Tagung zur Roboterethik in Berlin

Eine hochkarätig besetzte Tagung zur Roboterethik fand am 24. November 2015 in Berlin statt. Eingeladen hatten Cologne Center for Ethics, Rights, Economics and Social Sciences of Health (ceres) und Daimler und Benz Stiftung. Vor dem eigentlichen Programm mit Beginn um 10 Uhr wurde eine Pressekonferenz mit Prof. Dr. Eckard Minx, Prof. Dr. Christiane Woopen, Prof. Dr. Alin Albu-Schäffer und Prof. Dr. Oliver Bendel durchgeführt. Im Karl-Storz-Besucher- und Schulungszentrum begann dann der wissenschaftliche Marathon. Minx begrüßte und eröffnete, Woopen führte ein, nicht in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ethikrats, sondern als Leiterin von ceres. Die Grundlagen autonomer Systeme erklärte Albu-Schäffer in seinem Vortrag „Autonomie und Kognition für menschzentrierte Robotik“. Mit „Autonome Systeme und die Selbstbestimmung des Menschen“ war der nächste Komplex betitelt. „Roboterlernen ohne Grenzen?“ von Prof. Dr. Jochen Steil schuf weitere Robotikgrundlagen. Dann ging es tief in die Maschinenethik. Bendel referierte über „Die Moral in der Maschine“, wobei er die Designstudien CLEANINGFISH und LADYBIRD und den Prototyp GOODBOT vorstellte, Prof. Dr. Catrin Misselhorn über „Maschinen mit Moral? Theoretische Grundlagen und eine Roadmap für autonome Assistenzsysteme in der Pflege“. Nach der Mittagspause waren Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen und Prof. Dr. Johannes Weyer an der Reihe. Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, sprach zur Rolle der Politik. Christiane Woopen rundete mit ihrem Schlusswort die Veranstaltung ab. Der Diskussionsbedarf war groß, die Nachfrage der Journalisten nach Interviews mit den Fachexperten ebenfalls. Ein Audiofile mit Statements der Experten (als Teil eines Beitrags des Deutschlandfunks) kann direkt hier abgerufen werden.

Abb.: Pressekonferenz mit (v. l.) Bendel, Woopen und Albu-Schäffer (Foto: Daimler und Benz Stiftung/Hillig)

Beitrag zu CSR

IT-Unternehmen tragen Verantwortung und müssen Verantwortung übernehmen. Die Begriffe von Wirtschafts- und Informationsethik helfen dabei, die Herausforderungen zu erkennen und zu beschreiben. Ein Artikel von Oliver Bendel in der Netzwoche 17/2015, erschienen im November des Jahres, geht auf die „Unternehmensverantwortung im Informationszeitalter“ ein. Es werden die Begriffe von Informationsethik und Wirtschaftsethik geklärt und deren Konzepte miteinander in Beziehung gesetzt. Konkret wird auf die informationelle Autonomie, den digitalen Graben, die Informationsgerechtigkeit und die informationelle Notwehr eingegangen. Die Frage, was Corporate Social Responsibility ist, muss nach Prof. Dr. Oliver Bendel im Informationszeitalter neu beantwortet werden. Die Wirtschaftsethik, mit Unternehmensethik und Konsumentenethik, habe sich mit der Informationsethik zu verständigen. Der Artikel steht kostenlos als PDF zur Verfügung.

