An einem Fraunhofer-Institut wurde von Oliver Bendel vor über 15 Jahren „Das gläserne Produkt“ konzipiert. Es wird in seinem Buch „Die Rache der Nerds“ beschrieben: „Der Kunde interessiert sich im Tante-Emma-Laden oder im Supermarkt für ein bestimmtes Produkt. Er scannt mit dem Handy eine ID auf der Verpackung ein. Die ID wird mit einem persönlichen Profil gematcht, das auf dem Handy oder einem Server liegt. Auf dem Display wird eine Empfehlung angezeigt, etwa mithilfe eines Ampelsystems. Der Kunde weiß sofort, ob sich das Produkt für ihn eignet (grün) oder nicht (rot). Oder ob er sich anderweitig informieren sollte (gelb).“ Neben Vegetariern stellte man sich Allergiker und Diabetiker als Zielgruppen vor. Inzwischen hat sich viel getan. Es gibt Informationssysteme und Deklarationsfortschritte. In vielen Ländern wird z.B. Käse, der mit mikrobiellem Lab hergestellt wird, oftmals direkt auf der Verpackung als vegetarisch gekennzeichnet. In der Schweiz haben sich Coop und Migros bisher geweigert, das zu tun bzw. die Produzenten dazu anzuhalten. Oliver Bendel hat darauf immer wieder kritisch hingewiesen. In einem Telefonat hat ihm nun Philipp Wyss, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop, einen Austausch der Verpackungen zugesichert. In den nächsten Monaten und Jahren werde ein entsprechender Vermerk aufgenommen. Damit kann man sich als Vegetarier künftig auch in der Schweiz vor Ort informieren und muss sich nicht auf veraltete Listen verlassen und sich auf eine oft erfolglose Suche in den je nach Standort unterschiedlich bestückten Regalen begeben. Dabei muss man noch nicht einmal mobile Dienste bemühen.
„Die Digitalisierung hat längst auch unser Sexleben erfasst: Dating-Apps, ferngesteuerte Vibratoren, virtuelle Pornowelten. Nun steht mit humanoiden Sexrobotern der nächste große Schritt bevor. Worauf muss sich unsere Gesellschaft einstellen?“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag von Nora Belghaus, der am 28. Dezember 2019 in der TAZ erschienen ist. Zu Wort kommt u.a. Oliver Bendel, der sich mit Sexrobotern aus technischer und ethischer Perspektive befasst. Dabei interessieren ihn auch Details, etwa die Haut, der Mund, die Ohren und die Augen von Harmony. Der Hersteller, Realbotix aus San Marcos im San Diego County, ist offen gegenüber Hochschulen und hat Ende 2019 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei einem Workshop in Potsdam ein Kopfmodell zur Verfügung gestellt. Oliver Bendel war unter ihnen und hat Harmony eingehend untersucht. Zudem hat er beobachtet, wie die Anwesenden auf sie reagierten. Umringt war sie vor allem von Frauen – die einen zeigten sich hingewandt, die anderen wirkten angeekelt. Diese Polarisierung scheint sich auch in der Literatur widerzuspiegeln, von Kate Devlin – die zum Workshop eingeladen, aber leider verhindert war – bis Kathleen Richardson. Der Artikel „Roboter der Lust“ ist in der Printausgabe zu finden. Eine elektronische Version ist über taz.de/!5650790/ abrufbar.
According to The Robot Report, Anki’s little robots might be making a comeback. Digital Dream Labs in Pittsburgh acquired the patents, trademarks, and domain. The start-up company „is planning to revive and manufacture more units of each product in the following order: Overdrive, Cozmo, Vector“ (The Robot Report, 26 December 2019). Digital Dream Labs founder H. Jacob Hanchar told The Robot Report „the goal is to have all three products available for purchase for Christmas 2020“ (The Robot Report, 26 December 2019). The small robots belong to the best that the industry has produced. What is special about Cozmo is the many emotions it can show (but of course doesn’t have). It also has face recognition and a night vision device. The future of it and its siblings is not yet clear, as Digital Dream Labs has not purchased „physical assets and inventory“ (The Robot Report, 26 December 2019). Fans are waiting and hoping.
