Der Artikel „So erkennen Sie Meinungsroboter“ von Teresa Sickert widmet sich dem Phänomen der Social Bots. „Social Bots sind Programme, die in sozialen Netzwerken menschliche Nutzer simulieren – etwa zur politischen Stimmungsmache. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Diese Tipps helfen, Bots zu entlarven.“ (Spiegel Online, 19. Januar 2017) Und weiter: „Meinungsroboter haben ein Imageproblem. Seit dem US-Wahlkampf wird lebhaft über sogenannte Social Bots diskutiert, über Accounts, die nur so wirken, als stecke ein menschlicher Nutzer dahinter. Auf Plattformen wie Twitter tweeten, liken und retweeten mittlerweile ganze Netze von automatisierten Accounts.“ (Spiegel Online, 19. Januar 2017) Zitiert wird mehrmals Oliver Bendel, der sich als Maschinenethiker mit guten und bösen Chatbots befasst und solche auch baut. 2013 ist der GOODBOT entstanden, 2016 der LÜGENBOT. Diesen rechnet er zu den Münchhausen-Maschinen. Am Rande befasst er sich mit Vervielfältigungs- und Meinungsmaschinen wie den Social Bots. Bei einem Vortrag an der Universität Zürich Ende 2016 hat er deren Chancen und Risiken skizziert. Der Artikel ist abrufbar über www.spiegel.de/netzwelt/web/social-bots-entlarven-so-erkennen-sie-meinungsroboter-a-1129539.html.
Im Rahmen der Ringvorlesung „Angewandte Ethik – Transdisziplinäre Einblicke in aktuelle Praxisfelder der Ethik“ fanden seit 11. Oktober 2016 an der Hochschule Konstanz bereits einige Vorträge statt. Prof. Dr. Regine Kather (Philosophisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) berichtete am 22. November 2016 „Von der Würde des Menschen und der Würde der Kreatur“ und entwickelte „Grundprinzipien einer integrativen Bioethik“, PD Dr. Claudia Pawlenka (Philosophisches Institut, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) ging am 20. Dezember auf „Ethische Fragen im Sport“ ein und konkret auf „Perfektionierung und Kommodifizierung des Menschen“. Der Vortrag von PD Dr. Joachim Boldt (Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) trug den Titel „Künstliches Leben – Perspektiven der synthetischen Biologie“ (10. Januar 2017). Prof. Dr. Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft FHNW) spricht am 17. Januar über „Die Moral in der Maschine – Maschinenethik“. Zudem geht er kurz auf die Informationsethik und die Roboterethik ein und auf die Vorschläge des Europäischen Parlaments und des IEEE zur Regelung von Robotik und KI. Weitere Informationen über www.htwg-konstanz.de.
Abb.: Von künstlichem Leben und natürlicher Technik
Vor zehn Jahren – also im Jahre 2007 – ist „Nachrückende Generationen“ von Oliver Bendel im Leipziger Literaturverlag (Edition ERATA) erschienen. Sozusagen ein Roman über die Generation Y, fast schon die Generation Z. Es tauchen darin moderne Phänomene auf, die auch in der Informationsethik behandelt werden, etwa Cyber- und Telefonsex. Der Roman wird dabei an keiner Stelle moralisch, so wie auch die Ethik nicht moralisch werden sollte, außer wenn man aus ihr heraus zur Diskussion anregen und deshalb Position beziehen will. Aus dem Klappentext: „Nelli ist 14. Sie und ihre Freundin Sara gehen ins Café, ins Kino, klauen in einer Boutique. Sie haben Cyber- und Telefonsex, langweilen sich auf Partys und begehen beinahe einen Raubüberfall auf offener Straße. Als Nelli den gleichaltrigen Robert kennenlernt, spürt sie so etwas wie Glück – aber zur gleichen Zeit entgleitet ihr das Leben. Sie und Sara verabreden sich im Chat mit einem Mann, der sie zu Hause fast vergewaltigt. Als Nelli schließlich Robert Gewalt antut, scheint dies für beide das Ende zu sein. Und doch geht es irgendwie weiter, ganz anders, als man vermutet.“ Das Buch ist als Printausgabe vergriffen, kann aber als E-Book über alle bekannten Kanäle bezogen werden.
