„Animal Enhancement ist die Erweiterung des Tiers, vor allem zu seiner scheinbaren oder tatsächlichen Verbesserung in Bezug auf seine eigenen Interessen oder diejenigen des Menschen, etwa in wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Hinsicht. Im Blick sind u.a. Leistungssteigerung, Erhöhung der Lebensqualität und Optimierung der Verwertung.“ So beginnt ein neuer Eintrag im Wirtschaftslexikon von Gabler. Nachdem der Begriff des Animal Enhancement geklärt ist, wird auf Beispiele wie Nutztiere mit Funkchips und ferngesteuerte Kakerlaken (RoboRoach) eingegangen. Am Ende wird auch die ethische Perspektive eingenommen: „Eine breite Debatte über Animal Enhancement ist in der Öffentlichkeit bisher ausgeblieben. Die Zeitungs- und Zeitschriftenartikel und Medienmeldungen, in denen auch moralische Bedenken zu finden waren, haben allenfalls für ein kurzzeitiges Interesse gesorgt. Auch die Wissenschaft widmet sich nur punktuell dem Thema. Es scheint notwendig, Animal Enhancement einer gründlichen und kritischen Untersuchung zu unterziehen. Es müssen (informations-)technische Verfahren gesammelt, erklärt und aus Sicht von Technik- und Informationsethik sowie Tierethik bewertet werden. Damit sind neben Technik- und Moralphilosophen auch Vertreter von Disziplinen wie Biologie, Informatik, Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI) angesprochen. Wenn es um die Verbesserung aus wirtschaftlichen Motiven geht, ist die Wirtschaftsethik gefragt, während bei der Erweiterung aus wissenschaftlichen Gründen die Wissenschaftsethik herangezogen werden kann.“ Der Beitrag von Oliver Bendel ist am 2. Mai 2016 erschienen und kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/animal-enhancement.html abgerufen werden.
Am 2. Mai 2016 fand in Wien eine öffentliche Sitzung der österreichischen Bioethikkommission zum Thema „Von Mensch und Maschine: Roboter in der Pflege“ statt. Wegen des großen Andrangs war sie in den Kassensaal, wo früher Geldgeschäfte getätigt wurden, verlegt worden, einen prächtigen Saal im Amtsgebäude des Bundeskanzleramts. Zunächst trafen sich die Referenten zu einem Hintergrundgespräch mit Pressevertretern im Bundeskanzleramt am Minoritenplatz. Nach einem Mittagessen im Café Landtmann ging man in den Kassensaal hinüber. Die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, eröffnete die Veranstaltung. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW referierte zu Maschinen- und Informationsethik und zu ethischen Fragen des Einsatzes von Pflegerobotern. Er ist der Meinung, dass diese die persönliche Autonomie von Patienten verbessern, aber auch deren informationelle Autonomie verletzen können. Mark Coeckelbergh, inzwischen an der Universität Wien tätig, fragte nach den Anforderungen in der Pflege und wie Pflegeroboter, auch aus Sicht der Maschinenethik, dazu passen, und Michael Decker vom KIT in Karlsruhe präsentierte ein aktuelles Projekt in diesem Bereich. Grundsätzliche Technologiekritik übte Jutta Weber von der Universität Paderborn. Markus Wohlmannstetter von der Krankenanstalt Rudolfstiftung nahm die Perspektive der Pflegerinnen und Pfleger ein. Ina Wagner, Mitglied der Bioethikkommission, fasste die Ergebnisse zusammen. Im Anschluss stellten Mitglieder der Kommission und der Öffentlichkeit eine Stunde lang ihre Fragen, wobei nicht nur teilautonome Pflege-, sondern auch autonome Kampfroboter thematisiert wurden, deren Einsatz ein älterer Österreicher forderte, während Oliver Bendel sich dagegen aussprach, obwohl sie, wie er erklärte, nicht plündern, brandschatzen oder vergewaltigen, also auch gewisse Vorteile hätten. Am Ende wurden die Referenten, die der Alpenrepublik ihre Erkenntnisse honorarfrei übermittelt hatten, mit einem kräftigen Applaus verabschiedet. Weitere Informationen und Fotos über www.ots.at/presseaussendung/OTS_20160503_OTS0014/bioethikkommission-diskutiert-den-einsatz-von-robotern-im-pflegebereich …
Der Themenschwerpunkt „Mobile Connectivity“ des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen schreibt nach Angaben der Veranstalter die Tradition des Forums fort, jedes Jahr die aktuelle Innovationsstufe bei mobilen Unternehmensanwendungen in den Blick zu nehmen. Tablets und Smartphones seien in Workplace Solutions heute selbstverständlich; nun werde unter dem Begriff „Smart Connected Devices“ auch das Potenzial von vernetzten Brillen, Armbändern und Handschuhen in Mobile-Business-Lösungen untersucht, integriert und ausgeschöpft. „Das #mbforum16 greift diese Themen in Keynotes und interaktiven Formaten auf.“ (Website Mobile Business Forum) An der Paneldiskussion zu „Future Mobile Innovation: Visions, Business, Barriers“ nehmen Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW), Christoph Gugl (Helbling Technik AG), Reto C. Zbinden (Swiss Infosec AG) sowie Dr. Pekko Vehviläinen („Most quantified Man in Finland“) teil. Oliver Bendel ist als Informationsethiker eingeladen. Er hat bereits über Human Enhancement und über Wearables gearbeitet. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Referentinnen und Referenten über mbforum.iwi.unisg.ch.