There are several robot restaurants and cafes in Asia. In some there are really robots, in others only the topic is taken up. SoftBank Robotics announced in autumn 2019 that it will operate a cafe in Tokyo. The humanoid robot Pepper is to play a major role in this. But people will not disappear. They will of course be guests, but also, as in the traditional establishments of this kind, waitresses and waiters. At least that’s what ZDNET reports. „The cafe, called Pepper Parlor, will utilise both human and robot staff to serve customers, and marks the company’s first time operating a restaurant or cafe.“ (ZDNET, 13 September 2019) According to SoftBank Robotics, the aim is „to create a space where people can easily experience the coexistence of people and robots and enjoy the evolution of robots and the future of living with robots“. „We want to make robots not only for convenience and efficiency, but also to expand the possibilities of people and bring happiness.“ (ZDNET, 13 September 2019) This opens up new career opportunities for the little robot, which recognizes and shows emotions, and which listens and talks and is trained in high-five. It has long since left its family’s lap, it can be found in shopping malls and nursing homes. Now it will be serving waffles in a cafe in Tokyo.
Das Sozialkreditsystem, mit dem die Partei die Bevölkerung von China überwachen und maßregeln will, ist in Europa auf massive Kritik gestoßen. Nun wurde bekannt, dass die chinesische Regierung ausländische Touristen mit einer Anwendung ausforscht, „die bei der Einreise auf dem Handy installiert wird“. Die App greift auf Informationen auf dem Smartphone zu, etwa auf Kontakte, Kalender, SMS, Standort oder Anruflisten, und „überträgt diese an einen Computer der Grenzpolizei“ (SZ, 2. Juli 2019). Außerdem sucht sie laut der Süddeutschen Zeitung auf dem Handy nach Dateien, die aus Sicht der chinesischen Regierung verdächtig sind – dazu gehörten Pamphlete von Islamisten, aber auch harmlose religiöse Inhalte sowie Dateien mit Bezügen zu Taiwan oder Tibet. Betroffen seien Reisende, die im Westen über den Landweg in die chinesischen Provinz Xinjiang einreisen. Über die Überwachung von Touristen berichteten am 2. Juli mehrere Medien. Journalisten der Süddeutschen, des NDR und mehrerer weiterer Medien sowie IT-Experten ist es offenbar gelungen, die Software zu entschlüsseln. Zur Operation „Honigbiene“ und mit Blick auf ihre Story schreibt die SZ: „Die Grenzpolizei fällt über das Smartphone her, eine App saugt dann viele private Informationen ab. Eine Recherche aus einem beispiellosen Überwachungsstaat.“ (SZ, 2. Juli 2019)
Wie verschiedene Medien melden, hat die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ein System vorgestellt, das im Fernsehen Nachrichten verlesen kann. Die verfügbaren Avatare sind realen Sprechern nachgebildet, nämlich Qiu Hao und Zhang Zhao. Die digitale Kopie von Qiu spricht chinesisch, die von Zhang englisch. „Das System nutzt Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen, um die Stimme, Lippenbewegungen, Mimik und Gestik der Vorbilder möglichst realistisch zu imitieren. Dadurch solle ein möglichst lebensnahes Abbild entstehen und kein kalter Roboter, erklärte Xinhua. Das System ist zudem lernfähig. Das bedeutet, die Avatare lernen von Videos menschlicher Sprecher und werden dadurch mit der Zeit besser.“ (Golem, 9. November 2018) Im Moment klingt die Stimme von Zhang erstaunlich künstlich. Die Stimmen üblicher Text-to-Speech-Engines erreichen eine bessere Qualität. Mit Hilfe von SSML kann man sie noch menschenähnlicher gestalten. Virtuelle Nachrichtensprecher sind insgesamt ein alter Hut. Ananova, eine virtuelle Nachrichtensprecherin, hatte vor 20 Jahren eine gewisse Popularität erlangt. Sie wechselte 2000 für eine Ablösesumme von 95 Millionen Pfund zum Telefonanbieter Orange.
