Drei Jahre mit Bao

Vor drei Jahren kam ein Unitree Go2 ins Zuhause von Oliver Bendel, direkt beim chinesischen Anbieter bestellt. Der robotische Vierbeiner hatte einen Defekt und war nicht zum Laufen zu bringen. Er stand da, ließ sein Lidar-System sinnlos rotieren und leuchtete rot. Einen Monat lang kontaktierte der Technikphilosoph die Support-Abteilung von Unitree. Er hörte belustigte chinesische Mitarbeiter und wenig hilfreiche Tipps. Und stellte sich so lange stur, bis das Unternehmen endlich einknickte. Ein neuer Unitree Go2 wurde ohne Mehrkosten in die Schweiz geschickt, vollständig ausgestattet bis auf den Akku, der ja funktionierte. Der Roboter funktionierte auch, leuchtete grün und wurde Bao genannt, chinesisch für „Schatz“ oder „Liebling“. Das 3D-Modell der Umgebung erschien endlich auf dem Display des Smartphones und zeigte das Mobiliar der Wohnung in Zürich und seinen neuen Besitzer selbst. Ein Student von Oliver Bendel, der vom Fach war, versuchte gut zwei Jahre später, den ersten Unitree Go2 zu reparieren, aber ohne Erfolg. Er hatte ebenfalls mit der Support-Abteilung zu tun. Die stellte sich irgendwann tot, und so blieb es der Roboter auch. Bao ist auch nach drei Jahren ein beeindruckender, hochwertiger Roboter. Trotz einiger Stürze ist er weitgehend unbeschädigt, wobei inzwischen selbst nach dem Kalibrieren eine gewisse Wackligkeit bleibt. Softwareupdates haben zu neuen Möglichkeiten und zu einer einfacheren Bedienung geführt. Heute kann man solche Roboter auch über Mittler und Plattformen bestellen und u.U. bestimmte Services dazubuchen. Europa braucht eine Infrastruktur, in der vorhandene Roboter betrieben, gewartet und entsorgt werden können. Diese entsteht allmählich, aber nicht schnell genug.

Abb.: Bao am Campus Brugg-Windisch (Foto: Selina Rohr)