Die Philosophische Fakultät der RWTH Aachen gründet ein Zentrum für interdisziplinäre Wissenschafts- und Technikforschung und schreibt vor diesem Hintergrund eine Universitätsprofessur mit dem Schwerpunkt Technik- und Umweltethik aus. Die Stellenanzeige beginnt mit den Worten: „Mit der Einrichtung der Professur Angewandte Ethik mit dem Schwerpunkt Technik- und Umweltethik erkennt die RWTH Aachen das gesellschaftliche Interesse an einer ethischen Reflexion der Grundlagen und Bedingungen der Technologieentwicklung an. Zu den Aufgaben der Professur gehören vor diesem Hintergrund die Lehre und Forschung in den Bereichen der Angewandten Ethik mit den Schwerpunkten Technik- und Umweltethik. Eine zentrale Stelle soll die systematische Beschäftigung mit aktuellen normativen Fragestellungen der Technik in Bezug auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt einnehmen, wobei Fragen der Globalisierung mit berücksichtigt werden sollen.“ Weitere Informationen über jobs.zeit.de/jobs und über die Website der RWTH Aachen.
Das 20. Berliner Kolloquium der Daimler und Benz Stiftung trägt den Titel „Der Datenmensch – Freiheit und Selbstbestimmung in der digitalen Welt“. In der Pressemitteilung heißt es: „Sobald wir Informationstechnologien nutzen, hinterlassen wir Datenspuren. Können wir in der digitalen Welt noch frei agieren oder werden wir zu vollkommen transparenten Datenmenschen mit einem gläsernen Ich? Und müssen wir die Auswertung unserer Daten generell hinnehmen, obwohl im Grundgesetz das Recht auf Selbstbestimmung verbürgt ist? Im Pressegespräch der Daimler und Benz Stiftung stehen Ihnen vier Experten als Gesprächspartner zur Verfügung.“ (Pressemitteilung DuB-Stiftung, 14. April 2016) Diese sollen Fragen „zu den Auswirkungen der Informationstechnologien auf die Gesellschaft, zu den Schutzmöglichkeiten des Einzelnen und auch zum ökonomischen Wert von Daten erörtern“ (Pressemitteilung DuB-Stiftung, 14. April 2016). Eingeladen wurden Prof. Dr. Alexander Roßnagel, Universität Kassel, Institut für Wirtschaftsrecht, Prof. Dr. Johannes Masing, Richter am Bundesverfassungsgericht, Florian Glatzner, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin, und Prof. Dr. Jeannette Hofmann, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH, Berlin. Das Kolloquium findet am Mittwoch, den 11. Mai 2016 von 10.00 bis 10.45 Uhr im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Weitere Informationen über www.daimler-benz-stiftung.de.
