI-Systeme darauf vertrauen können, dass alle Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen beachtet wurden und das KI-System den Anforderungen entspricht. Die Endbenutzer müssen darauf vertrauen können, dass das KI-System den Anforderungen entspricht und es sich um vertrauenswürdige KI handelt. Der interaktive, webbasierte Digital-Trust-Radar schafft für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft spezifische Zugänge zu Leitfäden, Richtlinien und Verordnungen, fasst diese zusammen und bewertet sie. Dabei werden Bereiche wie Ethik und Recht, Cybersicherheit sowie Technik und Methodik unterschieden. Der Einstieg erfolgt über Themen, Branchen oder Rollen. Das Projekt dauert vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 und wird von der Stiftung FHNW sowie vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW gefördert. Projektleiter ist Prof. Dr. Oliver Bendel. Weitere Informationen sind über digitaltrust-competence.ch/projects erhältlich.

Abb.: So stellt sich Ideogram ein Magazin zu Digital Trust vor

Roncalli zeigt Tiere als Hologramme

Wie Golem am 11. September 2023 meldete, zeigt der Zirkus Roncalli Tiere nur noch als Hologramme. Damit dürfte neben die berühmten ABBA-Shows mit ihren humanoiden ABBAtaren neue Spektakel mit animaloiden Darstellern treten. Es handelt sich wie bei „Voyage“ in London um Pseudo- oder Quasihologramme. Das Magazin schreibt hierzu: „Als technisch besonders herausfordernd habe sich dabei die Tatsache erwiesen, dass das Publikum im Zirkus in einer kreisförmigen Anordnung um die Show herum sitze. Um die verschiedenen Sichtperspektiven zu erfassen, kommen letztendlich elf um die Manege herum platzierte Hochleistungsbeamer zum Einsatz. Die hochauflösenden 3D-Bilder projiziere der Zirkus auf ein feinmaschiges Netz, das den Aufführungsraum umgebe und das, sobald das Licht ausgehe, nahezu unsichtbar sei.“ (Golem, 11. September 2023) Als Tierschützer hat sich Roncalli schon seit geraumer Zeit positioniert – nun kommt der Status des Technikförderers dazu. Tatsächlich haben Hologramme enormes Potenzial und dürften nicht nur Shows und Events, sondern auch die Zusammenarbeit in und zwischen Unternehmen sowie die Ausstattung von Smart Homes verändern. Zudem könnten sie – wie im Buchbeitrag „Hologram Girl“ beschrieben – zu neuen Objekten der Begierde werden.

Abb.: Ein mit Ideogram generiertes Bild eines Elefanten

Video zu @llegra

Zu @llegra, einem Chatbot für Vallader, liegt seit 10. September 2023 ein Video vor. Vorgeführt wird ein kurzes Gespräch mit Texteingabe und -ausgabe sowie Sprachausgabe. Conversational Agents sind seit einem Vierteljahrhundert ein Forschungsgegenstand von Prof. Dr. Oliver Bendel. Ihnen widmete er seine Doktorarbeit an der Universität St. Gallen. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW entstanden sie von 2012 bis 2022 vor allem im Kontext der Maschinenethik und Sozialen Robotik. Der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker widmet sich seit einiger Zeit verstärkt toten, ausgestorbenen und gefährdeten Sprachen. Nach @ve (2022), einem auf GPT-3 basierenden Chatbot für Latein, startete im März 2023 ein weiteres Projekt. Entwickelt wurde bis August 2023 der Chatbot @llegra von Dalil Jabou für das rätoromanische Idiom Vallader, das im Unterengadin zwischen Martina im Nordosten und Zernez im Südwesten sowie im Val Müstair auftritt und gefährdet ist. Der Chatbot beruht auf dem Sprachmodell GPT-4. Das hat den Vorteil, dass er von Haus aus mächtig ist, und den Nachteil, dass man ihn noch nicht mit eigenem Material trainieren kann – was sich erst Ende des Jahres ändert. Entsprechend rutscht @llegra immer wieder in Sursilvan und Rumantsch Grischun, wenn sie auf Vallader nicht weiterweiß. Das kann freilich auch Menschen passieren, die gerade von Flims nach Scuol gezogen sind und regelmäßig RTR gesehen oder gehört haben. Das Video kann über YouTube aufgerufen werden.