Abb.: Internet- und IT-Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen

Unintended Consequences

Die Zeitschrift IEEE Potentials hat im November 2015 einen Call for Papers veröffentlicht zum Thema „Unintended Consequences: the Paradox of Technological Potential“. Auf der Website der Mitherausgeberin Dr. Katina Michael heißt es: „We are looking for critical reviews and analyses, case examples, commentaries, interviews, opinion pieces, stories, projections and science fiction narratives from researchers, futurists, practitioners and storytellers, examining the hidden implications of our ever-digital lives.“ Der Blick soll auf Zukunft oder Gegenwart gerichtet sein: „While we are open to predictive scenarios of what the near future will bring, we are also looking for contemporary analysis as well. After all, we are living at a time where the line between science fiction and reality is blurring: our relationships are mediated, our memories are archived, and our identities are public documents. What are the implications of rapidly advancing technology on government (e.g. military drones), organizations (e.g. data analytics), and our personal lives (e.g. wearables)?“ Ein Abstract muss bis zum 8. Januar 2016 hochgeladen werden. Weitere Informationen über www.katinamichael.com.

Abb.: Diese Drohne kann den Gegner ausspähen

Grabsteine im Cyberspace

„Grabsteine im Cyberspace“ ist der Titel eines Artikels, der am 1. November 2015 auf SenLine erschienen ist. Es geht, wie der Untertitel verrät, um „Projekte wie BillionGraves und MyHeritage“. Diese werden mit einer persönlichen Geschichte und mit der deutschen Geschichte verknüpft: „Inge Scholl ist vor langer Zeit gestorben. Ihr Leben hat alles umspannt, von den schrecklichen Jahren im Dritten Reich bis zu unseren für sie nicht so wichtigen und für mich so wichtigen Treffen, vom tragischen Tod ihres Mannes Otl Aicher bis hin zu ihren Jahren mit sich selbst. Ich erinnere mich nicht mehr an den Raum, in dem wir arbeiteten, von einer gewissen Dämmerung abgesehen. Aber die Fotos sind immer noch vor meinem inneren Auge, hell und leuchtend, was an der Leselampe liegen mag. Die hübsche Sophie. Der hübsche Hans. Im Licht der Lampe. Sophie und Hans, von den Nazis ausgelöscht.“ Der Beitrag von Oliver Bendel kann über seniorweb.ch/2015/11/10/grabsteine-im-cyberspace/ aufgerufen werden.

Abb.: Ein Friedhof in Glasgow

Umfragen zur Ethik auf Twitter

„Wer soll auf den Straßen über Leben und Tod von Menschen entscheiden?“ So lautete die Frage von @Infoethik bei einer der ersten Umfragen auf Twitter. Die neue Funktion namens Twitter Polls erlaubt es, die Meinungen der Benutzer einzuholen. Auf ZDNet wird Produktmanager Todd Sherman zitiert: „Twitter Polls sei eine neue Möglichkeit, mit dem riesigen Twitter-Publikum zu interagieren und herauszufinden, was Menschen denken. Für die Teilnehmer sei es eine einfache Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.“ (Website ZDNet, 22. Oktober 2015) Weiter wird erklärt: „Umfragen auf Twitter haben eine vorgegebene Laufzeit von 24 Stunden. Nutzer können über zwei mögliche Antworten zu einer Frage abstimmen lassen.“ (Website ZDNet, 22. Oktober 2015) Jeder, der angemeldet ist, kann den passenden Radiobutton auswählen; wie man abgestimmt hat, wird nicht öffentlich mitgeteilt. Die beiden Antworten „Die Fahrer“ und „Die Autos“ wurden in den ersten Minuten einige Male angeklickt. Die Autos rasten davon. Es sollen weitere Umfragen zur Maschinenethik und zur Informationsethik stattfinden.