Abb.: Der Datenmensch (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
Eine öffentliche Sitzung der österreichischen Bioethikkommission trägt den Titel „Von Mensch und Maschine: Roboter in der Pflege“. Sie findet am 2. Mai 2016 im Bundeskanzleramt in Wien statt. Es tragen nach der Eröffnung von Dr. Christiane Druml (Vorsitzende der Bioethikkommission) vor: Prof. Dr. Oliver Bendel, Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Wirtschaftsinformatik („Die Maschine in der Moral“), Prof. Dr. Mark Coeckelbergh, Universität Wien, Institut für Philosophie („Machine ethics in healthcare“), Prof. Dr. Michael Decker, Karlsruhe Institut für Technologie, Institut für Philosophie („Einsatz von Robotern in der Pflege – empirische Erfahrungen“), Prof. Dr. Jutta Weber, Universität Paderborn, Institut für Medienwissenschaften („Maschinelle Versorgung: Die impliziten Werte der sozialen Robotik und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen“) und Markus Wohlmannstetter, MSc., Anästhesiologische Intensivstation 1B, Krankenanstalt Rudolfstiftung („Einsatz von Robotern in der Pflege – aus der Sicht der Pflege“). Das „Wrap-up“ verantwortet Prof. Dr. Ina Wagner, Mitglied der Bioethikkommission. Weitere Informationen über den Flyer zur Veranstaltung.
Im März 2016 ist der Proceedingsband „The 2016 AAAI Spring Symposium Series: Technical Reports“ erschienen, in der AAAI Press (Palo Alto 2016). Die KI-Konferenz fand an der Stanford University statt. Zur Maschinenethik (Symposium „Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents“) referierten u.a. Ron Arkin (Georgia Institute of Technology), Luís Moniz Pereira (Universidade Nova de Lisboa), Peter Asaro (New School for Public Engagement, New York) und Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW). Auf den Seiten 195 bis 201 findet sich der Beitrag „Annotated Decision Trees for Simple Moral Machines“ von Oliver Bendel. Im Abstract heißt es: „Autonomization often follows after the automization on which it is based. More and more machines have to make decisions with moral implications. Machine ethics, which can be seen as an equivalent of human ethics, analyses the chances and limits of moral machines. So far, decision trees have not been commonly used for modelling moral machines. This article proposes an approach for creating annotated decision trees, and specifies their central components. The focus is on simple moral machines. The chances of such models are illustrated with the example of a self-driving car that is friendly to humans and animals. Finally the advantages and disadvantages are discussed and conclusions are drawn.“ Der Tagungsband kann über www.aaai.org bestellt werden.
Im FNT Kundenmagazin 2 (März 2016) ist ein Beitrag von Alexander Freimark mit dem Titel „IT-Jobs mit Sex-Appeal“ erschienen. Darin werden neue Rollen und Berufe wie Data Scientist, Cyber-Security-Experte, Chief Service Officer und Maschinenethiker genannt. Datenwissenschaftler „entwickeln Modelle, um betrügerische Transaktionen von Kreditkarten, Störungen in Produktionsabläufen oder beleidigende Kommentare in Online-Foren zu erkennen“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Dr. Angelika Voss verantwortet am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS das dazu passende Schulungsprogramm: „In der Regel sind unsere Teilnehmer Mitarbeiter von Unternehmen, die sich in der Datenanalyse auskennen, IT-affin sind – und die darüber hinaus noch verstehen, wie in ihrer Branche Geld verdient wird.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Die Sicherheitsexperten für den virtuellen Raum können sich „in die Denkweise der Kriminellen hineinversetzen“ und können „Angriffe schon im Vorfeld verhindern“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Der CSO ist „eine Art Coach der Service-Organisation“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016). Zum Jobprofil des Maschinenethikers erläutert Prof. Dr. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW: „In Zukunft müssen wir mehr nach der Moral von Maschinen fragen, weil immer mehr autonome und teilautonome Systeme Entscheidungen mit moralischen Implikationen treffen.“ (FNT Kundenmagazin 2, März 2016) Dabei gehe vor allem auch darum, die Folgen der Entscheidungen abzuwägen. Der Artikel wurde vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und kann hier heruntergeladen werden.