iPal ist der kleine große Bruder, im Aussehen zwischen Mensch und Affe. Es gibt ihn blau sowie pinkfarben mit spitzen Ohren, also auch als kleine große Schwester. Der Roboter wird vom Hersteller AvatarMind als Familienmitglied, Spielkamerad, Babysitter und vor allem als Erziehungsperson und Lehrkraft gesehen. Er hat natürlichsprachliche Fähigkeiten und ein Tablet in seiner Brust, auf dem Lernprogramme laufen. Er soll die soziale Entwicklung unterstützen und das Interesse an Wissenschaft und Technologie wecken. Laut Website macht iPal Bildung für Kinder lustig und attraktiv. Er kann tanzen, Geschichten erzählen, Spiele spielen und die Bewegung fördern. Über ihn kann man mit Freunden chatten, Videos teilen und sich mit dem Internet und sozialen Medien verbinden. Eltern sind in der Lage, iPal fernzusteuern und den Fortschritt, die Sicherheit und die Aktivitäten ihres Sprösslings auf ihrem Smartphone oder auf dem Desktop von jedem Ort aus und zu jeder Zeit zu überwachen. In seinem Nebenberuf ist iPal für Alte und Kranke da und kontrolliert z.B. die Medikamenteneinnahme. iPal verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Konkret wird durch den beschriebenen Gebrauch der Eltern das Recht auf Privatsphäre missachtet. Es ist ferner nicht auszuschließen, dass sich das Unternehmen oder dessen Partner und der Staat bestimmte persönliche Daten der Familie beschaffen.
Im Kontext des LADYBIRD-Projekts (2014/2017) wurde ein Menü vorgeschlagen, mit welchem der Benutzer die Moral des Staubsaugerroboters einstellen kann. Dieser verschont, wie der Name andeutet, Marienkäfer. Auch Spinnen sollte er am Leben lassen. Wer aber zum Beispiel partout bestimmte Insekten einsaugen lassen will, könnte dies über ein Menü festlegen. Wichtig ist, dass LADYBIRD insgesamt tierfreundlich bleibt und sich nicht ins Gegenteil verkehrt (und Marienkäfer sind auf jeden Fall tabu). Über das Menü wird eine Stellvertretermoral entwickelt. Der Staubsaugerroboter macht das, was der Besitzer auch machen würde. Andere Maschinen wie Sprachassistenten bzw. virtuelle Assistenten haben in der Regel keine grundsätzliche moralische Ausrichtung, eignen sich aber ebenso für den Einsatz eines Moralmenüs. Google Assistant soll in Zukunft mit Hilfe der Audiofunktion alle möglichen Reservierungen vornehmen (das Projekt wird Duplex genannt). Damit automatisiert er Vorgänge, die privaten und sozialen Charakter haben. Viele Benutzer werden es schätzen, wenn der Telefonassistent die eigenen Wertvorstellungen vertritt, da er ja in ihrem Namen bzw. Auftrag spricht. Die Designstudie MOME stellt ein Moralmenü beispielhaft für virtuelle Assistenten dieser Art vor. Die erste Option lautet: „Ich sage, dass ich eine Maschine bin.“ Eine solche Funktion war schon beim GOODBOT von 2013, einem moralisch adäquat agierenden und reagierenden Chatbot, umgesetzt.
In Indien findet das IT-Business bzw. das Mediengeschäft zuweilen auch auf der Straße statt. Touristen werden fotografiert, die Bilder an Ort und Stelle ausgedruckt. Den Strom für das Gerät holt man sich aus der Umgebung oder auf andere Weise. Was mit den Dateien und Daten passiert, ist unklar, wie auch im Empire State Building, wo man die Besucher fast zum Shooting zwingt (und wo Beherzte dennoch einfach weitergehen, während die Kamera ins Leere schießt). Vor dem Gateway of India macht sich vermutlich kaum einer Gedanken über die informationelle Autonomie und den Datenschutz, weder der Fotograf noch der oder die Fotografierte. Überhaupt spielt das Bild eine große Rolle, und es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von Einheimischen angesprochen und zum Gruppenbild mit Dame (oder Herrn) aufgefordert wird. In Mumbai kämpft jeder ums Überleben, außer diejenigen, die am Juhu-Strand wohnen und ab und zu im Bollywood-Studio einen Hindi-Film drehen, und diejenigen, die ihre Kinder in die Schweiz zum Skifahren schicken, wo wiederum Bilder geschossen werden, die in Indien landen (und auf Servern überall in der Welt).