Das private US-Raumfahrt-Unternehmen Space-X will erneut eine Rakete ins All schießen. So beginnt die Beschreibung eines Podcasts auf SRF4 vom 13. Januar 2017. „Dies nachdem vor 4 Monaten eine Transport-Rakete von Space-X in Flammen aufging. Beim neuen Versuch sind Satelliten im Wert von über 3 Milliarden Dollar an Bord.“ (Website SRF4) Der Podcast wird eröffnet mit Statements von Oliver Bendel zu einem Papier, das im Europäischen Parlament vorgestellt wurde und die Regulierung von Robotern und KI-Systemen zum Ziel hat. Das Papier hatte der Wirtschaftsinformatiker, Maschinenethiker und Informationsethiker im Sommer 2016 auf Wunsch eines Abgeordneten des Europäischen Parlaments diskutiert und kommentiert. Oliver Bendel wurde in einem Live-Interview am Morgen von Hans Ineichen befragt, u.a. zur Frage der Haftung und Verantwortung bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto und zu dem sogenannten „kill switch“, einem Schalter, mit dem man die Maschine im Notfall abschalten kann. Einige der Aussagen wurden in den Podcast aufgenommen. Dieser kann über www.srf.ch/sendungen/4×4/neue-hoffnung-bei-space-x heruntergeladen werden. Neben Space-X und Roboterrecht und -moral sind noch Fake-News bei Facebook ein Thema.
„EU plant erstmals Regeln für Roboter“ – so der Titel eines Beitrags auf EurActiv von Daniel Mützel vom 10. Januar 2017. Im Teaser heißt es: „Am Donnerstag entscheidet der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments über einen Resolutionsentwurf, der den Einsatz ziviler Roboter reglementieren soll. Der Text könnte die Grundlage für die ersten europäischen Robotergesetze werden.“ (Website EurActiv) Bereits im Sommer 2016 hat Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW auf Bitte eines Abgeordneten den Entwurf in seiner damaligen Fassung im Detail kommentiert. In seiner Zusammenfassung schrieb er: „Die Robotertypen sind sehr unterschiedlich und müssen auseinandergehalten werden. Im Speziellen vermisse ich auch die Unterscheidung zwischen Hardware- und Softwarerobotern. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen dem, was bereits der Fall ist, und dem, was vielleicht oder wahrscheinlich der Fall sein wird. Bewusstsein bei Robotern halte ich für Science-Fiction.“ Für den Artikel wurden Oliver Bendel und Eric Hilgendorf von der Universität Würzburg, Experte für Roboterrecht, zu den Auswirkungen des Einsatzes von Industrie- und Servicerobotern befragt. Er kann über www.euractiv.de/section/innovation/news/eu-plant-erstmals-regeln-fuer-roboter aufgerufen werden.
„Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Zehnerpotenz mehr Energie als dessen Produktion.“ So besagt es nach der SonntagsZeitung das „Bullshit-Asymmetrie-Gesetz“, das nach dessen Erfinder, dem italienischen Informatiker Alberto Brandolini, auch „Brandolini-Gesetz“ genannt wird. „Kurz: Fake-News sind kaum totzukriegen.“ (SonntagsZeitung, 1. Januar 2017) Der Artikel von Joachim Laukenmann vom 1. Januar 2017 widmet sich diesem Phänomen. „Viele Wissenschaftler haben schon unliebsame Bekanntschaft mit Brandolinis Gesetz gemacht. Vom längst widerlegten Zusammenhang zwischen Impfung und Autismus über die Verharmlosung der Gesundheitsgefährdung von Softdrinks bis zu fadenscheinigen Argumenten gegen den vom Mensch gemachten Klimawandel kursieren Irrtümer hartnäckig im Netz. Teils imitieren die Kreateure der Fake-News sogar Fachzeitschriften.“ (SonntagsZeitung, 1. Januar 2017) Zu Wort kommen u.a. Sophie Mützel, Soziologin und Medienexpertin an der Universität Luzern, Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich, und Oliver Bendel, Technikphilosoph an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Der Artikel kann mit freundlicher Genehmigung des Verlags und des Autors hier heruntergeladen werden.
