Der Robot Car findet seinen Weg. Er hupt und weicht aus. Er bleibt stehen, neugierig, verspielt. Vor einem Kind oder einer Kuh. Er verhandelt mit anderen Fahrzeugen, wenn es um die Vorfahrt geht oder einen Unfall gegeben hat, er schickt Nachrichten an die Polizei, die Werkstatt und den Hersteller. Der Artikel „Cloud am Steuer“, der vor einiger Zeit in der GDI Impuls erschienen ist, kann nun kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Ein Dank geht an das Gottlieb Duttweiler Institute – und den Autor Christian Rauch. Wenn Roboter über die Straßen steuern, so fragt er, „welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen hat das“? Beantwortet wird das von Patrick Lin, Roboter- und Maschinenethiker an der California Polytechnic State University, und Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker, Informationsethiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW.
Human Enhancement, die Erweiterung und Verbesserung des Menschen mit Hilfe biologischer und technischer Mittel, kann aus der Perspektive der Medizin, der Künstlichen Intelligenz, der Robotik und der Informatik betrieben bzw. thematisiert werden. Verschiedene Bereichsethiken können nach Chancen und Risiken in moralischer Hinsicht fragen. Die Informationsethik ist gefordert, wenn die Entwicklung von der Informatik ausgeht. Mit ihr kann man Fragen des Datenschutzes, der informationellen und persönlichen Autonomie und der Kontrolle des Menschen mithilfe von Hacking und Manipulation beantworten. Auch die Maschinenethik ist in verschiedener Weise von Relevanz. Der Lexikonbeitrag von Oliver Bendel zum Thema ist im Juli 2014 im Wirtschaftslexikon von Gabler erschienen. Er gibt eine allgemeine Übersicht, untersucht Verfahren und Methoden und nimmt am Ende, im Rahmen von Kritik und Ausblick, den Blickwinkel der Ethik ein: „Damit Menschen- und Tierwürde nicht verletzt und Manipulation und Instrumentalisierung von Körper bzw. Geist nicht zur unhinterfragten Norm werden, bedarf es moralischer und ethischer Diskussionen (auch aus der Wirtschaftsethik heraus) ebenso wie rechtlicher Anpassungen.“
Abb.: Die Erweiterung und Verbesserung des Menschen
„People take selfies with smartphones and digital cameras (or even with flying robots), and share them on social media, blogs, microblogs and image platforms for social purposes, and though selfies may just be a trend, they say a lot about the narcissism of people and the zeitgeist of the media age.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel von Oliver Bendel, der am 9. Juni 2014 auf Robohub unter dem Titel „Robot selfies, and the road to self-recognition“ erschienen ist. Es geht um Roboter, die Selfies machen, um die Frage, warum sie dies tun (und warum sie dies in Zukunft noch mehr tun werden). Bendel kommt zum Schluss: „Once an android pulls a duckface and takes a selfie, any roboticist will know the breakthrough has been made.“ Auch die Informationsethik ist in diesem Zusammenhang gefragt, etwa wenn der Roboter seine Umgebung einfängt und im Anschluss persönliche Daten weiterleitet.
„Das automatische Auto ist keine Utopie mehr. In den nächsten Jahren werden die Fahrzeuge selbst immer mehr jener Aufgaben übernehmen, die bislang von den menschlichen Fahrern erledigt wurden.“ Dies schreibt Christian Rauch in seinem Artikel „Cloud am Steuer“ für die GDI Impuls 2/2014. Doch wenn Roboter über die Straßen steuern, so fragt er weiter, „welche ethischen und rechtlichen Konsequenzen hat das“? Beantwortet wird das u.a. von Patrick Lin, Roboter- und Maschinenethiker an der California Polytechnic State University, und Oliver Bendel, Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel kann über GENIOS bezogen werden, die ganze Zeitschrift auch über www.gdi.ch.
Im Gabler Wirtschaftslexikon wird seit 3. Juli 2013 die Roboterethik definiert. Diese kann man sowohl der Maschinen- als auch der Menschenethik zuordnen. In der Roboterethik werde danach gefragt, ob ein Roboter ein Subjekt der Moral sein und wie man diese implementieren kann. Auch der Roboter als Objekt der Moral sowie sein Einfluss auf Menschen sei von Belang. Oliver Bendel erklärt in seinem Beitrag den Begriff der Roboterethik, nimmt die Perspektive der Robotik ein, erwähnt die Robotergesetze von Asimov und gibt eine Einschätzung der Disziplin und einen Ausblick auf ihre weitere Entwicklung. Der Beitrag ist direkt über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/roboterethik.html abrufbar. Er wurde dem Sachgebiet „Grundlagen der Wirtschaftsinformatik“ zugewiesen. Für das Gabler Wirtschaftslexikon schreiben nach eigenen Angaben über „150 Experten aus Wissenschaft und Praxis“. Mehr als „25.000 Stichwörter stehen kostenlos“ bereit.
