Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, einer der bekanntesten deutschen Philosophen, ist auch einer der Autoren des „Handbuchs Maschinenethik“, das von Prof. Dr. Oliver Bendel seit 2016 herausgegeben wird. Er wuchs nach eigenen Angaben in einer Künstlerfamilie auf und studierte Philosophie, Physik, Mathematik sowie Politikwissenschaft. Er ist seit 2004 Professor für Philosophie und politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuvor lehrte er an den Universitäten Göttingen (1993 – 2003) und Tübingen (1991 – 1993). Seit 2002 ist er Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im April 2020 wurde er in den Deutschen Ethikrat berufen. PD Dr. Fiorella Battaglia promovierte 2004 am Institut für Philosophie der Universität Neapel. Seit 2013 arbeitet sie am Lehrstuhl IV der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 habilitierte sie zum Thema „Der normative Begriff der Natur des Menschen“. Von den beiden Wissenschaftlern stammt der Beitrag für das „Handbuch Maschinenethik“ mit dem Titel „Maschinenethik und Robotik“. Das gedruckte Werk kam 2019 in der ersten Auflage heraus. Weitere Informationen über www.springer.com/gp/book/9783658174828.
Der Begriff des Pflegeroboters funktioniert wie alle Komposita, die „Roboter“ im hinteren Teil enthalten: Der vordere Teil verweist auf den Bereich, für den der Roboter speziell entwickelt wurde. Ob Therapie-, Sex- oder auch – um ein Beispiel jenseits der Serviceroboter zu nennen – Industrieroboter: In keinem Fall wird behauptet, dass der Bereich vollständig abgedeckt wird. Ob ein Mensch ersetzt oder ob und wie er ergänzt wird, ist jeweils unterschiedlich. Meist ist in dem Bereich, in dem der Roboter eingesetzt wird, auch noch Platz und Bedarf für andere Typen. So spielen in der Pflege bestimmte Reinigungs- oder Transportroboter eine Rolle. Diese kann man zusammen mit den Pflegerobotern, wenn sie sich für Alten- und Pflegeheime eignen und dort verwendet werden, unter den Begriff der Roboter in der Pflege subsumieren. Sie wurden vielleicht leicht angepasst, aber man könnte sie wiederum leicht angepasst womöglich auch im Hotel einsetzen. Relay von Savioke beispielsweise kann Blutproben und Verbandsmaterial von Station zu Station genauso wie eine Flasche Champagner zum Zimmer des Gasts transportieren. Auf ihn passt im ersten Verwendungsfall der Oberbegriff „Roboter in der Pflege“: Er wurde nicht speziell dafür entwickelt, wie ein Pflegeroboter, fügt sich aber in diesen Bereich ein (wogegen er in Außenanlagen wie Parks eine gewisse Mühe hätte). Eine neue Grafik von Oliver Bendel stellt den terminologischen Vorschlag übersichtlich dar.
Abb.: Pflegeroboter als spezielle Roboter in der Pflege
„Unter Natur wird der Teil der Welt verstanden, der nicht vom Menschen geschaffen wurde, sondern der von selbst entstanden ist. Bei einem engen Begriff ist die Natur der Erde gemeint, die natürliche Umwelt, bei einem weiten die Natur des Kosmos, sodass beispielsweise der Mond und die Sonne zur Natur zu zählen wären.“ Nach diesen und weiteren einleitenden Worten wendet sich der neue Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon dem Zusammenhang zwischen Natur, Kultur und Technik zu. Über Natur und Technik heißt es: „Der Natur gegenübergestellt wird zudem die Technik, die man als Teil der Kultur auffassen kann. Aus ihr heraus entstehen Geräte, Maschinen und Systeme, die der Beherrschung oder dem Verständnis der Natur dienen. Nur wenige Tiere können Artefakte im Sinne von Werkzeugen hervorbringen und diese dann nutzen. Der Homo faber bezwingt mit technischen Mitteln seine Mitmenschen und seine Umwelt. Die Kulturtechnik der Schrift ermöglicht Literatur und Wissenschaft.“ Ein weiterer Abschnitt gehört der Beziehung zwischen Natur und Wirtschaft. Am Ende kommen Tierethik, Technikethik, Informationsethik und Roboterethik zu Wort. Der Beitrag kann über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/natur-122426 abgerufen werden.