2004 erfanden Oliver Bendel und Michael Gerhard am Fraunhofer ISST in Dortmund spezielle Avatare für das Handy. Die Idee gefiel Klaus Kleinfeld, der kurz darauf Chef von Siemens wurde, so gut, dass er einen Mitarbeiter einfliegen ließ. Der jeweilige Avatar sollte Smileys umsetzen können. Wenn in der SMS ein zwinkerndes Smiley vorkommen würde, würde er selbst zwinkern. Wenn eine ASCII-Art-Rose vorhanden wäre, würde er dem Benutzer eine Rose überreichen, vielleicht eine echt wirkende, mit Blütenblättern und Dornen. Zudem sollten Morphingfunktionen vorhanden sein, zu beziehen wie Klingeltöne (s. Oliver Bendel, „Die Rache der Nerds“, S. 158 f.). Als einige Zeit später Siemens die Handysparte abstieß, begruben auch die beiden Wissenschaftler ihren Traum. Mit Neom (das „m“ steht für „Mustaqbal“, „Zukunft“) entsteht in Saudi-Arabien„ein neues Land, in dem es mehr Roboter als Menschen geben könnte“ (Spiegel Online, 28. Oktober 2017). Und weiter in der Zeitschrift: „Die treibende Kraft hinter ‚Neom‘ ist Mohammed bin Salman, der saudische Kronprinz. Er will das Land mit der ‚Vision 2030‘ wirtschaftlich und gesellschaftlich reformieren. Um den Traum von seinem Phantasialand zu erfüllen, hat er sich Expertise aus Deutschland geholt – Klaus Kleinfeld.“
Im Glattzentrum bei Zürich soll Pepper bald im Einsatz sein. Im Westfield San Francisco Centre kann man ihn bereits in Aktion sehen. Der kleine Roboter von SoftBank spricht und singt und tanzt auf Wunsch auch. Auf dem Touchscreen an seiner Brust werden auswählbare Rubriken und entsprechende Informationen angezeigt. Regelmäßig scharen sich Menschen um Pepper und probieren seine Funktionen aus. Faszinierend ist, wie schnell und präzise er seine Hände und seine Finger bewegen und benutzen kann. Er zeigt auf etwas, er gestikuliert – und er unterstützt seine Tanzbewegungen fast wie ein Profi. Wie 20 Minuten schreibt, soll Pepper im Glattzentrum ab Ende des Jahres eingesetzt werden. Über eine Million Franken habe das Einkaufszentrum für sechs Exemplare ausgegeben. Diese sollen ab Ende des Jahres selbstständig herumrollen. „Die Kunden können die Roboter ansprechen und nach Informationen fragen.“ (20 Minuten, 7. März 2017) Wenn diese nicht weiterwissen, wird über ihren Bildschirm „die Infostelle des Centers zugeschaltet“ (20 Minuten, 7. März 2017). In Kalifornien sind Roboter im öffentlichen Raum keine Seltenheit. Vor allem Informationsroboter sowie Überwachungs- und Sicherheitsroboter wie der K5 sind verbreitet. Eine Kollision kann im Westfield kaum stattfinden – der Roboter steht am Rand und bewegt sich nicht von der Stelle.