Im Mai 2017 tagt die Jury, die über das Deutsche Internet-Institut entscheidet, zum zweiten und letzten Mal. Sie hatte im Frühjahr 2016 die Bayerische Akademie der Wissenschaften, die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, das Karlsruher Institut für Technologie, die Ruhr-Universität Bochum und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung für das weitere Verfahren berücksichtigt. Die genannten Institutionen arbeiten seitdem detaillierte Konzepte aus, die die Jurymitglieder überzeugen sollen. Für den Aufbau des Instituts, das sich informationstechnischen Themen u.a. aus sozial- und rechtswissenschaftlicher sowie ethischer Sicht widmen soll, sind in den ersten fünf Jahren bis zu 50 Millionen Euro vorgesehen. In die Jury hat Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka u.a. Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford), Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW, Schweiz), Katharina Borchert (Mozilla Corporation, Chief Innovation Officer), Prof. Dr. Urs Gasser (Harvard University), Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Prof. Dr. Michael Kerres (Universität Duisburg-Essen), Dr. Constanze Kurz (Chaos Computer Club und Netzpolitik.org) und Dr. Catharina Maracke (Keio University) berufen.
Gegen 15 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffen am 12. und 13. September 2017 in der Villa der gemeinnützigen Daimler und Benz Stiftung in Ladenburg zusammen, tragen vor und diskutieren zu Pflegerobotern. Die Stiftung engagiert sich immer wieder in Bezug auf Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) und mit Blick auf moralische und soziale Themen, wie 2015 mit einer Tagung zur Roboterethik. Der Workshop ermöglicht technische, wirtschaftliche, medizinische und ethische Reflexionen über Pflegeroboter. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen im Rahmen der Ladenburger Diskurse kontrovers und konstruktiv diskutieren und zu neuen Erkenntnissen gelangen. Die wissenschaftliche Leitung obliegt Prof. Dr. Oliver Bendel. Er lud im Namen der Stiftung Wirtschaftswissenschaftler, Robotiker, Informatiker, Mediziner und Moralphilosophen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und UK ein. Bisher liegen elf Zusagen vor. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Herausgeberband zusammengefasst. Sie richten sich an ein breites Publikum. Letztlich müssen die Krankenhäuser, die Pflegeheime und die Patientinnen und Patienten bzw. Seniorinnen und Senioren entscheiden, wie die Pflege der Zukunft aussehen soll.
Abb.: Bei der Hochzeit denkt man noch nicht an die Pflege
Der internationale Kongress „Love and Sex with Robots“ startete am 19. Dezember 2016 mit einem Vortrag von Oliver Bendel. In der Professor Stuart Hall von Goldsmiths, University of London, versammelten sich zahlreiche interessierte Wissenschaftler und Journalisten. Die erste Keynote hielt Kate Devlin (Department of Computing at Goldsmiths, University of London). Der erste Kongress der Reihe fand 2014 auf Madeira statt, der zweite war für Malaysia geplant, wurde aber von den dortigen Behörden verboten. Oliver Bendel führte am 19. Dezember Interviews mit SWR2, SWR3, Deutschlandradio Kultur, WDR und ARD. Das Interview mit dem WDR liegt in schriftlicher Form vor, unter dem Titel „Können wir eines Tages Roboter lieben?“ Im Teaser heißt es: „Liebespuppen gab es schon in der Antike. Mit moderner Technik können wir sie heutzutage zum Leben erwecken. Doch wie gehen wir mit Sex-Robotern um? Und was, wenn diese Maschinen eines Tages ein Bewusstsein entwickeln?“ (Website WDR) Am 20. Dezember wurde die Konferenz zu Ende geführt. Weitere Informationen über loveandsexwithrobots.org.