Viele Benutzer mögen Chatbots auf Websites und unterhalten sich gerne mit ihnen. Dabei spielen Produkte und Dienstleistungen meist eine untergeordnete Rolle. Man will das virtuelle Gegenüber ausfragen, mit ihm flirten, es necken und reizen. Wenn man in Schwierigkeiten steckt, will man eine Antwort erhalten, die einen nicht noch mehr entmutigt und verstört. Die meisten Bots sind in dieser Hinsicht völlig überfordert. Auf Selbstmorddrohungen oder Ankündigungen von Amokläufen reagieren sie inadäquat. In einem Projekt an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW wird unter der Leitung von Oliver Bendel eine moralische Maschine besonderer Art, nämlich ein sogenannter GOODBOT, konzipiert und prototypisch implementiert. Zunächst werden theoretische Grundlagen im Kontext der Maschinenethik erarbeitet. Es interessiert unter anderem, welche normativen Modelle maschinell verarbeitbar sind. Dann werden ausgewählte Chatbots auf Websites sowie Sprachassistenten wie Siri analysiert und verglichen sowie Erkenntnisse zu Systemen solcher Art gewonnen. Ein vorhandener Regelkatalog soll daraufhin überprüft werden, ob er in einem regelbasierten System umgesetzt bzw. wie er angepasst werden kann. Nicht nur Top-down-, sondern auch Bottom-up-Ansätze sollen erwogen werden. Zudem ist relevant, inwieweit soziale Medien und leibhaftige Menschen moralische Referenzpunkte bilden können. Das Projekt hat im Juni 2013 begonnen. Informationen zum Initiator und Projektleiter über www.fhnw.ch/personen/oliver-bendel.
Das Buch „Können Roboter lügen?“ von Raúl Rojas enthält „Essays zur Robotik und Künstlichen Intelligenz“, die von 2011 bis 2013 in der Online-Zeitschrift Telepolis erschienen sind. Rojas ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin. Im Kontext der Maschinenethik (und der Roboterethik) ist vor allem der dritte Teil interessant. Im Vorwort heißt es: „Der dritte Teil über Robotik und KI gibt einen Einblick in die Arbeit, die in den letzten Jahren auf diesem Gebiet geleistet worden ist. Wir wären froh, mit Robotern die Eleganz eines Insekts bei der Bewältigung von Hindernissen zu erreichen. Wir können aber schon heute kleine und große Roboter – z.B. autonome Fahrzeuge – mit kognitiven Architekturen ausstatten, die eine effiziente und nützliche Funktionalität erlauben. Die Kapitel über Roboter, die lügen, bzw. über das Watson-System zeigen die zwei Seiten der Medaille: Wie weit die künstliche Intelligenz gekommen ist und wie weit entfernt sie doch noch vom Ziel bleibt.“ Rojas gelangt zum Schluss: „Roboter kennen die Wahrheit nicht, deswegen können sie nicht lügen.“ Das Buch wurde Ende Mai 2013 im Heise Zeitschriften Verlag veröffentlicht und ist u.a. in der Kindle-Edition erhältlich.
Die Plattform maschinenethik.net wurde im Frühjahr 2013 gegründet und ist der Maschinenethik und speziell auch der Roboterethik und der Algorithmenethik gewidmet. Im Glossar zur Informationsethik von Oliver Bendel heißt es: „Die Maschinenethik (‚Machine Ethics‘) hat die Moral von Maschinen zum Gegenstand, vor allem von (teil-)autonomen Systemen wie Agenten, Robotern, Drohnen, Computern im automatisierten Handel und selbstständig fahrenden Autos. Sie kann innerhalb von Informations- und Technikethik eingeordnet oder als Pendant zur Menschenethik angesehen werden.“ Kern der Plattform ist ein Blog mit Nachrichten zu Veranstaltungen, Diskussionen, Publikationen und Entwicklungen. Zwei Twitter-Walls bringen die deutsch- und englischsprachigen Tweets zum Thema. Ein Literaturverzeichnis rundet das Angebot ab. Die USA, Kanada, Australien, Japan und Holland forschen intensiv im Bereich der Maschinenethik. Auch aus den deutschsprachigen Ländern sollten Beiträge kommen. Zudem sollten neben KI und Philosophie weitere Disziplinen wie die Wirtschaftsinformatik beitragen.