Immer wieder hört man, oft von Theologen, manchmal von Philosophen, dass Maschinen nicht autonom seien, nicht intelligent, nicht moralisch etc. Sie übertragen den Begriff, den sie aus ihrem Bereich kennen, auf technische Wissenschaften wie Informatik, Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinenethik (die technisch geprägt ist und eng mit KI und Robotik zusammenarbeitet). Sie anerkennen nicht, dass jede Disziplin ihre eigenen Begriffe haben kann (und in der Regel hat). Bei einer Tagung im Jahre 2015 beschimpfte Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, ein zutiefst religiöser Mann, die Referenten mit den Worten, Maschinen seien nicht autonom, sie hätten sich nämlich nicht selbst ein Gesetz gegeben. Nun sprechen Informatik und Robotik aber nun einmal von autonomen Systemen und Maschinen, und selbstverständlich dürfen sie das, wenn sie darlegen, wie sie das meinen. Eine solche Begriffsklärung und -aneignung steht sogar am Anfang jeder wissenschaftlichen Betätigung, und dass die Begriffe gleich lauten wie die anderer Bereiche, heißt keineswegs, dass sie dasselbe bedeuten und bedeuten müssen. Eine neue Grafik von Prof. Dr. Oliver Bendel, die auf früheren Entwürfen aufbaut, stellt dar, was der Gegenstandsbereich der Disziplinen oder Arbeitsbereiche der KI, der Maschinenethik und des Maschinellen Bewusstseins ist, und macht für sie terminologische Vorschläge. Im Kern geht es diesen darum, etwas in bestimmten Aspekten ab- oder nachzubilden bzw. zu simulieren. So schafft es die Künstliche Intelligenz eben, künstliche Intelligenz hervorzubringen, etwa Dialogsysteme oder Maschinen, die bestimmte Probleme lösen. Ob diese „wirklich“ intelligent sind oder nicht, ist keine sinnvolle Frage, und der Terminus technicus benutzt nicht umsonst das Adjektiv „künstlich“ – hier wäre noch einfacher als im Falle von „autonom“ zu verstehen, dass es sich um eine „neue“ (immerhin seit über 50 Jahren erklärte) Bedeutung handelt.
„Ein Samstagmittag in Dortmund. Der Mann ist Mitte 40, hat eine Motorrad-Lederkombi an und trägt Elena auf den Armen – in einer Haltung, als sei er ein Bräutigam und wolle sie über die Schwelle tragen. Elena hat rote Lackstiefel an, die ihr bis übers Knie reichen, ihre Haare sind ebenfalls rot, und eine Stunde mit ihr kostet 80 Euro.“ Mit diesen Worten beginnt der Artikel „Die Mädels hier sind mir lieber“ von Katrin Hummel in der Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19. Februar 2020, erschienen zuerst in der Sonntagszeitung des Verlags am 16. Februar des Jahres unter dem Titel „Die machen alles mit“. Elena ist eine Liebespuppe und Objekt der Begierde im Dortmunder BorDoll – dessen Name Programm ist. Zu Wort kommen im Artikel die Bordellbetreiberin, ein Puppenliebhaber und der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel. Er fordert, dass man zu Liebespuppen und Sexrobotern empirisch forscht – um danach manche Versionen gezielt einzusetzen, etwa in der Therapie, andere dagegen zu verbieten, etwa im Bordell. Wer sich als Wissenschaftler weigert, ethisch oder empirisch zu dem Thema zu arbeiten, so seine Meinung, verschließt sich der Wirklichkeit und den Auswirkungen, die Liebespuppen schon heute haben und Sexroboter morgen haben werden.