The swissnexDay’16 will take place at the University of Basel (December 15, 2016). The second break-out session „Care-Robots – an elderly’s best friend?“ starts shortly after 4 pm. An extract from the description: „Ageing societies and a lack of qualified caregivers are challenging our current system and innovative solutions are strongly needed. Japan, with 20% of its population being over 65 years, is leading the development of robotic solutions. In this session, a diverse panel will discuss the current landscape in Japan and draw comparison to the situation in Switzerland. We will also discuss ethical applications and different perception of the relationship between human + robots.“ (Website swissnex) Kyoko Suzuki (Deputy Head, S&T Tokyo), Christiana Tsiourti (University of Geneva) and Christine Fahlberg (School of Business FHNW, master student of Prof. Dr. Oliver Bendel) will present their current research and discuss about robots in healthcare. Christine Fahlberg is focussing on the use of nursing robots from the perspective of ethics. Keynote speakers of the swissnexDay’16 are Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki (President, University of Basel), Dr. med. Guy Morin (President of the Executive Council of the Canton of Basel-Stadt) and State Secretary Mauro Dell’Ambrogio (State Secretariat for Education, Research and Innovation). Further information via www.swissnex.org.
„Die gefährlichsten Trends der Digitalisierung“ – so der Titel eines Beitrags in der Handelszeitung vom 12. Dezember 2016. Er beginnt mit den Worten: „Stille Zuhörer und Algorithmen, die Menschen bewerten. Wenn künstliche Intelligenz in die falschen Hände gerät, wie weit ist es dann noch bis zum Desaster? Ein Überblick über beunruhigende Ideen.“ Zitiert wird mehrmals Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. „Stephen Hawking und Elon Musk sprechen seit Jahren davon, dass künstliche Intelligenz für die Menschheit zum Desaster werden kann. Tesla-Chef Musk nennt dies die zentrale Frage unserer Zeit: Dass wir einen klugen, bewussten Umgang mit schlauen Maschinen finden. Geht das überhaupt? Oliver Bendel ist da wenig optimistisch.“ (Handelszeitung, 12. Dezember 2016) Er schätzt die Vorteile moderner Technologien und entwickelt selbst sogenannte moralische Maschinen. Für problematisch hält er vor allem das Potenzial mancher Technologien in Bezug auf Überwachung und Ausbeutung. Hello Barbie, Echo von Amazon – gerade im auditiven Bereich ereignet sich eine regelrechte Explosion, die noch Ohrenschmerzen bereiten könnte. Und andere Schmerzen ebenso. Der Beitrag kann hier abgerufen werden.
Abb.: Manche Barbie-Puppen können gucken und horchen
Bei „Funkhaus Europa – Cosmo“ war Claudia D’Avino am 6. Dezember 2016 im Gespräch mit Oliver Bendel. Im ersten Interview unterschied der Technikphilosoph und Wirtschaftsinformatiker, der live aus dem SRF-Studio in Zürich zugeschaltet war, in Virtual Reality, Augmented Reality und eine Realität, in der Software- und Hardwareroboter zugegen sind. Er berichtete von eigenen Erfahrungen mit Oculus Rift. Im zweiten erklärte er, was moralische und unmoralische Maschinen sind, und gab Beispiele für Prototypen. Im dritten ging es um Gewalt im Virtuellen, mit Hilfe von Waffen oder über Formen der Sexualität. Oliver Bendel wies auf den Unterschied zwischen Büchern und Filmen auf der einen Seite und Computerspielen und VR-Anwendungen auf der anderen Seite hin. Dort sei man eher passiv, man konsumiere und lasse die Phantasie schweifen, hier sei man eher aktiv, man agiere und lebe die Phantasien aus. Als Ethiker würde er an dieser Stelle gerne zurücktreten und die Mediziner und Psychologen vortreten lassen. Wenn etwa Therapien möglich seien mit Hilfe der virtuellen Realität, dürfe es nicht zu vorschneller Ächtung von Gewalt in dieser kommen. Weitere Informationen zur Sendung und der Podcast über www.wdr.de.
Beim Swiss Re Life & Health Forum 2016 am 25. November in München wird es unter anderem um Künstliche Intelligenz (KI) gehen. Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW trägt vor zum Thema „Künstliche Intelligenz: Vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan“ und beantwortet die Frage: „Was kommt auf die digitalisierte Gesellschaft zu?“ Dr. Andrea Cornelius, Vice President, Global Insurance, IBM Cognitive Solutions, widmet sich im Anschluss daran einem ganzen Spektrum, „Von neuen Serviceangeboten über das Underwriting bis hin zur Leistungsprüfung“, und stellt die Frage „Werden kognitive Lösungen die Versicherungswirtschaft revolutionieren?“ Auf dem Podium diskutieren dann der Wissenschaftler und die Unternehmensvertreterin mit Markus Unterkofler, Head Client Management Germany L&H, Swiss Re, und Marcus Nagel, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland. Es moderiert Dr. Ralf Krüger von Swiss Re. Weitere Informationen über www.swissre.com.