Abb.: Auf Twitter gibt es Umfragen zur Ethik

Ausschreibung zu einer Studie zu Quantified Self

Die TA-SWISS schreibt eine Technology-Assessment-Studie zum Thema „Quantified Self – Schnittstelle zwischen Lifestyle und Medizin“ aus. „Quantified Self“ steht für Self-Tracking-Lösungen, vor allem im sportlichen und medizinischen Bereich, und eine damit verbundene Bewegung. Es werden Daten des Körpers zusammen mit anderen Daten (Zeit, Raum etc.) erfasst, ausgewertet und dokumentiert sowie teilweise – etwa über Streaming und über Erfahrungsberichte – mit anderen geteilt. Eingesetzt werden Wearables aller Art, etwa Smartwatches. In der Ausschreibung heißt es zu dem Phänomen: „Aus der Datenfülle sollen Erkenntnisse gewonnen werden für die Früherkennung von Krankheiten und die Optimierung von Therapien, zudem sollen die Daten auch Aufschluss geben darüber, welche Faktoren einer guten Gesundheit förderlich sind. Doch der Umgang mit gesundheitsrelevanten Daten ist heikel und sollte hohen Anforderungen des Datenschutzes genügen.“ In der Studie sollen laut TA-SWISS die Chancen und Risiken von Quantified Self diskutiert werden. Auch die Informationsethik ist eine mögliche Perspektive. Es steht ein Budget von bis zu 140000 CHF zur Verfügung. Gewünschter Projektbeginn ist März 2016. Weitere Informationen über www.ta-swiss.ch.

Abb.: Quantified Self mit Hilfe einer Smartwatch

Militärische Drohnen in der Moral

Die Jahrestagung der Fachgruppe „Informatik und Ethik“ widmet sich vom 15. bis 16. Oktober 2015 in Berlin dem Thema Drohnen. Auf der Website heißt es: „Im Geheimdienstbefugnisklärungsausschuss des Deutschen Bundestags taucht am Rande immer wieder auf, was der Ex-Geheimdienstler Michael Hayden so drastisch ausdrückte: Wir töten Menschen auf der Basis von Meta-Daten. Der nicht mehr ganz so geheime Drohnenkrieg der militärisch stärksten Staaten zeigt in erschreckender Weise, welch zentrale Rolle Technikerinnen und Techniker in der Schönen Neuen (Gewalt-)Welt einnehmen.“ (Website GI, Oktober 2015) Es geht also um militärische Drohnen, die in bestimmter Weise bewertet werden. Entsprechend betrachtet Rafael Capurro am Donnerstag die „Kriegsmaschinen“ aus moralischer Sicht, und Constanze Kurz wiederholt in ihrem Vortrag die obige Aussage: „We kill people based on meta-data“. Verena Hafner nimmt am Freitag die Perspektive der Roboterethik ein, Hans-Jörg Kreowski stellt die Frage nach der „Kalamität bewaffneter Drohnen“. Die Teilnahme ist laut GI kostenlos. Es wird um Anmeldung unter drohnen@turing-galaxis.de gebeten. Weitere Informationen über gewissensbits.gi.de/jahrestagung-2015-drohnen.

Abb.: Greift die Drohne an?

Jahrestagung 2015 des Arbeitskreises KRIBIBI

Vom 6. bis zum 7. November 2015 findet in Wien die Jahrestagung des Arbeitskreises kritischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Karl-Renner-Institut (KRIBIBI) statt. Der Titel ist „Informationsethik – za’wos brauch’ma des?“. Man will einerseits der Frage nachgehen, „ob Bibliotheksethik nicht eine Selbstverständlichkeit sein muss“, und andererseits herausfinden, „ob es explizit progressive bibliotheksethische Entwürfe gibt und wie sich diese unter Umständen von Mainstream-Ethiken unterscheiden“ (Website KRIBIBI). Ein Workshop biete die Möglichkeit, konkrete Problemfelder bibliothekarisch-ethischen Vorgehens zu untersuchen und zu diskutieren. Den Auftakt macht am Freitagabend der Vortrag von Oliver Bendel mit dem Titel „Von der ‚Bibliothek‘ zum ‚Cyborg‘ und zurück: Ein Spaziergang durch die Begriffswelt der Informationsethik“. Am darauffolgenden Morgen referiert Hermann Rösch zum Thema „Ethik in der Bibliothek – eine Selbstverständlichkeit?“ Weitere Informationen über www.kribibi.at.