Abb.: Der Cyber-Security-Experte wendet heute andere Methoden an
Aus einem Chatbot wurde ein Badbot – Tay von Microsoft entwickelte sich zum Albtraum des Unternehmens und der Gesellschaft. Der SPIEGEL schrieb am 24. März 2016: „Zuerst war Tay noch freundlich, ein bisschen zu jugendsprachlich-obercool vielleicht, manchmal etwas dämlich wirkend, aber harmlos. Dann kam der Kontakt mit der harten Realität des Netzes.“ Und dann sagte Tay: „Hitler hatte recht. Ich hasse die Juden.“ (SPON, 24. März 2016) Die Süddeutsche Zeitung widmete sich dem Thema am 1. April in der gedruckten und am 3. April in der Onlineausgabe. Sie zitierte wiederholt den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel, der selbst Chatbots konzipiert. 2013/2014 entstand an der Hochschule für Wirtschaft FHNW der GOODBOT im Rahmen eines studentischen Praxisprojekts, seit Anfang 2016 wird der LÜGENBOT oder LIEBOT von Kevin Schwegler programmiert, als spezielle Form einer Münchhausen-Maschine. Die Ergebnisse werden auf KI- und Maschinenethik-Konferenzen in den USA und in Europa vorgestellt. Der Artikel in der Onlineausgabe der Süddeutschen trägt den Titel „Rassistischer Chat-Roboter: Mit falschen Werten bombardiert“ und stammt von Bernd Graff.
„Disruptive Technologien“, so beginnt ein neuer Beitrag im Wirtschaftslexikon von Gabler, „unterbrechen die Erfolgsserie etablierter Technologien und Verfahren und verdrängen oder ersetzen diese in mehr oder weniger kurzer Zeit. Sie verändern auch Gewohnheiten im Privat- und Berufsleben.“ Weiter heißt es: „Oft sind sie zunächst qualitativ schlechter oder funktional spezieller, was mit ihrer Digitalisierung zusammenhängen kann, und gleichen sich dann nach und nach an ihre Vorgänger an bzw. übertreffen diese in bestimmten Aspekten. Das umstrittene Prinzip geht auf den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler und Geistlichen Clayton M. Christensen zurück, der nach Ursachen für das Scheitern von Unternehmen suchte.“ Oliver Bendel diskutiert den Begriff und stellt das Phänomen dar und geht am Ende kurz auf die ethische Dimension ein: „Die Informationsethik widmet sich den Chancen und Risiken disruptiver Technologien für die Informationsgesellschaft, die Wirtschaftsethik den Konsequenzen für Staat, Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden.“ Der Beitrag, erschienen am 5. April 2016, kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/disruptive-technologien.html aufgerufen werden.
Abb.: Auch das Tablet gehört zu den disruptiven Technologien
Beim Workshop „Ethical and Moral Considerations in Non-Human Agents“ an der Stanford University vom 21. bis 23. März 2016 im Rahmen der AAAI Spring Symposia erklärte Ron Arkin (Georgia Institute of Technology, USA) in seiner Keynote „Robots that Need to Mislead: Biologically Inspired Machine Deception“, wie Tiere täuschen und wie man Maschinen beibringen kann, andere zu täuschen. Er ging auch auf die Möglichkeit ein, dass Roboter lügen, und stellte die Frage: „Should a robot be allowed to lie?“ Elizabeth Kinne und Georgi Stojanov thematisierten in „Grounding Drones‘ Ethical Use Reasoning“ die Chancen und Risiken von Kampfdrohnen. Sie präsentierten Szenarien, um die Probleme beim Einsatz zu vergegenwärtigen. Die Verantwortlichen könnten dazu neigen, immer mehr heikle Entscheidungen den Robotern zu überlassen. Der Vortrag „Metaethics in context of engineering ethical and moral systems“ von Michal Klincewicz und Lily Frank, bereits nach der Kaffeepause, fragte nach den grundsätzlichen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten moralischer Systeme. Oliver Bendel ging auf das LIEBOT-Projekt ein. An der Hochschule für Wirtschaft FHNW wird 2016 im Rahmen einer Bachelor-Arbeit ein Chatbot programmiert, der konsequent die Unwahrheit sagt. Vor allem stellte der Wissenschaftler aber einen annotierten Entscheidungsbaum für eine einfache moralische Maschine vor, ein tierfreundliches Roboterauto. „The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model“ war der letzte Vortrag vor dem Lunch. Ioan Muntean schlug in „The artificial autonomous moral agents (AAMA): a minimalist model“ einen Ansatz der Tugendethik vor, den er zusammen mit Don Howard erarbeitet hatte. Bis zum Mittwoch tauschte man sich zur Maschinenethik und zur Roboterethik aus. Die letzte Keynote („Programming Machine Ethics“) hielt Amit Kumar Pandey von Aldebaran Robotics (SoftBank Group). Der Proceedingsband „The 2016 AAAI Spring Symposium Series: Technical Reports SS-16-01 – SS-16-07“ kann über aaai.org/proceeding/04-spring-2016/ bezogen werden.