Im Sommer 2016 hatte Oliver Bendel auf Wunsch eines Abgeordneten den Initiativbericht einer Arbeitsgruppe des EU-Parlaments kommentiert. Am Rande geht es darin um die Robotersteuer. Die Schweiz am Sonntag befragte Oliver Bendel zu diesem Vorschlag. Er antwortete: „Wenn die Robotersteuer dazu beitragen würde, die Gewinne gerecht zu verteilen, auch an diejenigen, die wegen der Roboter nicht eingestellt oder wegen ihnen entlassen wurden, könnte man über eine Einführung nachdenken. Es gibt natürlich noch andere Wege, die Versicherungssysteme zu erhalten und die Menschen in den Stand zu setzen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Nachdenken muss man über ein bedingungsloses Grundeinkommen, das wiederum mit einer Robotersteuer verbunden sein kann.“ Und weiter: „Ein praktisches Problem bei der Umsetzung der Robotersteuer ist, wie man überhaupt Roboter definiert und welche Roboter man besteuert. Konzentriert man sich auf klassische Industrieroboter? Oder auf neue, die sich anpassen können und die nicht ortsgebunden sind? Die womöglich mit unterschiedlichen Werkzeugen bestückt sind? Sind es dann noch die selben Roboter, wenn sie ganz unterschiedliche Aufgaben mit ganz unterschiedlichen Werkzeugen erledigen? Unterscheidet man Hardware- und Softwareroboter? Was ist, wenn man hunderttausende Softwareroboter ‚beschäftigt‘? Was ist, jenseits der Industrieroboter, mit Servicerobotern? Muss die Post die Arbeit ihrer Paketroboter oder ein Bordell seine Sexroboter besteuern lassen?“ Neben Oliver Bendel wurden u.a. noch Mathias Binswanger und Jürgen Schmidhuber befragt. Der Artikel mit dem Titel „Sollen Roboter Steuern zahlen?“ ist am 6. November 2016 in der gedruckten Ausgabe erschienen und kann über www.schweizamsonntag.ch/ressort/nachrichten/sollen_roboter_steuern_zahlen/ abgerufen werden.
Abb.: Ein Spielzeugroboter müsste wohl nicht besteuert werden
„Algorithmische Auswahl- und Entscheidungsprozesse prägen unseren Alltag, unsere Wahrnehmung der Welt und unser tägliches Handeln. Ihre Bedeutung steigt in einer durch Automatisierung und Big Data gekennzeichneten digitalen Gesellschaft in sämtlichen Lebensbereichen rasant an. Damit werden sowohl die Frage nach der Machtausübung mittels Algorithmen als Instrumente als auch jene nach der Macht von Algorithmen als eigenständige Akteure virulent. Inwieweit handeln Algorithmen autonom, selbstbestimmt und intentional? Sind sie kontrollier- und ihre Ergebnisse vorhersehbar? Können Algorithmen moralisch handeln? Welche gesellschaftlichen Herausforderungen ergeben sich aus einer ethischen Perspektive und wie können diese bewältigt werden?“ So ein Flyer zu einer Veranstaltung, die den Titel „Die Macht der Algorithmen: Werkzeuge oder Akteure?“ trägt und am 22. November 2016 von 18:15 – 19:45 Uhr an der Universität Zürich stattfindet. Und weiter: „Nach einer thematischen Einführung durch Prof. Dr. Michael Latzer (IPMZ – Abt. Medienwandel & Innovation, UZH) folgen Inputreferate zur Einschätzung der Macht der Algorithmen aus technischer und ethischer Perspektive durch Prof. Dr. Thomas Hofmann (Data Analytics Lab, Departement Informatik, ETH Zürich) und Prof. Dr. Oliver Bendel (Institut für Wirtschaftsinformatik, Hochschule für Wirtschaft, FHNW).“