Abb.: Nichts entgeht dem strengen Blick der Bibliothekarin

Responsibility und Resistance

„Responsibility and Resistance: Ethics in Mediatized Worlds“ lautet der Titel einer internationalen Konferenz, die vom 10. bis 11. Dezember 2015 an der Austrian Academy of Sciences in Wien stattfindet. Keynoter sind u.a. Friedrich Krotz, Universität Bremen („Ethics in Mediatized Worlds“) und Stefanie Averbeck-Lietz, ebenfalls Universität Bremen („History of Responsibility in Mediatized Worlds – is it a new Topic?“). Auf der Website heißt es zum Programm: „It consists of five keynote speeches and twelve panel presentations which have been selected from a large number of submissions from all over the world. The conference begins with an informal Get Together on Wednesday evening, December 9, 2015.“ Weitere Informationen über mediatizationandethics.wordpress.com.

Abb.: In Wien

Handygirl in Holland

Auf seiner Vortrags- und Lesereise vom 14. bis 16. September 2015 durch die Niederlande erzählte Oliver Bendel von seinen Handyromanen und -haikus und trug kurze Passagen aus seinen Werken vor, etwa aus „Handygirl“ (2009 – 2010). Handygirl ist ein Avatar und lebt auf dem Handy von Liza. Sie liest die SMS vor und ist eifersüchtig, wenn Liza über ihr Notebook chattet. Niemand ahnt, dass Handygirl eines Tages zur Superheldin wird. Am wenigsten Handygirl selbst. Doch eines Tages geschieht es: Als Liza in Gefahr gerät und fürchterliche Angst bekommt, steigt Handygirl aus dem Handy und rettet und tröstet sie. Sie wird eine Superheldin, vor allem aber ein Mensch; und für Augenblicke lebt sie wirklich. Handygirl war eine Inspiration für den GOODBOT, der 2013 an der Hochschule für Wirtschaft FHNW als Prototyp entwickelt wurde, und den Oliver Bendel am Ende der Veranstaltungen als moralische Maschine vorstellte. Noch früher als „Handygirl“ war die Serie um Lucy Luder entstanden, nämlich im Jahre 2007. Zudem hatte es den Handyroman „lonelyboy18“ (2009) gegeben. Stationen waren u.a. Universiteit Leiden, Universiteit Groningen und Universiteit Utrecht. Eingeladen haben den Wissenschaftler und Schriftsteller die Goethe-Institute Amsterdam und Rotterdam und die Deutsche Bibliothek in Den Haag. In der Reihe, an der schon Hans Magnus Enzensberger, Friedrich Christian Delius, Peter Stamm und Kathrin Passig mitgewirkt haben, ging es dieses Mal um die Digitalisierung der Literatur.

Abb.: Nach der Veranstaltung in Zwolle

Human Enhancement aus ethischer Sicht

Das TATuP-Heft 2/2015 ist im August 2015 erschienen. Die Zeitschrift des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) kommt seit 1992 heraus. Der Themenschwerpunkt „Technik und Pflege in einer Gesellschaft des langen Lebens“ geht, wie bereits dem Newsletter Nr. 49 zu entnehmen war, „der Frage nach, wie eine bedarfsgerechte Pflege von Menschen in unterschiedlichen Betreuungskontexten gestaltet werden kann“ (Newsletter ITAS). Gefragt seien in diesem Zusammenhang interdisziplinäre Forschungsansätze, die sich sowohl mit den Bedürfnissen der zu pflegenden Menschen und der Pflegenden als auch mit der Logik der technischen Systeme selbst auseinandersetzen. Über den Schwerpunkt hinaus gibt es ein Interview mit Markus Schmidt über das BIO:FICTION-Festival und einen Beitrag von Oliver Bendel über Human Enhancement aus ethischer Sicht. Weitere Informationen und Download über www.tatup-journal.de.