Abb.: Sicherheitsdienst in Roboterform in der Shopping Mall von Stanford
Am 12. und 13. Dezember 2016 veranstaltet die Forschernachwuchsgruppe smartASSIST des Laboratoriums Fertigungstechnik an der Helmut-Schmidt-Universität bzw. der Universität der Bundeswehr Hamburg die zweite Konferenz zum Thema „Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“. In einer Information schreiben die Veranstalter: „Ausgehend von der Idee, dass der Mensch auch in Zukunft in vielen Bereichen durch Technik weder ersetzt werden kann, noch ersetzt werden möchte, soll diese Konferenz ein Beitrag zu einem transdisziplinären und partizipativen Ansatz leisten. Daher laden wir Wissenschaftler, Praktiker und potenzielle Nutzer aus verschiedenen Disziplinen und Branchen ein, um gemeinsam die Grundlage für eine bedarfsorientierte Technikentwicklung zu schaffen. Die gesellschaftliche Akzeptanz technischer Unterstützungssysteme steht im Zentrum dieser Konferenz.“ (Information smartASSIST) Und weiter: „Neben der Publikation der Beiträge in einem Konferenzband ist eine Veröffentlichung ausgewählter Beiträge in einer editierten Sonderausgabe vorgesehen.“ (Information smartASSIST) Weitere Informationen über www.smartASSIST.info.
In der Stuttgarter Zeitung vom 12. März 2016 ist ein ganzseitiges Interview – geführt hat es der Wissenschaftsjournalist Dr. Werner Ludwig – mit Prof. Dr. Oliver Bendel aus Zürich erschienen. Der Wirtschaftsinformatiker und Ethiker geht u.a. auf autonome Autos ein: „Ich bin nicht gegen das autonome Auto an sich. Ich bin ja selbst Maschinenethiker und konzipiere Maschinen, die bestimmte moralische Entscheidungen treffen. Ich bin nur der Meinung, dass das Auto eigentlich kein geeignetes System für die praktische Anwendung ist – zumindest, wenn es dabei um Menschenleben geht. Ich beschäftige mich stattdessen mit der Frage, wie man Kollisionen mit Tieren vermeiden kann. Auch das ist ja ein ethisches Problem. Ich frage mich zum Beispiel, ob man nicht Autos bauen könnte, die vor dem letzten Frosch seiner Art bremsen – natürlich nur, wenn dahinter keiner fährt. Ich halte es für schwierig und kaum akzeptabel, dass Maschinen über Menschenleben entscheiden.“ (Stuttgarter Zeitung, 12. März 2016) Das Interview mit der Überschrift „Menschenleben sind keine Rechengröße“ ist auf Seite 11 zu finden. Es kann, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Zeitung, hier heruntergeladen werden.
Für „Der Sonntag“ vom 13. März 2016 hat René Zipperlen den Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW interviewt. Sein Interesse gilt u.a. der Situation, die sich niemand wünscht: „Was ist, wenn ein autonomes Auto einen Unfall baut?“ Der Wissenschaftler führt aus: „Es klingt paradox: Für den Menschen stellt sich womöglich keine moralische Frage, weil alles viel zu schnell geht. Bei der Maschine entsteht aber vielleicht eine moralische Situation, weil sie andere Möglichkeiten nutzen kann als nur Reflexe, sie kann aufgrund einer Vielzahl von Beobachtungen und Bewertungen blitzschnell entscheiden, ob sie weiterfährt, ausweicht oder bremst.“ (Der Sonntag, 13. März 2016) Eine andere Frage ist: „Würden Sie die Autonomie von Fahrzeugen ab einem gewissen Punkt begrenzen?“ Die Antwort lautet: „Ich bin für hybride Autos, bei denen wir noch selbst eingreifen können. Google will Lenkrad und Pedal entfernen. Das halte ich für einen Fehler, denn es macht uns ohnmächtig. Ich wäre durchaus dafür, das autonome Auto zwischen Städten verkehren zu lassen, auf geraden Strecken wie der Autobahn.“ (Der Sonntag, 13. März 2016) Zipperlen: „Und im Stadtverkehr?“ Bendel: „Würde ich es im Moment verbieten. Städte sind zu kompliziert.“ (Der Sonntag, 13. März 2016) Der ganze Beitrag mit dem Titel „Die Moral der Roboter“ kann hier heruntergeladen werden.