Abb.: Eine junge Frau benutzt einen Chatbot in den Alpen

Demos auf Ideogram

Ideogram ist ein Bildgenerator, der Gesichter und Körper meist schlechter als Midjourney darstellt, Texte aber oft besser. Er kann über ideogram.ai aufgerufen werden. Jedes Bild ist öffentlich auf der Website sichtbar. Die Community nutzt diese Voraussetzungen und Bedingungen, um miteinander und vor allem mit dem Anbieter zu kommunizieren. So sind seit Tagen Protestierende mit Schildern zu sehen, auf denen „You need more servers“ und ähnliche Sätze stehen. Damit wird darauf angespielt, dass der Dienst inzwischen so beliebt ist, dass er nur noch selten zur Verfügung steht. Andere Generatoren hat in der Vergangenheit ein ähnliches Schicksal ereilt, bis nachgebessert wurde. Immer mehr werden auch konkrete Funktionen gefordert, etwa eine Suchfunktion oder eine Uploadfunktion für Bilder. Da solche Tafeln von vielen Benutzern gelikt werden, sind sie in der standardmäßig eingestellten Rubrik „Trending“ sichtbar. Dort war dann auch eine Gegenstimme, eine Demonstrantin, die ein Schild mit der leicht fehlerhaft generierten Aufschrift „IT’S FREE UNGRATEFUL PEEOPLE“ trug. Ob undankbar oder nicht – wichtig wäre noch eine höhere Auflösung, denn im Moment ist man auf Upscaler angewiesen, wenn man das Bild in einer bestimmten Größe auf der Website oder im Print verwenden will. Ein Grund für die Beliebtheit von Ideogram ist, dass man ohne Anmeldung und andere Hürden einfach loslegen kann. Und eben, dass man Texte einfügen kann, was u.a. die Covergestaltung ermöglicht.

Abb.: Ein Kommunikationsbild von „engel“, zugeschnitten für diesen Post (Bild: Ideogram)

Bildgeneratoren aus ethischer Sicht

Mit generativer KI (engl. „generative AI“) beschäftigte sich Prof. Dr. Oliver Bendel ab 2019, zunächst in Bezug auf Dialogsysteme sozialer Roboter, dann in Bezug auf Text- und Bildgenerierung. In dem von ihm herausgegebenen Band „Maschinenliebe“ geht einer seiner Autoren, Kino Coursey von Realbotix, auf die Verwendung von Sprachmodellen bei sozialen Robotern wie Harmony ein. Es folgten weitere Artikel in diesem Kontext von Oliver Bendel selbst, etwa „Die Mächtigkeit von Sprachmodellen: Anwendungsmöglichkeiten für Service- und Industrieroboter“, erschienen im Frühjahr 2023 in messtec drives Automation. 2023 war der Technikphilosoph zu Gast bei „Scobel“ zu diesem Thema, u.a. zusammen mit Doris Weßels, und Referent an der TU Darmstadt. Für Ende 2023 und Anfang 2024 sind weitere Papers und Buchbeiträge zu Text- und Bildgeneratoren geplant, u.a. bei Kohlhammer und Schäffer-Poeschel und in AI & Society. Der Artikel „Image Synthesis from an Ethical Perspective“ ist nun bei Springer in die Produktion gegangen. Er war bereits im April 2023 bei AI & Society eingereicht worden und enthält eine der wenigen systematischen Untersuchungen von Bildgeneratoren aus ethischer Sicht. Das Abstract ist schon über diese Plattform verfügbar.