Abb.: Ein Beispiel für Human Enhancement

Expertenbeirat für QuartrBack

Oliver Bendel, Professor an der Hochschule für Wirtschaft FHNW, sitzt ab Oktober 2015 im Expertenbeirat des vom BMBF geförderten Projekts „QuartrBack – Intelligente Notfallkette im Quartier für Menschen mit Demenz“. Bestellt hat ihn das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Laut Website ist das Ziel des Projekts, Menschen mit Demenz einen gefahrlosen Zugang zu ihren individuellen Sozialräumen im Quartier und eine „gesicherte Teilhabe“ am sozialen Leben zu ermöglichen. „Dabei werden unterschiedliche bereits vorhandene Technologien (Mensch-Technik-Interaktion) für Ortung, Monitoring, Zugangskontrolle und Information kombiniert eingesetzt. So können mithilfe einer im Zuge des Projektes neu entwickelten und bedarfsorientiert konfigurierbaren Technologie für Ortung/Monitoring die Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit von Menschen mit Demenz ihren individuellen Bedürfnissen gemäß gestärkt werden“ (Website ITAS). Die Hauptaufgabe des ITAS „besteht vor allem in der entwicklungsbegleitenden Technikfolgenbeurteilung des Gesamtprozesses mit einem Fokus auf den technischen, rechtlichen, ökonomischen und insbesondere ethisch-sozialen Aspekten der verwendeten Technologien“. (Website ITAS) Die Expertengruppe wird sich achtmal in drei Jahren in Frankfurt und Karlsruhe treffen. Weitere Informationen zum Projekt über www.itas.kit.edu/projekte_wein15_quartrback.php.

Abb.: Oliver Bendel im Jahre 2015 in Grasse (Foto: Stefanie Hauske)

Fachgruppe Informatik und Gesellschaft

Die Schweizer Informatik Gesellschaft (SI) plant einen Relaunch der Fachgruppe Informatik und Gesellschaft. Im KLEINEN LEXIKON DER INFORMATIONSETHIK steht geschrieben: „Ein Teilgebiet der Informatik nennt sich Informatik und Gesellschaft. Es handelt sich zugleich um einen Fachbereich der Gesellschaft für Informatik (GI). Laut GI analysieren dessen Mitglieder die Voraussetzungen, Wirkungen und Folgen von Informatik, Informationstechnik und Informationsverarbeitung, und zwar in allen Bereichen der Gesellschaft. Die Bedeutung des Teilgebiets hat allerdings stark abgenommen.“ Vielleicht trifft diese Feststellung bald nicht mehr zu. Die Schweizer Fachgruppe könnte sich sozialen, rechtlichen und moralischen Problemen widmen und die Informationsethik stärken. Diese ist zur Zeit an der HTW Chur und an der Hochschule für Wirtschaft FHNW vertreten. Das erste Treffen findet im Mai 2015 in Bern statt.

Abb.: Eine Gasse in Chur

Im digitalen Chaos

„Was wird aus dem Bildungsideal Selbstständigkeit in einer Welt der digitalen Überwachung? Ein Gespräch mit dem Informationsethiker Rafael Capurro über Erziehung zur Freiheit im Zeitalter der Kontrolle.“ (FAZ, 28. März 2015) So der Teaser zu einem Interview, das unter dem Titel „Schwimmen im digitalen Chaos“ in der FAZ erschienen ist. Es geht zunächst um E-Learning. Capurro führt aus: „Man müsste die Anbieter von Lernsoftware in den Unterricht holen. Man könnte sie im Gespräch mit der Klasse erklären lassen, was sie tun. Was mit den Daten der Schüler passiert.“ Später fragt der Interviewer: „Wir kennen den Rat, Daten, deren Gebrauch wir nciht [!] einsehen, bewusst falsch anzugeben. Sollte man auch Kindern dazu raten?“ Der Informationsethiker antwortet, es gehe letztlich um die Frage: „Was ist eine Lüge im digitalen Zeitalter?“ Zuletzt fordert Capurro, dass „wir allgemeine Regeln für die Schiffahrt im Internet entwickeln“. „Ohne solche ethischen und rechtlichen Regeln bleiben die digitalen Ozeane ein gefährliches Medium für alle, die sich von der Küste entfernen.“ Ansätze dafür gab es in der Vergangenheit mit der klassischen Netiquette und mit der Netiquette 2.0. Das ganze Interview ist über www.faz.net verfügbar.