The swissnexDay’16 will take place at the University of Basel (December 15, 2016). The second break-out session „Care-Robots – an elderly’s best friend?“ starts shortly after 4 pm. An extract from the description: „Ageing societies and a lack of qualified caregivers are challenging our current system and innovative solutions are strongly needed. Japan, with 20% of its population being over 65 years, is leading the development of robotic solutions. In this session, a diverse panel will discuss the current landscape in Japan and draw comparison to the situation in Switzerland. We will also discuss ethical applications and different perception of the relationship between human + robots.“ (Website swissnex) Kyoko Suzuki (Deputy Head, S&T Tokyo), Christiana Tsiourti (University of Geneva) and Christine Fahlberg (School of Business FHNW, master student of Prof. Dr. Oliver Bendel) will present their current research and discuss about robots in healthcare. Christine Fahlberg is focussing on the use of nursing robots from the perspective of ethics. Keynote speakers of the swissnexDay’16 are Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki (President, University of Basel), Dr. med. Guy Morin (President of the Executive Council of the Canton of Basel-Stadt) and State Secretary Mauro Dell’Ambrogio (State Secretariat for Education, Research and Innovation). Further information via www.swissnex.org.
Die Journalistin Heike Henzmann hat im Rahmen der Serie „Walk and Talk“ für die Zeitschrift aktuelle technik (at) ein langes Gespräch mit dem Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel geführt. Der erste Teil des Interviews ist im Juni 2016 erschienen und auf maschinenethik.net besprochen worden. Der zweite Teil mit dem Titel „Aufhalten lassen wir uns nicht.“ liegt seit dem 14. Juli vor und kann hier heruntergeladen werden. In dem Gespräch ging es, wie bereits ausgeführt, um Maschinenethik, Informationsethik und Technologiefolgenabschätzung sowie um Moral und Ethik im Allgemeinen. Zur Maschinenethik führt Oliver Bendel aus: „Die Maschinenethik begreife ich als Gestaltungsdisziplin, die Informationsethik als Reflexionsdisziplin. Die Maschinenethik ist die Disziplin, die die Moral der Maschine zum Thema hat. Die Moral des Menschen wird anders als in der Menschenethik nur nebenbei betrachtet, als Mittel zum Zweck. Eine menschliche Moral ist sehr viel besser als eine maschinelle Moral. Der maschinellen Moral fehlt einiges. Die Maschine kann aber mindestens eine so gute Moral haben wie der menschliche Fundamentalist.“ (at, 7/2016) Diese These wird im Folgenden näher beleuchtet und begründet. Neben dem Text finden sich in beiden Beiträgen viele Fotos, aufgenommen bei miesestem Regenwetter und bester Diskutierlaune.
Abb.: Beim Flanieren und Diskutieren in Zürich (Foto: aktuelle technik)
Der SPIEGEL beleuchtet in seiner Titelstory der Ausgabe 9/2016 das autonome Auto („Steuer frei“). Markus Brauck, Dietmar Hawranek und Thomas Schulz lassen u.a. Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Google-Forscher Sebastian Thrun und Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel zu Wort kommen. „Das können wir nicht dem Google überlassen“, wird Bernhard zitiert, und gemeint ist das Geschäft mit dem Roboterauto. Das Magazin wird grundsätzlich: „Technologische Umbrüche, wie sie in der Automobilindustrie jetzt anstehen, haben schon viele Firmen hinweggefegt, die unsterblich schienen. Den Fernsehhersteller Telefunken, den Schreibmaschinenfabrikanten Triumph-Adler, die Fotofirma Kodak.