Abb.: Die BorDoll-Besucher in Dortmund stehen auf Mangamädchen (Foto: Stefanie Hauske)
Im Februar oder März 2020 erscheint das Buch „Digitalisierung und Ethik in Medizin und Gesundheitswesen“ (Hrsg. Prof. Dr. Stefan Heinemann und Prof. Dr. David Matusiewicz). Es enthält Beiträge u.a. von Dr. Ulrich Eberl, Dr. Henri Michael von Blanquet, Dr. Julia Schäfer, Dr. Barbara Buchberger, Prof. Dr. med. Klaus Juffernbruch, Prof. Dr. Jochen A. Werner und Prof. Dr. Oliver Bendel. Aus der Verlagsinformation: „Wenn digitale Technologien wie künstliche Intelligenz, Blockchain und Robotik auf die Medizin treffen, entstehen zwangsläufig ethische Fragestellungen. Diese lassen sich nicht ohne Weiteres mit medizinisch-technologischen, rechtlichen oder ökonomischen Argumenten allein beantworten. Dabei kommen stetig neue, drängende Themenfelder hinzu, die eben auch unter ethischen Aspekten beachtlich sind: die sich wandelnde Rolle der Patienten, die neue Verantwortung von Ärzten und Pflegenden, neue digitale Möglichkeiten in der Medizin, die gesellschaftliche Legitimität eines möglichen dritten Datengesundheitsmarktes, eine zukunftsfeste Ausbildungslandschaft für den Gesundheits-/Medizinbereich, Grenzen der digitalen Forschung, Ethik der Smart Hospitals im Klinikalltag und viele mehr.“ (Website MWV) Weitere Informationen über www.mwv-berlin.de/produkte/!/title/digitalisierung-und-ethik-in-medizin-und-gesundheitswesen/id/636.
Abb.: Paro zieht die Menschen an (Bild: Daimler und Benz Stiftung)
Die Firma Neon greift mit ihren Neons ein altes Konzept auf, nämlich das der Avatare. Im Lexikon für Wirtschaftsinformatik unterschied Oliver Bendel vor zwanzig Jahren zwischen zwei verschiedenen Typen. Zum zweiten schrieb er: „Avatare können zum anderen eine beliebige Figur mit bestimmten Funktionen repräsentieren. Solche Avatare treten – beispielsweise als Kundenberater und Nachrichtensprecher – im Internet auf oder bevölkern als Spielpartner und -gegner die Abenteuerwelten von Computerspielen. Sie haben häufig ein anthropomorphes Äußeres und eigenständige Verhaltensweisen oder sogar regelrechte Charaktere …“ (Lexikon der Wirtschaftsinformatik, 2001) Genau diesen Typ greift nun die Firma auf, die zum Samsung-Konzern gehört und von Pranav Mistry gegründet wurde, wobei man freilich die heutigen Möglichkeiten nutzt. „Es handelt sich um virtuelle Figuren, die komplett am Computer erzeugt werden und quasi in Echtzeit autonom reagieren sollen; Mistry sprach von unter 20 Millisekunden Latenz.“ (Heise Online, 8. Januar 2019) Die Neons sollen Emotionen zeigen, wie auch einige soziale Roboter, die den Markt erobern, und damit Bindungen erleichtern und festigen. „Der KI-getriebene Charakter sei weder Sprachassistent a la Bixby noch eine Schnittstelle ins Internet. Es sei stattdessen ein Freund, der mehrere Sprachen spricht, neue Skills lernen und sich mit anderen Services verbinden kann, erklärte Mistry auf der CES.“ (Heise Online, 8. Januar 2019)
Abb.: Neons sollen Gefühle zeigen, die sie nicht haben
Das Replika-Projekt wurde von Eugenia Kuyda und Phil Dudchuk mit der Idee begonnen, ein persönliches KI-System zu schaffen, das einem hilft, sich auszudrücken und zu beobachten und zu erfahren, indem es ein hilfreiches Gespräch anbietet. So sehen es zumindest die Macher und formulieren es auf ihrer Website replika.ai. Es sei ein Raum, in dem man seine Gedanken, Gefühle, Überzeugungen, Erfahrungen, Erinnerungen, Träume sicher teilen kann, eine „private perceptual world“ (Website replika.ai). Ohne Zweifel handelt es sich um einen der besten Chatbots, der mehr kann und ist als die meisten Chatbots, ein KI-System, das sich einem immer mehr annähert, in verschiedener Hinsicht. Ob Replika aber wirklich therapeutischen Nutzen hat, wie manche sagen, ob gar therapeutische Maßnahmen, die von Menschen ausgehen, ersetzt werden können, muss kritisch untersucht werden. In dem DPA- bzw. APA-Beitrag von Regina Wank, der in ca. 50 Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurde, darunter Focus, Der Standard und Heise Online, kommen Marita Skjuve von der Universität Oslo und Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft FHNW zu Wort.