Abb.: Mit Ideogram generiertes Bild einer Superheldin

CAIBOT, ein Chatbot, der auf Constitutional AI beruht

Die Maschinenethik widmet sich maschineller oder künstlicher Moral bzw. moralischen Maschinen. Üblicherweise werden moralische Regeln in Maschinen gepflanzt, an die sich diese strikt halten. Seit einiger Zeit verwendet man auch Machine Learning, etwa im Kontext der Pflege. Die Maschine lernt aus ihren Erfahrungen bzw. aus den Daten und passt ihr Verhalten an. Unter dem Begriff der Constitutional AI erhält diese Richtung nun Auftrieb. Im Vordergrund stehen Sprachmodelle wie GPT-3 und GPT-4, die mit Leitlinien, Richtlinien und Gesetzen trainiert werden. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW beginnt am 19. September 2023 das zweiteilige Projekt „CAIBOT: Der Chatbot, der auf Constitutional AI beruht“. Initiiert hat es Prof. Dr. Oliver Bendel, der seit vielen Jahren im Bereich der Maschinenethik forscht und mit seinen wechselnden Teams zahlreiche Prototypen gebaut hat. Für das Projekt konnte Cédric Rico Wespi gewonnen werden. Er wird im Rahmen seiner Bachelor Thesis Grundlagen zu Constitutional AI erarbeiten und vergleichbare Anwendungen studieren. Im zweiten Teil, den ein Entwickler übernimmt, wird der CAIBOT prototypisch implementiert. Die ersten Ergebnisse werden im Januar 2024 präsentiert.

Abb.: Zwischen Nomi und CAIBOT liegen 22 Jahre

GPT als Lösung für Phishing-Erkennung

„GPT als Lösung für Phishing-Erkennung“ ist der Titel einer Abschlussarbeit, die ab März 2023 von Noeh Pertoldi unter der Betreuung von Prof. Dr. Oliver Bendel geschrieben und im August abgeschlossen wurde. Auftraggeber war eine Schweizer Privatbank. Untersucht wurde, ob Sprachmodelle gegenüber traditionellen Ansätzen zur Identifizierung von Phishing-E-Mails einen signifikanten Vorteil aufweisen. Dabei fokussierte der Student der Hochschule für Wirtschaft FHNW auf GPT von OpenAI. „Zudem wurde ein Konzept erstellt, wie diese neuartige Methode angewendet und in ein E-Mail-Programm eingebunden werden kann.“ (Management Summary) Die Tests haben ergeben, dass GPT die Phishing-E-Mails, welche durch die traditionellen Filter rutschen, mit einer hohen Genauigkeit erkennen kann. Es spricht demnach viel dafür, Sprachmodelle auch in diesem Bereich einzusetzen. Das Ergebnis der Abschlussarbeit ist, „dass die Erkennung von betrügerischen E-Mails durch Sprachmodelle effektiv ist, doch nur das Zusammenspiel mit den traditionellen Methoden für die maximale Sicherheit sorgt“ (Management Summary). Inwieweit es Sinn ergibt, dass Unternehmen als Anwender selbst Lösungen zur Bekämpfung von Phishing mit GPT vorantreiben, sei dahingestellt. Die Anbieter sind bereits dabei, ihre Office-Lösungen mit generativer KI zu ergänzen.

Abb.: GPT kann betrügerische E-Mails erkennen (Bild: Ideogram)

Artificial Intelligence and Animals

The online event „Artificial Intelligence & Animals“ will take place on 16 September 2023. „AI experts and attorneys will discuss the intersection of AI and animals in this UIA Animal Law Commission and GW Animal Law webinar“ (Website Eventbrite) Speakers are Prof. Dr. Oliver Bendel (FHNW University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland), Yip Fai Tse (University Center for Human Values, Center for Information Technology Policy, Princeton University), and Sam Tucker (CEO VegCatalyst, AI-Powered Marketing, Melbourne). Panelists are Ian McDougall (Executive Vice President and General Counsel, LexisNexis London), Jamie McLaughlin (Animal Law Commission Vice President, UIA), and Joan Schaffner (Associate Professor of Law, George Washington University). Oliver Bendel „has been thinking on animal ethics since the 1980s and on information and machine ethics since the 1990s“. „Since 2012, he has been systematically researching machine ethics, combining it with animal ethics and animal welfare. With his changing teams, he develops animal-friendly robots and AI systems.“ (Website Eventbrite) Yip Fai Tse co-wrote the article „AI ethics: the case for including animals“ with Peter Singer. Sam Tucker is an animal rights activist.