“ (SPIEGEL, 27. Februar 2016) „Wir haben uns aufgemacht“, so Zetsche laut SPIEGEL, „diese Statistik zu schlagen“. „Buchstäblich Hunderte Menschen wollten mir weismachen, dass man kein fahrerloses Auto bauen kann“, sagt Thrun. Der Forscher gilt als Pionier in diesem Bereich. Bendel verbindet Maschinen- und Tierethik. Erwähnt wird seine Konzeption eines tierfreundlichen Saugroboters namens LADYBIRD, aber auch seine Arbeit zu Roboterautos. „Er ist Spezialist für Maschinenethik und setzt sich seit Jahren mit den moralischen Dilemmata auseinander, die das selbstfahrende Auto mit sich bringt. … Für Bendel hängt die Akzeptanz von selbstfahrenden Autos auch davon ab, ob diese ethischen Fragen zur Zufriedenheit der Bürger beantwortet werden. Bendel misstraut den optimistischen Visionen der Industrie. Es sei fatal, Maschinen komplexe moralische Entscheidungen zu überlassen.“ (SPIEGEL, 27. Februar 2016)
„Robots between the Devil and the Deep Blue Sea“ lautet der Titel des Beitrags, der am 1. Dezember 2015 in der brasilianischen Zeitschrift Liinc em Revista erschienen ist. Man könnte auch sagen: „Roboter zwischen Skylla und Charybdis“. Oliver Bendel stellt klassische Dilemmata vor und überträgt sie ins Informationszeitalter. Insbesondere interessiert der Einsatz von Chatbots, Robotern, Drohnen und selbstständig fahrenden Autos, der immer wieder problembehaftet ist. Bei den Lösungsansätzen wird u.a. die Perspektive der Maschinenethik eingenommen. Es stellt sich heraus, dass klassische Dilemmata für die Herausforderungen der Gegenwart nützlich sind und dabei helfen, die Entscheidungsmöglichkeiten teilautonomer und autonomer Systeme zu diskutieren sowie Robotik, Künstliche Intelligenz und Informatik in dieser Frage zu sensibilisieren und ihre Ergebnisse und Erzeugnisse zu optimieren. Skizziert werden das „Roboterauto-Problem“, die „Parkbucht des Karneades“, „Buridans Robot“ und das „Lügenbot-Problem“. Der Beitrag kann über die Website der Zeitschrift kostenlos heruntergeladen werden.
Im Jahrbuch „Strassenverkehr Schweiz 2016“ geht es auch um Roboterautos. Die Wissenschaftsjournalistin Barbara Fischer hat im Technopark in Zürich den Maschinenethiker Oliver Bendel interviewt. Sie beginnt mit den Worten: „Autonome Fahrzeuge sind nichts Neues, bereits Kutschen haben so funktioniert. War der Kutscher betrunken oder eingeschlafen, blieben die Pferde vor einer Schlucht selbstständig stehen und warteten, bis der Kutscher die Steuerung wieder übernehmen konnte.“ Der Professor, der an der Hochschule für Wirtschaft FHNW arbeitet, meint: „Ein sehr schöner Vergleich. Im Grunde verfügen Kutschen über entsprechende Systeme. Das Pferd ist sozusagen der intelligente Antrieb und Fahrerassistent. Der Kutscher entspricht dem Autofahrer, er ist verantwortlich für das Gefährt. Meist sitzt er bewusst am Steuer, er kann die Führung aber auch delegieren. Ein spannendes Detail im Fall der Kutsche: Pferde haben ihren eigenen Kopf, wenn sie klug sind, bleiben sie rechtzeitig stehen, wenn sie Angst haben, rasen sie womöglich in den Abgrund.“ Im Folgenden plädiert Bendel für einfache moralische Maschinen und problematisiert komplexe moralische Maschinen wie autonome Autos, die über Leben und Tod von Menschen entscheiden. Das Jahrbuch mit dem Interview ist am 9. November 2015 erschienen. Es richtet sich an „die Gesamtheit aller Entscheidungsträger der Schweizer Verkehrsszene“ (www.kömedia.ch). Der Beitrag steht dank der freundlichen Genehmigung durch die Autorin und den Verlag kostenlos als PDF zur Verfügung.