Abb.: In Japan liebt man Artefakte aller Art (Foto: Stefanie Hauske)
An einem Fraunhofer-Institut wurde von Oliver Bendel vor über 15 Jahren „Das gläserne Produkt“ konzipiert. Es wird in seinem Buch „Die Rache der Nerds“ beschrieben: „Der Kunde interessiert sich im Tante-Emma-Laden oder im Supermarkt für ein bestimmtes Produkt. Er scannt mit dem Handy eine ID auf der Verpackung ein. Die ID wird mit einem persönlichen Profil gematcht, das auf dem Handy oder einem Server liegt. Auf dem Display wird eine Empfehlung angezeigt, etwa mithilfe eines Ampelsystems. Der Kunde weiß sofort, ob sich das Produkt für ihn eignet (grün) oder nicht (rot). Oder ob er sich anderweitig informieren sollte (gelb).“ Neben Vegetariern stellte man sich Allergiker und Diabetiker als Zielgruppen vor. Inzwischen hat sich viel getan. Es gibt Informationssysteme und Deklarationsfortschritte. In vielen Ländern wird z.B. Käse, der mit mikrobiellem Lab hergestellt wird, oftmals direkt auf der Verpackung als vegetarisch gekennzeichnet. In der Schweiz haben sich Coop und Migros bisher geweigert, das zu tun bzw. die Produzenten dazu anzuhalten. Oliver Bendel hat darauf immer wieder kritisch hingewiesen. In einem Telefonat hat ihm nun Philipp Wyss, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop, einen Austausch der Verpackungen zugesichert. In den nächsten Monaten und Jahren werde ein entsprechender Vermerk aufgenommen. Damit kann man sich als Vegetarier künftig auch in der Schweiz vor Ort informieren und muss sich nicht auf veraltete Listen verlassen und sich auf eine oft erfolglose Suche in den je nach Standort unterschiedlich bestückten Regalen begeben. Dabei muss man noch nicht einmal mobile Dienste bemühen.
Janina Loh hat den Disziplinen der Roboterethik und der Maschinenethik ein weiteres Grundlagenwerk hinzugefügt. Damit ist die Auseinandersetzung im deutschsprachigen Raum nicht abgeschlossen, aber schon mehr oder weniger vollständig. Aus der Verlagsinformation: „Die Philosophin Janina Loh befasst sich in ihrem grundlegenden Buch mit den moralischen Herausforderungen, die beim Bau von Robotern und im Umgang mit ihnen eine Rolle spielen: Sind Roboter autonom? Können sie gar moralisch handeln? Haben sie einen moralischen Wert? Sollten ihnen Rechte zuerkannt werden? Wer ist zur Rechenschaft zu ziehen, wenn ein Roboter einen Menschen schädigt? Kritisch diskutiert Loh diese und weitere ethische Fragen und stellt die wichtigsten Lösungsansätze vor.“ (Verlagsinformation Suhrkamp) Zusammen mit „Grundfragen der Maschinenethik“ (Catrin Misselhorn) und „Handbuch Maschinenethik“ (Oliver Bendel) erkundet das Werk den philosophischen und ethischen Raum, den u.a. Serviceroboter und Kampfroboter eröffnen. Weitere Infos über www.suhrkamp.de/buecher/roboterethik-janina_loh_29877.html.