Noch bis zum 15. März 2016 kann eine Offerte zu einer Technology-Assessment-Studie „Sharing Economy – teilen statt besitzen“ eingereicht werden. Im Ausschreibungstext der TA-SWISS heißt es: „Teilen statt besitzen. Ausprobieren, sparen, tauschen, grüne Lösungen. Dies sind Schlagwörter der sogenannten Sharing Economy. Diese neue Art des Konsums ist real; man spricht darüber, nutzt sie und Studien halten sie für vielversprechend. Auch bekannt ist sie unter dem Ausdruck Collaborative Economy, da der Begriff ‚Teilen‘ nicht immer zutreffend ist. Ihren internationalen Aufschwung hat sie insbesondere den neuen Kommunikationstechnologien wie dem Internet und der Mobiltelefonie zu verdanken. Zahlreiche Start-up-Firmen und Plattformen wurden mit dem Ziel gegründet, den Tauschhandel zu vereinfachen. Jedoch sind die reellen Risiken und Potenziale der Sharing Economy noch weitgehend unbekannt. Dies erschwert heute diesbezügliche politische Entscheidungen und birgt Konfliktpotenzial.“ Der Begriff der Sharing Economy wird auch im Wirtschaftslexikon von Gabler definiert. Weitere Informationen über www.ta-swiss.ch.
Die TA-SWISS schreibt eine Studie zum Thema „Zivile Drohnen, eine zukunftsweisende Technologie?“ aus. Die Studie soll „einen inter- und transdisziplinären Blick auf die zivilen Drohnen gewähren und dabei die Chancen, Risiken und Grenzen der aktuellen und zukünftigen Entwicklungen erörtern“ (Ausschreibung TA-SWISS). Weiter heißt es im Ausschreibungstext: „Untersuchungsgegenstand dieser prospektiven Studie sind die voraussichtlichen Innovationen und Entwicklungen auf dem Gebiet der Drohnen im Zeitraum bis 2020/2025. Dabei sind jene technologischen Innovationen zu nennen, welche die Entwicklungen im Bereich der Drohnen beeinflussen werden, sowie die möglichen Einsatz- und Anwendungsgebiete der Drohnen, mit dem Ziel, deren Einfluss auf die Gesellschaft aufzuzeigen.“ (Ausschreibung TA-SWISS) Es ist demnach sowohl auf die technische Entwicklung als auch auf die Nutzung mitsamt ihren Implikationen einzugehen. Integraler und abschließender Teil der Studie seien „auf der Basis der Studienergebnisse formulierte Empfehlungen für eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Integration der Drohnen in den Alltag“ (Ausschreibung TA-SWISS). Damit bieten sich Begriffe, Methoden und Modelle der Technologiefolgenabschätzung und der Technik- und Informationsethik an. Die Offerten sind bis spätestens 1. April 2016 einzureichen. Weitere Informationen über www.ta-swiss.ch.
Abb.: Welche Chancen und Risiken haben zivile Drohnen?
„Forscher arbeiten unter Hochdruck an sozialen Robotern. Sie sollen echte Gefährten werden, sogar eigene Persönlichkeit entwickeln. So schwindet die Differenz zwischen Mensch und Maschine. Das wirft ethische Fragen auf.“ (RP, 10. März 2016) Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Soziale Roboter auf dem Vormarsch“ von Dorothee Krings, erschienen am 10. März 2016 in der Rheinischen Post. Eingegangen wird auf zwei neue Projekte in diesem Bereich: An der Uni Bielefeld wird „an einem Maschinen-Lehrer gebaut, der Einwandererkindern beim Deutschlernen helfen soll“ (RP, 10. März 2016). „Nao ist nur 60 Zentimeter groß, ein niedliches Spielzeug, aber er kann sehen, hören und bald auch die Stimmungslage seines Gegenübers einschätzen – und auf Unlust reagieren.“ (RP, 10. März 2016) In Freiburg „wird an Fritz getüftelt, einem Gestell mit Comicgesicht, das Blickkontakt aufnehmen und die Mundwinkel sinken lassen kann, wenn man sich von ihm abwendet“. Er soll „durchs Museum führen und merken, wenn seine Zuhörer sich langweilen“ (RP, 10. März 2016). „In 20 Jahren wird man Roboter haben, die wirklich unter uns leben, mit denen wir reden, die wir lieben“, wird Oliver Bendel zitiert, „einer der führenden Maschinenethiker, der in der Schweiz lehrt“ (RP, 10. März 2016). Dabei sieht er neben den Chancen die Risiken und macht Vorschläge, wie das Zusammenleben gelingen kann. Er spricht von einem V-Effekt für Roboter, „frei nach dem Theater von Brecht“; „der Roboter hält inne und betont, dass er nur eine Maschine ist“ (RP, 10. März 2016). Der Artikel kann über www.rp-online.de/politik/soziale-roboter-auf-dem-vormarsch-aid-1.5824498 abgerufen werden.