Das Paul-Löbe-Haus ist ein Veranstaltungs- und Diskussionsort des Deutschen Bundestags, gelegen am Südrand des Spreebogenparks. Dort fand am 28. Oktober 2016 ab 9 Uhr der 3. Netzpolitische Kongress von Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Für eine Ethik der digitalen Gesellschaft“ statt. Ein Schwerpunkt war der Zusammenhang zwischen Künstlicher Intelligenz (KI) und Ethik. Dr. Anton Hofreiter hielt um 10 Uhr die Eröffnungsrede. Dann war der Publizist Sascha Lobo zugeschaltet. In sechs Workshops ging man Fragen der Informations-, Technik- und Maschinenethik nach. Workshop Nr. 5, moderiert von Hans-Christian Ströbele, Mitglied des Deutschen Bundestags, galt dem Thema „Drohnen – eine Ethik für neue Formen der Überwachung und des Krieges“. Es diskutierten Anja Dahlmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik und Malte Spitz, Datenschutzexperte. Workshop Nr. 6, moderiert vom Grünen-Politiker Dieter Janecek, war dem Thema „Deep Learning – Was unterscheidet Mensch und Maschine und gibt es Algorithmen für Empathie?“ gewidmet. Olivia Klose von Microsoft erklärte den Unterschied zwischen schwacher und starker KI. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW verortete seine eigenen Projekte in der schwachen KI und erklärte, warum selbstlernende Systeme in offenen Welten nicht immer eine gute Idee sind. Am Rande der Veranstaltung führte er Gespräche mit Lars Klingbeil, dem netzpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, und Hans-Christian Ströbele. Weitere Informationen über www.gruene-bundestag.de.
Abb.: Klose, Janecek und Bendel vor dem Workshop (Foto: Kai Wargalla)
„Soll ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen dürfen?“ So lautet der Titel eines Artikels von Tom Strohschneider im Neuen Deutschland. Angelehnt ist er an eine Frage in einem Buchbeitrag von Oliver Bendel, aus dem mehrmals zitiert wird und der im Sammelband „Programmierte Ethik“ (Heise Medien, 2016) enthalten ist. Im Teaser des Artikels heißt es: „Darf ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen? Sollte er vielleicht sogar? Die Frage mag auf den ersten Blick wie eine seltsame, nur für einen eher kleinen Teil der Öffentlichkeit interessante anmuten. Doch es steckt mehr dahinter: Je näher sich Mensch und Maschine durch die technologische Entwicklung kommen (können), desto drängender wird nach ethischen Antworten für die Beziehungen zwischen Robotern und uns gesucht.“ (Neues Deutschland, 21. Oktober 2016) Zitiert werden u.a. Kathleen Richardson, Charles Ess und eben Oliver Bendel. Die beiden Erstgenannten lehnen Robotersex ab. Richardson hat vor einiger Zeit eine Petition verfasst für ein Verbot von Sexmaschinen. Sie glaubt, dass echten Frauen durch ihre künstlichen Kopien eine weitere Reduktion droht. Faktisch findet diese allerdings bei Dildos und Vibratoren statt, und diese Reduktion gilt nicht Frauen, sondern Männern. Ess ist ebenso kritisch: „Wer sich nur noch auf die Suche nach dem vollkommenen Sex mit Maschinen mache, werde nicht nur im Bett mit Zombies landen, sondern selbst ein solcher werden.“ (Neues Deutschland, 21. Oktober 2016) Oliver Bendel sieht sowohl die Risiken als auch die Chancen. Für ihn bleibt die Zustimmung oder Ablehnung gegenüber Robotersex letztlich die Privatsache urteilsfähiger Menschen.
Abb.: Darf ein Sexroboter einen Orgasmus vortäuschen?