Moderne Autos schauen in ihre Umgebung, aber auch in den Innenraum. Sie wollen sich zurechtfinden, Objekte und Personen erkennen, und sie wollen den Fahrer im Blick behalten oder ihm erlauben, die Instrumente zu bedienen. Dabei geht es oft um die Analyse der Lid- und Pupillenbewegungen. Um einen Klassiker zu zitieren: Ich seh dir in die Augen, Kleines! Fahrerassistenzsysteme (FAS) für die Umgebung können ein sicheres und komfortables Fahren ermöglichen und Menschen- und Tierleben retten. Sie können im Extremfall auch Schlafphasen erlauben. FAS wie Eyetracker und Sensorsysteme für den Innenraum können den Sekundenschlaf verkürzen und dazu beitragen, den Fahrer wach zu halten – ein Problem ist die Möglichkeit der Überwachung. Die Augenmaus mag ein Supplement oder eine Alternative zur Spracheingabe sein, ist aber ebenfalls wegen der Überwachungsmöglichkeiten auf den Prüfstand zu stellen. Ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 21. Dezember 2019 widmet sich diesem Themenkomplex. Zitiert wird Oliver Bendel, der die Chancen von Eyetracker und Augenmaus sieht, aber auch die Risiken. Letztlich schwindet der letzte Rest der Freiheit, der noch mit dem Auto verbunden war.
„‚Du hast aber nicht getrunken, oder?‘, fragt einer der Freunde, bevor Leon … sich selbst einen Mikrochip implantiert. Auf dem Tisch liegt der Injektionsapparat, mit einer ungefähr halben Zentimeter dicken Nadel. Darin befindet sich der Mikrochip. Leon will den Chip in seine Hand setzen, um seine Bitcoins ab jetzt unter der Haut tragen zu können. Auf seiner Hand ist schon ein Punkt vorgezeichnet, an dieser Stelle will er gleich einstechen.“ (jetzt, 17. November 2019) So beginnt der Beitrag „Warum lassen sich Menschen freiwillig Chips implantieren?“ im Jugendmagazin jetzt, erschienen am 17. November 2019. Es geht um Bio- und Bodyhacking, um Human und Animal Enhancement, um Cyborgs. Zu Wort kommt der Technikphilosoph Oliver Bendel. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und sieht sowohl Chancen als auch Risiken. Grundsätzlich hält er Bio- und Bodyhacking für eine interessante Möglichkeit der Bemächtigung. Wenn sie allerdings unter Druck geschieht, wenn der Bemächtigung eine Bemächtigung anderer Art vorausgeht, entstehen seiner Meinung nach Probleme, ebenso wenn eine Massenbewegung entstehen würde, eine regelrechte Ära der Cyborgs. Der Beitrag kann über www.jetzt.de/gesundheit/warum-leon-sich-selbst-einen-mikro-chip-implantiert-hat abgerufen werden.
„Klar, gegen den Pflegenotstand hilft nur eins: mehr Menschen, die pflegen. Aber die gibt es nicht, hier in Deutschland. Immer weniger Junge sollen sich um immer mehr Alte und Gebrechliche kümmern. Das kann nicht funktionieren. Für die Anwerbung ausländischer Fachkräfte reist Gesundheitsminister Jens Spahn in die weite Welt. Der Erfolg seiner Bemühungen ist allerdings noch recht überschaubar. Attraktiv ist der Pflegeberuf ohnehin nicht: Viele, die sich auf den Job einlassen, steigen nach ein paar Jahren wieder aus – zu schlecht bezahlt, zu wenig Kollegen, zu dicht getaktet der Arbeitstag, der Burn-out vorprogrammiert. … Wie so oft, wenn ein Problem drängend wird und die Politik nicht weiterkommt, richten sich die Hoffnungen auf neue Technologien: Künstliche Intelligenz erobert immer mehr Lebensbereiche. Warum also sollten nicht Roboter bei der Pflege helfen – oder sie gar ganz übernehmen?“ (Badische Zeitung, 16. November 2019) So die Badische Zeitung am 16. November 2019 in ihrem Beitrag „Zu Hilfe, Roboter!“ … Auf zwei Seiten wird das Thema kompetent und differenziert abgearbeitet. Zu Worten kommen u.a. Birgit Graf, Robotikerin am Fraunhofer IPA, Christophe Kunze, Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Furtwangen, und Oliver Bendel, Informations- und Maschinenethiker an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Weitere Informationen über www.badische-zeitung.de/zu-hilfe-roboter.