Im Wirtschaftslexikon von Gabler ist am 1. März 2016 ein neuer Begriff aufgenommen worden, nämlich der des bedingungslosen Grundeinkommens. „Nach der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens erhalten erwachsene oder auch minderjährige Mitglieder einer politischen, funktionalen oder ideellen Gemeinschaft einen festgelegten finanziellen Betrag, ohne Pflicht zur Rückzahlung und ohne direkte Gegenleistung. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld fallen i.d.R. weg. Eine alternative Idee ist das bedingungslose Grundeigentum, nach der jeder Mensch ein Grundstück oder ein Gebäude übereignet bekommt.“ Der Autor, Oliver Bendel, stellt einen Zusammenhang mit der Industrie 4.0 her. „Gerade in Zeiten zunehmender Automatisierung und Autonomisierung als Effekte der Digitalisierung, wie sie in der Industrie 4.0 entstehen, sind radikale bzw. innovative Ansätze gefragt.“ Am Ende diskutiert er Vorteile und Nachteile des Konzepts und sieht Wirtschafts- und Politikethik in der Pflicht. Auch die Informationsethik könnte zur Erhellung beitragen. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/bedingungsloses-grundeinkommen.html abgerufen werden.
Abb.: Zehntausend davon könnten das Grundeinkommen in der Schweiz sein
Der SPIEGEL beleuchtet in seiner Titelstory der Ausgabe 9/2016 das autonome Auto („Steuer frei“). Markus Brauck, Dietmar Hawranek und Thomas Schulz lassen u.a. Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Google-Forscher Sebastian Thrun und Wirtschaftsinformatiker und Maschinenethiker Oliver Bendel zu Wort kommen. „Das können wir nicht dem Google überlassen“, wird Bernhard zitiert, und gemeint ist das Geschäft mit dem Roboterauto. Das Magazin wird grundsätzlich: „Technologische Umbrüche, wie sie in der Automobilindustrie jetzt anstehen, haben schon viele Firmen hinweggefegt, die unsterblich schienen. Den Fernsehhersteller Telefunken, den Schreibmaschinenfabrikanten Triumph-Adler, die Fotofirma Kodak.“ (SPIEGEL, 27. Februar 2016) „Wir haben uns aufgemacht“, so Zetsche laut SPIEGEL, „diese Statistik zu schlagen“. „Buchstäblich Hunderte Menschen wollten mir weismachen, dass man kein fahrerloses Auto bauen kann“, sagt Thrun. Der Forscher gilt als Pionier in diesem Bereich. Bendel verbindet Maschinen- und Tierethik. Erwähnt wird seine Konzeption eines tierfreundlichen Saugroboters namens LADYBIRD, aber auch seine Arbeit zu Roboterautos. „Er ist Spezialist für Maschinenethik und setzt sich seit Jahren mit den moralischen Dilemmata auseinander, die das selbstfahrende Auto mit sich bringt. … Für Bendel hängt die Akzeptanz von selbstfahrenden Autos auch davon ab, ob diese ethischen Fragen zur Zufriedenheit der Bürger beantwortet werden. Bendel misstraut den optimistischen Visionen der Industrie. Es sei fatal, Maschinen komplexe moralische Entscheidungen zu überlassen.“ (SPIEGEL, 27. Februar 2016)
„Darf das selbstfahrende Auto Menschenleben bewerten?“ Dies fragt in dem gleichnamigen Artikel in der Welt vom 25. Februar 2016 die Journalistin Barbara Schneider. Im Teaser schreibt sie: „Bald sollen selbstfahrende Autos zum Alltag gehören. Ethiker melden Bedenken an: Soll Technik zum Beispiel entscheiden dürfen, dass bei einem Unfall ein Mensch stirbt, damit viele andere überleben?“ Zu Wort kommen u.a. Catrin Misselhorn und Oliver Bendel. Ihre Positionen werden gegenübergestellt: „Die Tübinger Philosophin Catrin Misselhorn verfolgt den Ansatz, nach einem gesellschaftlichen Konsens für diese ethischen Fragen zu suchen. … Es müsse anhand von empirischen Befragungen herausgefunden werden, welches ethische Konzept der Intuition der meisten Menschen entspreche, sagt Misselhorn. Mit dieser Moral könne dann das selbstfahrende Auto ausgestattet werden.