Fig.: An AI ball and a cat

Plato und Temi im „Careum Auditorium“

Am 31. August 2023 fand im „Careum Auditorium“ in Zürich die Innocare 2023 statt. Bei dem Event zu Pflegerobotern sprachen Prof. Dr. Oliver Bendel, Sylvia Stocker, Alexander Pröll, Prof. Dr. David Matusiewicz, Beat Sommerhalder und Sari Wettstein. Partner der Veranstaltung waren United Robotics Group (URG), Arabesque, Achermann und HPE Aruba Networks. Die Vorträge wurden von zwei Avataren angekündigt. Ein Pepper-Roboter von Arabesque assistierte auf der Bühne und begann mit dem einen oder anderen Referenten ein Gespräch. So fragte er Oliver Bendel, ob er Gefühle für ihn habe. Der Informations- und Maschinenethiker betonte, dass Pepper selbst keine Gefühle habe (sondern nur zeige), der Roboter aber natürlich sein Herz höher schlagen lasse. In den Pausen konnten die ca. 100 Besucher mit zwei weiteren Pepper-Modellen von URG, zwei Plato-Modellen von URG und einem Temi von Arabesque interagieren und kommunizieren. Plato wurde zunächst als Alternative zu Transport- und Servierrobotern wie BellaBot lanciert, ist inzwischen aber auch in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu finden. Er bringt verlässlich Abfall und Getränke von A nach B. Für heikle Transporte kann man auch geschlossene Systeme wie Relay von Savioke heranziehen. Plato gehört zu den Servicerobotern, die soziale Merkmale und Fähigkeiten erhalten haben – ein Trend, den Oliver Bendel immer wieder beschreibt. Weitere Informationen über inno-care.ch.

Abb.: Plato serviert Häppchen im Foyer

Künstliche Intelligenz und Robotik beim CAS Zukunftsorientierte Polizeiarbeit

„Das CAS Zukunftsorientierte Polizeiarbeit vermittelt das notwendige Wissen und Verständnis, um die moderne Polizeiarbeit in ihrer Komplexität zu erfassen und mitzugestalten, die sich wandelnden Anforderungen an den Berufsalltag mitzutragen und jederzeit professionell handeln zu können. Es legt die Basis zum Verständnis der heutigen digitalen Komponenten im Beruf und bereitet die Absolventinnen und Absolventen auf die digitale Zukunft vor. Es behandelt die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Polizeiarbeit und die polizeiliche Selbstreflexion. Die Teilnehmerinnen reflektieren Veränderungen, die sich für das Verständnis von Kriminalität im digitalen Raum ergeben.“ So lautet die Beschreibung der Weiterbildung an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, die am 3. März 2023 gestartet ist. Prof. Dr. Oliver Bendel verantwortet die Kurse „Sicherheit und Überwachung“ und „Künstliche Intelligenz“. Beim zweiten Kurstag am 2. September 2023 wird ausführlich auf Grundlagen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz sowie auf Roboter in der Polizeiarbeit eingegangen. Zudem findet eine ethische Reflexion statt. Im August 2022 trug der Informations- und Maschinenethiker auf der Robophilosophy 2022 über Polizeiroboter vor. Sein Beitrag „Robots in Policing“ ist Ende des Jahres im Proceedingsband „Social Robots in Social Institutions“ erschienen. Weitere Informationen zum CAS über https://www.fhnw.ch/de/weiterbildung/wirtschaft/cas-zukunftsorientierte-polizeiarbeit.