Abb.: Kein digitaler, sondern ein realer Ozean

Maschinenstürmer des Informationszeitalters

In seiner wenig bekannten Kurzgeschichte „Sally“ aus dem Jahre 1953 beschreibt der große Science-Fiction-Autor Isaac Asimov in visionärer Weise die Funktionen sowie die Chancen und Risiken selbstständig fahrender Autos. Heute nehmen Fahrerassistenzsysteme dem Lenker immer mehr Aktionen ab und unterstützen ihn in vielfältiger Weise. Das autonome Auto ist schon bald nicht mehr Prototyp, sondern Alltag. Es wird in Situationen geraten, in denen moralische Fähigkeiten von Vorteil sind. Die einen plädieren für komplexe Fähigkeiten, die anderen für einfache. In der Theorie ist alles denkbar. Für die Praxis spricht sich Oliver Bendel in seinem Artikel „Die Maschinenstürmer des Informationszeitalters“ für einfache moralische Maschinen in wenig komplexen Kontexten aus. Für PKW, die beschränkt sind und werden in ihren Möglichkeiten. Es wird nicht nur die Perspektive der Maschinenethik, sondern auch der Informationsethik eingenommen. Der Beitrag ist am 5. März 2015 in der Zeitschrift ICTkommunikation erschienen und kann über ictk.ch aufgerufen werden.

Abb.: Ein Cabrio wie Sally

Positionspapier zur Privatsphäre

Das Institut für Digitale Ethik (IDE) an der Hochschule der Medien in Stuttgart hat ein Positionspapier zu Privatsphäre und Informations- und Medienkompetenz – konkreter Privatheitskompetenz genannt – veröffentlicht. Der Titel lautet „Privatsphäre darf kein Luxusgut sein“. Privatheit sei „die Möglichkeit, alleine und ungestört zu sein; ebenso umfasst sie die Freiheit zu verbergen oder zu offenbaren, wer und wie man ist“ (Positionspapier IDE). Privatheitskompetenz erscheine „in der mediatisierten Gesellschaft gering ausgeprägt“: „Viele Menschen teilen ihr Innerstes und Intimstes freigiebig in der Netzöffentlichkeit mit, ohne Konsequenzen solchen Tuns abzuwägen.“ (Positionspapier IDE) Im Positionspapier wird auf Überwachung ebenso eingegangen wie auf die „Datensammlungen samt der dazugehörigen Geschäftsmodelle privater Anbieter“ (Positionspapier IDE). Privatheitskompetenz umfasse u.a. „das Wissen, wer private Daten zu welchem Zweck erhebt, verarbeitet und weitergibt“. Am Ende werden gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Maßnahmen gefordert: „Eine so verstandene Privatheitskompetenz ist in den gesellschaftlichen Funktionssystemen Bildung (Curricula an Schulen und Hochschulen), Wirtschaft (Implementierung von Selbst‐/Verpflichtungen) und Politik (Steuerungsrahmen) zu verankern.“ (Positionspapier IDE) Das Positionspapier kann über die Website des Instituts heruntergeladen werden.