„Programmierte Moral für autonome Maschinen“ – so der Titel einer Diskussionsveranstaltung von Telepolis und Westendverlag am Rande der Buchmesse in Frankfurt. Auf der Website der Zeitschrift heißt es: „Maschinen und Roboter, die immer selbständiger handeln und entscheiden sollen, ziehen als Saug- und Mähroboter, als Pflege-, Spiel-, Service- oder auch Sexroboter, als unverkörperte Agenten, als Überwachungs- oder auch als Kampfroboter in die Lebenswelt ein. Wir müssen den Umgang mit den neuen Mitbewohnern lernen und diesen müssen höchst unterschiedliche Regeln im Umgang mit den Menschen und der Umwelt einprogrammiert werden. Autonome Fahrzeuge könnten bald massenhaft auf den Straßen fahren. Dass sie keine hundertprozentige Sicherheit bei ihren Entscheidungen bieten, zumal wenn sie mit menschlichen Fahrern konfrontiert sind, hat sich bereits an Unfällen gezeigt.“ (Website Telepolis) Die Gäste in der ehemaligen Fabrikhalle der Firma Naxos-Union namens Naxoshalle, Prof. Dr. Catrin Misselhorn, Direktorin des Instituts für Philosophie der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Oliver Bendel, Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik der Hochschule für Wirtschaft FHNW, und Peter Weibel, Medienkünstler und Medientheoretiker, Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe, diskutieren über moralische Maschinen und maschinelle Moral. Vorgestellt werden auch zwei Bücher, „Die Moral in Maschine“ von Oliver Bendel (erschienen bereits im Februar) und „Programmierte Ethik“, herausgegeben von Florian Rötzer, mit Beiträgen u.a. von Oliver Bendel, Catrin Misselhorn, Raúl Rojas und Hans-Arthur Marsiske. Es moderiert Florian Rötzer, Chefredakteur von Telepolis. Weitere Informationen über www.heise.de/tp/artikel/49/49560/1.html.
In einem Artikel in der Main-Post stellt Thomas Feiler die Frage, ob wir künftig noch einen Führerschein brauchen: „Mal blöd gefragt: Wenn Autos bald eigenständig fahren, brauchen wir dann überhaupt noch einen Führerschein? Die Antwort darauf klingt schon nicht mehr so blöd.“ (Main-Post, 12. Oktober 2016) Zunächst skizziert er die Ideen-, dann die Entwicklungsgeschichte autonomer Autos: „James Bond saß schon in einem – und David Hasselhoff in Knight Rider und Tom Cruise in Minority Report auch: selbstfahrende Autos. Was nach Filmspielereien und Zukunftsmusik klingt, wird immer realer. Nicht nur Automobilunternehmen wie Audi und Mercedes – auch der Internetkonzern Google verfolgt die Idee der autonomen, selbstfahrenden Autos.“ (Main-Post, 12. Oktober 2016) Brauchen wir in 20 Jahren also noch den Autoführerschein?“ Ist diese Frage überhaupt realistisch? Ja, findet Doris Aschenbrenner. Sie ist Diplominformatikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Telematik in Würzburg und hat zu selbstfahrenden Robotern geforscht. Sie kann sich vorstellen, dass wir in 20 Jahren selbstfahrende Autos vor allem in Städten nutzen werden. Einen Führerschein werden wir wohl immer noch brauchen, sagt sie.“ (Main-Post, 12. Oktober 2016) „Das denkt auch Prof. Dr. Oliver Bendel. Er ist Wirtschaftsinformatiker und befasst sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz unter anderem mit Maschinenethik und in diesem Zusammenhang auch mit selbstfahrenden Autos.“ (Main-Post, 12. Oktober 2016) „Wir werden in 20 Jahren noch einen Führerschein brauchen“, sagt er, „aber mit anderen Kompetenzen.“ Innenstädte sind nach seiner Meinung ungeeignet für das autonome Fahren, es sei denn, man erlaubt nur geringe Geschwindigkeiten oder spezielle Spuren. Der ganze Artikel kann über www.mainpost.de aufgerufen werden.