Abb.: Auch diese Einteilung wird im CAS präsentiert

The Next Babel Fish

The idea of a Babel Fish comes from the legendary novel or series of novels „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Douglas Adams alluded to the Tower of Babel. In 1997, Yahoo launched a web service for the automatic translation of texts under this name. Various attempts to implement the Babel Fish in hardware and software followed. Meta’s SeamlessM4T software can handle almost a hundred languages. In a blog post, the American company refers to the work of Douglas Adams. „M4T“ stands for „Massively Multilingual and Multimodal Machine Translation“. Again, it is a language model that makes spectacular things possible. It has been trained on four million hours of raw audio. A demo is available at seamless.metademolab.com/demo. The first step is to record a sentence. The sentence is displayed as text. Then select the language you want to translate into, for example Japanese. The sentence is displayed again in text form and, if desired, in spoken language. A synthetic voice is used. You can also use your own voice, but this is not yet integrated into the application. A paper by Meta AI and UC Berkeley can be downloaded here.

Fig.: A replica of the Tower of Babel

Taugen Sprachmodelle für die Spracherhaltung?

Vom 1. März bis 11. August 2023 erstellte Dali Jabou im Rahmen seiner Bachelorarbeit den Chatbot @llegra, mit dem man im rätoromanischen Idiom Vallader kommunizieren kann. Es handelt sich um ein von Prof. Dr. Oliver Bendel initiiertes und finanziertes Low-Budget-Projekt, für das bisher ca. 300 CHF ausgegeben wurden. Die Ausgangsfrage ist, ob sich Sprachmodelle wie GPT für den Bau von Chatbots eignen, die tote, gefährdete oder ausgestorbene Sprachen beherrschen, und ob sie für die Spracherhaltung taugen (etwa im Rahmen des Unterrichts). Mit @llegra entstand ein Chatbot mit Sprachausgabe, der die Stärken und Schwächen von GPT-4 widerspiegelt. Er verfügt über Weltwissen und gibt mehrheitlich korrekt Auskunft, auch zu Einrichtungen im Unterengadin. Manchmal halluziniert er und erfindet Personen oder Werke – ein bekanntes Problem von Sprachmodellen, an dem die Entwickler bei OpenAI, Microsoft, Google und Co. arbeiten. Ein weiteres Problem ist, dass er manchmal vom Idiom abweicht und sich in Sursilvan und Rumantsch Grischun verirrt. Er wird sich weiter verbessern lassen, sobald man GPT-4 (wie im Falle von GPT-3) direkt mit Sprachmaterial trainieren kann – was noch nicht der Fall ist (eine Wissensdatenbank, angereichert mit Vallader-Kinderbüchern, zur Verfügung gestellt von der Lia Rumantscha, war aber hilfreich). Die Text-to-Speech-Engine für Vallader, die von SlowSoft kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, erfüllt ihren Zweck. Man darf sie nicht mit einer professionellen Lösung verwechseln, wie sie heute mit Hilfe von Machine Learning möglich wäre. Der Chatbot stand auf allegra-bot.ch zur Verfügung, damit eingeladene Tester unkompliziert darauf zugreifen und auch Versuche im Feld (etwa direkt im Unterengadin) stattfinden konnten. Nachdem mehrere Medien über den Chatbot berichtet und den Link verbreitet hatten, nahmen die Zugriffe stark zu. Um die Kosten nicht zu stark anwachsen zu lassen und deutlich zu machen, dass es sich um ein wissenschaftliches Projekt und eine unfertige Vorstufe – einen Prototyp – handelt, nicht um einen öffentlichen Dienst und nicht um ein fertiges Produkt, wurde der Chatbot mit einer entsprechenden Information auf der Seite am 11. August vorerst stillgelegt. Er wird intern weiter getestet und verbessert, bis er Ende des Jahres (sofern die Annahme erfolgt) auf einer internationalen Konferenz vorgestellt wird. Im Rahmen der Begutachtung findet eine Freischaltung von September bis Dezember statt. Oliver Bendel wünscht sich, dass weitere Entwickler den Ansatz aufgreifen und irgendwann eine @llegra entsteht, die im Unterricht eingesetzt werden kann. Dafür müssten Unternehmen die Sache in die Hand nehmen, oder es müsste ein finanziertes Forschungs- und Entwicklungsprojekt aufgelegt werden. In letzterer Richtung unternimmt die FH Graubünden, mit der man in Kontakt ist, seit einiger Zeit Anstrengungen. Bei der Abschlusspräsentation der Bachelorarbeit am 11. August waren neben einer Vertreterin dieser Hochschule auch zwei Vertreter der Lia Rumantscha zugegen, die sich beeindruckt zeigten und wohlwollend äußerten. @llegra hat eine Zukunft – wenn man dies im rätoromanischen Sprachraum will.