EPFL und NCCR Robotics laden am 20. April 2013 zum sechsten Mal zum FESTIVAL DE ROBOTIQUE ein. Das Motto lautet „Dans les étoiles!“ – eine Hommage an die Roboter und den Weltraum. Mit Spannung werden die Veranstaltungen „Coupe Roberta 2013“ und „Grand Concours Robopoly“ erwartet. Und die bunten, hübschen Astropoden, die laut Website von den Sternen kommen und sich wackelnd vorwärts bewegen. Nach ihrer Reise durch das Universum und fern der Heimat werden sich diese Roboter, so die Annahme der Veranstalter, einsam fühlen. Die Besucher sollen ihnen deshalb ein neues Zuhause bauen, mit Hindernissen, Durchgängen und Tunneln. Man wird sehen, wie sich die Astropoden dort zurechtfinden. Neben ihnen gibt es weitere faszinierende Roboter, mit denen man kommunizieren und interagieren kann. Dabei kann man sie auch in moralischer Hinsicht auf die Probe stellen und überprüfen, ob sie Anforderungen genügen, wie sie in der Maschinenethik formuliert werden. Das Festival findet an der École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL in Lausanne statt. Weitere Informationen über festivalrobotique.epfl.ch (Link nicht mehr gültig).
25 Jahre AI Lab Zürich werden gefeiert. Es kommen Roboter aus aller Welt. Und sicherlich Menschen aus dem ganzen Land. Mit Blick auf den 9. März 2013 wird auf der Website robotsontour.com mit folgenden Worten geworben: „Das AI Lab lädt die modernsten Roboter weltweit nach Zürich ein. Nebst einem Weltrekordversuch wird Roboy präsentiert: das erste Roboterkind der Schweiz! Ausserdem haben Sie die Gelegenheit, berühmte Roboter aus Hollywood-Filmen persönlich zu treffen sowie Baxter, Geminoid, Kenshiro und viele weitere revolutionäre Roboter kennenzulernen.“ Am Tag davor, am 8. März, findet von 9.00 bis 17.00 Uhr im Café Sphères ein wissenschaftliches Symposium statt, eröffnet von Rolf Pfeifer persönlich; es „präsentieren Spitzenforscher aus der ganzen Welt ihre Ideen zu Robotik und wie wir in Zukunft mit diesen Maschinen zusammenleben werden“. Von 16.20 bis 17.30 Uhr diskutieren Experten zu Fragen wie: „Will, in 10 years time, robots take over care for the elderly? Personal service robots for everyone in the near future: myth or reality?“ Und man widmet sich informations- und maschinenethischen Themen: „Ethical implications of home robots, personal robots and human sexuality“. Weitere Informationen zu „Robots on Tour“ („World Congress and Exhibition of Robots, Humanoids, Cyborgs and more“) finden sich auf der angegebenen Website.
Abb.: Im Sphères tritt auch Rob Spence auf, der sich Eyeborg nennt (Foto: Rob Spence)
Am 22. Mai 2012 hat das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS in Bern das EU-Flagship-Projekt „Robot Companions for Citizens“ vorgestellt. Auf der Tagung mit dem Titel „RoboCom – Rise of Sentient Machines?“ wurde das Projekt aus informationstechnischer, rechtswissenschaftlicher und ethischer Perspektive beleuchtet. Weitere Informationen zum Projekt, die Präsentationen der Keynote-Speaker und Presseberichte stehen über www.ta-swiss.ch/projekte/biotechnologie-und-medizin/robotik/ zur Verfügung (Link nicht mehr gültig). Der Inhalt der Tagung wurde von TA-SWISS in einem lesenswerten Faktenblatt („Unser Freund, der Roboter“) zusammengefasst, das am 23. Juli 2012 online gestellt wurde. Die Teilbereichsethik der Maschinenethik, die man zu Computer- und Netzethik und damit zur Informationsethik rechnen kann, wird durch die Aktivitäten auf EU-Ebene weiter gestärkt.