Nadja Röll vom SRF hat mit Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW am 7. Oktober 2016 ein Interview zur „Partnership on Artificial Intelligence to Benefit People and Society“ geführt. Fünf IT-Konzerne haben angekündigt, dass sie ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bündeln und Leitplanken für Mensch und Maschine entwickeln wollen, nämlich Google, Amazon, Facebook, IBM und Microsoft. Es fehlen bislang Apple sowie die von Elon Musk geleitete Non-Profit-Organisation namens OpenAI. Gerade letzterer würde man sowohl eine gesellschafts- und benutzerbezogene Reflexion der Chancen und Risiken von Robotik und eine Erstellung von Moralkodizes für die Entwicklung von Robotern (Informationsethik und Roboterethik) als auch eine zielführende Integration von Entscheidungsmechanismen in die Maschinen (Maschinenethik) zutrauen. Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen schreibt Oliver Bendel den Unternehmen sowohl Sachverständigkeit als auch Schnelligkeit zu. Allerdings ist er skeptisch, ob sie sich selbst beschneiden werden: Künstliche Intelligenz hängt, etwa im Deep Learning, mit Big Data zusammen, und als Datenkonzerne werden Google, Amazon und Co. nicht vom Datensammeln lassen, auch wenn es gegen Persönlichkeitsrechte verstößt. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/wissen/wenn-google-die-moral-von-maschinen-festlegt-gibt-es-probleme aufgerufen werden.
„Sollen Roboter Steuern zahlen?“ – das fragt der Krautreporter am 4. Oktober 2016. Die Robotersteuer ist, wie Oliver Bendel im Wirtschaftslexikon von Gabler schreibt, eine Ausprägung der Maschinensteuer, die man wiederum als Wertschöpfungsabgabe begreifen kann. Die Idee ist, den Betrieb respektive die Arbeit von Robotern (allenfalls von Agenten) in der Produktion und in anderen Bereichen zu besteuern und die Gelder entweder dem System der Sozialversicherung oder bspw. dem Bildungswesen zuzuführen. Auch eine Kopplung an das bedingungslose Grundeinkommen wird vorgeschlagen. Zugleich ist die Frage, ob im Gegenzug die Arbeit von Menschen steuerlich entlastet werden soll. Der Krautreporter hat Oliver Bendel interviewt, der ein bedingungsloses Grundeinkommen für eine diskussionswürdige Idee hält, wobei er einige Schwierigkeiten sieht. Er fordert in jedem Falle, dass eine gerechte Verteilung der Gewinne stattfindet. Nicht alle Menschen werden Fabriken aufbauen können, in denen Roboter eingesetzt werden, und auch nicht alle können Anteile an solchen Firmen erwerben. Sie müssen dennoch eine Grundversorgung erhalten, wenn sie ihren Job durch Roboter verlieren oder wegen dieser erst gar nicht eingestellt werden. Der Artikel ist abrufbar über krautreporter.de/1624-sollen-roboter-steuern-zahlen.
„Aus dem Rollstuhl auf die Beine – der Roboter macht’s möglich“ – das ist der Titel einer SRF-Doppelpunkt-Sendung am 4. Oktober 2016 ab 20 Uhr. „Was klingt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, ist bereits Wirklichkeit: Dank speziellen Roboteranzügen können Rollstuhlfahrer wieder aufrecht gehen.“ (Website SRF) Der Doppelpunkt „gibt einen Einblick ins Training und fragt bei Forschern nach, was heute möglich ist und wo die Chancen für Menschen mit Behinderung liegen“ (Website SRF). „Die Sendung beleuchtet auch die Frage, was geschieht, wenn Roboter-Technologien dazu verwendet werden, um gesunde Menschen leistungsfähiger zu machen: Wo liegen hier die Grenzen – technisch und ethisch?“ (Website SRF) Zu den ethischen Fragen war Romana Kayser im Gespräch mit Prof. Dr. Oliver Bendel. Er wird auch den Cybathlon am Samstag, 8. Oktober 2016, begleiten. Bei diesem Wettkampf in der sogenannten SWISS Arena in Kloten bei Zürich treten Athleten mit Behinderungen mit Hightech-Prothesen und Exoskeletten gegeneinander an. Weitere Informationen zur Doppelpunkt-Sendung über www.srf.ch/sendungen/doppelpunkt/aus-dem-rollstuhl-auf-die-beine-der-roboter-macht-s-moeglich.
Abb.: Athlet mit Hightech-Prothese (Foto: ETH Zürich, CYBATHLON/Alessandro Della Bella)