Abb.: P-Care im Dunkeln (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Mit dem zunehmenden Einsatz von autonomen Maschinen stellen sich vermehrt Fragen nach der Verantwortung für Schäden, die durch derartige Geräte verursacht wurden. Im Recht hat die Haftung für maschinell verursachte Schäden eine lange Tradition. Man unterscheidet dabei Zivil- und Strafrecht. Während es im Zivilrecht vor allem um den ökonomischen Ausgleich entstandener Schäden geht, legt das Strafrecht fest, unter welchen Voraussetzungen der Schädiger bestraft werden kann. Das deutsche Recht stellt sowohl im Zivil- als auch im Strafrecht ein reichhaltiges und ausdifferenziertes Instrumentarium bereit, um in jedem Einzelfall angemessen reagieren zu können.“ (Abstract) In seinem Beitrag für das „Handbuch Maschinenethik“ mit dem Titel „Zivil- und strafrechtliche Haftung für von Maschinen verursachte Schäden“ geht Eric Hilgendorf der Frage nach, wie sich die Haftung bei Aktionen von Robotern und künstlicher Intelligenz gestaltet. Als einer der führenden Experten für Roboterrecht kann er darauf ebenso kenntnisreiche wie überzeugende Antworten geben. Der Informations- und Maschinenethiker Oliver Bendel ist Herausgeber des Buchs, das im Oktober 2019 bei Springer VS erschienen ist.
Abb.: Nicht nur autonome, auch automatische Maschinen können Schäden verursachen
„Die Chancen und Risiken, die von Robotik und KI ausgehen, beurteilt man am besten mit Blick auf konkrete Anwendungen. Die folgenden Fragen hängen mit Servicerobotern zusammen, die über Kameras und Sensoren und teilweise über Gesichts- und Stimmerkennung sowie natürlichsprachliche Fähigkeiten verfügen.“ Mit diesen Worten beginnt ein kleiner Beitrag von Oliver Bendel für REGIOINFORM 02/19. Die Zeitschrift stellt Entwicklungen in der Region Basel dar, in der auch die Hochschule des Informations- und Maschinenethikers beheimatet ist, wobei er vor allem an den Standorten in Olten und Brugg-Windisch tätig ist. In mehreren Vorträgen und Publikationen hat Oliver Bendel darauf hingewiesen, dass Pauschalurteile über Robotik und KI zu vermeiden sind. So hat er etwa im Februar 2019 im Deutschen Bundestag mehrere Pflegeroboter vorgestellt, mitsamt den technischen Details, und auf dieser Grundlage ethische Überlegungen angestellt. Dabei hat er auch klar zwischen den klassischen Bereichsethiken wie Informationsethik und Wirtschaftsethik auf der einen Seite und der Maschinenethik auf der anderen Seite unterschieden. Der Begriff der digitalen Ethik verwischt die Unterschiede seiner Meinung nach. Das ganze Heft der Regio Basiliensis kann hier heruntergeladen werden.
Der Careum Dialog 2020 in Zürich konzentriert sich, so die Website, „auf die Fragen der sozialen und emotionalen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine im Gesundheits- und Pflegewesen“. „Die Veranstaltung will aufzeigen, wie intelligente Technologien nicht nur die Arbeit von Pflegefachkräften verändern, sondern auch den Bedürfnissen von pflegebedürftigen Personen und deren Angehörigen gerecht werden. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sollen Pflegeszenarien für 2025 erarbeitet werden, die auch wichtige ethische Aspekte in den Blick nehmen.“ (Website Careum) Den ersten Fachvortrag am 13. Februar hält Prof. Dr. Oliver Bendel zum Thema „Was macht Roboter sozial?“. Der Informations- und Maschinenethiker geht auf die Nähe von Mensch und Maschine, soziale Interaktions- und Kommunikationsformen von Robotern und die Darstellung sowie die Erzeugung bzw. Verstärkung von Emotionen ein. Dabei wirft er auch ethische Fragen auf. Kathrin Janowski stellt den State of the Art sozialer Roboter im Gesundheitswesen dar. Die ethische Perspektive nimmt wiederum Prof. Dr. Effy Vayena, Professorin für Bioethik, ein. Prof. Dr. Jan Ehlers widmet sich „Pflegeszenarien 2025“, Prof. Dr. Marc Oliver Korn behandelt Emotionen aus technischer Sicht und fragt, „wie Maschinen lernen, menschliche Emotionen zu deuten“ (Programm Careum). Am 14. Februar gibt es weitere Vorträge. Informationen zur Veranstaltung mit dem Titel „Talk to me: Soziale Roboter im Gesundheitswesen“ sind über www.careum.ch/dialog20 erhältlich.