„Wen soll das autonome Auto lieber überfahren?“ Diesen Titel trägt ein Artikel von Philipp Vetter, erschienen am 14. September 2015 in der Online-Version der WELT; eine gedruckte Form folgte am 21. September. Man könnte auch fragen: Wer stirbt am Ende des Tages? Interviewt wurden Eric Hilgendorf, Juraprofessor an der Universität Würzburg, und Oliver Bendel, Professor für Wirtschaftsinformatik, Informationsethik und Maschinenethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Auch Politiker werden zitiert: „In rund drei Jahren werden 80 Prozent aller Neuwagen in Deutschland miteinander vernetzt sein“, sage Verkehrsminister Alexander Dobrindt voraus. „Dann können die Autos erkennen, wo andere Fahrzeuge sind, wie weit weg, wie schnell. Sie können Informationen von diesen über den Straßenzustand, die Verkehrsdichte, die Witterungsverhältnisse bekommen.“ (WELT, 14. September 2015) Oliver Bendel konzipiert moralische Maschinen, ist aber skeptisch in Bezug auf komplexe moralische Maschinen, also auch in Bezug auf autonome Autos, die in offenen Welten eine Vielzahl von Entscheidungen – manche mit moralischen Implikationen – treffen müssen. Er ist der Meinung, dass sich gewisse Dilemmata nicht in befriedigender Weise lösen lassen. Wer am Ende des Tages stirbt, sollte nicht das Auto entscheiden.
Abb.: Oliver Bendel im Jahre 2015 in Valencia (Foto: Stefanie Hauske)
KI-Forscher und Robotiker sowie weitere Wissenschaftler aus aller Welt haben das Verbot von autonomen Waffensystemen, etwa Kampfrobotern, gefordert. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs gehören der Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking, der Apple-Co-Founder Steve Wozniak und der Sprachwissenschaftler und Linksintellektuelle Noam Chomsky. Manche Experten lehnen Kampfroboter ab, weil diese falsche Entscheidungen treffen und die Bevölkerung verunsichern können, andere weisen darauf hin, dass Maschinen anders als Menschen nicht zu Plünderungen, Brandschatzungen und Vergewaltigungen neigen und somit die Nebenschauplätze von Kriegen menschlicher gestaltet werden können. Zudem könne man das Leben derjenigen Soldaten schützen, die von den Robotern unterstützt oder ersetzt werden. Der offene Brief wurde bei der Eröffnung der IJCAI 2015 Conference am 28. Juli 2015 präsentiert.Unterschrieben hat ihn auch der Maschinenethiker Oliver Bendel, der in seinen Fachartikeln nicht zuletzt Kampfdrohnen thematisiert hat und der Robotern, die komplexe Entscheidungen mit moralischen Implikationen zu treffen haben, ausgesprochen kritisch gegenübersteht. Er spricht sich für sogenannte einfache moralische Maschinen aus.
Abb.: Auch Aufklärungsdrohnen werden immer autonomer (Quelle: Wikipedia; Autor: Padeluun)
„Drohnen, Roboter, Avatare: Künstliche Wesen zwischen Ethik und Ästhetik“ – zu diesem Vortrag von Oliver Bendel haben die Studierenden Raffaela della Valle, Hadis Xheladini und Noémie Szenogrady einen Beitrag geschrieben, der am 5. Juni 2015 auf www.digitallernen.ch erschienen ist. Der Vortrag fand am 21. April 2015 im Rahmen der Vorlesung „Angewandte Linguistik“ von Prof. Dr. Christa Dürscheid am Deutschen Seminar der Universität Zürich statt und wurde von ca. 30 Personen besucht. Er nahm vor allem die Perspektive der Maschinenethik ein, am Rande auch der Informationsethik. Im Beitrag heißt es: „Drohnen, Roboter, Avatare – Was fasziniert uns Menschen an diesen künstlichen Wesen? Welche Bereicherung bieten sie für die Gesellschaft und welche allfälligen Gefahren bergen sie? Wie lässt sich eine Verbindung von Literatur und Technik denken? Die Verknüpfung dieser Fragen mit dem Fachbereich Germanistik wurde im Spannungsfeld von Ästhetik und Ethik evident. Mit seiner offenen und charismatischen Art führte der Experte für Maschinenethik und Autor von zahlreichen Handyromanen uns, Studierende und einige Gasthörer, in die Welt von künstlichen Kreaturen von der Antike bis heute ein.“ Mehr kann man hier lesen.