Abb.: Jeder braucht seine Privatsphäre

Bettina Wulff und Self-Driving Cars

„Ein Gespräch über Bettina Wulff, Self-Driving Cars und mitfühlende Staubsauger.“ So heißt es im Teaser zu einem Interview, das Watson mit Oliver Bendel geführt hat. Der Informations- und Maschinenethiker äußert seine Skepsis gegenüber der Autocomplete-Funktion von Google. Zunächst gab es um Bettina Wulff nur gewisse Gerüchte. Diese brachten viele Menschen dazu, nach ihr zu googeln, zur Vergangenheit dieser Frau. Sie benutzten bestimmte Begriffe, von denen sie gehört hatten. Aufgrund des massenhaften Verhaltens hat die Autocomplete-Funktion dann „Bettina Wulff“ und diese Begriffe angezeigt. Aber welche Wirklichkeit wird damit abgebildet? Nur die Wirklichkeit, welche die Benutzer im Kopf haben. Und die Wirklichkeit eines virtuellen Phänomens. Oliver Bendel fordert, dass die Betreiber eingreifen, dabei aber offenlegen, was sie warum gemacht haben. Er plädiert zudem für einfache moralische Maschinen, etwa für bestimmte Fahrerassistenzsysteme und Funktionen von autonomen Autos, und für LADYBIRD, einen tierfreundlichen Saugroboter. Das Interview ist am 9. Februar 2015 erschienen und über www.watson.ch aufrufbar.

Abb.: Die Autocomplete-Funktion von Google kann problematisch sein

Kultur und Informatik

Die 13. Veranstaltung der Reihe „Kultur und Informatik“ am 28. und 29. Mai 2015 im Bode-Museum zu Berlin stellt nach Angaben der Veranstalter (Forschungsgruppe INKA an der HTW Berlin und andere) die Heraus­forderungen und Entwicklungstendenzen im Bereich der Cross Media in den Mittel­punkt. „Die Konferenz richtet sich einerseits an Kultur­politiker, Mitarbeiter der Kultur- und Kreativ­wirtschaft, an Kommuni­kations­wissen­schaft­ler, Kultur- und Kunst­akteure sowie andererseits an Informatiker und Techniker, die zu kulturellen Themen forschen und entwickeln.“ (Website INKA-HTW) Themen sind Cross-Media-Technologien, die Verflechtung und gegenseitige Beeinflussung von Kultur und Informatik, der Einfluss von Kunst und Kultur auf die Gestaltung der Zukunft, die intuitive Benutzung von Mediensystemen sowie Ethik in Kultur und Informatik. Themenvorschläge für Vorträge, Kurzvorträge, Plakate oder Demonstrationen müssen bis 10. Januar 2015 in englischer Sprache eingereicht werden. Weitere Informationen über inka.htw-berlin.de/kui/15/.

Abb.: Das Alte Museum in der Nähe des Bode-Museums

CEPE-IACAP 2015

Die CEPE-IACAP 2015 Joint Conference findet vom 22. bis 25. Juni 2015 an der University of Delaware statt. Der Call for Abstracts bezieht sich auf „ethical and philosophical problems relate to information technologies and computing“ (Website IACAP). Zum Fokus heißt es genauer: „Philosophical and ethical enquiries about information technologies, computing, and artificial intelligence have acquired a focal place in the academic and societal debate on the design, development and deployment of technological artefacts. As the issues to be addressed are increasingly complex and interwoven, the need to consider different stakeholders and to endorse both multi- and inter-disciplinary approaches in addressing such problems become more pressing.“ (Website IACAP) Die Abstracts müssen bis 2. Februar 2015 eingereicht werden. Weitere Informationen über www.iacap.org.