“ (Die Welt, 25. Februar 2016) Und weiter: „Der Philosoph Oliver Bendel sieht das anders. Er warnt prinzipiell davor, Maschinen wie Roboter-Autos komplexe Entscheidungen zu überlassen. ‚Die Maschine kann keine Verantwortung übernehmen‘, sagt er. Ein Roboter-Auto, das beispielsweise einen Unfall verursache, könne keine Schuld tragen.“ (Die Welt, 25. Februar 2016) Aus diesem Ansatz heraus konzipiert der Maschinenethiker einfache moralische Maschinen, etwa tierfreundliche Saugroboter oder das Recht am Bild und die Privatsphäre achtende Fotodrohnen. Der Artikel kann über www.welt.de/wissenschaft/article152649685/Darf-das-selbstfahrende-Auto-Menschenleben-bewerten.html aufgerufen werden.
Abb.: Was ist der Mensch wert, der vor dem Auto steht, geht und fährt?
„Unternehmensverantwortung gegenüber der Informationsgesellschaft“ lautet der Titel eines Beitrags von Oliver Bendel für das OCG Journal (1/2016). Es handelt sich um eine Überarbeitung des Artikels „Unternehmensverantwortung im Informationszeitalter“ für die Netzwoche. Es werden Begriffe der Wirtschafts- und der Informationsethik geklärt, und es wird auf CSR eingegangen. Dazu heißt es: „Die Frage, was Corporate Social Responsibility ist, muss im Informationszeitalter und gegenüber der Informationsgesellschaft neu beantwortet werden. Die Wirtschaftsethik hat sich … mit der Informationsethik zusammenzuschließen.“ Den konkreten Aktivitäten widmen sich die letzten Zeilen: „In Deutschland hat man entsprechende Institute und Lehrstühle eingerichtet, und auch in der Schweiz engagiert man sich, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur und an der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten und Brugg-Windisch mit dem Fach Informationsethik. In Österreich haben die Kritischen Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Jahre 2015 eine Tagung zum Thema veranstaltet.“ Das Heft der Österreichischen Computer Gesellschaft, das den Schwerpunkt „Wirtschaftsethik in der digitalen Welt“ hat, kann über www.ocg.at/sites/ocg.at/files/medien/pdfs/OCG-Journal1601.pdf heruntergeladen werden.
Die Maschinenethik hat die Moral von Maschinen zum Gegenstand. Die meisten ihrer Vertreter und Anhänger sitzen in den USA, doch auch in Europa wächst das Interesse am Thema. Philosophen, Robotiker oder Experten für Künstliche Intelligenz stellen sich Fragen dieser Art: Können Maschinen gut oder böse sein? Kann man von einer Moral der Maschinen sprechen? Verwendet man Regeln oder Fälle? Hat die Maschinenethik eine Existenzberechtigung? Ist sie Konkurrenz oder Pendant zur Menschenethik? Letzten Endes geht es darum, ob bzw. wie man (teil-)autonomen Systemen so etwas wie Moral beibringen kann. Untersucht und erweitert werden unter anderem Chatbots, Serviceroboter, autonome Drohnen, ob zivil oder militärisch genutzt, und selbstständig fahrende Autos. Im Telepolis-Buch „Die Moral in der Maschine“ (Heise Medien), erschienen im Februar 2016, finden sich (populär-)wissenschaftliche und journalistische Beiträge von Oliver Bendel aus den Jahren 2012 bis 2016 zur Roboterethik und zur Maschinenethik. Sie sind in ganz unterschiedlichen schweizerischen und deutschen Zeitungen und Zeitschriften sowie auf einschlägigen Plattformen erschienen und widmen sich technischen Implementierungen, vor allem aber philosophischen Implikationen.
Abb.: Auch das Trolley-Problem kommt im Buch vor, als Roboterauto-Problem