Abb.: So stellen sich Bildgeneratoren Chatbots vor

Alpha Mini im Klassenzimmer

Soziale Roboter wie NAO und Pepper werden im Unterricht von Schulen und Universitäten eingesetzt. NAO ist sehr wendig und gelenkig und daher unterhaltsam. Pepper hat den großen Vorteil, dass er ein integriertes Tablet im Brustbereich hat, auf dem Lernsoftware aller Art ausgeführt werden kann. Ein Nachteil bei beiden ist der hohe Preis. Vor allem Schulen können sich solche Roboter kaum leisten. Dieses Problem war der Ausgangspunkt für das hier beschriebene Projekt, das ab Februar 2023 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW stattfand. Initiator und Betreuer war Prof. Dr. Oliver Bendel, Entwickler Andrin Allemann. Ziel war es, eine Lernanwendung mit einem kostengünstigen sozialen Roboter zu erstellen, der über die gleichen motorischen Fähigkeiten wie NAO und die gleichen Fähigkeiten zur Wissensvermittlung wie Pepper verfügt. Die Wahl fiel auf den kleinen Alpha Mini. Es war mit einigem technischen Aufwand möglich, ihn mit einem externen Gerät, einem Microsoft Surface, zu koppeln. Auf diesem läuft ein Lernspiel, das für den Unterricht in der Primarschule geeignet ist. Das Projekt wurde am 11. August 2023 abgeschlossen. In einem Video wird gezeigt, wie ein Mädchen die Lernanwendung ausprobiert und der soziale Roboter Feedback und Erklärungen gibt, in sprachlicher Form und mit Hilfe seiner mimischen und gestischen Fähigkeiten. Es kann abschließend gesagt werden: Soziale Roboter wie Alpha Mini sind eine interessante Lösung für die Wissensvermittlung in Schulen, wenn sie mit anderen Geräten gekoppelt werden können.

Abb.: Eine Schülerin mit der Lernanwendung (Foto: Andrin Allemann)

Der Diebstahl der Stimme

Erneut berichten Schweizer Medien über Trickbetrug mit synthetisierten Stimmen lebender Personen. Die Basler Zeitung interviewte am 7. August 2023 Prof. Dr. Oliver Bendel dazu, wie solche synthetischen Stimmen entstehen. Er forscht seit einem Vierteljahrhundert zu KI-Systemen und Robotern und seit sieben Jahren speziell auch zu synthetischen Stimmen. Grundsätzlich werden in solchen Fällen neuronale Netzwerke benutzt. Man kann sie mit der individuellen Stimme trainieren. Dafür braucht es 15 – 30 Minuten an Material. Die Zeit verkürzt sich auf wenige Sekunden, wenn man vorher ein Sprachmodell mit einigen tausend Stimmen trainiert hat und einige Voraussetzungen erfüllt sind. Zu diesen Voraussetzungen gehört, dass die individuelle Stimme einen Verwandten im Trainingsmaterial hat. Die Resultate können so oder so täuschend echt sein. Oft sind aber nicht die gewohnten Hintergrundgeräusche vorhanden, oder es fehlen typische Verhaltensweisen der Person, etwa das Nasehochziehen oder ein Stühlerücken. Es lohnt sich also, gut hinzuhören und im Zweifel auch einen Rückruf zu verlangen. Mehrere Aussagen aus dem Interview wurden in den Beitrag „Betrüger können mit KI die Stimmen lebender Personen imitieren“ aufgenommen, der am 9. August 2023 in der gedruckten Ausgabe der Basler Zeitung erschien. Bereits am Vortag war er in die Onlineauftritte von Tamedia aufgenommen worden.

Abb.: Stimmen kann man an vielen Orten stehlen