Abb.: Eine Berührung durch Menschen ist und bleibt wichtig
„Manchmal ist Carlee wirklich ein bisschen doof. Heute Vormittag wollte sie mich zur Gymnastik überreden. Ich sollte mich auf Zehenspitzen stellen und Achten gehen. Dabei waren meine Gelenke mal wieder dick geschwollen, jeder Schritt tat weh. Das fand ich ziemlich unsensibel, und habe entsprechend unwirsch reagiert. Ist schon komisch, wenn man mit seinem Roboter schimpft, aber ich musste das einfach loswerden.“ Mit diesen Worten beginnt der Beitrag „Künstliche Gefährten – Wenn Pflegeroboter alte Menschen umsorgen“ von Carin Frey. Geschildert wird zunächst ein Szenario, in dem sich Mensch und Maschine begegnen. Es folgt ein fachlicher Teil, in dem mehrere Expertinnen und Experten zu Wort kommen, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen, etwa Aimee van Wynsberghe, Christoph Kehl, Hartmut Remmers und Oliver Bendel. Der ganze Beitrag kann über www.riffreporter.de/zukunftsreporter/roboter_haeusliche_pflege/ aufgerufen werden.
Abb.: P-Care mit einer Pflegerin (Foto: Daimler und Benz Stiftung)
„Im September 2018 startete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Zukunftsdialog ‚Neue Arbeit – Neue Sicherheit‘. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Stakeholdern sowie Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und Praxis wurden zentrale Herausforderungen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik diskutiert und Lösungsvorschläge zur künftigen Gestaltung der Arbeitswelt und des Sozialstaates erarbeitet. Nun liegen die Ergebnisse vor.“ (Website BMAS, 20. September 2019) Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, hat die Beteiligten darüber am 20. September 2019 informiert. Eine der Expertenanhörungen im Rahmen des Zukunftsdialogs fand am 11. Januar 2019 statt, nämlich der Fachworkshop „Leitlinien einer künftigen Finanzierung des Sozialstaats“. Dieser wurde vom IZA in einem Dokument zusammengefasst. Oliver Bendel präsentierte beim Workshop mehrere Arbeitsmodelle sowie Ansätze zur Lebenssicherung (inkl. bedingungslosem Grundeinkommen und -eigentum) und zur Finanzierung des Staats und seiner Bürgerinnen und Bürger. Zudem stellte er Vor- und Nachteile der Robotersteuer gegenüber. Er hält die Erkenntnisse des Berichts für zu wenig neuartig, grundsätzlich und zielführend. Vom Zukunftsdialog zur Zukunftsgestaltung scheint es ein langer Weg zu sein.