Abb.: Illegaler Drohnenflug in der Zürcher Altstadt
„Die Schweiz kann wieder eine bedeutende Rolle im Automobilbau und in der Zulieferindustrie spielen. Es braucht nur die richtigen Weichenstellungen. Die Bahn wird nicht aufs Abstellgleis geraten, sondern kann sogar Synergien schaffen.“ Um diese scheinbar gewagte These zu begründen, holt Oliver Bendel in seinem Artikel „Made in Switzerland: Smart Cars“ ein bisschen aus. Er erzählt die Geschichte des Automobils in der Eidgenossenschaft, erklärt im Detail, was autonome Autos sind, und kommt dann zur Sache. „Was spricht dafür, dass die Schweiz in diesem boomenden Markt der Car IT, der Assistenzsysteme und der autonomen Autos eine Chance hat? Dass sie mitspielt, sozusagen mitfährt, im Mittelfeld oder an der Spitze?“ Mehrere Argumente werden genannt, und am Ende wird klar, dass es wirklich sein könnte, wenn man nur wollte, wenn Einrichtungen und Personen einmal über den Tellerrand hinausschauen würden, wenn sie einmal visionär wären, dann … Der Beitrag ist im Mai 2015 in der UnternehmerZeitung erschienen und kann hier als PDF heruntergeladen werden.
„Die Parkbucht des Karneades“ lautet der Titel eines Beitrags von Oliver Bendel, erschienen am 17. März 2015 in der Zeitschrift inside-it.ch. „Viereinhalb Dilemmata der Robotik“, so der Untertitel, werden erfunden, auf der Grundlage klassischer Gedankenexperimente. Buridans Esel verwandelt sich in Buridans Robot, wie schon in einem früheren Artikel aus Telepolis. Das Trolley-Problem und das Fetter-Mann-Problem sind in der heutigen Zeit bzw. in der nahen Zukunft das Roboterauto-Problem. Das Brett des Karneades wird zur Rettung verheißenden Parkbucht, in die zwei Roboterautos gelangen wollen. Pech für sie, dass nur eines von ihnen Platz hat. Gegen Ende des Artikels heißt es: „Weitere Dilemmata warten darauf, ins 21. Jahrhundert transportiert zu werden, in die Welt der Softwareagenten und Serviceroboter, der militärischen Drohnen und autonomen Autos. Sie dürfen dem Werk antiker und moderner Philosophen entnommen werden sowie dem der Science-Fiction-Autoren, von Isaac Asimov und Stanisław Lem. Sie sind für diejenigen gedacht, die ihren Kopf gebrauchen und ihre Handlungen überprüfen wollen.“ Über www.inside-it.ch/post/die-parkbucht-des-karneades-20150317 kann man einen Anfang machen.
Abb.: Für Drohnen, Flugzeuge und Helikopter können sich Dilemmata ergeben
Die Industrie 4.0 ist ein Zukunftsprojekt der deutschen Regierung. Die Produktion wurde in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgelagert. Die Wirtschaft stand Ende des 20. Jahrhunderts am Scheideweg. Die BRD könnte, so die Überlegungen, noch mehr zum Dienstleistungsland werden. Oder wichtiger Produktionsstandort bleiben, indem Produktionsfaktoren und -mittel völlig neu gedacht und arrangiert würden. Die Idee der Industrie 4.0 war geboren. Der Artikel „Chancen und Risiken 4.0“ von Oliver Bendel, erschienen in der UnternehmerZeitung 3/2015, beantwortet Fragen dieser Art: Was meint der Begriff der Industrie 4.0? Welche Bereiche der Wirtschaft sind betroffen? Wie verändern sich unsere Arbeit und unser Alltag? Und kann auch die Schweiz von den Ansätzen profitieren? Auch die Perspektive der Ethik wird eingenommen: „Die Informationsethik beschäftigt sich damit, dass die vernetzten Systeme manipuliert und gehackt werden, falsche Daten benutzen und falsche Informationen liefern können, zudem mit der Gefährdung der informationellen und persönlichen Autonomie.“ Weitere Informationen zum Heft über www.unternehmerzeitung.ch. Der Artikel ist als PDF verfügbar.
Abb.: Rote Flip-Flops out, blaue in – für die Smart Factory kein Problem