Abb.: In Delaware

Waffenfeindliche 3D-Drucker

“Das Zähmen der Maschinen” ist der Titel eines Artikels von Danja Nüesch für SRF, Schweizer Radio und Fernsehen. Behandelt werden die Themen der Maschinenethik, auf der Grundlage eines Interviews mit Oliver Bendel. Der Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsethik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW treibt auch Maschinenethik. Er spricht sich für einfache moralische Maschinen aus. Seine Paradebeispiele sind der GOODBOT, ein verbesserter Chatbot, und Ladybird, ein tierfreundlicher Saugroboter. Auch tierfreundliche Windkraftanlagen und waffenfeindliche 3D-Drucker werden angeführt. Von komplexen moralischen Maschinen rät Oliver Bendel eher ab. Die militärische Drohne sollte ebenso wie das selbstständig fahrende Auto bestimmte Entscheidungen den Menschen überlassen. Diese müssen also, als Soldaten, Insassen etc., intervenieren können. Nichts spricht dagegen, dass sich Roboterautos oder Fahrerassistenzsysteme in klar abgrenzbaren Situationen mit nur wenigen Optionen moralisch verhalten. Zum Beispiel kann – wie der Experte verschiedenenorts argumentiert – automatisch für ein Tier gebremst werden, wenn kein Hintermann zu sehen ist. Der Beitrag kann über www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/das-zaehmen-der-maschinen aufgerufen werden.

Abb.: Werk eines schuhfreundlichen 3D-Druckers (Quelle: commons.wikimedia.org, Autor: Strvct)

Digital Kids

Das aprentas-Forum 2014 am 27. November trägt den Titel „Digital Kids in a Digital World“. Thema ist laut Website die „Entwicklung der Kommunikationsmittel und ihr Einfluss auf Bildung und Gesellschaft“. Nach der Begrüßung durch Dr. Jürgen Brokatzky-Geiger referiert Prof. Dr. Oliver Bendel (Hochschule für Wirtschaft FHNW) zur Informationsethik. Insbesondere die Datenbrille und die Privatdrohne hat er im Blick. Danach widmet sich Prof. Dr. Christa Dürscheid (Universität Zürich) Diensten und Plattformen wie „SMS, WhatsApp und Facebook“ und stellt die Frage: „Wohin soll das führen?“ Auf jeden Fall zur Pause und zum Networking. Danach machen Lernende der aprentas-Mitgliedfirmen einen „Selbstversuch“ zum Thema „Mein Handy und ich“. Zwei weitere Vorträge und ein Schlusswort von Dr. Rolf Knechtli runden den Nachmittag im Hilton in Basel ab. Weitere Informationen und Anmeldung über www.aprentas.com/forum.cfm.

Abb.: Augmented Reality und Virtual Reality gewinnen an Bedeutung

Neues Papier des GDI

Am 27. Oktober 2014 ist ein neues Diskussionspapier des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) herausgekommen. Entwickelt werden darin „Szenarien zur digitalen Vernetzung“, bezogen auf das Jahr 2030 (Website www.gdi.ch). „Die Vernetzung hat unser Leben verändert. Doch das ist erst der Anfang. Die Digitalisierung erfasst bald die ganze Wirtschaft und Gesellschaft. Menschen und Maschinen verschmelzen zur Digisphäre.“ (ebd.). Karin Frick und Bettina Höchli beantworten laut Website Fragen wie „Wie schützen wir uns vor Cyberwar und -crime“, „Wie stellen wir schnelle und flächendeckende Netze sicher?“, „Wie gewährleisten wir Privatsphäre und Datenschutz?“ und „Wie weit sollen Maschinen für uns entscheiden?“. Auf Seite 18 der Studie heißt es: „Die Felder werden von selbststeuernden Maschinen bewirtschaftet, die Ernte von Robotern verarbeitet. Am Ende dieser Entwicklung steht die vollautomatisierte Lebensmittelproduktion.“ Die Autorinnen gehen nicht auf die Maschinenethik oder auf Informationsethik bzw. Technikethik ein. Sie sprechen aber zahlreiche Themen dieser Disziplinen an. Das Papier steht seit 31. Oktober 2014 in einer aktualisierten und ergänzten Version zur Verfügung. Gegen die Abgabe persönlicher Daten kann es kostenlos heruntergeladen werden.

Abb.: Vom Institut aus blickt man auf den Zürisee