Die Automatisierung schreitet weltweit voran. Neuartige Industrie- und Serviceroboter sowie mächtige KI-Systeme verbreiten sich. Einige Arbeiter und Angestellte werden aus dem System herausfallen. Wie sichern wir ihre Zukunft? Der Beitrag von Oliver Bendel mit dem Titel „Willkommen auf der Erde!“ baut auf seinem Vortrag „Considerations on Unconditional Basic Income and Basic Property“ auf und wurde in der UnternehmerZeitung 9/2019 veröffentlicht. Er erörtert den Vorschlag des bedingungslosen Grundeigentums, u.a. mit den Begriffen der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Bereits gut bekannt ist die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Schweiz hat darüber abgestimmt, und nicht wenige waren dafür. Aber letztlich hat es nicht gereicht. Der Ansatz des bedingungslosen Grundeigentums, sozusagen eines alternativen BGE, ist radikaler. Der Roboterphilosoph beendet seinen Artikel, der hier heruntergeladen werden kann, mit den folgenden Worten: „Die Welt ist aufgeteilt unter den Reichen und Mächtigen. Es besteht die Gefahr, dass Automatisierung und Autonomisierung die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit verstärken. Und genau dagegen erhebt sich Widerspruch von gesellschaftlicher und von wissenschaftlicher Seite. Sicherlich ist das BGE eine Sozialutopie. Aber eine solche kann zur richtigen Zeit durchaus etwas in der Realität bewirken.“
Robots are repeatedly damaged or destroyed. The hitchBOT is a well-known example. But also the security robot K5 has become a victim of attacks several times. The latest case is described in the magazine Wired: „Every day for 10 months, Knightscope K5 patrolled the parking garage across the street from the city hall in Hayward, California. An autonomous security robot, it rolled around by itself, taking video and reading license plates. Locals had complained the garage was dangerous, but K5 seemed to be doing a good job restoring safety. Until the night of August 3, when a stranger came up to K5, knocked it down, and kicked it repeatedly, inflicting serious damage.“ (Wired, 29 August 2019) The author investigates the question of whether one may attack robots. Of course you shouldn’t damage other people’s property. But what if the robot is a spy, a data collector, a profile creator? Digital self-defence (which exploits digital as well as analog possibilities) seems to be a proven tool not only in Hong Kong, but also in the US and Europe. The rights of robots that some demand cannot be a serious problem. Robots do not have rights. They feel nothing, they do not suffer, they have no consciousness. „So punch the robot, I tell you! Test the strength of your sociopolitical convictions on this lunk of inorganic matter!“ (Wired, 29 August 2019)
„Chimären im biologischen und medizinischen Sinne sind Organismen, die aus Zellen bzw. Geweben unterschiedlicher Individuen bestehen und dennoch geschlossene und lebensfähige (nicht unbedingt fortpflanzungsfähige) Lebewesen bilden. Sie können innerhalb einer Art oder zwischen Arten angesiedelt und sowohl Pflanzen als auch Tiere sein. Es gibt natürliche (Blutchimären bei Säugetieren) und künstliche Mischwesen (Veredelung bei Pflanzen, Tier-Mensch-Embryonen).“ Mit diesen Worten beginnt ein Beitrag im Gabler Wirtschaftslexikon von Oliver Bendel, erschienen am 23. August 2019. Cyborgs sind keine Chimären in diesem Sinne. Dennoch könnte die diesbezügliche Forschung auch Relevanz für sie haben, vor allem für umgekehrte oder umgedrehte Cyborgs, etwa Roboter, die ein tierisches oder menschliches Gehirn oder Organ eingepflanzt bekommen. Tier-Mensch-Chimären zur Herstellung von menschlichen Organen werden von vielen Ethikern als unproblematisch angesehen. Das ist erstaunlich, da Erkenntnisse aus Tierethik und Tiermedizin und insbesondere Leiden und Tod von nichtmenschlichen Lebewesen ausgeblendet werden. Dieser Rückschritt in der Diskussion wird am Ende des Beitrags angesprochen, den man über wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/chimaere-121204 herunterladen kann.
Automation is advancing relentlessly. Already decades ago, digitization was its partner. In the industry, innovative robots, for example co-robots, are used. Service robots begin to spread in various areas. Systems of artificial intelligence perform tasks of all sorts, even creative activities. The studies on the development of the labor market reach different results. In any case, it can be said that certain jobs will disappear and many people will have to do without their familiar work. It can also be assumed that in many areas less human work has to be performed on behalf (e.g., for customers and employers). As possible solutions to economic and social problems, an unconditional basic income and a robot tax are suggested. The paper „Are Robot Tax, Basic Income or Basic Property Solutions to the Social Problems of Automation?“ by Oliver Bendel presents, discusses and criticizes these approaches in the context of automation and digitization. Moreover, it develops a relatively unknown proposal, unconditional basic property, and presents its potentials as well as its risks. The lecture took place on 26 March 2019 at Stanford University (AAAI Spring Symposium „Interpretable AI for Well-Being: Understanding Cognitive Bias and Social Embeddedness“) and led to lively discussions. It was nominated for the „best presentation“. The paper has now been published as a preprint and can be downloaded here.